Ein Cottage zum Verlieben

Roman
 
 
dotbooks Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. Mai 2020
  • |
  • 275 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96148-875-9 (ISBN)
 
Ein behagliches Cottage und der Zauber der grünen Hügel Irlands: Der Liebesroman »Ein Cottage zum Verlieben« von Jana Seidel als eBook bei dotbooks. Sie können so süß sein - aber machen Rachefantasien wirklich glücklich? Am liebsten würde Louisa ihren untreuen Exfreund mit einem unschuldigen kleinen Schubs vor den nächsten Bus befördern. Stattdessen nimmt sie sich eine Auszeit und fliegt zu ihrem Vater nach Irland: Schließlich ist Liebeskummer in einem gemütlichen Cottage, umgeben vom saftigen Grün der irischen Hügel, schon nach kurzer Zeit nur noch halb so schlimm ... besonders natürlich, weil die Gegend so viele Rätsel birgt: Das Geheimnis um einen alten Liebesbrief beispielsweise, und die Frage, ob der attraktive Bad Boy Colin seinen schlechten Ruf zurecht trägt - oder vielleicht doch der Traummann ist, nach dem er aussieht! Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der gefühlvolle Roman »Ein Cottage zum Verlieben« von Jana Seidel. Dieses Buch ist bereits unter dem Titel »Über den grünen Klee geküsst « erschienen. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.
  • Deutsch
  • 1,98 MB
978-3-96148-875-9 (9783961488759)
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Jana Seidel, geboren 1977, war schon immer von zu vielen unterschiedlichen Dingen fasziniert, um sich für einen >ordentlichen< Beruf zu entscheiden. Im Schreiben fand sie daher den idealen Ausweg aus diesem Dilemma. Nach ihrem Magisterabschluss in Spanischer Literaturwissenschaft und Öffentlichem Recht arbeitete sie einige Jahre als Redakteurin. Heute lebt sie als freie Journalistin und Autorin glücklich zwischen Fiktion und Wirklichkeit - und als echte Lokalpatriotin mit Mann und Sohn im schönen Hamburg. Jana Seidel veröffentlichte bei dotbooks »Das Café der süßen Wunder«, »Ein Cottage zum Verlieben« und »Das Restaurant der süßen Träume«

Kapitel 1


Jeder vernünftige Mensch weiß, dass Klischees nur deswegen zu Klischees werden konnten, weil es einem schon beinahe unheimlich vorkommt, dass sie so dermaßen zutreffend sind. Und es hat mich deswegen auch nur einen halben Tag gekostet, ein halbes Dutzend Beweise dafür zu sammeln:

1. Die Iren sind ein heiteres Volk, das gerne singt; immer und überall.

Schon im Flieger nach Dublin umringte mich ein angeheitertes Damengrüppchen, das schmissige Balladen vortrug. Ich habe kein Wort davon verstanden - keine Ahnung, ob es sich um alkoholisiertes Englisch oder Gälisch gehandelt hat. Auf jeden Fall konnte ich nur die Augen schließen und so tun, als ob ich schlafe - dabei hätte ich so gerne etwas Gutes gelesen, um mich von meinem Elend abzulenken. Zum Beispiel das Buch »Die vier Phasen des Liebeskummers«, das Juli mir aus gegebenem Anlass geschenkt hat.

2. Männer stehen auf ihre Sekretärinnen.

Ein Duo wie Sherlock Holmes und der Koks - ohne Sekretärin funktionieren die Typen einfach nicht. Zuhause nimmt die Frau ihnen die Alltagsaufgaben ab, im Büro betätigt die Sekretärin für sie das Telefon. Und im idealen Fall bekommen sie auch noch von beiden Sex. Ich kann es immer noch nicht fassen. Ich wurde tatsächlich für die Sekretärin verlassen - mit gerade mal 32 Jahren! Es gibt nur eine klitzekleine Abweichung von der üblichen Geschichte: Das Luder ist nicht jünger, sondern 15 Jahre älter als ich, außerdem fünf Jahre älter als Martin und gefühlte 20 Kilo schwerer als wir beide zusammen. Auch wenn sich das Drama in so nüchternen Zahlen zusammenfassen lässt, ist doch wohl ziemlich offensichtlich, dass die Geschichte dahinter brutal und widerlich ist. Und hätte ich die beiden nicht auf frischer Tat ertappt, würde ich immer noch denken, ich hätte meinen Traummann gefunden. Der Mistkerl war ja sogar zu feige, zu seiner wahren Vorliebe zu stehen. Dachte wohl, dass passe nicht zu seinen schicken Anzügen und seiner Design-Eigentumswohnung. Wenigstens habe ich ihn verlassen! Ha! Aber was für eine Wahl hatte ich denn, wenn ich nicht jede Selbstachtung verlieren wollte? Oh, ich glaube, ich bin nach über einem Monat endlich in Phase drei angekommen: Zorn! Sehr gut, dann habe ich es fast hinter mir. Das sind auch nur Wuttränen auf meinen Wangen. Wirklich!

