Die Macht der Alten

Die Götterkriege 6
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. April 2015
  • |
  • 560 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-96608-5 (ISBN)
 
Havald, der Engel des Todes, hat sich von seinen Freunden getrennt, die nun auf sich gestellt in die Schlacht ziehen müssen. Leandra wie Seraphine kämpfen mit Havalds Entscheidung, denn sie wissen, dass sein Weg ins Dunkel führt. Werden sie die Macht der Alten aktivieren und damit Askir und Illian retten? Oder wird der Nekromantenkaiser ohne Havalds Schutz die Reiche verschlingen? Richard Schwartz bringt in diesem aufwühlenden Roman seine Figuren für das Finale seiner High-Fantasy-Reihe in Stellung.
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  • 3,40 MB
978-3-492-96608-5 (9783492966085)
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Richard Schwartz, geboren 1958 in Frankfurt, hat eine Ausbildung als Flugzeugmechaniker und ein Studium der Elektrotechnik und Informatik absolviert. Er arbeitete als Tankwart, Postfahrer und Systemprogrammierer und restauriert Autos und Motorräder. Am liebsten widmet er sich jedoch phantastischen Welten, die er in der Nacht zu Papier bringt - mit großem Erfolg: Seine Reihe um »Das Geheimnis von Askir« wurde mehrfach für den Deutschen Phantastik Preis nominiert. Zuletzt erschienen seine neue Saga »Die Götterkriege« sowie der Einzelroman »Der Falke von Aryn«.

Im Hammerkopf

1 Als sie durch die Tür des Gasthofs zum Hammerkopf trat, erinnerte mich ihr Anblick daran, wie ich sie das erste Mal gesehen hatte. Sie trug dieselbe Rüstung und schlug mit derselben Geste die Kapuze ihres Umhangs zurück. Nur dass sie diesmal lächelte, als sie mich an meinem Tisch sitzen sah.

Während die anderen Gäste sie angafften, als sie sich zwischen den Tischen ihren Weg zu mir suchte, schaute ich vorwurfsvoll zu Meister Eberhard hinüber, der nur den Kopf schüttelte, als wollte er sagen, dass er mich nicht verraten hatte.

Das Getuschel im Gastraum nahm zu, je näher sie mir kam. Eberhard runzelte die Stirn und griff unter seine Theke, um einen knorrigen Knüppel herauszuholen, mit dem er hart auf das Holz der Theke schlug.

»Lasst sie in Ruhe«, rief er aufgebracht. »Ich dulde nicht, dass ihr euch die Mäuler über sie zerreißt!«

»Aber sie ist die Königin!«, begehrte ein junger Mann auf, der zwar eine Rüstung und Schwert trug, dessen Wangen jedoch noch keine Rasur gesehen hatten.

»Ja«, knurrte Eberhard verärgert. »Eben. Meint Er, sie mag es, wenn man sie angafft und hinter ihrem Rücken tuschelt? Halte Er sich zurück, sonst kann Er schauen, wo Er sein Bier herbekommt!« Er hob den Knüppel an. »Ich meine es ernst«, grollte er und ließ seinen Blick drohend über die anderen Gäste schweifen. »Wer auch nur noch ein Wort verliert oder zu ihr hinschaut, wird hier nicht mehr bedient.«

»Das könnt Ihr nicht tun, Meister Eberhard«, beschwerte sich einer der Gäste entsetzt. »Der Hammerkopf ist das einzige Gasthaus in fünfzig Meilen Umkreis!«

»So ist es!«, grollte der Wirt. »Also überlegt euch genau, was ihr jetzt tut!«

»Danke, Eberhard«, sagte Leandra mit einem freundlichen Lächeln. »Das ist lieb von Ihm.«

Der Wirt warf noch einen drohenden Blick zu seinen Gästen hin, die hastig wegsahen. »Es ist das Mindeste, was ich für Euch tun kann, Majestät«, entgegnete er verlegen. »Das und den besten Braten für Euch in den Ofen zu schieben.«

»Das wird nicht nötig sein«, teilte sie ihm freundlich mit. »Aber eine Flasche Wein wäre willkommen.«

»Gewiss«, nickte Eberhard eifrig und verbeugte sich tief. »Sofort!«

Leandra setzte sich an meinen Tisch, hängte ihr Schwert aus, legte es auf den Stuhl neben sich und stützte ihren Kopf auf ihre gefalteten Hände, um mich mit funkelnden Augen anzusehen.

