The Bone Season - Die Denkerfürsten

 
 
eBook Berlin Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. September 2015
  • |
  • 512 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8270-7771-4 (ISBN)
 
Es ist Paiges einzige Chance: Wenn sie es schafft, die geheimen Gruppen der Denkerfürsten im Londoner Untergrund zu vereinen, könnte die Rebellion gelingen und das diktatorische System von Scion gestürzt werden. Doch diese Gruppen sind zutiefst verfeindet und denken überhaupt nicht an einen gemeinsamen Aufstand. Als plötzlich die Rephaim in London auftauchen, wird die Zeit knapp. Und wo ist eigentlich der Wächter? Seine Hilfe könnte Paige jetzt dringend gebrauchen. Denn die Jagd auf die Seherin hat begonnen ...
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Berlin Verlag
  • 2,64 MB
978-3-8270-7771-4 (9783827077714)
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Samantha Shannon, geboren 1991, wuchs im Londoner Westen auf, wo sie mit fünfzehn das Schreiben begann. Sie hat gerade ihr Literaturstudium am St Anne's College in Oxford beendet. »Die Träumerin« ist der erste Band einer siebenteiligen Serie um die junge Seherin Paige Mahoney. Die Übersetzungsrechte wurden in mehr als zwanzig Länder verkauft und eine Verfilmung ist in Arbeit.

1

ANKUNFT

Nur selten beginnt eine Geschichte an ihrem Anfang. Im großen Bild des Ganzen trat ich eigentlich erst am Anfang vom Ende dieser Geschichte auf. Immerhin begann die Geschichte von Scion und den Rephaim fast zweihundert Jahre vor meiner Geburt. Und für die Rephaim hat ein Menschenleben nicht mehr Substanz als ein Herzschlag.

Manche Revolutionen verändern die Welt an nur einem Tag. Andere brauchen dazu Jahrzehnte, Jahrhunderte oder noch länger, und wieder andere schaffen es nie bis zu ihrer Blüte. Meine begann mit einem Moment und einer Entscheidung. Meine begann, als in einer geheimen Stadt an der Grenze zwischen den Welten eine kleine Blume erblühte.

Habt nur Geduld, dann könnt ihr sehen, wie sie endet.

Willkommen zurück in Scion.

*

2. September 2059

Die zehn Waggons des Zuges waren so opulent ausgestattet wie kleine Salons. Dicker roter Teppich, glänzende Tische aus Rosenholz, auf jedem Sitz ein goldener Anker - das Symbol von Scion - eingestickt. Aus einem verborgenen Lautsprecher kam klassische Musik.

Ganz am Ende unseres Wagens saß Jaxon Hall - Denkerfürst von Sektor I-4 und Anführer meiner Bande von Londoner Sehern - auf seinem Platz, stützte die verschränkten Hände auf seinen Spazierstock und starrte ohne zu blinzeln ins Leere.

Auf der anderen Seite des Ganges klammerte sich mein bester Freund Nick Nygård an einem der Metallringe fest, die von der Decke hingen. Nach sechs Monaten Trennung kam mir der Anblick seines sanftmütigen Gesichts vor wie eine Erinnerung. Die Adern an seinem Handrücken traten hervor, während er beobachtete, wie vor dem Fenster immer wieder vereinzelte Sicherheitsleuchten vorbeizogen. Verteilt auf den Sitzen hockten drei weitere Mitglieder unserer Gang: Danica hatte eine Wunde am Kopf, Nadines Hände waren blutverschmiert und ihr Bruder Zeke griff sich krampfhaft an seine verletzte Schulter. Das letzte Mitglied, Eliza, war in London geblieben.

Ich saß ein wenig abseits und sah zu, wie der Tunnel hinter uns im Dunkeln verschwand. An der Stelle, wo Danica den Mikrochip von Scion aus meinem Oberarm entfernt hatte, war meine Haut verbrannt.

Noch immer ging mir der letzte Befehl des Wächters im Kopf herum: Lauf, kleine Träumerin. Aber wohin sollte der Wächter fliehen? Der Eingang zum Bahnhof war von bewaffneten Wachen abgeriegelt worden. Trotz seiner enormen Größe konnte er sich zwar so lautlos bewegen wie ein Schatten, aber selbst der wäre nicht an ihnen vorbeigekommen. Und Nashira Sargas, seine ehemalige Verlobte und Anführerin der Rephaim, würde keine Kosten und Mühen scheuen, um ihn zu erwischen.

Irgendwo im Dunkeln verborgen verknüpfte das Goldene Band mein Bewusstsein mit dem des Wächters. Doch als ich den Aether durch mich hindurchfließen ließ, kam keine Antwort vom anderen Ende.

