Die Rache

Paranoia 2 - Thriller
 
 
Goldmann (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. Juli 2013
  • |
  • 448 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-09905-3 (ISBN)
 
Sie haben ihr ALLES genommen und ihren Sohn entführt. Aber eines werden sie nie schaffen: dass sie aufgibt.

Sie ist eine junge Frau, aber schon jetzt liegt ihr Leben in Trümmern. Ihre große Liebe Joe wurde erschossen, und ihr kleiner Sohn Christopher entführt. Maria ist verzweifelt, denn nicht einmal die Polizei scheint ihr helfen zu wollen. Diese stellt nur fest: Der Mann kam durch einen Unfall ums Leben und der Sohn? Der existiert nicht. Erst mithilfe von Joes Tagebuch, bekommt sie eine Ahnung davon, was vor sich geht. Und Maria ist schnell klar: Wenn sie ihren Sohn wiederhaben will, dann wird sie sich in einen erbitterten Kampf gegen übermächtige Feinde begeben müssen. Aber Maria ist bereit, alles zu tun, um Christopher wieder in ihre Arme schließen zu können, und wenn sie dafür töten muss .

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Goldmann
  • 0,69 MB
978-3-641-09905-3 (9783641099053)
weitere Ausgaben werden ermittelt

ERSTES KAPITEL

Ich erinnerte mich an den Geruch von Blut. In größeren Mengen verströmt es einen penetranten Geruch, den man nie wieder vergisst. Als mir dieser Geruch entgegenschlug, wurden unzählige Erinnerungen in mir wach.

Am Vormittag fuhr ich nach Grand Case. Ich hatte eine Zeitschrift bei mir, hinter der ich mich verstecken wollte, wenn ich unter den Gesichtern der Fremden nach dem Mann Ausschau hielt, den ich auf dem Pier gesehen hatte. Ich war aufgeregt - nicht nur wegen der Aussicht darauf, ihn endlich zu finden, sondern auch wegen der Aussicht, das Spiel zu spielen. Zum ersten Mal seit Monaten hatte ich das Gefühl, eine Gewinnchance zu haben.

Grand Case ist so klein, dass ich mir sicher war, ich würde Michael finden, falls er auftauchen sollte. Nicht sicher war ich mir dagegen, wie er auf eine Begegnung mit mir reagieren würde. Es war durchaus möglich, dass er mir die Schuld am Tod deines Vaters gab und deshalb nichts mit mir zu tun haben wollte. Ich wusste selbst nicht, wie ich auf eine Begegnung mit ihm reagieren würde. Ich hatte neun Monate ohne den Krieg verbracht, ohne Gewalt, Blut und Terror. Es würde mir einigen Mut abverlangen, wieder einzusteigen. Manchmal lässt einem das Leben keine Wahl, Christopher. Ich habe mich über deinen Vater lustig gemacht, als er das irgendwann zu mir sagte, aber er hatte recht. Selbst wenn man die Wahl hat, gibt es manchmal nur eine richtige Entscheidung. Ich musste in den Krieg zurückkehren. Nur so kann ich dich vor ihm bewahren.

Als ich in Grand Case ankam, parkte ich meinen Wagen und ging zum Meer. Von der Straße bis zum Strand war es nur ein kurzer Fußmarsch. In der Bucht von Grand Case krümmt sich der Strand in einem fast vollkommenen Halbkreis. Von dort, wo ich auf den Strand trat, sah ich jede Bar, jedes Restaurant, jeden Sonnenbadenden und jedes Sandkorn, die sich alle an das blaue Wasser der Bucht schmiegten. Ich zog die Schuhe aus, marschierte los und grub meine Zehen in den weichen weißen Sand. Ich ging zwei Mal von einem Ende des Strands bis zum anderen und warf dabei einen Blick in jedes Restaurant und jede Bar, um nachzusehen, ob Michael bereits da war. Da ich ihn nirgends entdeckte, suchte ich mir einen Platz am Strand, von dem ich die gesamte Bucht überblicken konnte. Ich setzte mich hin und ließ den Blick über die Gesichter der Leute um mich herum wandern.

