Achtsamkeit und Mitgefühl in der Pflege

Praxisbuch für achtsame und selbstmitfühlende Pflegende
 
 
Hogrefe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 25. November 2019
  • |
  • 288 Seiten
 
E-Book | PDF mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-456-95982-5 (ISBN)
 
Der Pflegenotstand und Fachkräftemangel bringen Pflegende immer stärker an organisatorische und persönliche Leistungsgrenzen und überfordern zahlreiche Pflegefachpersonen. Die Zahlen psychischer Erkrankungen bei Pflegenden, wie Erschöpfungsdepression und Burnout nehmen stark zu. - Neben (berufs-)politischen und institutionellen Gegenmaßnahmen bieten sich Pflegenden individuelle Möglichkeiten zur persönlichen Entlastung und Entspannung durch einen achtsamen und selbstmitfühlenden Umgang mit sich selbst sowie den Kolleginnen und Kollegen. Die Psychotherapeutin und Supervisorin Carmel Sheridan, die seit über 25 Jahren mit Pflegefachpersonen zusammenarbeitet, hat ein praxisorientiertes Fachbuch für Pflegende zum Thema Achtsamkeit und Selbstmitgefühl geschrieben. Die Autorin -zeigt, wie man für andere sorgen kann, ohne sich selbst dabei zu erschöpfen und auszubeuten -beschreibt Wege und Übungen, um Erschöpfung und Burnout in den Pflegeberufen zu entgehen -reduziert das Gefühl von Frustration und Überlastung im Pflegeberuf -verringert alltägliche Pflegefehler durch achtsamen Umgang mit den eigenen Willenskräften sowie der eigenen Konzentrations- und Leistungsfähigkeit -lehrt, wie man gekonnt mit Krisen umgeht -belebt die Begeisterung für den Pflegeberuf -beschreibt konkret über 40 Übungen zum Erlernen eines achtsamen, selbstmitfühlenden Umgangs mit sich selbst. Aus dem Inhalt Achtsam werden Achtsamkeit und der Körper Mitgefühl - das Herzstück der Achtsamkeit Mehr Erfolg mit Achtsamkeit Anhang
1. Aufl. 2019
  • Deutsch
  • Bern
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  • Deutschland
  • Für Beruf und Forschung
  • |
  • Pflegeauszubildende, Pflegestudierende, Pflegefachpersonen, Pflegelehrende, Pflegeleitende
  • 6,90 MB
978-3-456-95982-5 (9783456959825)
10.1024/85982-000
weitere Ausgaben werden ermittelt
1 - Inhaltsverzeichnis, Widmung, Vorwort [Seite 7]
2 - Einfu?hrung [Seite 19]
3 - 1 Achtsamkeit - was ist das? [Seite 25]
3.1 - 1.1 Den "Affen fesseln" [Seite 26]
3.2 - 1.2 Achtsamkeit definieren [Seite 28]
3.3 - 1.3 Wie achtsam sind Sie? [Seite 29]
3.4 - 1.4 Achtsame Augenblicke [Seite 31]
3.5 - 1.5 Achtsamkeit, Mitgefu?hl und Forschung [Seite 32]
3.6 - 1.6 Achtsamkeit entwickeln: zwei Formen der Praxis [Seite 33]
3.7 - 1.7 Achtsames Atmen [Seite 33]
3.8 - 1.8 Ein hektischer Tag [Seite 35]
3.9 - 1.9 Täglich u?ben [Seite 35]
3.10 - 1.10 Informelle Praxis: Achtsamkeit im Alltag [Seite 36]
3.11 - 1.11 Trainingsprogramm [Seite 36]
4 - 2 Tun und Sein [Seite 37]
4.1 - 2.1 Autopilot [Seite 39]