»Der Götter Segen mit dir, Havald«, begrüßte sie mich mit einem feinen Lächeln. »Wenn du dich hast verborgen halten wollen, hast du dir den falschen Ort dafür ausgesucht. Es hat keine zwei Tage gedauert, bis ich erfahren habe, dass du dich hier aufhältst. Gib es zu, du wolltest, dass ich zu dir komme.«

»Vielleicht«, sagte ich verhalten. »Ich gebe zu, ich habe dich vermisst.«

Tatsächlich war es weit mehr als das. Unlängst hatte ich die Macht des Nekromantenkaisers am eigenen Leibe zu spüren bekommen. Es hatte mich zerstört, in meinen Grundfesten erschüttert, und nur mit Mühe hatte ich mich zusammenhalten können. Doch das war nur der Anfang gewesen. Ich hatte das Grab eines toten Gottes und das Erbe der Titanen gefunden, mit eigenen Augen in das Antlitz Omagors geblickt und ihm seinen Umhang gestohlen. Ich hatte mit dem verfluchten Nekromantenkaiser Kolaron Malorbian die Klingen gekreuzt, ein Wesen bekämpft, das nie auf unserer Welt hätte sein sollen, und trug nun die Erinnerungen und Talente von unzähligen Seelen in mir, die sowohl meinem Schwert Seelenreißer als auch dem Verschlinger selbst zum Opfer gefallen waren. Doch über all dem hatte ich mich selbst verloren.

Vielleicht war ich tatsächlich wegen ihr hierher zurückgekehrt, an den Ort, an dem ich mein Ende hatte finden wollen und wo dann doch alles seinen Anfang nahm. Mit ihr. Maestra Leandra di Girancourt, Königin von Illian, meine Königin, Liebhaberin und die Mutter unseres ungeborenen Kindes. Als der Nekromantenkaiser mit seiner dunklen Gabe nach Maestra Asela und mir griff, war der Gedanke an sie der gewesen, der mir die Kraft gegeben hatte, dem Angriff des Seelenreiters standzuhalten. Jetzt saß sie vor mir, an meinem Tisch, und in diesem Moment fühlte ich mich wie ein Verdurstender in einer Wüste, der eine Oase erblickte.

Ich wusste nicht, dass Ihr so romantisch seid, meinte Hanik.

Ich unterdrückte mit Mühe einen Seufzer. Stabskorporal Hanik war nur ein Geist, ein Schatten, eine Erinnerung. Auch er war ein Opfer des Verschlingers geworden wie Tausende andere vor ihm. Seine Seele war schon längst zu Soltar gegangen, doch für mich war er nicht weniger real als Leandra selbst, ich trug die Erinnerung seines gesamten Lebens in mir. Wie die von Tausenden anderen auch. So viele Erinnerungen, dass ich oft nicht wusste, wer ich in Wahrheit war.

Hanik hatte sich zum Sprecher all der anderen aufgeschwungen, deren Leben und Erinnerungen mich bedrängten, was es einfacher machte, nicht zu vergessen, wer ich war.

Auf der anderen Seite hatte er die unglückliche Angewohnheit, meine Gedanken ungefragt zu kommentieren.

Pah, meinte Hanik erheitert. Entscheidet Euch. Entweder bin ich es, der Euch die Perlen meiner Weisheiten oder Einsichten zukommen lässt, oder Ihr redet, wie Ihr immer gerne behauptet, mit Euch selbst. Ist es das eine, habt Ihr in mir einen Freund gefunden, der Euch sagt, was er denkt, ist es das andere, beschwert Ihr Euch über Euch selbst.

Nur dass mich beides drohte, in den Wahn zu treiben.

Ihr seht es falsch, Lanzengeneral, lachte Hanik. Tatsächlich bin ich es, der Euch davor schützt. Es ist einfacher, eine Stimme zu ertragen, als deren Tausende, die alle zugleich auf Euch einstürmen.

Das mochte sein. Nur konnte ich ihn gerade nicht gebrauchen.

Wie Ihr wünscht, lachte Hanik, und ich fühlte, wie er sich zurückzog. Nur wussten wir beide, dass es nicht von langer Dauer sein würde.

