Mit Feuer und Schwert. Historischer Roman in vier Bänden. Band II

Das Aufgebot
 
 
DAS ÖSTLICHE KÖNIGREICH (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 20. Juni 2020
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96130-274-1 (ISBN)
 
Die Reihe MIT FEUER UND SCHWERT Erleben Sie schwer gepanzerte Husaren im Kampf gegen stolze Kosaken und wilde Tataren! Epische Schlachten vor 400 Jahren, in einem Königreich des Ostens, von dem kaum jemand etwas weiß. Und mittendrin: das Schicksal zweier Verliebter, die in den Wirren des Krieges nicht zueinander finden. Als historischer Liebesroman steht MIT FEUER UND SCHWERT Werken wie "Ivanhoe" von Sir Walter Scott oder "Die drei Musketiere" von Alexandre Dumas in nichts nach. Und als ernsthafter historischer Roman kann die Tetralogie durchaus mit "Krieg und Frieden" von Tolstoi konkurrieren. Henryk Sienkiewicz ist einer der großen Erzähler der Belletristik und erhielt für sein episches Schaffen den Nobelpreis für Literatur. Der Historische Roman umfasst über 1000 Seiten und liegt hier in einer überarbeiteten Neuauflage als Tetralogie vor. Dieses ist der zweite von vier Bänden. Der Umfang des zweiten Bandes entspricht ca. 250 Buchseiten. Die Reihe DAS ÖSTLICHE KÖNIGREICH Die Tetralogie MIT FEUER UND SCHWERT ist die erste eigenständige Sequenz der übergeordneten und insgesamt 13 (bzw. 17) Teile umfassenden Reihe DAS ÖSTLICHE KÖNIGREICH, die aus drei solcher eigenständigen Sequenzen besteht: MIT FEUER UND SCHWERT (4 Teile), DIE SINTFLUT (6 Teile) und RITTER WOLODYJOWSKI (3 Teile). Darüber hinaus kann die eigenständige vierteilige Reihe DIE KREUZRITTER, die im 14. und 15. Jahrhundert spielt, als chronologisches Prequel von DAS ÖSTLICHE KÖNIGREICH betrachtet werden. Insgesamt etwa 5.000 Seiten voller Abenteuer, Tragik, Liebe und Heldentum.
1. Auflage
  • Deutsch
apebook Verlag
  • 2,90 MB
978-3-96130-274-1 (9783961302741)

1. Kapitel


Um deutlicher zu schildern, was in Roslogi vorging, müssen wir ein wenig zurückgehen bis zu jener Nacht, in welcher Skrzetuski Rzendzian aus Kudak mit Briefen an die alte Fürstin schickte. Rzendzian bestieg das Boot, welches Grodschizki von Kudak aus sandte, um Pulver zu holen, und machte sich auf den Weg; die Reise ging langsam, denn man fuhr gegen den Strom. Bei Krementschuk stießen sie auf die Heere, welche unter der Führung Krschetschowskis und Barabasch' standen und von dem Hetman dem Chmielnizki entgegengeschickt worden waren. Rzendzian sprach mit Barabasch und erzählte ihm gleich, welche Gefahren seinem Herrn Skrzetuski von der Reise nach der Sitsch drohten. Er bat daher den alten Hauptmann, er möchte, wenn er mit Chmielnizki zusammenträfe, nicht versäumen, dringend die Herausgabe des Gesandten zu fordern. Dann reiste er weiter.

Nach Tschechryn kamen sie beim Morgengrauen. Hier wurden sie bald von den Wachtposten umringt, welche fragten, wer sie wären; sie antworteten, sie kämen aus Kudak und hätten Briefe von Herrn Grodschizki an die Hetmane. Trotzdem rief man den Ältesten und Rzendzian aus dem Boote heran, damit sie sich vor dem Hauptmann verantworteten.

»Vor welchem Hauptmann?« fragte der Älteste.

»Vor Herrn Loboda,« antworteten die Esauls von den Posten, »welchem der Großhetman befohlen hat, alle von der Sitsch nach Tschechryn Kommenden anzuhalten und auszuforschen.«

Sie gingen. Rzendzian schritt kühn einher, denn er erwartete nichts Böses, da er sah, daß die Macht des Hetmans schon bis hierher reiche. Man führte sie unweit des Glockengäßchens in das Haus des Herrn Selenski, wo das Quartier des Hauptmanns Loboda war. Aber hier wurde ihnen gesagt, daß der Hauptmann in aller Frühe nach Tscherkessien geritten sei, und daß der Oberstleutnant ihn vertrete. Sie warteten also ziemlich lange, bis sich die Tür öffnete und der erwartete Oberstleutnant im Zimmer erschien.

