Detektiv Volpe und das grausige Kästchen: Drei Kriminalfälle aus Venedig

 
 
Uksak E-Books (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. Mai 2020
  • |
  • 190 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7389-4016-9 (ISBN)
 
von Meinhard-Wilhelm Schulz Der Umfang dieses Buchs entspricht 187 Taschenbuchseiten. Diese Buch beinhaltet folgende drei Geschichten: Die ,Associazione dei Lentiggini' (Sommersprossenverein) Die abgehakten Hände Das Geständnis in der ,Chiesa di San Nicolò del Lido' Dieser Venedig-Krimi-Band enthält zwei Short-Stories und eine Novelle: Zunächst hat Volpe, der bekanntlich keine Sommersprossen mag, das Vergnügen zu ermitteln, warum sich der ,Sommersprossenverein' aufgelöst hat und deckt eine skurriles Verbrechen auf. Dann ziehen ihn die Carabinieri zum Fall der abgehakten Hände zu. Es ist die verzwickte Geschichte dreier Schwestern, die zumindest den einen Vornamen gemeinsam haben, eine mysteriöse Moritat von Mord und Totschlag innerhalb der Familie. Zuletzt erfahren wir vom Schicksal eines Jugendlichen aus sozial bedrückenden Verhältnissen, der samt seiner roten sommersprossigen Freundin vom besten Kumpel zur Teilnahme an einem Verbrechen verführt wird. Was anfangs wie ein Spaß aussah, steigert sich rasant zu einem tödlichen Drama, bei dem Volpe tut, was er tun muss ...
  • Deutsch
  • 0,79 MB
978-3-7389-4016-9 (9783738940169)

Die Associazione dei Lentiggini (Sommersprossenverein)



Personen:

Giuseppe Tartini 'Volpe': venezianischer Privatdetektiv

Dr. med. Sergiu Petrescu: sein rumänischer Freund; Erzähler

Capitano Giulio Marcello: Chef der Carabinieri des Veneto

Tenente Ambrosio di Fusco: sein erster Adjutant

Emilia Paula Antonelli: Inhaberin eines Trödelladens

Tito Giulio Spurio: ihr windiger Angestellter

Marco Gallico: Chef der 'Associazione dei Lentiggini'

Giordano Brunello: anderer Name für Gallico

Cornelio Ambrosio: Chef des Bankhauses Ambrosio & Ambrosio

Alberto Scimmia (Affe): Korrespondent des Corriere della Sera

Albertina Casagrande ,Scintilla' (Funke): Lebedame



Es war ein glühend heißer Sommermorgen, der 1. Juli. Bleierne Stille über der Lagune. Wir lagen schlaff und schweigend in der rückwärtigen Säulenhalle mit ihrem feinen Springbrunnen und genossen einen eisgekühlten Tropfen. Volpe räkelte sich mit geschlossenen Augen auf dem Diwan. Niemand konsultierte ihn. Venedig war in lähmender Langeweile versunken, und die Verbrecherwelt machte Urlaub am Meer. Plötzlich nuschelte Giuseppe näselnd vor sich hin: »Gewiss doch! Bei Gott, das war wirklich eine Riesenschande für Italien; schön, dass du mit unserer Nation fühlst und leidest.«

»Ja«, antwortete ich mechanisch, »dazu hätte es nicht kommen dürfen; zum ersten Mal nicht für die Fußballweltmeisterschaft qualifiziert; und das im Jahre des Herrn 2018! Zum Glück haben sich dort wenigstens die Tedeschi blamiert bis auf die Knochen.«

»Da kann ich dir nur zustimmen. Wir sind ganz einer Meinung. Aber den Franzosen hätte ich den Titel auch nicht gegönnt.«

»Ja«, sagte ich, »aber woher weißt du, dass ich im Moment dran dachte?«, stotterte ich.

Volpe kicherte und sagte: »Mein Freund, kein Mensch auf Erden hat solch eine ausdrucksvolle Mimik wie du, und durch die halb geschlossenen Lider konnte ich ihre Bewegungen beobachten.