4.2 - 2.2 Achtsame Präsenz [Seite 40]
4.3 - 2.3 Tun und Sein im Gleichgewicht [Seite 41]
4.4 - 2.4 Vom Tun ins Sein wechseln [Seite 41]
4.5 - 2.5 Im Alltag Sein [Seite 42]
4.6 - 2.6 Vom Tun ins Sein [Seite 43]
4.7 - 2.7 Trainingsprogramm [Seite 44]
5 - 3 Achtsamkeit im Alltag [Seite 45]
5.1 - 3.1 Den Anfang machen [Seite 47]
5.2 - 3.2 Achtsam Auto fahren [Seite 47]
5.3 - 3.3 Am Arbeitsplatz ankommen [Seite 48]
5.4 - 3.4 Achtsam essen [Seite 48]
5.5 - 3.5 Anker-Aktivität [Seite 49]
5.6 - 3.6 Mit allen Sinnen achtsam sein [Seite 50]
5.7 - 3.7 Den Arbeitstag hinter sich lassen [Seite 53]
5.8 - 3.8 Trainingsprogramm [Seite 53]
6 - 4 Achtsamkeit praktizieren - was wir dabei gewinnen [Seite 55]
6.1 - 4.1 Täglich u?ben! [Seite 56]
6.2 - 4.2 Achtsamer werden - wozu? [Seite 57]
6.3 - 4.3 Stressige Zeiten [Seite 58]
6.4 - 4.4 Akzeptanz kultivieren [Seite 59]
6.5 - 4.5 Der 3-Minuten-Atemraum [Seite 60]
6.6 - 4.6 Trainingsprogramm [Seite 62]
7 - 5 Achtsame Selbstfu?rsorge [Seite 65]
7.1 - 5.1 Achtsam arbeiten [Seite 67]
7.2 - 5.2 Zur Ruhe finden [Seite 68]
7.3 - 5.3 Ins Gleichgewicht kommen [Seite 69]
7.4 - 5.4 Kraft schöpfen [Seite 69]
7.5 - 5.5 Die Fu?ße pflegen [Seite 70]
7.6 - 5.6 Wasser trinken, Wasserlassen und Harnwegsinfekte [Seite 71]
7.7 - 5.7 Achtsamer Schlaf [Seite 72]
7.8 - 5.8 Fu?r sich sorgen [Seite 73]
7.9 - 5.9 Trainingsprogramm [Seite 73]
8 - 6 Im Körper zuhause [Seite 75]
8.1 - 6.1 In Kontakt mit dem Körper [Seite 76]
8.2 - 6.2 Achtsame Hände [Seite 77]
8.3 - 6.3 Body Scan [Seite 78]
8.4 - 6.4 Wann ist der kurze Body Scan passend? [Seite 81]
8.5 - 6.5 Geräusche beachten [Seite 81]
8.6 - 6.6 Gehmeditation [Seite 83]
8.7 - 6.7 Formelle Gehmeditation [Seite 84]
8.8 - 6.8 Embodiment: Spannungen und verkörperte Gefu?hle wahrnehmen [Seite 84]
8.9 - 6.9 Trainingsprogramm [Seite 86]
9 - 7 Verletzungen vorbeugen [Seite 87]
9.1 - 7.1 Weshalb sind Pflegekräfte verletzungsgefährdet? [Seite 88]
9.2 - 7.2 Schmerzen und Beschwerden ignorieren [Seite 89]
9.3 - 7.3 Achtsamkeit beugt Verletzungen vor [Seite 89]
9.4 - 7.4 Achtsame Körperhaltung [Seite 90]
9.5 - 7.5 Achtsames Heben [Seite 91]
9.6 - 7.6 Unfallverletzungen und Erkrankungen [Seite 91]
9.7 - 7.7 Trainingsprogramm [Seite 92]
10 - 8 Achtsamer Umgang mit Schmerzen [Seite 95]
10.1 - 8.1 Schmerz, was ist das? [Seite 97]
10.2 - 8.2 Achtsamkeit bei Schmerzen [Seite 98]
10.3 - 8.3 Zwei Arten von Schmerzen [Seite 98]
10.4 - 8.4 Trainingsprogramm [Seite 99]
11 - 9 Stress achtsam bewältigen [Seite 101]
11.1 - 9.1 Wie gestresst sind Sie? [Seite 103]
11.2 - 9.2 Stress verstehen [Seite 106]
11.3 - 9.3 Auf Stress reagieren vs. auf Stress antworten [Seite 108]
11.4 - 9.4 Die körperliche Stressreaktion erkennen [Seite 111]
11.5 - 9.5 Trainingsprogramm [Seite 111]
12 - 10 Achtsame Bewegung [Seite 113]
12.1 - 10.1 Die eigenen Grenzen erkunden [Seite 115]
