Endlich frei von Angst

 
 
Graefe und Unzer Verlag
1. Auflage | erschienen am 8. Juni 2011 | 160 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8338-2427-2 (ISBN)
 
Dieser Ratgeber zeigt, wie man der Angst die Stirn bieten kann: Mit wichtigen Infos über Ängste ausgestattet, setzt sich der Leser in einer 'Vorbereitungssitzung' zunächst mit dem Teufelskreis der Angst auseinander. In einem Selbsttest kann er er-mitteln, unter welcher Form der Angststörung er leidet. Daran schließt sich ein großes Selbsthilfeprogramm in 7 Schritten an: In konkreten Übungen lernt der Betroffene, sich seiner Angst zu stellen, sich gesteuert in 'kritische' Situationen zu begeben und seine Ängste zu konfrontieren. Er lernt, ein Angsttagebuch zu führen und irrationale Einstellungen, die die Angst fördern, zu erkennen und zu verändern. Dabei hilft auch ein gezieltes Training für einen 'normalen', entspannten Alltag.
Deutsch
1,10 MB
978-3-8338-2427-2 (9783833824272)
3833824271 (3833824271)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Angst ist ein menschliches Urgefühl, das dazu dient, das Überleben zu sichern. Doch wenn die Angst die Kontrolle über Ihr Leben übernimmt und Sie einschränkt, wird sie zur Krankheit. In diesem Kapitel erfahren Sie, welchen Sinn Angst haben kann, dass Sie sich Ihrer Angst weder schämen noch sie verstecken müssen – und warum Sie sich auf keinen Fall mit ihr abfinden sollten.

Jeder


Mensch


hat Angst


Angst gehört zu den grundlegenden Gefühlen, wie Liebe, Wut oder Traurigkeit. Und wie alle Gefühle, so hat auch die Angst einen biologischen Sinn. Sie taucht meist dann auf, wenn wir uns in Situationen befinden, die neu und ungewohnt sind – und die wir als gefährlich oder unkontrollierbar einschätzen.

»Angst kann man in sich immer finden.
Man muss nur tief genug suchen.«

[ André Malraux | französischer Minister und Romancier ]

Einige wenige Dinge lösen immer Angst aus. So zum Beispiel das Gefühl des Fallens und plötzliche laute Geräusche oder Objekte, die mit großer Geschwindigkeit auf uns zukommen. Als die Brüder Lumière 1895 einen der ersten Kurzfilme vorführten, bei dem ein Zug genau auf die Kamera zufuhr, gerieten viele der Zuschauer in Panik – obwohl sie genau wussten, dass sie eigentlich nur bewegte Bilder sahen. Wir sind heute aus dem Kino viel extremere und realistischere Szenen gewohnt und genießen sogar das Kribbeln im Bauch, das sie verursachen. Wir haben gelernt, mit dieser Angst umzugehen. Und das können wir bei allen Ängsten lernen.

Vielleicht ist ein Teil Ihrer Angst die Befürchtung, nicht normal zu sein. Manche Menschen, die unter Ängsten leiden, verstecken sich oder zumindest ihre Angst, sprechen mit niemandem darüber und schämen sich dafür. Mitunter glauben sie sogar, dass sie ganz allein dastehen. Tatsächlich sind Ängste aber das häufigste psychische Problem.

1998 wurde vom deutschen Gesundheitsministerium eine Untersuchung in Auftrag gegeben. Das erstaunliche Ergebnis: 14,2 Prozent aller Deutschen (jeder Siebte!) zwischen 18 und 65 Jahren leiden unter Ängsten. Und zwar nicht unter kleinen Alltagsängsten, sondern unter stärkeren, klinisch relevanten Ängsten. Sie haben also mehr Leidensgenossen, als Sie bisher dachten. Das nimmt Ihnen hoffentlich die Sorge, dass Sie allein sind.

Alles kann Angst machen


Die Angst vor Höhe kennt jeder. Auch vor dem Tod fürchten sich die meisten Menschen. Und auch die Angst vor dem Altwerden nimmt aufgrund des heutigen Jugendwahns immer mehr zu.

