Quo Vadis? Band III

Historischer Roman in drei Bänden
 
 
Quo-Vadis?-Trilogie (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 22. Mai 2020
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96130-254-3 (ISBN)
 
Dieses ist der dritte von drei Bänden des monumentalen Werkes. Der Umfang des dritten Bandes entspricht ca. 270 Buchseiten. DIE QUO-VADIS?-TRILOGIE Anno 64 n. Chr.: Der dekadente Führungsstil Kaiser Neros lässt zunehmend Unruhe im Volke Roms aufkommen. Nero versucht, das Volk mit Brot und Spielen bei Laune zu halten. Dazu instrumentalisiert er die verbotene Glaubensgemeinschaft der Christen und lässt diese verfolgen und zur Belustigung des Volkes und Sicherung seiner Herrschaft als vermeintlich Schuldige auf grausame Art und Weise hinrichten. Vor diesem geschichtlichen Hintergrund trägt sich die wechselhafte und dramatische Liebesgeschichte zwischen dem römischen Tribun Vinicius und der schönen Christin Lygia zu. Sienkiewicz gelingt auf insgesamt knapp 700 Seiten eine authentische und eindrückliche Darstellung des Gegensatzes zwischen der Kultur des römischen Reiches und dem christlichen Glauben. »Quo Vadis?« war ein maßgeblicher Grund dafür, dass Henryk Sienkiewicz den Nobelpreis für Literatur erhielt. Das Meisterwerk liegt hier in einer Neuauflage als Roman-Trilogie vor.
1. Auflage
  • Deutsch
apebook Verlag
  • 2,37 MB
978-3-96130-254-3 (9783961302543)

KAPITEL I


Nero spielte und sang zu Ehren der »Herrscherin von Cypern« eine Hymne, die er selbst gedichtet und in Musik gesetzt hatte. Diesen Tag war er bei Stimme und bemerkte, daß die Musik die Zuhörer in der Tat fesselte. Dieses Bewußtsein verstärkte die Kraft der Töne, die seiner Brust entquollen, derart und schmeichelte ihm so, daß er wie gottbegeistert erschien. Schließlich wurde er vor innerer Erregung bleich. Es war gewiß das erste Mal in seinem Leben, daß er nicht nach dem Beifalle der Anwesenden verlangte. Er saß eine Zeitlang mit gesenktem Haupte da, die Hände auf die Zither gestützt, dann erhob er sich plötzlich und sagte: »Ich bin ermüdet und bedarf der frischen Luft. Stimmt inzwischen die Zithern.«

Nach diesen Worten legte er ein seidenes Tuch um den Hals.

»Ihr begleitet mich,« sagte er, zu Petronius und Vinicius gewendet, die in einer Ecke des Saales saßen. »Du, Vincius, gib mir den Arm, denn ich fühle mich schwach, und Petronius kann mich über Musik unterhalten.«

Sie traten zusammen auf die mit Alabaster gepflasterte und mit Safran bestreute Terrasse des Palastes hinaus.

»Hier atmet es sich freier,« sagte Nero. »Meine Seele ist bewegt und ernst gestimmt, obgleich ich weiß, daß ich mit der Hymne, die ich euch soeben zur Probe vorgesungen habe, öffentlich auftreten darf und daß dies ein Triumph sein wird, wie ihn noch kein Römer davongetragen hat.«

»Du kannst hier, in Rom und in Achaja auftreten. Ich habe dich aus ganzer Seele und aus voller Überzeugung bewundert, Gottheit!« erwiderte Petronius.

»Ich weiß es. Du bist zu bequem, als daß du dich zu einer Schmeichelei aufraffen solltest. Sage mir, was hältst du von der Musik?«

»Wenn ich eine Dichtung vortragen höre, wenn ich mir die Quadriga, die du im Zirkus lenkst, eine schöne Statue, einen schönen Tempel, ein schönes Gemälde betrachte, so fühle ich, daß ich das Geschaute in seiner Gesamtheit begreife und daß meine Begeisterung allen daraus entspringenden Kunstgenuß bewältigen kann. Höre ich aber Musik, namentlich die deine, dann eröffnen sich vor meinem Geiste immer neue Schönheiten und neue Entzückungen. Ich jage ihnen nach und suche sie festzuhalten, aber ehe mir dies gelingt, fluten immer neue und neue herzu, gleich den Meereswogen, die aus der Unendlichkeit heranbranden. Daher sage ich dir, die Musik gleicht dem Meere. Wir stehen an dem einen Ufer und schauen in die Ferne, aber das andere Ufer ist unseren Blicken verborgen.«

»Ach, welch tiefer Kenner du bist!« rief Nero bewundernd.