12.2 - 10.2 Dehn- und Strecku?bungen im Sitzen [Seite 116]
12.3 - 10.3 Achtsame Bewegung am Arbeitsplatz [Seite 120]
12.4 - 10.4 Trainingsprogramm [Seite 121]
13 - 11 Mitgefu?hl verstehen [Seite 125]
13.1 - 11.1 Was Mitgefu?hl bewirkt [Seite 127]
13.2 - 11.2 Achtsamkeit und Mitgefu?hl [Seite 129]
13.3 - 11.3 Mitgefu?hl - die Bausteine [Seite 129]
13.4 - 11.4 Mitgefu?hl - die sechs Attribute [Seite 129]
13.5 - 11.5 Wie Mitgefu?hl entsteht [Seite 130]
13.6 - 11.6 Mitgefu?hl kultivieren und trainieren [Seite 131]
13.7 - 11.7 Mitfu?hlender werden [Seite 132]
13.8 - 11.8 Trainingsprogramm [Seite 133]
14 - 12 Helfende Berufe: Mitgefu?hlserschöpfung [Seite 135]
14.1 - 12.1 Mitgefu?hlserschöpfung definieren [Seite 136]
14.2 - 12.2 Ausgebrannt oder leergeliebt? [Seite 137]
14.3 - 12.3 Mitgefu?hlserschöpfung - eine Selbsteinschätzung [Seite 137]
14.4 - 12.4 Empathieermu?dung oder Mitgefu?hlserschöpfung? [Seite 138]
14.5 - 12.5 Achtsamkeit und Mitgefu?hl praktizieren [Seite 140]
14.6 - 12.6 Mitgefu?hlserschöpfung erkennen [Seite 140]
14.7 - 12.7 Prävention [Seite 141]
14.8 - 12.8 Trainingsprogramm [Seite 142]
15 - 13 Selbstmitgefu?hl entwickeln [Seite 143]
15.1 - 13.1 Selbstverurteilungen unterlassen [Seite 145]
15.2 - 13.2 Selbstmitgefu?hl lindert schmerzliche Emotionen [Seite 146]
15.3 - 13.3 Wie selbstmitfu?hlend Sie? [Seite 146]
15.4 - 13.4 Selbstmitgefu?hl definieren [Seite 148]
15.5 - 13.5 Selbstmitgefu?hl heilt und hilft [Seite 148]
15.6 - 13.6 Selbstmitgefu?hl - Schritt fu?r Schritt [Seite 149]
15.7 - 13.7 Innehalten und Selbstmitgefu?hl praktizieren [Seite 149]
15.8 - 13.8 Selbstmitgefu?hl ist gesund! [Seite 150]
15.9 - 13.9 Trainingsprogramm [Seite 150]
16 - 14 Mitfu?hlender werden [Seite 153]
16.1 - 14.1 Liebende-Gu?te-Meditation [Seite 155]
16.2 - 14.2 Liebende-Gu?te-Meditation fu?r professionell Pflegende [Seite 157]
16.3 - 14.3 Selbst Mini-Übungen wirken! [Seite 157]
16.4 - 14.4 Liebende-Gu?te-Meditation bei Ru?ckenschmerzen [Seite 158]
16.5 - 14.5 Mitgefu?hl kultivieren [Seite 159]
16.6 - 14.6 So wie ich [Seite 159]
16.7 - 14.7 Tonglen-vor-Ort [Seite 161]
16.8 - 14.8 Liebende-Gu?te-Meditation und Mitgefu?hl im Alltag [Seite 162]
16.9 - 14.9 Mitfu?hlend fu?hren und leiten [Seite 163]
16.10 - 14.10 Trainingsprogramm [Seite 164]
17 - 15 Der achtsame Umgang mit Gedanken [Seite 167]
17.1 - 15.1 Achtsames Denken [Seite 168]
17.2 - 15.2 Gedankenbeobachtung [Seite 169]
17.3 - 15.3 Maladaptive Denkstile [Seite 172]
17.4 - 15.4 Gedanken sind nur Gedanken [Seite 173]
17.5 - 15.5 Trainingsprogramm [Seite 174]
18 - 16 Achtsame Teamarbeit [Seite 175]
18.1 - 16.1 Achtsame Teamplayer [Seite 176]
18.2 - 16.2 Teamkonflikte [Seite 177]
18.3 - 16.3 Die eigene Rolle im Team [Seite 178]
18.4 - 16.4 Geru?chte und Gerede [Seite 179]
18.5 - 16.5 Trainingsprogramm [Seite 180]
19 - 17 Achtsame Kommunikation [Seite 181]
