Das Mädchen aus Sankt Petersburg

Russland-Saga
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 26. November 2019
  • |
  • 496 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-8343-0 (ISBN)
 
Eine opulente Saga - inspiriert von einer wahren Geschichte: Was der Krieg zusammengeführt hat, kann selbst der Krieg nicht mehr trennen ...

Bälle, Opernbesuche und festliche Empfänge: Die junge Studentin Marie genießt ihr Leben in Sankt Petersburg in vollen Zügen. Bis der Erste Weltkrieg ausbricht und ihr unbeschwertes Dasein ein jähes Ende findet. Marie meldet sich freiwillig als Krankenschwester und begegnet kurz darauf Alexei, einem gestandenen Offizier. Beide sind auf Anhieb fasziniert voneinander, doch Alexei ist verheiratet und Marie einem anderen versprochen. Während die Welt um sie herum aus den Fugen gerät, kämpfen Marie und Alexei für ihre Liebe ...

Dieser Roman behandelt zwei große Themen: den Krieg und die Liebe. Er erzählt die Geschichte Russlands von den Jahren 1914 bis 1921, vom Ausbruch des Ersten Weltkriegs bis zu den Anfängen der Sowjetunion - vor allem aber die Geschichte von Marie und Alexei, die sich inmitten der Kriegswirren ineinander verlieben. So ergibt sich eine vielschichtige Darstellung dieses düsteren Kapitels der bewegten russischen Geschichte, die von den Ballsälen Sankt Petersburgs zu den Schlachtfeldern Europas führt.

"Das Mädchen aus Sankt Petersburg" ist eine fesselnde Saga über Liebe und Gewalt, Freundschaft und Verrat vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs.

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Zwei Kriege haben Nina Serova und ihren Ehemann Mark zusammengebracht: Marks Großeltern sind 1920 vor den russischen Bolschewiken nach Australien geflohen - genau wie Marie und Alexei in ihrem Roman "Das Mädchen aus Sankt Petersburg". Ein halbes Jahrhundert später, während des Ersten Golfkriegs, haben Nina und ihre Familie ihre Heimat Teheran verlassen. Kennengelernt haben sich Mark und Nina in Sydney, wo beide Informationswissenschaft studiert haben. Heute arbeitet Nina Serova in der Buchhandelskette ihrer Familie und lebt mit ihrem Mann und zwei Söhnen in Sydney.

1.


St. Petersburg


September 1913

Die Kutsche rollte gemächlich über das Kopfsteinpflaster der Straßen von St. Petersburg in Richtung Mariinski-Theater. Marie Kulbas zog den Vorhang zurück, um den sternklaren Himmel und den Mond zu betrachten, der wie eine makellose Perle über den Barockgebäuden schwebte.

»Zieh den Vorhang zu, Marie«, gebot Pauline Kulbas. »Nichts ist so unziemlich wie eine junge Dame, die wie benommen aus dem Fenster starrt.«

»Das ist ungerecht, Mama!« Marie rückte ein Stück vom Fenster ab, spähte aber nach wie vor aus der Ecke hervor nach draußen. »Schließlich bin ich zum ersten Mal in St. Petersburg.«

»Mutter hat recht.« Nikolai beugte sich vor und zog den Vorhang zu. »Wenn deine erste Saison ein Erfolg werden soll, musst du einen guten Eindruck machen«, neckte er seine Schwester.

»Keine Sorge, mein Kind.« Hermann Kulbas, der sich in seinem Abendanzug nicht unbedingt wohlzufühlen schien, tätschelte Maries Knie. »Du wirst schnell genug lernen, dich in der feinen Gesellschaft zu bewegen.«

Jedes Jahr Anfang September fuhren Maries Eltern von Narva, wo sie zu Hause waren, zum Beginn der Saison nach St. Petersburg. Dieses Jahr durfte Marie, die eben erst die Schule abgeschlossen hatte, sie begleiten. Vor ihr lag ein Monat voller Einladungen zu Tanzveranstaltungen, Festen und Maskenbällen. Marie hatte die letzten Wochen mit Anproben bei den besten Schneiderinnen und dem Auswählen modischer Kopfbedeckungen aus den elegantesten Hutsalons ihrer Heimatstadt verbracht, und heute Abend gab sie in einem bodenlangen, mit bernsteinfarbenen Perlen bestickten Abendkleid und einem edelsteinbesetzten römischen Kopfputz ihr Debüt. Nikolai hatte zur Feier des Tages im Mariinski-Theater, in dem das Kaiserliche Russische Ballett auftrat, eine Loge gebucht.