Eine Zeitlang schritten sie schweigend weiter, nur der Safran knirschte leise unter ihren Tritten.

»Du hast meine Gedanken ausgesprochen,« sagte endlich Nero, »und daher wiederhole ich immer und immer wieder: du bist der einzige in ganz Rom, der mich verstehen kann. Jawohl! Ich denke über Musik genau so wie du. Wenn ich spiele und singe, so erblicke ich Dinge, von denen ich nie gewußt habe, daß sie in meinem Reiche oder in der Welt existieren. Ich bin der Caesar, und die Welt gehört mir, ich vermag alles. Und doch enthüllt mir die Musik neue Reiche, neue Berge und Meere und neue Genüsse, die ich bis dahin nicht kannte. Häufig kann ich sie nicht benennen, sie mit meinem Denken nicht fassen - ich fühle sie nur. Ich fühle die Nähe der Götter, ich sehe den Olymp. Ein Hauch aus einer überirdischen Welt weht mich an; ich erblicke wie durch einen Nebel hindurch etwas unermeßlich Hohes, Friedliches, das so strahlend ist wie ein Sonnenaufgang ... Das ganze Weltall um mich her tönt, und ich sage dir (hier bebte die Stimme Neros vor ungeheuchelter Erregung), daß ich, der Caesar und Gott, mir dann so klein vorkomme wie ein Staubkorn. Glaubst du mir dies?«

»Gewiß. Nur große Künstler vermögen sich angesichts der Kunst klein zu fühlen.«

»Heut ist eine Nacht der Offenheit; daher will ich dir meine Seele eröffnen als einem Freunde, und dir noch weiteres enthüllen ... Glaubst du, ich sei blind oder der Vernunft beraubt? Meinst du, ich wisse nicht, daß man in Rom Schmähungen gegen mich an die Mauern schreibt, daß man mich Muttermörder und Gattinnenmörder nennt ... daß man mich für ein blutdürstiges Ungeheuer hält, weil Tigellinus von mir einige Todesurteile gegen meine Feinde erwirkt hat? Ja, lieber Freund, man hält mich für ein Ungeheuer, und ich weiß es ... Man hat mir Grausamkeit in einem Maße vorgeworfen, daß ich mir schon selbst die Frage vorgelegt habe, ob ich denn wirklich grausam bin ... Man versteht es aber nicht, daß die Taten eines Mannes mitunter grausam sein können, ohne daß dieser Mann selbst grausam ist. Ach! niemand wird es mir glauben und vielleicht auch du nicht, mein Freund, daß ich mir manchmal, wenn die Musik meine Seele einlullt, so gut und rein wie ein Kind in der Wiege vorkomme. Ich schwöre dir bei den Gestirnen, die am Himmel über uns glänzen, daß ich die volle Wahrheit spreche; die Menschen wissen nicht, wieviel Gutes in meinem Herzen verborgen liegt und welche Schätze ich selbst darin entdecke, wenn die Musik mir den Zugang dazu erschließt.«

Petronius, der nicht den geringsten Zweifel hegte, daß Nero in diesem Augenblicke aufrichtig spreche und daß die Musik in der Tat einige edlere Empfindungen in seiner Seele erwecke, die aber bergehoch von Selbstsucht, Ausschweifungen und Lastern überdeckt wurden, entgegnete: »Man müßte dich so kennen wie ich; Rom war nie imstande, dich zu würdigen.«

Der Caesar stützte sich fester auf Vinicius' Arm, als erliege er unter der Last der Verkennung, und erwiderte: »Tigellinus sagte mir, im Senate raune man sich in die Ohren, Diodor und Terpnos spielten besser auf der Laute als ich. Auch das mißgönnt man mir also! Aber sage du mir, der du stets die Wahrheit sprichst, offen und ehrlich: Spielen sie besser als ich oder gleich gut?«

»Keineswegs. Du hast einen weicheren und dabei kräftigeren Anschlag. Bei dir erkennt man den Künstler, bei ihnen - geschickte Handwerker. Freilich! man muß zuerst ihr Spiel hören, dann versteht man besser, wer du bist.«