19.1 - 17.1 Mitfu?hlende Kommunikation in der Pflege [Seite 183]
19.2 - 17.2 Achtsam zuhören [Seite 183]
19.3 - 17.3 Achtsames Zuhören hat viele Vorzu?ge [Seite 183]
19.4 - 17.4 Fragen, ohne zu urteilen [Seite 186]
19.5 - 17.5 Trainingsprogramm [Seite 187]
20 - 18 Ablenkungen und Fehler vermeiden [Seite 189]
20.1 - 18.1 Im Autopilot-Modus gefangen [Seite 191]
20.2 - 18.2 Konzentration bei der Medikation [Seite 191]
20.3 - 18.3 Wichtige Punkte [Seite 192]
20.4 - 18.4 Ablenkungen meistern [Seite 193]
20.5 - 18.5 Pflegedokumentation [Seite 195]
20.6 - 18.6 Stress lenkt ab [Seite 196]
20.7 - 18.7 In Notfallsituationen konzentriert bleiben [Seite 196]
20.8 - 18.8 Trainingsprogramm [Seite 198]
21 - 19 Achtsame Dienstu?bergabe [Seite 199]
21.1 - 19.1 Achtsam kommunizieren [Seite 201]
21.2 - 19.2 Richtlinien fu?r den Übergabebericht [Seite 202]
21.3 - 19.3 Überlegungen beim Erhalt des Übergabeberichts [Seite 203]
21.4 - 19.4 Trainingsprogramm [Seite 205]
22 - 20 Der technische Fortschritt als Herausforderung [Seite 207]
22.1 - 20.1 Patientenzentriert dokumentieren [Seite 209]
22.2 - 20.2 Die Patienten in die Versorgung einbinden [Seite 210]
22.3 - 20.3 Den Menschen behandeln, nicht die Maschine [Seite 211]
22.4 - 20.4 Alarmmu?digkeit [Seite 212]
22.5 - 20.5 Trainingsprogramm [Seite 213]
23 - 21 Achtsamkeit und Mitgefu?hl in Ihre Gesundheitseinrichtung bringen [Seite 215]
23.1 - 21.1 Achtsamkeit und Mitgefu?hl am Arbeitsplatz [Seite 217]
23.2 - 21.2 Achtsamkeit am Arbeitsplatz - andere dafu?r gewinnen [Seite 217]
23.3 - 21.3 Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion am Arbeitsplatz [Seite 218]
23.4 - 21.4 MBSR - die Grundlagen [Seite 218]
23.5 - 21.5 Schwerpunkte und Ziele des MBSR-Programms [Seite 219]
23.6 - 21.6 Zielgruppe [Seite 219]
23.7 - 21.7 Evaluation [Seite 219]
23.8 - 21.8 Eine Trainerin oder einen Trainer rekrutieren [Seite 219]
23.9 - 21.9 Teilnehmer und Teilnehmerinnen rekrutieren [Seite 220]
23.10 - 21.10 Ku?rzere Achtsamkeitsprogramme [Seite 221]
23.11 - 21.11 Achtsamkeit fu?r Patientinnen und Patienten [Seite 221]
23.12 - 21.12 Mehr Mitgefu?hl und Anteilnahme am Arbeitsplatz [Seite 222]
23.13 - 21.13 Das Compassion Cultivation-Training [Seite 223]
23.14 - 21.14 Weitere Trainingsprogramme fu?r Mitgefu?hl [Seite 223]
23.15 - 21.15 Trainingsprogramm [Seite 224]
24 - Anhang [Seite 225]
24.1 - Achtsam weiterschreiten [Seite 227]
24.2 - Anmerkungen [Seite 229]
24.3 - Literatur [Seite 233]
24.4 - Anhang A: Liste der Übungen [Seite 241]
24.5 - Anhang B: ProQOL [Seite 243]
24.6 - Über die Autorin [Seite 249]
24.7 - Übersetzung [Seite 250]
24.8 - Pressestimmen [Seite 251]
24.9 - Deutschsprachige Literatur: Achtsamkeit und (Selbst-)Mitgefu?hl [Seite 255]
24.10 - Professionelle Selbstpflege im Hogrefe Verlag [Seite 257]
25 - Sachwortverzeichnis [Seite 259]