Doch was ist mit der Angst vor Mäusen, vor Spinnen, vor Krankheitskeimen, vor öffentlichen Plätzen, vor Menschen, vor dem Fliegen, vor der Fahrt mit der U-Bahn oder dem Auto, vor Staub oder Sonnenlicht? Sie ist nicht so leicht nachvollziehbar und doch genauso real und belastend.

Angst ist nicht »verrückt«


Menschen, die Angst haben, glauben oft selbst nicht wirklich, dass diese »vernünftig« ist. Manchmal wissen sie sogar, dass sie sich »grundlos« fürchten. Das hilft ihnen aber auch nicht weiter. Ganz im Gegenteil: Wenn ihnen klar ist, dass ihre Angst »unlogisch« ist, und ihre Mitmenschen ihnen das auch immer wieder bestätigen, belastet sie das noch mehr.

FALLgeschichte

Karin H. (22) –
Studentin

Karin hat Angst vor Spinnen. Vor allem vor den Weberknechten, denen mit den langen Beinen. »Ich weiß genau, dass die nicht gefährlich sind. Nur um ganz sicherzugehen, habe ich sogar im Lexikon nachgesehen. Meine Eltern und meine Freunde können das überhaupt nicht verstehen und sagen, dass ich spinne. Aber trotzdem gerate ich jedes Mal total in Panik, wenn ich eines von den Viechern nur sehe. Ich weiß mir langsam nicht mehr zu helfen. Bin ich verrückt?«

Karin ist natürlich nicht verrückt. Wenn wir genau hinsehen, können wir feststellen, dass jeder Mensch auch »unvernünftige« Ängste hat. Jeder Mensch fürchtet sich, wenn er an einem 100 Meter tiefen Abgrund steht – selbst dann, wenn er mit Seilen gesichert ist, die sogar einen Elefanten tragen könnten. Und das ist letztlich kein bisschen weniger irrational als Karins Angst vor völlig harmlosen (und sogar nützlichen) Spinnen.

Angst kann sinnvoll sein


Auch wenn Sie Ihre Angst unbedingt loswerden wollen: Angst an sich ist ganz und gar kein nutzloses Gefühl. Die Angstreaktion hat sich im Laufe der Evolution entwickelt, um Gefahren besser begegnen zu können. Stellen Sie sich einen Höhlenmenschen vor, der einem Säbelzahntiger gegenübersteht. Was ist in dieser Gefahrensituation für ihn überlebenswichtig? Er muss entscheiden ob er weglaufen, kämpfen oder ganz ruhig bleiben soll.

Nun ist aber unser Höhlenmensch nicht besonders schlau und hat vor allem auch gar keine Zeit, lange zu überlegen. Er muss blitzschnell reagieren. Außerdem wäre es in dieser Lage gut, wenn er mehr Energie und Kraft hätte.

Bei all dem hilft ihm die Angstreaktion: Sein Herz schlägt schneller, sein Blutdruck steigt, seine Atmung beschleunigt sich, seine Muskeln werden stärker durchblutet und seine Muskelspannung erhöht sich – ohne dass er darüber nachdenken muss. Er ist bereit für Kampf oder Flucht. Möglicherweise lähmt ihn die Angstreaktion auch: Selbst das ist sinnvoll, wenn Flucht oder Kampf aussichtslos sind. Dann hat er immer noch die Chance, von dem Raubtier übersehen zu werden oder es zu täuschen.

Wir müssen aber nicht in die ferne Vergangenheit reisen, um festzustellen, dass Angst wichtig für uns ist. Immer dann, wenn wir uns in Situationen befinden, die Gefahren bergen, können uns unsere natürlichen Alarmreaktionen helfen. Stellen Sie sich vor, Sie gehen im Winter auf einem zugefrorenen See spazieren. Das Eis knackt. In Ihrem Körper läuft sofort die Angstreaktion ab: Sie werden automatisch vorsichtiger und können schneller reagieren. Auch beim Autofahren ist es überaus sinnvoll, wenn wir in Gefahrensituationen schnell und konzentriert handeln können. Angst macht wacher und zielsicherer.