Ich saß stundenlang an dieser Stelle, bis ich Michael endlich entdeckte. Als ich ihn sah, war es genauso aufregend und beängstigend wie am Tag zuvor. Für mich hing alles von diesem Mann ab, den ich nie persönlich kennengelernt hatte. Ich entdeckte ihn, als er gerade aus dem Wasser kam. Ich erkannte sein Gesicht, und mir fiel die tiefe Narbe seitlich an seinem Bauch auf, wo ihm ein Messer hineingerammt worden war, als er deinem Vater das Leben gerettet hatte. Sie hatte die Form von Lippen, die für immer schweigen. Ich erkannte ihn auch an seinem drahtigen, muskulösen Körperbau wieder, den ich bereits im Hafen gesehen hatte. Michael war nicht besonders groß, wirkte aber kräftig und beweglich. Während ich ihn beobachtete, wuchs meine Hoffnung, dass er mir helfen konnte. Einen Moment lang glaubte ich, alles würde gut gehen. Ich wusste nicht, dass sich die nächsten vierundzwanzig Stunden als Albtraum entpuppen sollten.

Am Strand war ziemlich wenig los. Michael befand sich knapp fünfzig Meter von mir entfernt, doch zwischen uns standen nur wenige Leute. Außer dem Kreischen der Möwen und dem Rütteln des Windes an den Flaggen der Boote, die in der Bucht vor Anker lagen, war kein Geräusch zu hören. Das Meer war ruhig. Michael streckte sich im Sand aus und schlief ein. Abgesehen von seiner Brust, die sich hob und senkte, war sein Körper völlig regungslos. Während ich ihn beim Schlafen beobachtete, holte ich eine Zigarette aus meiner Tasche und zündete sie an, um meine Nerven zu beruhigen. Als Michael sich schließlich aufsetzte, sein Hemd anzog und auf eines der Restaurants am Strand zusteuerte, war ich bereits bei meiner dritten Zigarette angelangt. Ich warf sie halb geraucht in den Sand, klopfte mich ab und folgte ihm. Mein Plan lautete zu warten, bis Michael drei Drinks intus hatte, bevor ich ihn ansprach. Ich hatte vor, ihm zu sagen, wer ich war und wie oft und wie gerne dein Vater von ihm gesprochen hatte. Ich war bereit, Michael zu erzählen, es sei der letzte Wunsch deines Vaters gewesen, dass er dich irgendwann kennenlernen würde. Ich war bereit zu lügen. Ich war bereit, alles zu tun, was nötig war.

Als ich Stufen hinaufging, die vom Strand in das schattige Restaurant führten, saß Michael bereits mit einem Getränk vor sich an der Bar. Ich gab mir größte Mühe, ihn nicht anzustarren, und setzte mich an einen Tisch mit Blick aufs Wasser. Der Kellner fragte mich, was ich trinken wolle. Aus dem Tagebuch deines Vaters hatte ich gelernt, dass man bei einem Job niemals Alkohol trinken sollte. Ich erinnerte mich an die Geschichten, wenn dein Vater und seine Freunde Sodawasser bestellten, damit es so aussah, als würden sie Alkohol trinken. Ich hatte jedoch einen Drink nötig und bestellte eine Margarita, weil ich glaubte, ich würde damit zumindest den Anschein erwecken, als befände ich mich im Urlaub.

Das Restaurant war etwa halb voll, als ich es betrat, füllte sich jedoch schnell. Der Tag wich langsam der Nacht. Die Männer, die hereinkamen, trugen bunte Hawaiihemden, die Frauen Kleider mit Spaghettiträgern. Michael bestellte sich ein zweites Bier. Ich orderte einen Salat, um nicht vom Kellner von meinem Tisch verscheucht zu werden. Da mir bewusst war, dass ich seit dem Frühstück nichts mehr zu mir genommen hatte, versuchte ich, etwas von dem Salat zu essen, doch meine Kehle war wie zugeschnürt. Ich brachte einfach nichts hinunter. Ein Drink ist unten, fehlen noch zwei, sagte ich mir. Dann sah ich zum ersten Mal einen der Anderen.

