Der Orden des geheimen Baumes - Die Magierin

Roman
 
 
Penhaligon Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. September 2020
  • |
  • 544 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-24554-2 (ISBN)
 
Eine Welt voller Drachen, starker Frauenfiguren und politischer Intrigen - umwerfender Fantasy-Stoff grandios erzählt! Jetzt für kurze Zeit zum Einführungspreis - eine begrenzte Preisaktion des Verlages

In ihrem epischen Fantasy-Roman "Der Orden des geheimen Baumes" hebt Samantha Shannon das Genre auf die nächste Stufe. Mächtige Frauen lenken und beeinflussen das Schicksal ihrer Welt, ob als Königin, Magierin oder Drachenreiterin. Doch die Welt ist geteilt: Während im Westen alle Drachen als absolut böse verdammt werden, werden diese im Osten als göttergleiche Wesen verehrt. Trotz dieser gegensätzlichen Weltanschauungen müssen die Menschen des Ostens und des Westens zusammenarbeiten, als ein riesiger bösartiger Drache aus der Vergangenheit wieder aufersteht. Drei starke Frauen nehmen die Herausforderung an, die Bewohner beider Reiche zu vereinen, um die Menschheit zu retten .
In diesen Momenten - wenn Glaubenssysteme kollidieren und eine detailreiche Welt entsteht - ist Samantha Shannon in Bestform.

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Penhaligon
  • 3,95 MB
978-3-641-24554-2 (9783641245542)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Samantha Shannon ist in West London geboren und aufgewachsen. Mit zwölf Jahren begann sie zu schreiben, mit fünfzehn begann sie ihren ersten Roman. Sie studierte Englische Sprache und Literatur in Oxford.

1. KAPITEL


OSTEN


Der Fremde entstieg dem Meer wie ein Wassergeist, barfuß und bedeckt mit den Narben seiner Reise. Er taumelte wie trunken durch die dunstige Gischt, die Seiiki wie Spinnenseide einhüllte.

Die Geschichten der Altvorderen sangen davon, dass Wassergeister dazu verdammt waren, in der Stille zu leben. Dass ihre Zungen geschrumpft wären, ebenso wie ihre Haut, und nur Seetang ihre Knochen umhüllte. Sie lauerten in den Untiefen und warteten darauf, die Unachtsamen ins Herz des Schlundes hinabzuziehen.

Tané fürchtete diese Geschichten nicht mehr, seit sie dem Kindesalter entwachsen war. Jetzt schimmerte ihr Dolch vor ihr im Licht, die Klinge gebogen wie ein Lächeln, und sie richtete ihren Blick auf die Gestalt in der Nacht.

Als sie das Wesen anrief, zuckte es zusammen.

Die Wolken rissen auf und ließen das Mondlicht durch, das sie bislang verborgen hatten. Genug, dass sie ihn sehen konnte, so wie er war. Und hell genug, dass auch er sie sah.

Es war kein Geist. Es war ein Fremder. Sie hatte ihn gesehen, und er war auch kaum zu übersehen.

Er war sonnengebräunt, mit Haar so blond wie Stroh und einem Bart, aus dem das Wasser troff. Die Schmuggler mussten ihn ins Wasser geworfen und ihm gesagt haben, er solle den Rest des Weges schwimmen. Es war klar, dass er ihre Sprache nicht kannte, sie aber verstand ihn gut genug, um zu begreifen, dass er um Hilfe bat. Dass er den Kriegsherrn von Seiiki sehen wollte.

Ihr Herz hämmerte donnernd. Sie wagte nicht zu sprechen, denn wenn sie ihm offenbarte, dass sie seine Sprache verstand, würde das eine Verbindung zwischen ihnen schaffen, und sie würde sich selbst verraten. Verraten, dass sie Zeugin seines Verbrechens war so wie er Zeuge des ihren war.

Denn eigentlich sollte sie in Abgeschiedenheit sein. Sicher hinter den Mauern des Südhauses, bereit sich zu erheben, gereinigt für den wichtigsten Tag ihres Lebens. Jetzt jedoch war sie befleckt. Unwiederbringlich beschmutzt. Und das nur, weil sie noch einmal vor dem Tag der Entscheidung ins Meer hatte eintauchen wollen. Es kursierten Gerüchte, dass der Große Kwiriki jene begünstigte, die den Mut besaßen, sich hinauszuschleichen und während der Abgeschiedenheit die Wogen des Meeres aufzusuchen. Stattdessen hatte er ihr diesen Albtraum geschickt.