Die Kutsche blieb vor dem Eingang stehen. Der Kutscher öffnete die Tür und hielt Pauline Kulbas die Hand hin. Marie, die nach ihrer Mutter ausstieg, betrachtete staunend das hellgrüne Gebäude mit den weißen Verzierungen, bevor ihr Blick sich der Menge elegant gekleideter Besucher zuwandte, die sich vor der klassizistischen Fassade eingefunden hatte.

»Schau mal, Kolja, da ist die ehemalige Primaballerina Mathilde Kschessinskaja«, wisperte Marie ihrem Bruder zu. »Ich habe schon so viel über sie gehört!«

»Ich auch.« Nikolai beugte sich zu seiner Schwester vor. »Man munkelt, dass die Primaballerina die Mätresse des Kaisers war, bevor er geheiratet hat.«

»Das glaube ich nicht!«, rief Marie empört.

Nikolai zuckte die Achseln. »Glaub, was du willst, aber er hat ihr eine Villa geschenkt.«

Sie näherten sich dem roten Teppich, der ins Vestibül führte. Nikolai bot Marie seinen Arm an. »Darf ich?«

»Ach, Kolja, ich hätte mir nie träumen lassen, dass es so wunderschön ist«, schwärmte Marie, als sie hineingingen.

Von den stuckverzierten Decken hingen funkelnde Kristallkandelaber, und in riesigen Vasen standen üppige Blumenbouquets. Frauen in hoch taillierten Kleidern und mit langen Federn im Haar schritten Arm in Arm mit eleganten Männern im Abendanzug dahin.

»Meine Güte, Mascha, ich glaube fast, du fällst gleich in Ohnmacht«, stellte Nikolai lachend fest.

Die Geschwister folgten ihren Eltern ins Obergeschoss, wo die Familie in eine Loge rechts von der Bühne geführt wurde.

Marie hielt den Atem an und kniff ihren Bruder in den Arm, während sie mit großen Augen auf die prachtvoll geschmückten Wände und die langen Reihen der Sitze blickte, die mit dunklem Samt bezogen waren.

»Siehst du das?« Nikolai zeigte auf die große vergoldete Mittelloge. »Das ist die kaiserliche Hofloge.«

»Warum ist sie leer?«

»Anscheinend macht sich die Kaiserin nichts aus geselligen Anlässen. Bei ihrem letzten Theaterbesuch hat sie mitten in der Vorstellung ihre Loge verlassen. Das hat ganz schön Aufsehen erregt!«

Die Lichter erloschen allmählich, als der Dirigent den Taktstock hob und das Orchester die Ouvertüre anstimmte. Verspätete Besucher eilten zu ihren Plätzen; dann senkte sich Stille über den Saal.

Maries Herz schlug schneller, als sie zur Bühne schaute.

Tänzerinnen in weiten weißen Röcken und juwelenbesetzten Miedern schwebten mit scheinbar müheloser Grazie über die Bühne. Jeder Sprung, jede Drehung rief in Marie Bewunderung hervor. Sie war dermaßen gebannt, dass sie bald jede Befürchtung vergaß, sie könnte keinen guten Eindruck machen. Sie ließ sich völlig von dem Liebesdrama mitreißen, das sich auf der Bühne entfaltete.

Am Ende des letzten Akts, als die Seelen von Prinz Siegfried und Odette über dem Schwanensee zum Himmel emporstiegen, fiel Marie in den begeisterten Beifall der Zuschauer ein.

Als sie wenig später vor dem Theater mit ihren Eltern auf die Kutsche wartete, war ihr ein bisschen schwindlig, als wäre sie gerade eben aus einem Traum erwacht. Vor ihnen staute sich eine lange Reihe von Kutschen und Automobilen, die darauf warteten, Fahrgäste aufzunehmen.

»Wo bleibt nur der vermaledeite Kutscher?« Hermann Kulbas ging unruhig auf und ab, wobei er immer wieder stehen blieb, um nach dem Gefährt Ausschau zu halten. »Zum Teufel mit dem Kerl! Wir werden uns noch verspäten!«

»Hermann, bitte.« Pauline Kulbas schaute sich verstohlen um, ob jemand die Flüche ihres Mannes mitbekommen hatte. »Wenn du schon fluchen musst, dann bitte leise!«

Monsieur Kulbas zückte seine Taschenuhr. »Wir hätten schon vor zehn Minuten im Haus meines Cousins sein sollen.«

»Es macht ihm bestimmt nichts aus, wenn wir ein bisschen später kommen. Er weiß, dass man nach den Ballettvorstellungen immer lange auf die Kutschen warten muss«, meinte Nikolai.