Scion musste längst von dem Aufstand erfahren haben. Irgendetwas war bestimmt nach außen gedrungen, bevor der Brand die Kommunikationskanäle lahmgelegt hatte. Eine Botschaft, eine Warnung - ein einziges Wort hätte ausgereicht, um sie auf die Krise in ihrer Kolonie aufmerksam zu machen. Bestimmt warteten sie schon mit ihren Fluxpistolen auf uns, um uns direkt zurück ins Lager zu schicken.

Sollten sie es doch versuchen.

»Lasst uns mal schätzen.« Ich stand auf. »Wie lange dauert es noch, bis wir in London ankommen?«

»Zwanzig Minuten vielleicht«, antwortete Nick.

»Will ich wissen, wo der Tunnel endet?«

Mit einem grimmigen Lächeln erklärte er: »Im Archonitat. Direkt darunter befindet sich der Bahnhof S-Whitehall.«

Mir sank das Herz fast in die Hose. »Jetzt sag nicht, ihr wolltet quer durchs Archonitat fliehen.«

»Nein. Wir werden den Zug vorher anhalten und einen anderen Weg nach draußen suchen. In diesem Netz muss es noch mehr Bahnhöfe geben. Dani sagt, durch die Servicetunnel könnte man vielleicht sogar auf direktem Weg in die normale U-Bahn gelangen.«

»Aber in diesen Servicetunneln könnte es auch von verdeckten Wachen wimmeln«, gab ich zu bedenken und wandte mich dann direkt an Danica: »Bist du dir da sicher?«

»Die sind nicht bewacht. Die sind nur für Techniker gedacht«, versicherte sie. »Aber über die älteren Tunnel weiß ich nichts. In die hat SciORE bestimmt noch nie einen Fuß gesetzt.«

SciORE war die Scionabteilung für Ingenieurswesen und Technik. Falls irgendjemand von diesen Tunneln wusste, dann die. »Es muss einen anderen Weg nach draußen geben«, beharrte ich. Selbst wenn wir es bis in das normale U-Bahn-Netz schafften, würden sie uns spätestens am Ausgang verhaften. »Können wir den Zug vielleicht umleiten? Oder gibt es einen Weg nach oben aufs Straßenniveau?«

»Keine manuelle Steuerung möglich. Und so dämlich, dass sie von dieser Linie aus einen Zugang zur Straße schaffen, sind sie nicht.« Danica nahm den Lappen von ihrer Kopfwunde und inspizierte den großen Blutfleck. Inzwischen war es mehr Blut als Lappen. »Der Zug ist darauf programmiert, direkt nach S-Whitehall zurückzufahren. Wir werden den Feueralarm auslösen und durch den ersten Bahnhof abhauen, den wir finden können.«

Mir kam es nicht sonderlich klug vor, eine große Gruppe durch ein verfallenes Tunnelsystem ohne Beleuchtung zu schleusen. Sie waren alle geschwächt, ausgehungert und erschöpft. Wir mussten schnell vorankommen. »Unter dem Tower muss es doch auch eine Haltestelle geben«, überlegte ich. »Die benutzen für die Sehertransporte und die Scionleute doch sicher nicht denselben Bahnhof.«

»Dafür, dass wir das nicht wissen, müssten wir aber ganz schön weit laufen«, warf Nadine ein. »Der Tower liegt meilenweit vom Archonitat entfernt.«

»Sie halten die Seher im Tower gefangen. Da ist es doch nur logisch, da auch eine Haltestelle zu haben.«

»Wenn wir davon ausgehen, müssen wir ganz genau planen, wann wir den Alarm auslösen«, überlegte Nick weiter. »Irgendeine Idee, Dani?«

»Was?«

»Wie können wir feststellen, wo wir sind?«

»Wie gesagt, ich kenne dieses Tunnelsystem nicht.«

»Dann rate doch einfach mal drauflos.«

Es dauerte etwas länger als sonst, bis sie eine Antwort für uns hatte. Dunkle Ringe zeichneten sich rund um ihre Augen ab. »Vielleicht . haben sie Markierungen in den Tunneln, damit die Arbeiter sich nicht verlaufen. In den Sciontunneln gibt es Plaketten, auf denen die Entfernung zum nächsten Bahnhof angegeben ist.«

»Aber um uns die anzusehen, müssten wir aus dem Zug raus.«

»Ganz genau. Und wir haben nur einen einzigen Versuch, um anzuhalten.«

»Denkt euch was aus«, sagte ich. »Ich suche uns solange etwas, womit wir den Alarm auslösen können.«

Während sie weiterdiskutierten, ging ich in den nächsten Wagen. Jaxon wandte das Gesicht ab, als ich an ihm vorbeikam. Trotzdem blieb ich vor ihm stehen.

»Hast du ein Feuerzeug dabei, Jaxon?«

»Nein.«

»Auch gut.«

Die einzelnen Zugabschnitte waren durch Schiebetüren miteinander verbunden, die sich nicht verriegeln ließen. Und die eingelassenen Scheiben waren nicht kugelsicher. Wenn sie uns hier drin erwischten, gab es kein Entkommen.