Ihr ganzes Leben lang hatte sie einfach zu viel Glück gehabt.

Und dies war ihre Strafe.

Sie hielt den Fremden mit dem Dolch auf Abstand. Im Angesicht seines bevorstehenden Todes begann er zu zittern.

In ihrem Verstand wirbelten die Möglichkeiten umeinander, jede schrecklicher als die vorige. Wenn sie diesen Fremden den Bütteln übergab, musste sie auch gestehen, dass sie die Abgeschiedenheit gebrochen hatte.

Dann würde der Tag der Entscheidung für sie womöglich nicht kommen. Der ehrenwerte Statthalter von Kap Hisan, dieser Provinz von Seiiki, würde die Götter niemals zu einem Platz rufen, der von der Roten Seuche beschmutzt worden war. Es konnte Wochen dauern, bevor die Stadt wieder als sicher galt, und bis dahin hatte man bestimmt entschieden, dass die Ankunft des Fremden ein schlechtes Zeichen gewesen war und dass erst die nächste Generation von Schülern, nicht ihre, die Chance bekam, Reiter zu werden. Es würde sie um alles bringen.

Sie durfte ihn nicht melden. Und ebenso wenig konnte sie ihn allein lassen. Wenn er tatsächlich die Rote Seuche hatte, würde Tané die ganze Insel in Gefahr bringen, wenn sie ihn unbeaufsichtigt umherstreifen ließ.

Es gab nur eine Möglichkeit.

Sie band ihm ein Stück Tuch um Mund und Nase, damit er die Pestilenz nicht ausatmete. Ihre Hände zitterten. Als sie fertig war, führte sie ihn vom schwarzen Sand des Strandes hinauf in die Stadt, ging so dicht hinter ihm, wie sie es wagte, und drückte ihm die Spitze ihres Messers in den Rücken.

Die Hafenstadt Kap Hisan schlief niemals. Tané steuerte den Fremden durch die Nachtmärkte, vorbei an geschnitzten Schreinen aus Treibholz, unter den Seilen mit blauen und weißen Laternen entlang, die zu Ehren des Tags der Entscheidung aufgehängt worden waren. Ihr Gefangener betrachtete all das schweigend. Die Dunkelheit verhüllte seine Gesichtszüge, aber sie tippte mit der flachen Seite der Klinge auf seinen Kopf und zwang ihn, ihn zu senken. Dabei versuchte sie die ganze Zeit, ihn so weit wie möglich von den anderen fernzuhalten.

Sie hatte bereits eine Idee, wie sie ihn isolieren konnte.

Direkt an das Kap schloss sich eine künstliche Insel an. Sie hieß Orisima und war für die Einheimischen so etwas wie eine Sehenswürdigkeit. Der Handelsposten war Heimstatt einer Handvoll Händler und Gelehrter aus dem Freistaat Mentendon. Neben den Lacustrinern, die auf der anderen Seite des Kaps lebten, hatte man nur den Mentenen erlaubt, weiterhin Handel mit Seiiki zu treiben, nachdem sich die Insel von der Welt abgeschottet hatte.

Orisima.

Dorthin würde sie den Fremden bringen.

An der von Fackeln beleuchteten Brücke zum Handelsposten waren bewaffnete Wächter postiert. Nur wenigen Seiikin war es erlaubt, sie zu betreten, und sie gehörte nicht dazu. Der einzige andere Weg am Zaun vorbei führte durch das Landungstor, das sich nur einmal im Jahr öffnete, um die Kolonne mit Waren von den mentenischen Schiffen durchzulassen.

Tané führte den Fremden zum Kanal hinab. Sie konnte ihn nicht selbst nach Orisima hineinschmuggeln, kannte jedoch eine Frau, die das vermochte und die bestimmt genau wusste, wo im Handelsposten sie ihn verstecken konnte.

Es war schon lange her, dass Niclays Roos Besucher empfangen hatte.

Er schenkte sich gerade ein genau bemessenes Quantum Wein ein, einen winzigen Teil seiner dürftigen Zuteilung, als es an der Tür klopfte. Wein war eines seiner letzten Vergnügen in der Welt, und er war gerade dabei gewesen, den Duft einzuatmen, diesen glorreichen Moment zu genießen, bevor er den Wein kostete.