»Wenn dem so ist, so sollen sie am Leben bleiben. Sie ahnen nicht, was du ihnen in diesem Augenblick für einen Dienst geleistet hast. Wenn ich sie übrigens verurteilt hätte, müßte ich andere an ihre Stelle setzen.«

»Und man würde obenein sagen, daß du aus Liebe zur Musik die Musik in deinem Reiche unterdrückst. Vernichte niemals Kunst um der Kunst willen, Gottheit!«

»Wie verschieden bist du von Tigellinus!« erwiderte Nero. »Siehst du, ich bin im Grunde genommen in allem Künstler, und da die Musik vor mir Weiten erschließt, deren Vorhandensein ich nicht ahnte, Gebiete, die meiner Herrschaft nicht unterworfen sind, Genüsse und Wonnen, die ich vorher nie gekannt habe, so kann ich kein alltägliches Leben führen. Die Musik sagt mir, daß es etwas Außergewöhnliches gibt, und daher suche ich danach mit dem Aufgebot der ganzen Macht, welche die Götter in meine Hände gelegt haben. Zuweilen ist es mir, als müsse ich, um jene olympischen Welten zu erreichen, etwas tun, was noch kein Mensch bisher getan hat, als müsse ich das Menschengeschlecht im Guten oder im Bösen weit hinter mir lassen. Ich weiß auch, man hält mich für wahnsinnig. Aber ich bin nicht wahnsinnig, ich suche nur! und wenn ich wahnsinnig bin, so bin ich es nur aus Verdruß und Ungeduld darüber, daß ich das Gesuchte nicht finden kann. Ich suche! verstehst du, und deswegen will ich mehr sein als ein Mensch, denn nur auf diese Weise kann ich als Künstler der größte sein.«

Er dämpfte seine Stimme, daß Vinicius nichts hören konnte, legte seinen Mund an Petronius' Ohr und begann flüsternd: »Weißt du, daß ich nur deshalb Mutter und Weib zum Tode verurteilte? An den Toren der unbekannten Welt wollte ich das größte Opfer niederlegen, das ein Mensch bringen kann. Ich glaubte, es würde sich dann etwas ereignen, die Pforte würde sich öffnen, und ich würde dahinter etwas Ungeahntes erblicken. Mochte es über alle menschlichen Begriffe hinaus herrlich oder gräßlich sein, wenn es nur außerordentlich und groß war ... Aber dieses Opfer genügte nicht. Um die Pforten des Empyreums zu öffnen, bedarf es augenscheinlich eines noch größeren - es soll gebracht werden, wie es die Orakelsprüche verlangen.«

»Was gedenkst du zu tun?«

»Du wirst es erfahren, und zwar früher, als du glaubst. Inzwischen sei versichert, daß es zwei Nero gibt: einen, wie ihn der große Haufe kennt, den anderen, einen Künstler, den du ganz allein kennst und der, wenn er tötet wie der Todesgott, wenn er rast wie Bakchos, dies nur deshalb tut, weil ihn die Plattheit und Öde des alltäglichen Lebens ersticken, und der sie vernichten will, und sollte er sie mit Feuer und Schwert ausrotten. O wie fade wird die Welt sein, wenn ich nicht mehr bin! ... Noch niemand hat eine Ahnung davon, selbst du nicht, mein Freund, was ich für ein Künstler bin. Aber eben darum leide ich, und ich gestehe dir offen, daß meine Seele mitunter so düster ist wie jene Zypressen dort, die so schwarz vor uns aufragen. Es ist schwer für einen Menschen, zu gleicher Zeit die Last der höchsten Macht und der höchsten Begabung zu tragen.«

»Ich verstehe deine Gefühle aus vollem Herzen und mit mir Land und Meer, von Vinicius gar nicht zu reden, der dich im tiefsten Innern vergöttert.«

»Auch er war mir ein lieber Gefährte,« erwiderte Nero, »wenn er auch mehr dem Dienste des Mars als dem der Musen ergeben ist.«

»Vor allem huldigt er dem Dienste der Aphrodite,« antwortete Petronius.

Mit einem Male kam ihm der Gedanke, mit einem Schlage die Sache seines Neffen zu entscheiden und zugleich jede Gefahr, die ihm etwa drohen könnte, von ihm abzuwenden.

»Er ist...

Dateiformat: ePUB
Kopierschutz: ohne DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat ePUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "glatten" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Ein Kopierschutz bzw. Digital Rights Management wird bei diesem E-Book nicht eingesetzt.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

2,99 €
inkl. 5% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB ohne DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen