Spritztour

Ein Allgäu-Krimi
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. Februar 2018
  • |
  • 320 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-97861-3 (ISBN)
 
Ideales Wanderwetter sorgt für Hochbetrieb auf dem Tegelberg bei Füssen. Unentwegt drängen sich die Besucher dicht an dicht in die Seilbahn. Rechtsmedizinerin Resi und Kommissar Hansen macht das nichts aus, sie schwelgen in Hochzeitsvorbereitungen und können sich nicht nah genug sein. Nur der Mann mit dem Schnauzbart stört, der sich zwischen Resi und das Kabinenfester drängt. Er lehnt schlapp an ihrer Schulter und macht keine Anstalten, sich dafür zu entschuldigen. Schnell wird klar, warum. Er ist tot, und die Einstichstelle im Nacken verrät: Es war Mord .
weitere Ausgaben werden ermittelt
Jürgen Seibold, geboren 1960 in Stuttgart, arbeitete als Redakteur und freier Journalist für Tageszeitungen, Zeitschriften und Radiostationen und veröffentlichte 1989 seine erste Musikerbiografie. Es folgten weitere Sachbücher mit einer Gesamtauflage von rund 1,2 Millionen Exemplaren. Außerdem schreibt er Theaterstücke, Thriller und seine erfolgreiche Allgäu-Krimi-Reihe um den Hauptkommissar Eike Hansen. Mit seiner Familie lebt Jürgen Seibold im Rems-Murr-Kreis.

Samstag, 28. April


Vor dem Einschlafen hatte sich Hansen noch eifrig Notizen gemacht, und auch wenn er sein Gekrakel am nächsten Morgen kaum entziffern konnte, war er doch froh, alles aufgeschrieben zu haben, was sie gestern Nacht ausgebrütet hatten. Sein Schädel brummte wie ein Bienenstock, und das lag weder am bayrischen Weißbier noch am Hannoveraner Pils, sondern eher an den Schnäpsen, mit denen sie am Ende voller Euphorie alles hinuntergespült hatten.

Hansen blieb noch einen Moment an der Bettkante sitzen und erhob sich schließlich. Resi schnarchte leise und sah einfach hinreißend aus, wie sie da in den völlig zerwühlten Bettlaken lag. Umständlich schlüpfte Hansen in Socken, Hemd und Hose, schlich leise um das Bett herum und zog die Tür behutsam hinter sich zu. Auf dem Weg durchs Haus hörte er leise Stimmen aus der Küche. Hanna und Haffmeyer, die im Gästezimmer übernachtet hatten, waren schon wach, hatten den Tisch gedeckt und Kaffee aufgesetzt. Im Brotkorb lagen frische Semmeln. Hansen sah Haffmeyer fragend an, aber der wehrte lachend ab.

»Nein, das war ich nicht. Deine Vermieterin, die Frau Walburga, war da, um bei ihrem preußischen Mieter nach dem Rechten zu sehen. Und auf dem Weg hierher hat sie beim Bäcker vorbeigeschaut und dir ein paar frische Sachen mitgebracht.«

»Und gleich wieder Weißbier in den Kühlschrank gestellt, richtig?«

»Richtig«, sagte Hanna. »Und etwas Aufschnitt dazu. Falls du hier mal nicht mehr wohnen magst, sag mir Bescheid, Chef - für diese Vermieterin würde ich sofort meine Wohnung mit diesem Haus tauschen.«

»Ja, sie ist sehr nett, aber zum Haus gehört halt auch Ignaz, und der .«

Wie aufs Stichwort trippelte der Kater in die Küche, sah sich um, bedachte Hansen mit einem vernichtenden Blick, wandte sich dann Hanna zu und schnurrte schon, bevor sie in die Hocke ging und ihre Finger in seinem Nackenfell versenkte.

»Ach, mit unserem lieben Ignaz würd ich schon klarkommen«, gurrte Hanna und stupste den Kater liebevoll auf die Nase.

»Guten Morgen.«

Resi lehnte im Türrahmen und gähnte herzhaft. Sie trug eine Jeans und ein übergroßes T-Shirt, auf dem vorn in glänzenden Lettern der Spruch »Life begins after coffee« prangte.

»Seh ich genauso«, sagte Haffmeyer und deutete auf Resis Shirt.

Wenig später fielen sie über die frischen Semmeln her und sprachen zunehmend lebhaft noch einmal durch, wie sie den heutigen Vormittag nutzen wollten. Ignaz, der anfangs noch ein paarmal um Hannas Beine gestrichen war, aber auch damit ihre Aufmerksamkeit nicht mehr erregen konnte, trottete zu seinem Futternapf. Er war mit frischem Trockenfutter gefüllt, auch das Wasser hatte Hanna gewechselt, aber trotzdem setzte er sich mit vorwurfsvoller Miene neben den Napf und maunzte kläglich. Als die lärmenden Zweibeiner auch davon keine Notiz nahmen, tapste er aus der Küche und kam wenig später mit den noch recht gut erhaltenen Resten einer Maus zurück. Er legte sie mitten auf den Küchenboden und maunzte erneut. Doch auch diesmal konnte er das angeregte Gespräch der Menschen nicht unterbrechen. Die Augen des Katers wurden schmal. Mit der Tatze verschob er den Mauskadaver mehrmals, bis er mit der Position zufrieden war. Dann zog er sich in eine Ecke der Küche zurück, in der eine Decke für ihn bereitlag. Er streckte sich genüsslich aus und schien zu schlafen. Doch zwischen den fast geschlossenen Lidern hindurch hatte er die tote Maus im Blick - und wartete, bis sein zweibeiniger Mitbewohner auf dem Weg zur Spüle mit dem nackten Fuß mitten in die ausgelegte Opfergabe treten würde.

Erst hörte man draußen mehrere laute Stimmen, dann ein knappes Kommando von Rosemarie Schwegelin, und damit war vorübergehend Ruhe. Die Sekretärin schlüpfte im nächsten Moment in das Büro von Vroni Schliers und drückte sofort die Tür hinter sich ins Schloss. Die Kripochefin saß in ihrem Sessel, bequem zurückgelehnt, und sah ihrer Mitarbeiterin amüsiert entgegen.

»So, jetzt weiß also auch das BKA, was ich für eine tüchtige Assistentin habe«, sagte sie. »Ich nehme doch an, dass dort draußen jemand vom BKA wartet?«

Rosemarie Schwegelin glühte vor Eifer und nickte zufrieden. »Diese beiden Trampel wollten einfach zu Ihnen ins Büro marschieren. Ich wollte sie aufhalten, und als sie in ihrer arroganten Art einfach weitergingen und mir von oben herab erklärten, sie seien vom BKA und das gehe schon in Ordnung, musste ich ihnen halt etwas deutlicher erklären, wie das bei uns läuft. Jetzt stehen sie draußen und warten, wie sich das gehört.«

Vroni Schliers prustete los, unterdrückte aber ein lautes Lachen, weil sie nicht zusätzlich Öl ins Feuer gießen wollte.

»Das haben S' toll gemacht, Rosi, wie immer. Aber jetzt lassen S' die Herrschaften halt rein zu mir.«

Die Sekretärin drehte sich um, zog die Tür auf und stolzierte hinaus.

»Sie können jetzt zu Frau Schliers«, erklärte sie gnädig.

Kurz darauf betraten zwei Männer den Raum. Der eine war um die fünfzig und ein Schrank von einem Mann. Der andere war dünner und jünger, aber seinem federnden Schritt nach zu urteilen ebenfalls gut in Form. Vroni Schliers erhob sich und deutete auf ihre Besucherecke. Auf dem Tisch standen schon einige Kartons zur Abholung bereit.

»Das ist alles, was Sie an Unterlagen im Fall Möller haben?«, fragte der Schrank, ohne sich zu setzen.

»Ja. Das meiste haben wir nur in digitalisierter Form, die DVDs, Sticks und so weiter finden Sie obenauf. Meine Sekretärin hat Ihnen eine grobe Übersichtsliste erstellt - Sie haben Frau Schwegelin ja schon kennengelernt.«

Der Jüngere nickte und schaute finster drein. Um den Mund des Älteren spielte ein leichtes Lächeln.

»Gut«, sagte er und klopfte zweimal mit der flachen Hand auf einen der Kartons. »Dann richten Sie Ihrer Sekretärin doch bitte meinen Dank aus. Ich fürchte, von mir wird sie das nicht hören wollen.«

Er gab dem Jüngeren ein Zeichen, der sich daraufhin zwei der Kartons auflud. Er selbst nahm sich den dritten.