Einführung


Unsere Gegenwart ist das kostbarste Geschenk, das wir anderen machen können. Wenn wir allen unseren Lieben mit Achtsamkeit begegnen, werden sie aufblühen wie Blumen.

Thich Nhat Hanh

Sie haben soeben die erste Schicht angetreten und den Übergabebericht bekommen. Schon klingeln viele Patienten und Patientinnen nach Ihnen, während Angehörige Fragen haben und Ihre Aufmerksamkeit gewinnen wollen. Es ist viel los auf der Station und Sie überlegen angestrengt, was zuerst zu erledigen ist.

Sie entscheiden schnell, stürzen sich in die Arbeit, antworten auf eine Klingel und bringen eine Patientin zur Toilette. Als Sie zurückkommen, blinken über vier anderen Zimmertüren die Lichter, und der Stationsbetrieb ist noch hektischer. Sie stürzen sich wieder hinein, reagieren auf eine Klingel nach der anderen und geben sich große Mühe, alle Bedürfnisse der Kranken zu erfüllen.

Während Sie die Medikamente austeilen, kommt eine Kollegin auf Sie zu und berichtet, dass der Blutdruck eines Patienten auf 220/110 mmHg gestiegen ist. Die Medikamente müssen warten. Sie eilen im Laufschritt über den Flur, machen sich ein Bild von der Lage und planen die angemessene Intervention.

Es dauert Stunden, bis sich die Situation normalisiert. In der Zeit müssen Sie Ärzte verständigen und die Vitalzeichen messen, ganz zu schweigen von den Tausend anderen Dingen, die zu erledigen sind. Sie arbeiten und arbeiten - für Ihre eigenen Bedürfnisse bleibt keine Zeit. Am Dienstschluss sind Sie total erschöpft.

Kennen Sie das? Als Pflegeperson sind sie ein zentral wichtiges Glied in der medizinischen Versorgungskette. Sie sind das Öl, das die große Medizinmaschinerie am Laufen hält. Sie koordinieren, kümmern sich und sind für alle die erste Ansprechperson. Zudem sind Sie - so die Erwartung - das menschliche Gesicht der Gesundheitsversorgung: unerschütterlich, engagiert und mit unerschöpflichen Reserven an Mitgefühl und Empathie ausgestattet. Die Schönheit des Pflegeberufs hat ihren Preis: Sie machen Überstunden, versuchen unerfüllbaren Ansprüchen gerecht zu werden und müssen mit einem hohen Stresslevel zurechtkommen.

Viele Pflegekräfte wissen sehr wohl, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse nicht ignorieren sollten, schieben Selbstfürsorge jedoch auf die lange Bank. Das ist das Normalverhalten professionell Pflegender im hektischen Klinikbetrieb von heute. Kommt Ihnen die Sache bekannt vor? Sie beraten Menschen bezüglich ihrer Essgewohnheiten und ihrer Bewegungsmuster, ihres Zigaretten- und Alkoholkonsums, ja sogar über Stressreduktion, und ignorieren dabei den eigenen ungesunden Lebensstil. Sie ignorieren Ihre brennenden Füße, das Ziehen im Rücken, den Spannungskopfschmerz. Sie treiben keinen Sport und futtern in den kurzen Kaffeepausen gern ungesundes Zeug. Schlimmer noch: Sie lassen die Mahlzeiten und Pausen ganz aus. Vielleicht gönnen Sie sich nach Dienstschluss sogar eine heimliche Zigarette oder trinken ein paar Gläser Wein zu viel.

