Ganz alltägliche Weihnachtswunder

Besinnliche Geschichten zur Weihnacht
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 8. November 2021
  • |
  • 260 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7557-4349-1 (ISBN)
 
Ein indischer Arzt in Deutschland. Eine Mutter, die um das Leben ihres Sohnes bangt. Eine Familie, die wieder zueinander findet. Sie alle erleben ein unverhofftes Weihnachtswunder, für sie alle stellt Weihnachten einen Wendepunkt in ihrem Leben dar.

Acht alltägliche Geschichten, die den Leser das Wunder von Weihnachten ganz neu erleben lassen.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,26 MB
978-3-7557-4349-1 (9783755743491)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Ruth Senff, Jahrgang 1976, lebt nach ihrem Studium der Rechtswissenschaften und Ethnologie und ihrer Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie mit ihrem Mann und ihrem tierischen Rudel im Sauerland. Die Ideen für ihre Geschichten findet sie in alltäglichen Situationen sowie in ihrem Berufsleben und verleiht mit ihnen auch denjenigen eine Stimme, die viel zu oft übersehen werden.

Der Lebensretter


Ich arbeite als Redakteurin in der Lokalredaktion einer Zeitung in einer durchschnittlichen deutschen Stadt. In unserer Stadt passiert wenig, was aufregend ist, wenig, was es auf die Titelseiten schafft, wenig, was die Menschen wirklich interessiert. Manchmal frage ich mich, ob ich den falschen Beruf ergriffen habe - dann, wenn ich am Wochenende dem Kaninchenzuchtverein einen Besuch abstatte, um dann zur Kranzniederlegung am einzigen Kriegsmahnmal zu rasen, nur, um dann über die Einweihung des neuen Gerätehauses einer freiwilligen Feuerwehr in einem Vorort unserer Stadt zu berichten; wenn dann noch ein Besuch beim Treffen der Dackelzüchter ansteht oder ich zum Laternenbasteln in der einzigen integrativen Grundschule in dieser Stadt eingeladen bin, dann zweifele ich an mir selbst, frage mich, ob ich mich vielleicht hätte mehr anstrengen, mehr profilieren müssen, um in einem Ressort zu landen, in dem es aufregender, spannender zugeht. Und dann wieder gibt es Momente, da liebe ich meinen Beruf, liebe die Geschichten, die ich aufschreiben darf. Oftmals sind es nicht die Termine, zu denen wir in der Lokalredaktion eingeladen werden; es sind nicht die großen Events, über die wir berichten dürfen, nicht die Ratssitzungen, in denen es kontrovers zugeht - es sind die kleinen, unverhofften Geschichten, die das Leben schreibt, die mir zeigen, dass ich dort richtig bin, wo ich arbeite. Und manchmal, ganz selten, werde ich Zeugin von etwas Großem, darf ich über etwas berichten, was mich berührt und meine Sicht auf die Welt verändert.

Im letzten Jahr, in den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr, hatte mich das Los des Dienstes in unserer kleinen Redaktion getroffen. Ich bin alleinstehend, habe keine Kinder, keine nennenswerte Familie - ich war gefrustet, dass scheinbar nur Menschen mit Kindern freie Tage über Weihnachten und Neujahr vergönnt sind. Eigentlich war es mir egal. Mit Weihnachten konnte ich nichts anfangen, sentimentaler Quatsch, den sich die Industrie und die Gewerkschaft der Einzelhändler ausgedacht hatten, um den Umsatz anzukurbeln, damit wollte ich eigentlich nichts zu tun haben. Ich war bereits gelangweilt, wenn ich nur an die Terminanfragen, Pressenotizen und E-Mails dachte, die mich nach den Feiertagen erwarten würden und die ich, möglichst ansprechend, in die nächste Ausgabe unserer Zeitung packen musste. Es war noch dunkel, es war kalt, und das Kopfsteinpflaster der Brücke war glatt und rutschig durch den morgendlichen Raureif. Die Brücke führt über den Fluss, der unsere Stadt in zwei Hälften teilt - kein wirklich reißender Strom, kein wahnsinnig breiter Fluss, aber doch ein Fluss mit Untiefen, mit dunklem, eisigen Wasser, in dem sich an diesem Morgen die Brückenlaternen spiegelten. Ich fluchte vor mich hin, weil ich nicht die bequemen Stiefel mit der dicken Profilsohle angezogen hatte, sondern die schicken Stiefeletten; schließlich war ich heute die diensthabende, alles entscheidende Redakteurin. Man wusste ja nie, zu welchem Termin ich unerwartet eilen musste.