»Ich gehe davon aus, dass Sie keine Kopien mehr von diesen Unterlagen haben, Frau Schliers.«

»So lautete meine Anweisung«, erwiderte sie knapp.

»Gut«, meinte der Schrank. Es schien ihm schwerzufallen, seine Belustigung zu verbergen.

Dabei hatte Vroni Schliers den Eindruck, dass er sie durchschaute und ihr mit seinem Grinsen eher Respekt zollte, als sich über sie lustig zu machen. In der Tat senkte er die Stimme, als sein jüngerer Kollege schon durch die Tür war.

»Ich kann Sie gut verstehen«, raunte er ihr zu. »Wir machen alle nur unseren Job, aber ich würde Ihnen den Rat geben, diese Anweisung wirklich zu befolgen. Es ist keinem geholfen, wenn es durch . sagen wir . Missverständnisse zu unschönen Konsequenzen kommt.«

Sein freundlicher Ton und sein Lächeln signalisierten, dass er sie keineswegs bedrohen, sondern ihr einen ehrlich gemeinten Ratschlag erteilen wollte. Vroni Schliers verkniff sich den bissigen Kommentar, der ihr auf der Zunge lag, und nickte nur stumm.

»Haben Sie denn die Soko schon aufgelöst?«, erkundigte er sich.

»Ja.«

»Und . hat das auch jeder der Betroffenen schon mitbekommen?«

Noch während Vroni Schliers überlegte, wie sie Hansen unerwähnt lassen konnte, ohne den BKA-Beamten offen anzulügen, grinste der nur noch breiter und schüttelte den Kopf.

»Es ist immer dasselbe mit euch von der Kripo«, sagte er gutmütig. »Aber ich gestehe Ihnen gern: Ärger hat man eigentlich nur mit denen, die ihren Job gut und sorgfältig machen. Ein Jammer, nicht wahr?« Er wandte sich zum Gehen. »Passen Sie auf, dass Ihr Hansen keinen Mist baut, bis er irgendwann offiziell erfährt, dass er raus ist, ja?«

Sie sah ihm nachdenklich hinterher und stand auch dann noch mit besorgter Miene im Raum, als Rosemarie Schwegelin eintrat und frischen Kaffee brachte.

Nach dem Frühstück wäre Hansen um ein Haar in einen Mäusekadaver getreten, aber Resi hatte die Sauerei rechtzeitig bemerkt und ihn gerade noch rechtzeitig davon abgehalten, mit dem Fuß die Reste noch weiter zu zerquetschen. Hansen schaute finster zu Ignaz hinüber, aber der Kater lag auf seiner Decke und tat, als schlafe er tief und fest.

»Du brauchst dich gar nicht zu verstellen, du Mistvieh!«, rief er ihm zu. »Ich weiß ganz genau, dass die Maus hier nicht zufällig liegt!«

Doch Ignaz regte sich nicht.

Wenig später waren sie bereit zum Aufbruch. Resi und Hanna wollten nach München fahren, um mehr darüber zu erfahren, wo sich Dr. Hannsdieter Schwerdtfeger am Tag von Möllers Tod genau aufgehalten hatte.

Haffmeyer und Hansen wiederum machten sich auf den Weg nach Dietmannsried, in der Hoffnung, dort doch noch etwas über Möller herausfinden zu können. Die Kollegen, die sich in der Nachbarschaft umhören sollten, hatten natürlich auch Gespräche mit den Mitarbeitern der umliegenden Gaststätten, Bäckerläden und Metzgergeschäfte wiedergegeben, die alle nicht viel gebracht hatten. Im Fleischerladen hatte allerdings gestern eine der Verkäuferinnen gefehlt, weil sie kurzfristig mit ihrem kleinen Sohn zum Arzt hatte fahren müssen. Vielleicht wusste sie noch etwas über Möller zu sagen.

In der Metzgerei herrschte Hochbetrieb, aber geduldig warteten die Kunden, bis sie an der Reihe waren - und entsprechend geduldeten sich auch Hansen und Haffmeyer, während zwei Frauen routiniert und freundlich die Kundenwünsche abarbeiteten.

»Was darf's sein,...

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