3. Frauen treffen nach Trennungen radikale Entscheidungen.

Sie färben sich ihre Haare platinblond - oder, wenn ihre Haare schon blond sind (wie meine), packen sie ihre Sachen und suchen das Weite. Und sitzen dann plötzlich in einem Taxi mitten in der irischen Pampa.

4. Männer flüchten gerne vor Problemen.

Dass ich überhaupt hier in einem Taxi auf einer irischen Weide sitze, ist eigentlich die Schuld meines Vaters. Mein Erzeuger und derzeitiger Schicksalsgenosse wurde von seiner Frau - ja, genau, meiner Mutter, aber das würde ich vorerst gerne vergessen - für einen anderen Mann verlassen. Betrachtet man unser beider Schicksal genauer, könnten wir stellvertretend für eine Welt im Umbruch stehen, vielleicht wird nach uns sogar ein Phänomen benannt, das der Nachwelt als kulturhistorisch wichtigstes Kennzeichen unserer Zeit erscheinen wird: Die älteren, warmherzigen Gutverdiener werden von ihren Frauen für brotlose Jungs verlassen, die noch selbst den Töchtern dieser Frauen wie unreife Teenager erscheinen. Und die knackigen jungen Blondinen mit Grips werden mit älteren Damen mit viel zu langen roten Fingernägeln betrogen. Anything goes! Nun, mein Vater hat dann aber den Slogan, man solle die Krise als Chance begreifen, vorbildlich umgesetzt: Er hat ratzfatz seine Arztpraxis in Deutschland aufgegeben, um ein Cottage in Irland zu kaufen und in Zukunft dort zu praktizieren. »Ein alter Lebenstraum«, hat er ganz dreist behauptet, obwohl ich mir sicher bin, dass er den noch nie zuvor erwähnt hatte. Das Haus, das er fand, wurde für einen Spottpreis verscherbelt. Und er bekam den Zuschlag, weil er die einzige Kaufbedingung erfüllte: Der Zuziehende sollte Arzt sein. Wenn ich es richtig verstanden habe, sind die Einwohner wohl hoffnungslos überaltert und brauchen dringend jemanden, der sich um Gicht, Rheuma und Herzbeschwerden kümmert. Ich bin also in ein todgeweihtes Dorf gereist. Aber ich will ja auch meine Ruhe haben. Totenstille quasi.

5. /6. Fallen mir gerade nicht ein. Aber ich werde darüber nachdenken.

»Wollen Sie nun aussteigen oder soll ich Sie vielleicht irgendwo anders hinfahren?« Der Taxifahrer räuspert sich ein wenig genervt.

Eigentlich möchte ich sitzenbleiben, es scheint draußen ziemlich kalt zu sein. Und ich habe überhaupt keine warmen Sachen dabei. In Hamburg reicht es, wenn ich mir morgens ein Mäntelchen übers Kleid werfe. Da lasse ich mich nämlich direkt vor der Haustür in die S-Bahn fallen, die direkt an meinem Arbeitsplatz hält - wo der von mir einst besonders geschätzte Kollege aus der Politikredaktion des also der Mann den ich verlassen musste, sicher genau in diesem Moment mit seinen gut manikürten Händen den Nacken der üppigen Sekretärin massiert. Es war so quälend, noch einen ganzen Monat in diesem Sodom, das sich Tageszeitung schimpft, auszuharren. Die letzte Herausforderung an dieser Front: bloß nichts anmerken lassen, nur den Aasgeiern, sprich: Kollegen, kein Futter geben. Irgendwie habe ich es überstanden. Aber zum Glück hatte ich so viel Resturlaub angesammelt, dass ich nach dem schrecklichen Monat bis zum Ende der Kündigungsfrist Urlaub einreichen konnte. Tja - und nun bin ich hier. Und hier werde ich mit meinen netten schwarzen Retro-Etui-Kleidern und den hübschen Jäckchen im 50er Jahre-Stil, auf die Martin so abfuhr, wohl nicht besonders weit kommen. Aber das ist nun wirklich kein Grund schon wieder loszuheulen. Das bisschen Kälte ... Ich werde einfach in den nächsten Tagen einen Abstecher nach Dublin machen und dort wärmere Klamotten kaufen. Die Stadt ist kaum mehr als eine Autostunde von diesem Ort entfernt. Ich leihe mir Papas Wagen und los geht's! Das ist nun wirklich alles gar kein Problem.