Gerade noch konnte ich mich an dem Laternenpfahl zu meiner linken festhalten, sonst wäre ich auf dem glatten Straßenpflaster weggerutscht und hätte mir womöglich, so gänzlich unpassend für eine diensthabende Redakteurin, meine schicke graue Hose aufgerissen. Fluchend nahm ich meine Hände von dem kalten Laternenmast - an Handschuhe hatte ich heute Morgen auch nicht gedacht, und die Eiseskälte des Pfahls schien meine Hand fast zu verbrennen. Ich nahm die Hände vor meinen Mund, um der Kälte mit der Wärme meines Atems zu begegnen. In diesem Moment sah ich, dass an dem Laternenpfahl, der mich gerade vor einem unschönen Sturz bewahrt hatte, ein Zettel hing - ein liniertes Blatt Papier, das in einer Klarsichtfolie steckte, handbeschrieben. Ich ging einen Schritt auf den Masten zu, nahm meine Brille ab, die durch meine Atemluft und den dicken Schal, den ich mir um das halbe Gesicht gebunden hatte, beschlagen war. Die Straßenlaterne warf nur ein schummriges Licht auf den Zettel, so dass ich Mühe hatte, dessen Inhalt zu lesen. Ich kniff die Augen zusammen. Die Schrift war schwer zu entziffern, das Licht der Laterne spiegelte sich in der Klarsichtfolie.

"An den Engel, der mir an Heiligabend das Leben gerettet hat: Ich danke Dir. Ich habe das schönste Weihnachtsfest meines Lebens erlebt. An alle, die daran zweifeln, ob es Engel gibt: Es gibt sie! Ich habe einen Weihnachtsengel getroffen, und er hat mir das Leben gerettet. Frohe Weihnachten an alle."

Wieder und wieder las ich den Text. Welche Geschichte mochte sich dahinter verbergen? Was war hier passiert? Würde ich, unter all den Pressemitteilungen, den Blaulichtnachrichten, etwas von einem Selbstmordkandidaten lesen, der durch Polizei und Rettungswagen daran gehindert worden war, sich das Leben zu nehmen? Ich bin nicht umsonst Journalistin geworden. Neugier ist das, was mich antreibt. Neugier auf das Leben, die Menschen, auf die Geschichten, die sie mitbringen - das ist es, was mich zu meinem Beruf gebracht hat. Vorsichtig nahm ich das Blatt aus der Klarsichtfolie. Ich drehte es in meinen Händen. Nirgendwo, auch nicht auf der Rückseite, fand ich eine Telefonnummer. Kein Hinweis auf den Urheber dieses Schreibens. Ich war infiziert. Ich musste wissen, was hier passiert war. Die Nachricht berührte mich, ließ mich glauben, dass es doch etwas Gutes gab in dieser Welt. Zu gerne hätte ich die Geschichte hinter diesem Dankesschreiben erfahren. Auch wenn wir in einer Kleinstadt leben, es wäre unmöglich gewesen, den Schreiber dieser Nachricht ausfindig zu machen. Kurz entschlossen kramte ich in meiner Handtasche nach einem Kugelschreiber. Ich legte meine Aktentasche auf das Brückengeländer und schrieb eine kurze Nachricht: "Ich würde gerne wieder an Engel glauben. Mögen Sie mir Ihre Geschichte erzählen?" Dann gab ich meine Telefonnummer an, die dienstliche, versteht sich, man wusste ja nie.

