Kairos

Die tane Chance
 
 
neobooks Self-Publishing
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 6. Februar 2020
  • |
  • 287 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7502-2392-9 (ISBN)
 
Ganz unabhängig vom oft unbegreiflichen derzeitigen Treiben der höchstentwickelten Primatenspezies auf unserem Globus könnte man die Menschheitsgeschichte auch aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten. Was wäre, wenn wir bereits wieder vor einem KAIROS stünden, wie eine vielleicht verschollene Kultur vor zehntausenden von Jahren? C. F. Schultze kleidet diese Frage in einen spannenden Wissenschaftsthriller, der Chancen und Möglichkeiten knallhart ins unser Bewusstsein hebt. In seinem Wissenschaftsthriller gestaltet er die Ereignisse nach 2015 fiktiv und prophezeit einen Mittelnahostkrieg und Auseinandersetzungen mit dem Islam in Europa.
  • Deutsch
  • 0,87 MB
978-3-7502-2392-9 (9783750223929)
Christian F. Schultze wurde 1944 als Sohn eines Pfarrers in Sachsen geboren. Nach einer Tischlerlehre qualifizierte er sich zum Ingenieur, Ökonomen und Juristen. Im Herbst 1989 war er an der friedlichen Revolution beteiligt und gehörte danach für kurze Zeit der Volkskammer und dem Bundestag an. Nach dem Beitritt der DDR zur BRD zog sich Schultze aus der Politik zurück und arbeitete als Rechtsanwalt. Mittlerweile arbeitet er nur noch als freier Schriftsteller.

1. Der Bericht


acta alea est1

Am Anfang erschienen Erde und Mond. Betörend schön erstrahlte das helle Doppelgestirn aus dem dunklen Universum heraus. Keinerlei Sterne sonst waren zu sehen. Die gemeinsame Leuchtkraft des Duos, ein größerer, blaugrün-weißer, und ein ihn begleitender, dunkelgrau bis silbriggelb scheinender Himmelskörper, ließ den üppigen Sternenteppich ganz und gar verblassen. Jetzt schwenkte die Kamera gemächlich zum viel kleiner wirkenden, aber fast weiß blendenden Fixstern hin, der die ihm zugehörigen Gestirne des Vordergrundes in sein gleißendes Licht tauchte.

Die dieser kosmischen Konstellation folgende Aufblendung gab den Blick frei auf einen riesig wirkenden, sich aber allmählich entfernenden Planeten, dessen Oberfläche von dunklen, giftig wabernden Wolken, durch die hindurch immer wieder grellweiße und gelbrote Blitze hervorzuckten, vollständig verborgen war. Hin und wieder breiteten sich an verschiedenen Stellen seiner unruhigen Oberfläche gewaltige Explosionsherde ringwellenförmig aus.

Während dieser graubraun umwölkte Wandelstern langsam immer kleiner wurde und für wenige Sekunden einer seiner beiden Trabanten, ein kartoffelförmiger, nicht großer Mond mit einer riesigen Kraterdelle in seinem oberen Drittel, durch das Blickfeld schwebte, ertönte eine merkwürdig näselnde Falsettstimme in einer unbekannten, überwiegend in rasselnden Schnalztönen intonierenden fremden Sprache und am unteren Bildrand begann ein Schriftband aus arabisch anmutenden Zeichen zu laufen.

Diese Eröffnungssequenz wurde allerdings recht schnell beendet und es erschien nun das ebenmäßige Gesicht Li Hui´s auf der Reflexionswand des Konferenzraumes, in welchem sich etwa zwanzig hochrangige Persönlichkeiten, darunter Mitglieder des Politbüros, Offiziere des Geheimdienstes und Gelehrte der Akademie der Wissenschaften versammelt hatten. Die Asiatin sah den Zuschauern während ihrer Ansprache ruhig und direkt in die Augen. Ihre etwas müde wirkenden Gesichtszüge verrieten kaum Emotionen. Nur wer genauer hinsah, konnte die nahezu verborgene Spannung und in der hellbraunen, fast bernsteinfarbenen Iris der Frau eine gut versteckte innere Unruhe bemerken. Die attraktive Chinesin schwer bestimmbaren Alters sprach in leisem, mit einem leicht asiatischen Akzent versehenen, Englisch direkt in die Kamera:

"Wir schreiben das Jahr 2013. Ich zeichne diesen Bericht auf, weil ich vermuten muss, dass nun, nachdem die wichtigsten Botschaften der Kristalle decodiert und die Aufzeichnungen der Besucher sichtbar gemacht worden sind, einige Personen, die mit diesem Projekt betraut waren und wichtige Arbeit an ihm geleistet haben, für die hier Führenden zum Problem geworden sind.

Es war schon immer schwer, Projekte dieser Dimension vollständig geheim zu halten. Das hatte sich bereits beim Manhattanprojekt, also beim Bau der ersten Atombombe, im vergangenen Jahrhundert gezeigt. Deshalb müssen diejenigen, die nicht mehr von aktuellem Nutzen sind und die nicht möchten, dass all diese Dinge geheim bleiben, damit rechnen, dass sie nach erfolgreich getaner Arbeit beseitigt werden. Ich denke, dass ich zu denen gehöre, die ihnen genug gegeben haben, und dass sie meine Dienste und Fähigkeiten nun nicht mehr benötigen. Darum fürchte ich, dass Jerome Redcliff Recht hat und ich zu denen gezählt werden muss, die auf ihrer Todesliste stehen. Es ist jedoch unbedingt notwendig, dass diese Informationen endlich an das Licht der Öffentlichkeit gelangen.

Nachdem ich in den Berichten zufällig darauf gestoßen war, dass die Codierung der Überlieferungen der Besucher auf einem dreiundzwanziger Zeichensystem basierte und wir davon ausgehend ihre Syntax relativ schnell begreifen lernten, besteht die neue Schwierigkeit vor allem darin, die große Anzahl der von ihnen verwendeten und für uns vollkommen fremden Begriffe in irgend einer Weise vernünftig auszudeuten, weil es sie in unserer Wissenschaftssprache und in unserer Vorstellungswelt einfach noch nicht gibt.

Wir müssen davon ausgehen, dass die Besucher unserer Population vielleicht hunderttausend Jahre, womöglich sogar noch weiter voraus waren. Ihre gesamte Wissenschaft, besonders ihre Mathematik und ihre Physik, basiert auf Gedankengebäuden und axiomatischen Voraussetzungen, die für uns zur Zeit nur mit äußerster Mühe und bisher auch nur zu ganz geringen Teilen zu verstehen sind. Das Problem, vor dem wir stehen, müssen Sie sich ungefähr so vorstellen, als wollten Sie aktuell einem der letzten Amazonasindianer die Relativitätstheorie erklären. In der Mathematik, der Astrophysik, der Teilchenphysik und der Biogenetik, um einige uns wichtige Teilbereiche der modernen Forschung zu nennen, arbeiteten sie mit Theorien, die wir einfach noch nicht begreifen können. Unsere Spezialisten waren zum Beispiel nicht wenig verblüfft, bei ihnen im breiten Maßstab die für uns vollkommen exotisch anmutende, nicht kommutative und nicht assoziative Oktionen-Mathematik vorzufinden, die bei unseren Mathematikern und Astrophysikern erst seit Neuestem wieder im Gespräch ist, um mit den Multiversen der Stringtheorie einigermaßen klarkommen zu können.

Ihr Umgangsidiom hatten wir dagegen bald verstanden. Es schien so, als hätten sie es uns besonders leicht machen wollen, ihre Schriftzeichen und ihre Lautsprache zu entschlüsseln. Die Arbeiten an einer kompletten Theorie der Semantik ihrer Sprache sollten wir auf Anordnung der Ranch jedoch vorläufig ruhen lassen. Man wies uns an, unsere Bemühungen darauf zu konzentrieren, ihre, die Mathematik, die Physik und die Molekularbiologie betreffenden, Botschaften möglichst pragmatisch und vorläufig mit eher empirischen Methoden schnellstmöglich in unser Verständnis zu ´transponieren´.