Zuerst mustertest du das kleine Foto unserer Nationalmannschaft dort drüben an der Wand. Dann blicktest du zur Decke und balltest die Fäuste. Der bewundernde Ausdruck deines Gesichtes verfinsterte sich furchtbar. Da wusste ich, dass du dich zunächst mit der glorreichen Geschichte unserer Fußballer beschäftigtest, um dann mit Gott und der Welt zu hadern, dass wir so jämmerlich ausgeschieden sind, ganz erstaunlich für einen Mann aus Rumänien.

In diesem Augenblick beschloss ich, mich mit dir darüber zu unterhalten, und ich freue mich, dass wir auch in dieser Angelegenheit übereinstimmen. Es wird Zeit, dass du unsere Staatsbürgerschaft beantragst.«

»Ach, so einfach war das alles, so simpel, mich zu durchschauen«, sagte ich und nahm einen tiefen Schluck, »und ich wollte dir allen Ernstes schon übersinnliche Kräfte zutrauen.«

»Das habe ich wieder einmal davon, wenn ich verrate, wie ich meine Gedanken führe und ordne. In Zukunft werde ich mich da restriktiver verhalten, denn omne ignotum pro mirifico (alles Unbekannte gilt als Wunder), wie wir Lateiner sagen.«

Volpe verstummte, denn vom Portal seines kleinen Palazzo am Campo dei Santi Giovanni e Paolo her drang ein gedämpftes Reden zu uns vor; neben der dunklen Stimme unseres Butlers Giovanni die schrille einer aufgeregt redenden Frau. Schon trat Giovanni bei uns ein und rief, eine Dame bitte Volpe um Hilfe; ob er sie einlassen dürfe.

Volpe nickte erwartungsfroh. Wir standen auf und hockten uns in zwei der vier um den Gartentisch herum stehenden Korbsessel. Dann ereignete sich etwas, das sogar Volpe dermaßen verblüfft dreinschauen ließ, dass ich mich bis heute voller Belustigung daran erinnere, denn mit eiligen Trippelschritten schneite die angekündigte Klientin bei uns ein. Kaum hatte ich sie gesehen, als ich auch schon sagte: »Emilia Paula Antonelli, wie ich vermute.«

(Ich kannte sie bislang nur aus Volpes Berichten. Er war ihr bei der Lösung eines Falles in Neapel begegnet.)

Sie nickte nur herablassend, als ob alle Welt wissen müsste, wer sie sei und sah mich freundlich an. Damit Du, lieber Leser (m/w/d), sie Dir vorstellen kannst, will ich sie kurz beschreiben:

Ein lebhaftes Püppchen von Ende Dreißig; das kurz geschorene krause Haupthaar wie ein roter Schwamm auf dem Kopf und durch keinen Kamm zu bändigen; das niedliche Gesichtchen mit seinen großen, erstaunt wirkenden hellbraunen Augen und der aufgeworfenen Stupsnase dermaßen von Sommersprossen überwuchert, dass es nicht möglich war festzustellen, welche der beiden Hautfarben hier die Übermacht hatte.

Sie lächelte mich mit regelmäßigen Zähnen aus Elfenbein an; das Kinn energisch, aber nicht zu spitz; darunter ein fein modellierter, ebenfalls braun-weiß getupfter Hals; ein ebenso gestalteter Ausschnitt am oberen Ende einer Flachlandschaft; darunter ihr jungenhafter Körper, der in einem ärmellosen grasgrünen Sackkleid steckte, das ein tüchtiges Stück oberhalb der kräftig geformten Knie endete. Darunter erschienen plumpe Schenkel und in lauchgrünen Sandalen steckende Füßlein, beides ohne Sommersprossen, während die zupackenden Arme, die sie aus dem Lümpchen herausstreckte, voll von diesen Sprenkeln waren.