Und jetzt diese Unterbrechung! Natürlich. Seufzend riss er sich von dem Wein los, stemmte sich hoch und kommentierte das plötzliche Pochen in seinem Knöchel mit mürrischem Brummen. Das Zipperlein plagte ihn wieder einmal.

Es klopfte erneut.

»Ach, gebt doch Ruhe!«, murrte er.

Der Regen prasselte auf das Dach, während er nach seinem Gehstock angelte. Pflaumenregen, nannten die Seiikin ihn zu dieser Jahreszeit, wenn die Luft dick und feucht wie Wolken war und die Früchte an den Bäumen schwollen. Er humpelte über die Matten und fluchte leise, bevor er die Tür einen Spalt öffnete.

In der Dunkelheit draußen stand eine Frau. Ihr dunkles Haar reichte bis zur Taille, und sie trug eine Robe mit einem Muster aus Eisblumen. Vom Regen allein konnte sie unmöglich so durchnässt worden sein.

»Guten Abend, gelehrter Dr. Roos«, sagte sie.

Niclays hob die Brauen. »Ich verabscheue Besucher zu dieser späten Stunde. Oder zu irgendeiner anderen Zeit.« Es wäre angebracht gewesen, sich zu verbeugen, aber er sah keinen Grund, diese Fremde zu beeindrucken. »Woher kennt Ihr meinen Namen?«

»Man hat ihn mir genannt.« Sie gab keine weitere Erklärung ab. »Ich habe einen Eurer Landsleute bei mir. Er wird heute Nacht bei Euch bleiben, und ich hole ihn morgen bei Sonnenuntergang wieder ab.«

»Einer meiner Landsleute.«

Seine Besucherin drehte den Kopf ein wenig zur Seite. Eine Silhouette löste sich von einem nahegelegenen Baum.

»Schmuggler haben ihn vor Seiiki abgesetzt«, fuhr die Frau fort. »Ich bringe ihn morgen zum ehrenwerten Statthalter.«

Als die Gestalt ins Licht seines Hauses trat, überlief es Niclays kalt.

Der Mann auf seiner Schwelle war blond, genauso durchnässt wie die Frau, und Niclays hatte ihn noch nie in Orisima gesehen.

In der Handelsniederlassung lebten zwanzig Menschen. Er kannte ihre Gesichter und Namen. Und das nächste mentenische Schiff mit Neuankömmlingen würde erst später in der Saison eintreffen.

Irgendwie waren die beiden unbemerkt in den Handelsposten gelangt.

»Nein.« Niclays starrte den Mann an. »Bei den Heiligen, Weib, versuchst du etwa, mich in ein Schmuggelgeschäft zu verwickeln?« Er griff nach der Tür. »Ich kann keinen Eindringling verstecken. Wenn irgendjemand davon erfährt .«

»Eine Nacht.«

»Eine Nacht oder ein Jahr - man würde uns in jedem Fall die Köpfe abschlagen. Gute Nacht.«

Bevor er die Tür schließen konnte, schob die Frau ihren Ellbogen in den Spalt.

»Wenn Ihr es tut«, sie war Niclays jetzt so nah, dass er ihren Atem spüren konnte, »werdet Ihr mit Silber belohnt. So viel Silber, wie Ihr tragen könnt.«

Niclays Roos zögerte.

Silber war in der Tat sehr verlockend. Er hatte einmal zu oft betrunken mit den Wachen Karten gespielt und schuldete ihnen mehr, als er in seinem ganzen Leben verdienen würde. Bis jetzt hatte er ihre Drohungen mit dem Versprechen von Juwelen aus der nächsten mentenischen Lieferung beschwichtigen können, aber er wusste sehr gut, dass kein einziger Edelstein an Bord des Schiffes sein würde, wenn es schließlich kam. Jedenfalls nicht für Seinesgleichen.

Sein jüngeres Selbst drängte ihn, das Angebot anzunehmen, und sei es nur um der Aufregung willen. Noch bevor sein älteres, klügeres Selbst intervenieren konnte, wandte sich die Frau zum Gehen.

»Ich komme morgen Nacht zurück«, warf sie über die Schulter zurück. »Sorgt dafür, dass niemand ihn sieht.«

»Warte!«, zischte er ihr wütend nach. »Wer bist du?«

Doch sie war bereits verschwunden. Mit einem kurzen Blick auf die Straße und einem frustrierten Grunzen...

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