Der Pflegeberuf ist anspruchsvoll und anstrengend. Manchmal führt das ganze Chaos in die Erschöpfung, manchmal gar zum Burn-out, dem Karrierekiller schlechthin. Kein Wunder, dass viele Pflegekräfte aus dem Beruf ausscheiden: Sie sind körperlich und seelisch erschöpft. Sie können einfach nicht mehr.

Ihnen muss das aber nicht passieren. Dieses Buch zeigt, wie Sie mit Achtsamkeit und Mitgefühl für andere sorgen, für sich sorgen und ein Burn-out vermeiden können.

Was Sie erwartet

Sie werden u.a. folgende Dinge lernen:

  • Achtsamkeits- und Mitgefühlsübungen: Diese spezifischen Übungen helfen, Stress zu bewältigen, aufmerksam und mitfühlender zu sein. Zu den Übungen gehören der Body Scan sowie Ess-, Sitz-, Geh- und Liebevolle-Güte-Meditationen.
  • Bewusstsein: Besser wahrnehmen, wenn der Verstand auf «Autopilot» schaltet und sich sanft wieder ins bewusste Tun zurückbringen.
  • Ruhige Augenblicke: Möglichkeiten ausfindig machen, sich im Trubel des Pflegealltags kleine Inseln der Ruhe zu schaffen.
  • Präsent werden: Sich auf andere einstimmen statt abschalten, aufmerksam zuhören und besser kommunizieren, um die Beziehungen zum Selbst, zu den Patienten und Patientinnen, zum Team und zu allen Mitmenschen zu stärken.
  • Tun und Sein im Gleichgewicht halten: Eine gesunde Balance zwischen Tun und Sein entwickeln, um das persönliche Wohlbefinden verbessern und produktiver arbeiten zu können.

Was Achtsamkeit bewirkt

Stress und Pflegen mögen als untrennbar miteinander verbunden erscheinen, und doch ist es möglich, die Dinge zum Besseren zu wenden. Sie müssen dafür allerdings eine neue Technik erlernen, die einfacher erscheinen mag als eine kardiopulmonale Reanimation oder die korrekte Umlagerung einer Patientin oder eines Patienten. Sie müssen sich die Technik antrainieren, wie Sie sich auch andere Pflegetechniken antrainiert haben. Achtsamkeit ist der Name dieser Fertigkeit. Zum Glück ist sie eine Fertigkeit, die man lernen und kultivieren kann.

Achtsamkeit ist ein Weg, ganz im Moment zu sein, Achtsamkeitspraxis vertieft das Bewusstsein. Sie ist zudem eine Übung der Selbstfürsorge, um nicht unversehens in die totale körperliche und seelische Erschöpfung zu schlittern, eine Übung, die hilft, das Tempo zu drosseln, sich zu konzentrieren und Prioritäten zu erkennen.

Ihre zahlreichen gesundheitsfördernden Wirkungen sind wissenschaftlich belegt. Achtsamkeit verankert im Moment, bringt die Gedanken zur Ruhe und lenkt das Bewusstsein auf das Hier und Jetzt. Achtsamkeit zu entwickeln erfordert zwar Durchhaltewillen und Geduld, lohnt jedoch jede Mühe. Wer regelmäßig übt, merkt bald, wie sich die eigene Einstellung zur Arbeit und zu den Beziehungen, ja sogar der Lebensstil verändert.

Achtsamkeit entwickeln ist ein Lernprozess, der eine neue Art des Seins in Ihr Leben bringt und Ihnen hilft, auch unter Druck gute Arbeit zu leisten - in Stresssituationen, die in der Pflege wahrlich nicht selten sind.