»Aussteigen«, stammele ich also. Gerne würde ich noch etwas Gefälliges über den angenehmen Tag und das milde Klima sagen, aber mein Englisch ist etwas eingerostet und so zahle ich klaglos den horrenden Betrag. Aber was sollte ich machen? In diese Gegend fährt nun einmal kein Bus. Die nächsten Nachbarn sind wild wuchernde Ginsterbüsche und bizarr geformte Felsen.

Der Fahrer reicht mir den Koffer und ich stehe mutterseelenallein vor einem abgelegenen Cottage mitten in den Wicklow Mountains.

In einem Punkt hatte mein Vater allerdings Recht. Das Häuschen ist wirklich hübsch - ganz genauso, wie man es sich vorstellt, wenn man noch nie in Irland war: ein verwilderter Garten mit kahlen Rosensträuchern, bemoostes Reetdach über weißem Stein. Im Sommer, wenn alles blüht, muss es ein Traum sein. Und es gibt noch einen Bonuspunkt, den mein Vater offenbar vergessen hat, zu erwähnen: Gar nicht weit hinter dem Häuschen steht ein echtes Anwesen - fast ein Schloss. Nicht so ein finsteres mittelalterliches Gemäuer, sondern ein schmuckes Herrenhaus wie aus einer Jane-Austen-Verfilmung. Schuldbewusst nehme ich zur Kenntnis, dass mein Vater auch nicht besonders viel Gelegenheit hatte, dieses Schmankerl zu erwähnen. Zwischen seiner und meiner Trennung habe ich den Kontakt nicht so optimal gepflegt, wie man es tun sollte. Zu viel Stress. Und als ich mich dann endlich gemeldet hatte, hat mich ohnehin nur eines interessiert: »Darf ich kommen und eine Weile bei dir wohnen?«

»Aber sicher doch. Das wird lustig!«, hat mein Vater begeistert erwidert.

Daran, dass es lustig würde, hatte ich so meine Zweifel, aber egal. Ich wollte nur noch weg aus Hamburg.

Das Häuschen hat gar keine Türklingel. Ich hämmere also mit dem Türklopfer im Löwenmaul gegen die blau gestrichene Holztür. Nichts rührt sich. Ich drücke die Türklinke. Es ist nicht abgeschlossen. Von einem kleinen Vorraum gehen zwei Türen ab: Eine führt zu einer behaglichen Wohnküche, in der mindestens zehn Leute Platz fänden. Ein kleiner Holztresen teilt den Herd ab, davor steht ein langer Esstisch aus robustem, unbehandeltem Holz. Die andere Tür führt in ein großes Zimmer mit dunkelgrün gestrichenen Wänden. Man möchte juchzen vor Vergnügen! Ich schmeiße mein Gepäck in eine Ecke und sehe mir alles genauer an: Vor dem Kamin steht ein leicht abgewetzter Ohrensessel aus ehemals sicher sehr teurem, altrosa Brokatstoff, davor steht ein Fußschemel, der mit dem gleichen Stoff bezogen wurde. An der zerknüllten Zeitung und der kuscheligen, nur zur Seite geschobenen Decke, erkenne ich, dass mein Vater hier seinen Lieblingsplatz gefunden hat. Hinter einem Sofa und einem weiteren Ohrensessel mit dem gleichen Bezug stehen jede Menge prall gefüllte Bücherregale. Wunderbar! Eine kleine Wendeltreppe führt nach oben auf die Galerie. Von hier gehen noch mal zwei kleine Schlafzimmer und ein Raum ab, in dem eine unzählige Menge Kisten stehen, die mein Vater noch nicht ausgepackt hat. Die kleinen Schlafzimmer sind ganz reizend - mit Blumentapeten und schmalen Ehebetten im Landhausstil mit geschnitzten Verzierungen an Rahmen und Stangen, in denen wirklich nur Frischverliebte Platz finden. Zurück im Erdgeschoss finde ich hinter dem Wohnzimmer auch das Schlafzimmer meines Vaters. Ich hätte ihm vielleicht doch die genaue Uhrzeit meiner Ankunft mitteilen sollen. Wie schön wäre es, wenn er jetzt bei mir wäre. Ich bin so erschöpft, und ich fröstele am ganzen Körper. Holz habe ich allerdings nirgendwo gesehen. Und selbst wenn, ich wüsste auch gar nicht, wie man einen Kamin anfeuert. Resigniert sinke ich in den Ohrensessel meines Vaters vor der kalten Asche, wickle mich in die Wolldecke, die den vertrauten Duft von Papas Aftershave angenommen hat, und heule erst...

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