»Was ist?«, fragte Leandra leise und griff über den Tisch, um meine Hand in ihre zu nehmen. »So tief in Gedanken? Was drückt dich? Muss ich in Sorge sein um dich?« Sie lächelte schief. »Nicht, dass ich es nicht auch so schon beständig bin.« Sie holte tief Luft, und ich sah die Feuchtigkeit in ihren Augen. »Es ist nur ein paar Tage her, dass ich erfuhr, dass du im Kampf mit dem Verfluchten gefallen wärest. Ich habe es nicht glauben können.« Sie schluckte heftig. »Ich bin froh zu sehen, dass du überlebt hast, dass es nur ein Irrtum war.«

»Es war nahe daran, kein Irrtum zu sein«, gestand ich ihr und griff nun selbst ihre Hände fester. Eberhard kam heran, sah auf unsere Hände herab und stellte wortlos die Flasche neben uns auf den Tisch, um sich genauso leise wieder zurückzuziehen.

»Es war nicht meine Absicht, meinen Tod vorzutäuschen«, erklärte ich ihr. »Doch als ich feststellte, dass man mich tot glaubte, dachte ich, dass es vielleicht besser wäre, daran nichts zu ändern. Die Prophezeiung sagt, dass ich dem Verfluchten alleine gegenübertreten muss und dass alle, die mich auf diesem Weg begleiten, dafür mit ihrem Leben zahlen müssen. Ich wollte das nicht. Ich will das nicht«, verbesserte ich mich. »Ich will nicht, dass ihr euch für mich in Gefahr begebt.«

Sie nickte langsam und löste eine Hand von der meinen, um sich einzuschenken. Sie trank einen kleinen Schluck, setzte das Glas ab und schaute mir tief in die Augen. »Wird nicht umgekehrt ein Schuh daraus?«, fragte sie mich sanft. »Ich war es doch, der dich bat, mir zu helfen. Es ist nicht alleine dein Kampf, Havald. Zokora trägt neues Leben unter ihrem Herzen, und ich bin schwanger mit deinem Kind. Wenn wir nichts tun, wenn wir den Verfluchten gewähren lassen, was für eine Welt wäre es für unsere Kinder? In diesem Kampf kann und darf niemand alleine stehen. Es braucht uns alle, um den Verfluchten zu besiegen und eine Welt zu schaffen, in der man leben will.« Sie legte ihre Hand auf ihren noch immer flachen Bauch. »Ich weiß, dass sie es nicht anders sehen wird.«

»Sie?«, fragte ich atemlos.

Leandra nickte. »Es wird eine Tochter sein.« Ihr Lächeln wurde weiter. »Und ich weiß jetzt schon, dass sie dich um den Finger wickeln wird, wann immer sie es wünscht.«

»Die Prophezeiung sagt, dass ich sterben werde. Auf meinem eigenen Schwert«, erinnerte ich sie verdrießlich. »Ich werde unsere Tochter niemals kennenlernen.«

»Das glaube ich nicht«, sagte sie sanft. »Du wirst sie kennenlernen. Ich bin Zokoras Ansicht, du musst den Worten der Prophezeiung nur eine andere Bedeutung geben. Überhaupt, wie kommt es, dass du, der du dich dein ganzes Leben gegen die Götter aufgelehnt hast, jetzt Worten Glauben schenken willst, die irgendein Priester vor Jahrhunderten in seinem Wahn gestammelt hat?«

Gute Frage, grinste Hanik.

»Ich bin nicht mehr der Gleiche, den du kennst«, erklärte ich ihr mit belegter Stimme. »Ich verfüge nun über Wissen und Erinnerungen von Tausenden, habe Dinge gesehen und erlebt, die du dir nicht vorstellen kannst. Ich habe mich verloren, Leandra, und ich fürchte, ich werde auch noch den Rest dessen verlieren, was mich noch zusammenhält.«

Sie nickte langsam. »Ich habe von Serafine und Asela gehört, was geschehen ist. Doch glaube mir, deine Sorgen sind unbegründet.«

Ich schaute sie erstaunt an und sie lachte leise.

»Schau dich an«, sagte sie erheitert. »Du bist wieder der, den ich kennen- und lieben gelernt habe. Die Narben, die grauen Schläfen, diese buschigen Augenbrauen, die sich immer so bedrohlich zusammenziehen, wenn dir nicht gefällt, was jemand sagt . so wie jetzt.« Sie lachte und schüttelte den Kopf. »Nein, Havald,...

»Schwartz beweist einmal mehr, dass er, was die Abenteuer-Fantasy aus Deutschen Landen anbelangt, unangefochten Spitze ist.«, phantastik-couch

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