Ein Auto hupte, und Pauline Kulbas erschrak. »Diese abscheulichen, lärmenden Ungetüme!« Sie wandte sich an Marie. »Du weißt ja, dass Nikolai deinen Vater überredet hat, eins von diesen Dingern zu bestellen. Also, ich verstehe diese Begeisterung für Automobile nicht! Ich habe deinem Vater bereits gesagt, dass ich mich nie und nimmer in so ein Ding setzen werde.«

Marie lächelte. »Du wirst dich schnell daran gewöhnen, Mama.« Sie betrachtete die Menge, die sich vor dem Theater drängte. Der ganze Abend war wie ein Märchen, und sie wollte nicht, dass es aufhörte.

Sie zuckte zusammen, als Nikolai ihr auf die Schulter tippte. »Marie, ich möchte dir einen Freund von mir vorstellen, Pjotr Arkadjitsch.«

Marie wandte sich um und sah sich einem jungen Mann mit gewelltem flachsblondem Haar und einer Brille mit runden Gläsern gegenüber.

»Enchanté, Mademoiselle.« Pjotr schlug die Hacken zusammen und beugte sich über Maries Hand. Als er sich wieder aufrichtete, öffnete er den Mund, um noch etwas zu sagen, wurde aber von Kulbas' Kutsche, die in diesem Moment vorfuhr, daran gehindert.

»Möchtest du mit uns zu Mostowskis fahren?«, fragte Nikolai seinen Freund.

Pjotrs Blick huschte zu Marie, dann zurück zu Nikolai. »Danke, aber der Wagen meiner Mutter müsste jeden Moment hier sein.« Er drehte sich zu Marie um und schlug noch einmal die Hacken zusammen. »Ich freue mich darauf, Sie in Kürze wiederzusehen, Mademoiselle.«

*

Im Haus der Familie Mostowski standen die Gastgeber in der Eingangshalle, um ihre Besucher zu begrüßen.

»Wie gefällt dir deine erste Saison, Mascha?«, erkundigte Madame Mostowski sich und bedachte Marie mit einem freundlichen Lächeln.

»Es ist überwältigend, Madame.«

»Wir freuen uns schon sehr darauf, dich während deines Studiums in St. Petersburg unter unserem Dach zu haben, allen voran Darja.«

»Zu gütig, Madame.« Marie machte einen Knicks.

Sie folgte ihren Eltern und ihrem Bruder eine weit geschwungene Treppe hinauf und vorbei an hohen Spiegeln und bunten Blumenarrangements. Sie gelangten in den großen rechteckigen Ballsaal, der von Kronleuchtern in gleißendes Licht getaucht wurde. Das Feuer in den Marmorkaminen sorgte für eine angenehme Temperatur, und in einer Ecke spielte ein kleines Orchester leise Musik. Hochmodisch gekleidete Damen nippten an Champagnergläsern und begutachteten unverhohlen das Erscheinungsbild der anderen weiblichen Gäste.

Als Marie sich durch die Menge zu ihrer Cousine Darja schob, sah sie Pjotr mit einer Gruppe junger Männer plaudern.

»Du scheinst Pjotrs Interesse geweckt zu haben.« Darja fächelte sich träge mit einem großen Fächer aus Straußenfedern Luft zu.

Marie warf einen Blick über die Schulter und stellte fest, dass Pjotr sie beobachtete. »Sei nicht albern, Darja. Er schaut dich an, nicht mich!« Darja mit ihren grünen Augen und der schlanken, anmutigen Gestalt hatte nie über einen Mangel an Bewunderern zu klagen.

Darja lachte. »Ich kenne Pjotr schon eine Ewigkeit, Mascha, und so hat er mich noch nie angeschaut.«

Wieder wandte Marie sich um und sah, wie Pjotr sich zu Nikolai neigte und ihm etwas zuflüsterte, worauf die beiden jungen Männer sich von der Gruppe trennten und auf die beiden Mädchen zugingen. Rasch drehte Marie sich wieder zu ihrer Cousine um.

»Guten Abend, meine Herren«, sagte Darja und bewegte kokett ihren Fächer.

»Liebste Cousine.« Nikolai küsste Darjas Hand. »Du siehst heute Abend hinreißend aus.«

Marie verdrehte die Augen über Nikolais schmachtenden Ton, bemerkte dann aber, dass Pjotr sie mit einem belustigten Lächeln anschaute, und senkte verlegen den Blick.

Sie plauderten über dies und das, wobei Darja und Nikolai den...

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