Ein Haufen Gesichter wandte sich mir zu - die überlebenden Seher, alle dicht zusammengedrängt. Bis jetzt hatte ich noch gehofft, dass Julian vielleicht eingestiegen war, als ich gerade nicht hinsah, aber es gab keine Spur von meinem Mitverschwörer. Tiefe Trauer breitete sich in mir aus. Selbst wenn es ihm und seiner Akrobatentruppe gelang, den Rest der Nacht zu überstehen, würde Nashira sie bis zum Sonnenaufgang unter Garantie aufknüpfen.

»Wo fahren wir hin, Paige?«, fragte Lotte, eine der Akrobatinnen. Sie trug noch immer ihr Kostüm von der Zweihundertjahrfeier, jenem historischen Ereignis, das wir durch unsere Flucht gesprengt hatten. »Nach London?«

»Ja«, bestätigte ich. »Passt auf, wir werden den Zug vorher anhalten und dann zum nächsten Ausgang laufen müssen. Der Zug ist unterwegs Richtung Archonitat.«

Entsetzt sogen sie die Luft ein, und es wurden panische Blicke gewechselt. »Das klingt aber nicht sehr sicher«, sagte Felix dann.

»Es ist unsere einzige Chance. War irgendjemand bei Bewusstsein, als sie uns in den Zug nach Sheol I gebracht haben?«

»Ich«, meldete sich ein Augur.

»Dann gibt es also eine Haltestelle im Tower?«

»Definitiv. Sie haben uns direkt von den Zellen zur Bahn gebracht. Aber da gehen wir doch nicht hin, oder?«

»Falls wir keine andere Haltestelle finden, schon.«

Während sie diese Neuigkeit leise besprachen, zählte ich durch. Mich und meine Freunde nicht mitgerechnet, waren es zweiundzwanzig Flüchtlinge.

Wie sollten diese Menschen in der richtigen Welt überleben, nachdem sie jahrelang wie Tiere behandelt worden waren? Einige von ihnen konnten sich wahrscheinlich kaum noch an die Zitadelle erinnern, und ihre Gangs hatten sie längst vergessen. Ich verdrängte diese Überlegungen und hockte mich neben Michael, der etwas abseits von den anderen saß. Der liebe, sanftmütige Michael, der einzige andere Mensch, den der Wächter unter seine Fittiche genommen hatte.

»Michael?« Ich berührte ihn sanft an der Schulter. Seine fleckigen Wangen waren nass. »Hör mir zu, Michael. Ich weiß, dass du Angst hast, aber ich konnte dich doch nicht in Magdalen zurücklassen.«

Er nickte. Stumm im eigentlichen Sinne war er nicht, aber er setzte Worte nur...

»Originell, spannend und fantastisch - ein Buch, das man sich nicht entgehen lassen sollte.«, leser-welt.de, Zeenat Rauf, 20.12.2015
 
»Mein persönliches Jahreshighlight 2015«, buechermops.wordpress.com, Sarah , 09.12.2015
 
»Die letzten 150 Seiten sind extrem spannend. Ich wollte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.«, lesemomente.blogspot.de, Stefanie M, 02.12.2015
 
»Ein epischer Fantasyroman voller Originalität.««, back-down-to-earth.de, Sonja Buddensiek, 08.10.2015
 
»Das Universum der Geschichte ist so wunderbar komplex und interessant, dass man sich am liebsten in ihm verlieren möchte, der Schreibstil der Autorin so gekonnt fesselnd, dass man es manchmal vor Spannung gar nicht aushalten kann.«, collectionofbookmarks.blogspot.de, Silvana Martinez, 07.10.2015
 
»Mystische Kräfte, fantastische Wesen und geheime Gilden«, Freizeit Exklusiv, 01.10.2015
 
»Die Denkerfürsten von Samantha Shannon ist eine spannende Fortsetzung, die vor allem mit überraschenden Wendungen, kurzen Schockmomenten sowie dem großen Ideenreichtum der Autorin punktet. Mit Paige Mahoney wird dem Leser eine unglaublich willensstarke Protagonistin präsentiert, die für ihre Vorstellungen und Ansichten einsteht und trotz Schwierigkeiten nicht von ihrem Ziel abweicht.«, meine-buecherwelt.blogspot.de, 24.09.2015
 
»Auch in 'The Bone Season - Die Denkerfürsten' punktet Samantha Shannon mit vielschichtigen Charakteren in einer detailliert beschriebenen, magischen Welt der Zukunft, mit der sie mich verzaubern konnte. Spannend präsentiert sich die Fortsetzung und ich bin abermals überrascht von dem Ideenreichtum der Autorin und der gekonnten Umsetzung.«, books-are-fantastic.blogspot, 17.09.2015

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