Oberhalb der nur angedeuteten Hüften war ein weißer Strick um den Leib geführt, der vorne zu einer prächtigen Schleife zusammengebunden war. Er ließ die Andeutung einer Taille erkennen.

Ansonsten war das Mädchen, wenn ich es in meiner Unverschämtheit so sagen darf, hinten und vorne so flach wie ein frisch gehobeltes Brett. Dennoch fand ich sie derart reizend und bezaubernd, dass ich mich auf der Stelle in sie verliebte, während sich Volpe schmunzelnd räusperte, mich von oben bis unten ansehend die Fingerspitzen aufeinander legte und schließlich sagte: »Ja, gibt es das!? So eine Überraschung! Wir treffen uns in Venedig wieder! So nimm denn Platz, Emilia! Giovanni wird für ein kühles Getränk sorgen. Denn abgesehen davon, dass du neuerdings gerne Gitarre spielst und dazu singst, sowie in den letzten Tagen viel geschrieben hast, bist du seit damals kaum verändert. Sag uns also, was dich hierher führt und wo dich der Schuh drückt, meine Liebe! Denn dass dir eine Laus über die Leber gelaufen ist, steht dir ins Gesicht geschrieben.«

Ich kannte meinen Freund zu gut, um mir mit einem kurzen Blick auf ihre verhornten Fingerkuppen und den ausgedehnten Hals im Bereich des Kehlkopfes sowie die frischen Tintenflecke an der rechten Hand klar zu werden, dass er wieder einmal den Nagel auf den Kopf getroffen hatte.

Sie ging nicht darauf ein und rief: »Es ist so, wie du sagst. Aber darum geht es nicht. Vielmehr bin ich wütend, weil ich meine erst kürzlich angetretene Stelle verloren habe, ohne dass ich wüsste, weshalb, dazu noch eine ziemlich lukrative; und daher will ich sie wiederhaben.«

»Wir sind keine Arbeitsagentur«, murrte Volpe.

»So lass sie doch berichten, wie es ihr ergangen ist«, mischte ich mich ein, »sie wird schon wissen, warum sie uns konsultiert. Gewiss wird sich ein interessanter Fall daraus entwickeln.«

»Gut, liebe Emilia«, sagte Volpe gähnend, »so lass uns denn wissen, was geschehen ist. Dann werden wir ja sehen. Zuvor freilich wüsste ich gerne, weshalb du deinen Wohnsitz aus dem schönen Napoli in unser grässliches Veneto verlegst hast, ohne dass ich davon erfahren hätte!«

»Das ist rasch erzählt«, erwiderte Emilia, »denn nachdem wir uns aus den Augen verloren hatten, versuchte ich mein Glück mit der Ehe, fand einen annehmbaren Mann und trennte mich bald wieder von ihm, weil er . weil er .«

»Ach so«, sagte Volpe, »ihm ging's wie mir und er konnte deine, deine, äh, nicht ertragen?«

»Nein, Unsinn! An den Sommersprossen lag es nicht. Das machte ihm nichts aus. Aber er nahm sich eine andere, eine, an der, wie er sagte, etwas dran sei. Er wolle keine Knochen beim Umarmen spüren, betonte er. Ich wiederum hielt seine neueste Gespielin für fett und lahm, aber, äh, de gustibus non est disputandum (über den Geschmack kann man nicht streiten), wie man schon im Alten Rom sagte.«

»Und wie ging's dann weiter?«, fragte ich neugierig.

»Ich wollte daraufhin nach Venedig übersiedeln. Mein alter Arbeitgeber meinte, ich sei ein freier Mensch, könne gehen und müsse selber sehen, wo ich bliebe.«

»Das dachte ich mir schon, dass der Geizkragen so reagierte«, platzte Volpe sarkastisch hinein.

Emilia fuhr fort: »Ich übernahm den glücklicher Weise leer stehenden Trödelladen des 'Vecchio Abraham' an der Rialtobrücke. Er war seit geraumer Zeit, äh, schon tot (korrekt: ermordet; dazu...

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