Ein kleines bisschen Angst ist immer auch dann hilfreich, wenn es darum geht, Leistung zu zeigen – in der Schule, im Beruf oder im Sport. Sie hilft, sich besser motivieren und konzentrieren zu können, körperlich kurzfristig mehr zu leisten, wachsamer und zielgerichteter zu handeln.

Ihre Angst dagegen behindert Sie in Ihrem täglichen Leben. Sie wünschen sich, keine Angst mehr zu haben. Und doch kennen auch Sie bestimmt Situationen, in denen ein gewisses Maß an Angst den Genuss steigert. Zum Beispiel bei Sportarten, die mit Nervenkitzel und ein wenig Gefahr verbunden sind, bei einer Fahrt in der Achterbahn oder beim Schauen eines spannenden Gruselfilms.

Angst


ist natürlich


aber…


So natürlich Angst auch ist: Eine Angst, die Sie quält und einen Schatten auf Ihr Leben wirft, ist selbstverständlich nicht mehr in Ordnung. Sie hilft Ihnen gerade nicht, besser und erfolgreicher zu sein, gezielt und konzentriert zu handeln. Ganz im Gegenteil: Sie belastet Sie, ist lästig, unangenehm und hält Sie davon ab, Ihr Leben so zu genießen, wie Sie es gerne möchten.

FALLgeschichte

Anna M.(34) –
Journalistin

»Meinen ersten Angstanfall hatte ich in der U-Bahn. Im Zug war es stickig und ziemlich überfüllt. Plötzlich wurde mir heiß und kalt auf einmal. Ich fing an zu schwitzen und ich spürte mein Herz rasen. Ich dachte: ›Oh Gott, was ist das?‹ Ich merkte, dass ich schneller atmete. Mir wurde schwindelig. Ich dachte, dass ich gleich umfallen und sterben würde. Als die Türen endlich aufgingen, sprang ich auf und stürzte voller Panik aus der Tür. ›Gerade noch einmal davon gekommen!‹, dachte ich. Seither fängt mein Herz an zu klopfen, wenn ich nur daran denke, in die U-Bahn steigen zu müssen.«

Trotzdem ist es wichtig zu wissen: Auch Ihrer Angst liegt eine ganz natürliche Reaktion zugrunde – nur eben übersteigert und Ihrem Leben nicht angemessen. Sie leiden darunter, dass Sie Angst in Situationen haben, in denen sie eher ein Nachteil ist. Wie ist es dazu gekommen?

Die drei Ebenen der Angst


Vielleicht erkennen Sie im Beispiel von Anna M. Teile Ihrer eigenen Angst wieder. Das ist kein Wunder, denn Angst hat immer drei Ebenen. Sie spielt sich im Körper, im Kopf und im Verhalten ab.

Die drei Ebenen der Angst – Körper, Kognitionen und Verhalten.

Was bei Menschen mit Angststörungen passiert


Die drei Ebenen Körper, Kognitionen und Verhalten gibt es natürlich nicht nur bei Angst, sondern bei allem, was wir tun. Aber irgendetwas läuft bei Ihnen ja anders ab als bei Menschen, die dort wo Sie Angst haben, völlig unbeschwert sind. Auch das geschieht wiederum auf den drei Ebenen.

Die körperliche Ebene: Bei Angst läuft in Ihrem Körper eine Alarmreaktion ab. Die körperlichen Empfindungen sind jedoch völlig ungefährlich. Es treten ja auch bei Gefühlen wie Wut, Trauer, Freude oder sexueller Erregung körperliche Veränderungen auf. Doch nur den Menschen, die unter einer Angststörung leiden, erscheinen diese Veränderungen negativ und bedrohlich.

Überlegen Sie: Was geschieht bei Ihnen auf körperlicher Ebene, wenn Sie Angst...

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