Danach geschah - nichts. Die ersten Tage schaute ich immer wieder auf mein dienstliches Handy, in der Hoffnung, einen Anruf von dem mysteriösen Zettelschreiber zu erhalten. Irgendwann, als ich wieder meine mehr oder weniger langweiligen Termine wahrnahm und nicht mehr diensthabende Redakteurin zwischen den Jahren war, vergaß ich den Zettel und die ganze Angelegenheit wieder. Ich verbrachte das Jahr mit Terminen, die sich wenig von den Terminen der vorangegangen Jahre abhoben, mit dem ein oder anderen spannenden Ausreißer, versteht sich; schließlich gibt es in jedem Job Highlights.

Irgendwann erstrahlte unsere Stadt wieder in der altvertrauten Weihnachtsbeleuchtung; die Schaufenster waren mit künstlichen Weihnachtsbäumen und bunten Paketen dekoriert, die Menschen drängelten sich geschäftig durch die kleine Fußgängerzone, um ihre Geschenke zu ergattern. Da klingelte auf einmal mein dienstliches Handy mit einer Nummer, die mir nichts sagte. Neugierig nahm ich das Gespräch an.

"Sind Sie noch immer auf der Suche nach einem Engel?"

Ich stutzte. War ich jemals auf der Suche nach einem Engel gewesen? Eigentlich nicht. Ich war viel zu rational, viel zu ab- und aufgeklärt, an Engel glaubte ich nicht, und auch der ganze sentimentale Quatsch, der mit Weihnachten zusammenhing, nervte mich mehr, als dass ich damit etwas anfangen konnte.

"Engel? Ich verstehe Sie nicht?"

War das einer der esoterischen Spinner, über die ich zur Sommersonnenwende auf ihr Bestreben hin einen Artikel verfasst hatte, die, die an Lichtwesen und Lichtenergie glaubten? Hatte ich, in dem Bestreben, die Gesprächsatmosphäre zu verbessern, vielleicht erwähnt, dass ich gerne an Engel glauben würde? Ich konnte mich nicht daran erinnern, aber möglich war es durchaus.

"Sie haben geantwortet, auf meine Nachricht. Sie haben geschrieben, Sie seien auf der Suche nach einem Engel. Und haben mir Ihre Telefonnummer gegeben."

Ich konnte mich nicht daran erinnern, jemals eine solche E-Mail geschrieben zu haben. Und außerdem hatte jede E-Mail, die ich aus der Redaktion versandte, meine Signatur, in der meine dienstliche Telefonnummer stand. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich diese explizit in eine E-Mail packen würde, ging gegen Null. Und privat würde ich solche Nachrichten schon einmal gar nicht verschicken. Es konnte nur ein Spinner sein am anderen Ende der Leitung. Ich überlegte, das Gespräch durch Drücken der End-Taste zu beenden.

"Sie erinnern sich nicht mehr? Letztes Jahr, eine Nachricht am Laternenpfahl der Brücke, an Weihnachten?"

Damit kam die Erinnerung zurück. Der Laternenpfahl, der meinen Sturz abgefangen hatte. Die Nachricht. Und auf einmal war sie wieder da, meine angeborene Neugier.

"Natürlich, doch! Selbstverständlich! Ich war nur gerade. Sie wissen ja, viele Termine, ich war gerade etwas abgelenkt." Gut, das war jetzt etwas geflunkert und beschönigt, aber das schadete ja nichts.

"Ich dachte, vielleicht hätten Sie Lust, sich meine Geschichte anzuhören?"

"Ja, natürlich. Wann und wo kann ich Sie treffen?"

"Ich schlage Ihnen vor, dass wir einen Spaziergang machen. Startpunkt ist der Bahnhof. Ich stehe auf der Ostseite. Sie werden mich schon erkennen. Sagen wir, in einer...

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