Der Mann saß an einem Tisch in der Ecke des Restaurants. Dem Anschein nach war er allein. Auf seinem Tisch stand ein Glas Wein, das allerdings so voll war, dass es aussah, als hätte er noch nicht einmal daran genippt. Vor ihm befand sich ein unangetasteter Teller Pasta mit Meeresfrüchten. Der Mann tat dasselbe wie ich: Er beobachtete Michael. Zunächst glaubte ich, dass ich mir das Ganze nur einbildete. Ich hatte schon mehrmals Schübe von Paranoia gehabt. Als ich mich mit deinem Vater auf der Flucht befunden hatte, sogar ziemlich häufig. Damals hatte ich jedes Mal plötzlich das Gefühl gehabt, als wären alle Blicke auf mich gerichtet, und gedacht, jeder hätte es auf mich abgesehen. Vielleicht ahnte ich jetzt, dass ich mich wieder nahe am Krieg befand. Von deinem Vater hatte ich gelernt, meinen Instinkten zu vertrauen, deshalb richtete ich ein Auge auf Michael und das andere auf den Mann in der Ecke. Ich bildete mir das Ganze nicht ein. Er verfolgte jede Bewegung, die Michael mit bedächtiger Gelassenheit machte, und wandte den Blick immer nur dann ab, wenn Michael sich in seine Richtung drehte. Im Gegensatz zu mir war er kein Amateur. Michael schien ihn nicht zur Kenntnis zu nehmen.

Meine Gedanken überschlugen sich. Ich versuchte, einen Plan zu schmieden. Es kam mir vor, als wäre ich in einer der Geschichten deines Vaters gefangen, nur dass ich unvorbereitet war. Der Mann in der Ecke warf einen Blick auf die Uhr. Dann griff er nach seinem Glas und tat so, als würde er einen Schluck Wein trinken. Er war älter als ich, aber jünger als Michael. Sein Gesicht war hager. Seine Augen und sein Haar waren dunkel. Er sah abermals auf die Uhr, als würde er auf jemanden warten.

Ich stellte mein halb volles Margarita-Glas wieder auf dem Tisch ab und schwor mir, keinen einzigen Tropfen mehr zu trinken. Ich hatte geglaubt, allein Michaels Reaktion auf die Begegnung mit mir fürchten zu müssen. Das war ziemlich naiv gewesen. Ich hätte nie gedacht, Angst davor haben zu müssen, dass jemand anderer Michael vor mir erwischen würde. Wenn Michael etwas zustieß, war ich verloren. Er war alles, was ich hatte.

In diesem Moment kam ein zweiter Mann zur Tür herein.

Der zweite Mann und sein Partner waren ungefähr gleich alt. Mir fiel auf, dass der zweite Mann seinem Kollegen in der Ecke beim Betreten des Restaurants einen flüchtigen Blick zuwarf. Die beiden sahen sich in die Augen, und der Mann in der Ecke tippte auf seine Uhr und schüttelte den Kopf, als rüge er seinen Partner, weil dieser zu spät kam. Der zweite Mann war stämmiger als der erste. Er hatte breite Schultern und tief liegende Augen. Er warf einen Blick in Michaels Richtung und ging auf ihn zu, bis er nur noch ein paar Schritte von ihm entfernt war. Ich hätte am liebsten geschrien. Ich wollte Michael warnen, fand aber nicht den Mut, etwas zu sagen. Der Neuankömmling erreichte Michael und ging an ihm vorbei. Schließlich suchte er sich einen Platz am Ende der Bar. Ich fing wieder an zu atmen. Der zweite Mann bestellte ein Bier, doch ich hätte mein Leben darauf gewettet, dass er es nicht trinken würde. Ich richtete den Blick wieder auf Michael. Er schien nichts von alledem wahrzunehmen, während er alleine sein Bier trank. Die einzige Person, mit der er sprach, war der Barkeeper. Doch Michael war nicht annähernd so allein, wie er glaubte. Ich war wie gelähmt und beobachtete tatenlos das Geschehen, als handle es sich um einen Film. Dein Vater hatte mir beigebracht, wie man flieht. Er hatte mir aber nie beigebracht, wie man kämpft. Ich musste irgendetwas unternehmen. Ich musste Michael warnen. Im Restaurant wurde es immer lauter und an der Bar immer voller. Es wurde schwieriger, Michael im Auge zu behalten, von den anderen beiden ganz zu schweigen. Ich versuchte mir vorzustellen, was Michael an meiner Stelle getan...

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