Bei seinem Anblick fuhr Rzendzian zusammen.

Es war Bohun.

Die Macht des Hetmans erstreckte sich zwar noch über Tschechryn, aber weil Loboda und Bohun bisher noch nicht zu Chmielnizki übergegangen waren, vielmehr offenkundig der Republik anhingen, hatte der Großhetman gerade sie in Tschechryn stationiert und ihnen die Wache anbefohlen.

Bohun nahm an dem Tische Platz und begann die Ankömmlinge auszuforschen.

Der Älteste, welcher die Briefe Grodschizkis mit sich führte, sprach für sich und Rzendzian. Nachdem der junge Oberstleutnant die Briefe betrachtet hatte, begann er sorgfältig auszufragen, was in Kudak vorgehe. Er hatte offenbar große Lust, zu erfahren, wozu Grodschizki an den Großhetman Menschen und Boote sende. Aber der Älteste konnte ihm darauf keine Antwort geben, und die Briefe waren mit dem Siegel des Herrn Grodschizki geschlossen. Bohun hatte sie ausgeforscht und wollte sie eben fortschicken und in die Tasche greifen, um ihnen ein Trinkgeld zu geben, als sich die Tür öffnete und Herr Sagloba stürmisch ins Zimmer stürzte.

»Höre, Bohun,« rief er, »der Verräter Dopula hat den besten Doppelten verheimlicht; ich gehe mit ihm in den Keller - und sehe: Heu über Heu in dem Winkel. Was ist das? frage ich trocken. Heu, sagte er. Ich schaue näher zu; ei, sieh, da blickt ein Flaschenhals heraus, wie der Tatar aus dem Steppengrase. O, so bist du, mein Söhnchen, sage ich, teilen wir uns die Arbeit, du frißt das Heu, denn du bist ein Ochs, und ich werde den Met trinken, denn ich bin ein Mensch. Da habe ich ein Fläschchen mitgebracht zur Probe, gib nur die Becher her.«

Plötzlich hielt Sagloba inne - er hatte Rzendzian erblickt -, stellte die Flasche auf den Tisch und sagte:

»Ei, bei Gott, das ist ja der Bursche des Herrn Skrzetuski.«

»Wessen?« fragte Bohun hastig.

»Des Herrn Skrzetuski, des Statthalters, der nach Kudak gereist ist und mich hier vor seiner Abreise mit so vortrefflichem Met aus Lubnie bewirtet hat, daß sich die anderen alle verstecken können. Was geht denn mit deinem Herrn vor, was macht er, ist er wohl?«

»Er ist wohl und läßt Euch grüßen,« sagte Rzendzian verwirrt.

»O, das ist ein prächtiger Kavalier. Und du, wie bist du nach Tschechryn gekommen? Warum hat dich der Herr aus Kudak fortgeschickt?«

»Der Herr hat seine Geschäfte in Lubnie, derentwegen er mir zurückzukehren befahl. Ich hatte in Kudak nichts zu tun.«

Die ganze Zeit hindurch beobachtete Bohun Rzendzian scharf, plötzlich sagte er:

»Warte, hast du Briefe von deinem Herrn?«

»Des Herrn Sache ist, sie zu schreiben, und meine, als des Dieners, sie abzugeben, aber nur dem, an den sie gerichtet sind; darum sei mir gestattet, den Herren Lebewohl zu sagen.«

Bohun zog seine dichten Augenbrauen zusammen und klatschte in die Hände. Sofort stürzten zwei Leute ins Zimmer.

»Durchsucht ihn,« schrie er, auf Rzendzian hinweisend.

»Beim lebendigen Gott, Gewalt!« schrie Rzendzian. - Auch ich bin ein Edelmann, wenn ich auch diene, und Ihr werdet diese Tat vor Gericht verantworten.«

»Bohun, laß ihn,« warf Herr Sagloba ein.

Aber inzwischen hatte schon einer der Leute in Rzendzians Brustlatz zwei Briefe gefunden und reichte sie dem Oberstleutnant. Bohun befahl den Leuten sogleich, sich zu entfernen, denn er konnte nicht lesen, und wollte ihnen das nicht verraten, dann wandte er sich an Sagloba und sagte:

»Lies, ich werde auf den Burschen aufpassen.«

Sagloba kniff das linke Auge, auf dem er ein Fleckchen hatte, zu, und las die Adresse:

»Meiner werten Frau und Gebieterin, Ihrer Durchlaucht der Fürstin Kurzewitsch in Roslogi.«

»Soll ich öffnen? Ein adliges Siegel ist heilig,« bemerkte Sagloba.