Susan Bauer-Wu, die Leiterin der Compassionate Care Initiative der University of Virginia School of Nursing, geht davon aus, dass Pflegepersonen in Zukunft Achtsamkeitsübungen lernen werden, wie sie heute lernen, einen Venenzugang zu legen und Schmerzen einzuschätzen.1 Warum also auf die Zukunft warten, wenn Achtsamkeit Ihr Leben schon heute positiv verändern kann?

Mitgefühl und Selbstmitgefühl

Auch Mitgefühl ist eine wichtige Fähigkeit, die es in Gesundheitseinrichtungen zu kultivieren gilt. In der Gesundheitsversorgung ist Sozialkompetenz gefragt, die Gabe, gut mit Menschen umgehen zu können. Die freundlichen Worte einer Pflegeperson können tatsächlich eine große Hilfe sein und einem kranken Menschen das Gefühl vermitteln, unterstützt zu werden. Er wird sich daran erinnern, wie er sich auch an das Verhalten des Arztes oder der Ärztin am Krankenbett noch erinnern wird, wenn seine Krankheit längst geheilt und vergessen ist. Die Menschen halten nach diesen Eigenschaften Ausschau, weil sie im Krankheitsfall freundlich und mitfühlend behandelt werden wollen.

Pflegepersonen sind zwar von Natur aus mit einer kräftigen "Mitgefühlsmuskulatur" gesegnet, doch auch diese Muskeln können ermüden und verletzt werden.

Ein herausforderndes Arbeitsumfeld, Personalmangel, höhere Patientenzahlen, schwerere Krankheitsbilder sowie der wiederkehrende Anblick leidender Menschen können ihre natürliche Veranlagung, Mitgefühl zu empfinden und zu zeigen, schwächen. Mitgefühlserschöpfung ist ein bekanntes Phänomen im Pflegeberuf. Betroffene entwickeln Symptome emotionaler Erschöpfung und arbeiten dann weniger effektiv. Werden die ersten Anzeichen einfach übergangen, können sich die Symptome schnell zu einer ausgeprägten Mitgefühlserschöpfung entwickeln und letztlich zum Burn-out führen.

Wer Pflege als Beruf ausübt, leistet Schwerarbeit. Die Pflegekräfte sind es, die sicherstellen, dass sich die Patienten und Patientinnen und ihre Angehörigen gut versorgt und gut aufgehoben fühlen und dass sie die Hoffnung nicht verlieren. Sie kümmern sich tagein tagaus aktiv um Menschen in ihren verwundbarsten, ängstlichsten und schmerzlichsten Momenten. Angesichts der zahlreichen beruflichen Anforderungen neigen viele dazu, zugunsten der Arbeit die eigenen Bedürfnisse beiseite zu schieben. Überstunden und weitere Verpflichtungen, wie Haus- und Familienarbeit können dazu führen, dass sie sich ständig gehetzt und unter Druck fühlen. Der Tag hat einfach nicht genug Stunden! Dann löst jede Kleinigkeit - eine Ladung Schmutzwäsche beispielsweise oder eine verpasste Einladung zum Abendessen - heftige Selbstkritik aus. Unterläuft ihnen bei der Arbeit eine Verwechslung, die böse Folgen haben könnte, reagieren sie mit erhöhter Wachsamkeit, sodass sie selbst kleinste Fehler bemerken.

Selbstbeschuldigungen machen die Sache nur noch schlimmer, andere zu beschuldigen ist auch kein Ausweg: Wer eine frische Wunde mit einem schmutzigen Verband versorgt, kann schließlich nicht erwarten, dass sie gut heilt! Mitgefühl bewusst einüben - das ist das Antidot, zu dem Pflegekräfte in solchen Situationen greifen sollen. Man kann sich Selbstmitgefühl als Antiseptikum und Antiphlogistikum vorstellen, geeignet, solche Situationen zu entschärfen. Mitgefühl für die eigene Vulnerabilität und das eigene Menschsein kann von toxischen Emotionen befreien und scharfe Selbstkritik eindämmen.

Selbstmitgefühl ist die Fähigkeit, Selbstvorwürfe und Scham in Akzeptanz und Güte zu verwandeln,...

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