»Der Großhetman hat mir das Recht gegeben, alle Briefe hier zu revidieren. Öffne und lies.«

Sagloba öffnete und las:

»Meine gnädigste Frau usw. Ich teile Euch mit, daß ich schon in Kudak bin, von wo ich mit Gottes Hilfe glücklich heute morgen nach der Sitsch reisen werde, und jetzt in der Nacht schreibe ich, schlaflos vor Sorgen, daß Euch nicht irgend ein Unheil treffe von dem Schurken Bohun und seinen Kumpanen. Da mir hier auch Herr Grodschizki gesagt hat, daß wohl bald ein großer Krieg ausbrechen werde, bei dem sich auch das ganze Landvolk erheben wird, so beschwöre ich Euch und flehe Euch an, sofort, wenn auch die Steppe noch nicht trocken ist, und wenn es auch zu Pferde geschehen müßte, mit der jungen Prinzessin nach Lubnie zu reisen, und dies ja nicht zu verzögern, da ich zu rechter Zeit nicht zurückkehren kann. Diese Bitte wollen Durchlaucht erfüllen, damit ich sicher auf die mir zugesagte Glückseligkeit rechnen und nach meiner Rückkehr glücklich sein kann. Und wozu sollten Euer Gnaden mit Bohun zögern und ihm, da Ihr mir das Mädchen versprochen habt, aus Angst Sand in die Augen streuen; besser, sie sub tutelam des Fürsten, meines Herrn, bringen, welcher nicht zögern wird, das Präsidium nach Roslogi zu senden, und so werdet Ihr auch Euren Besitz retten. Womit ich die Ehre habe usw.«

»Hm, Herr Bohun,« sagte Sagloba, »der Ritter will Euch Hörner aufsetzen. So habt Ihr bei demselben Mädchen Süßholz geraspelt? Warum hast du mir davon gar nichts gesagt? Aber tröste dich, auch mir ist es vorgekommen ...«

Sagloba brachte seine Anekdote nicht zu Ende; das Wort erstarb plötzlich auf seinen Lippen. Bohun saß unbeweglich am Tische, aber sein Gesicht war wie von einem Krampf zusammengezogen, blaß, die Augen geschlossen, die Brauen gerunzelt: es ging etwas Entsetzliches in ihm vor.

»Was ist dir?« fragte Sagloba.

Der Kosak fuchtelte fieberhaft mit der Hand umher, und aus seinem Munde kam ein leiser, heiserer Ton:

»Lies! Lies den anderen Brief.«

»Der andere ist an das Fräulein Helene.«

»Lies! Lies!«

Sagloba begann:

»Süßeste, geliebteste Helenka, meines Herzens Gebieterin und Königin! Da ich im Dienste des Fürsten noch eine geraume Zeit hier bleiben muß, schreibe ich an Deine Muhme, daß Ihr bald nach Lubnie fahren möget, wo Deiner Unschuld von Bohun keine Gefahr drohen und unserer Liebe nichts widerfahren kann ...«

»Genug,« schrie Bohun. Plötzlich sprang er wie ein Wahnsinniger vom Tische auf und stürzte sich auf Rzendzian: die Axt in seiner Hand schwirrte durch die Luft, der unglückselige Bursche stöhnte, von ihrem Schlage in die Brust getroffen, und stürzte zu Boden. Bohun war von Raserei ergriffen. Er stürzte sich auf Sagloba und entriß ihm die Briefe.

Sagloba ergriff die Metflasche, zog sich an den Ofen zurück und rief:

»Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes! Mensch, bist du wahnsinnig, bist du rasend? Beruhige dich, mäßige dich doch, stecke doch den Kopf in einen Eimer, zu tausend Teufeln - hörst du mich nicht?!«

»Blut, Blut,« heulte Bohun.

»Hast du den Verstand verloren? Stecke doch den Kopf in den Eimer, sage ich dir; du hast ja schon Blut, du hast es vergossen, unschuldig vergossen, dieser unglückselige Knabe atmet ja nicht mehr.«

So schrie Sagloba und schlich von dem anderen Ende des Tisches auf Rzendzian zu, neigte sich über ihn, betastete ihn an der Brust und legte ihm die Hand an den Mund, aus dem das Blut reichlich strömte.

Bohun hatte sich inzwischen an seinen Kopf gefaßt und winselte wie ein verwundeter Wolf, dann fiel er auf die Bank hin und hörte nicht auf zu winseln, denn ihm war das Herz vor Wut und Schmerz zerrissen. Plötzlich sprang er auf, eilte zur Tür, stieß sie mit dem Fuße auf und stürzte in den Flur.

»So gehe ins Verderben,« murmelte Sagloba vor sich hin. »Gehe hin und zerschelle deinen Kopf an einem Stall oder an einer Scheune, wenn du auch...

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