Die Führung hoffte, dass auf diese Weise die baldige praktische Anwendung einiger ihrer Technologien ermöglicht würde. Immerhin befinden sich in den Tiefbunkern von Area 51 schon seit langem viele in Jahrzehnten angesammelten Gebrauchsgegenstände der Besucher, einschließlich zweier fast intakter Flugschüsseln, deren Zweck und Gebrauchsweise unsere Physiker, Technologen und Materialforscher zum Teil bereits verstanden haben. Das erlaubte uns Schlussfolgerungen zu einigen anderen unbekannten Phänomenen, die sie uns in ihren Aufzeichnungen hinterlassen haben. Dennoch gewann ich bald den Eindruck, dass wir in unserem kurzen Leben niemals in der Lage sein würden, ihre Botschaften ganz zu entschlüsseln.

Mit diesen hochkomplexen Arbeiten sind wir also erst ganz am Anfang. Auch deshalb, weil die aufgefundenen Speicherkristalle solch ein riesiges Reservoir an wissenschaftlichen und bildlichen Informationen enthalten, dass allein deren Entcodierung Jahre dauern wird und den größten Aufwand an manpower und Computertechnologie erfordert, ganz unabhängig davon, ob wir jemals alles verstehen werden oder nicht. Neuestens wurden diese Arbeiten auf zahlreiche Einzelteams und Spezialisten innerhalb der Ranch aufgeteilt, teilweise, und unter ganz besonderen Sicherheitsvorkehrungen, auch außerhalb der Area 51 sogar auf der ganzen Welt. Somit wissen nur noch wenige Privilegierte der Führung über das sehr komplexe Ganze Bescheid.

Im folgenden kann ich Ihnen leider nur wenige Kapitel der uns von den Besuchern überlieferten Aufzeichnungen, ihre eigene Historie betreffend, sowie einige Bilderserien von ihrem ersten Kontakt mit den Erdenbewohnern bis zum Untergang dieser Zivilisation am Ende des zweiten, des Atlantischen Zeitalters, schildern. Soweit es mir unter den komplizierten und angespannten konspirativen Umständen möglich war, habe ich die in ihren Kristallbibliotheken enthaltenen Filmsequenzen auf ein Maß reduziert, das den allgemeinen Zusammenhang gerade noch gewährleistet. Ihre originalen Aufzeichnungen sind dreidimensionaler, holografischer Art, soweit sie nicht die reinen Formelwelten der Naturwissenschaften betreffen. Sie versetzen das Publikum mit nahezu hypnotischer Macht in vollkommene Scheinrealitäten, deren Konsum bei manchen Zuschauern zu nicht unerheblichem psychischem Stress geführt hat.

Die Spezialisten, die vom Stanford Research Institute im Menlo Park von Palo Alto und vom Massachusetts Institute of Technology in Boston zusammengezogen worden waren, hatten unter höchster Priorität erfolgreich Maschinen gebaut, die diese ´Filme´ in ebensolcher holografischen Qualität wiedergeben konnten, wie es zunächst nur die Kommunikationsapparaturen in den erhalten gebliebenen und in der Area aufbewahrten kleinen Flugapparaten der Besucher möglich gewesen war. Bezüglich der Kristallspeicher- und Holografietechnologie besitzen die US-Amerikaner ja seit längerem einen weiten Vorsprung vor der übrigen Welt, da sie auf diesem Gebiet bereits jahrzehntelang ziemlich erfolgreich geheimgehaltene Entwicklungen betrieben haben. Natürlich installierte Pegasus zwei von diesen Apparaten in den weitläufigen Bunkeranlagen der ´Ranch´, welche sich zu meiner Zeit in Ebene drei befanden.

Als ich das erste und einzige Mal an einer Vorführung dieser virtuellen Realitäten teilnehmen durfte, fühlte ich mich binnen kurzem vollständig in ihre außerirdische Welt versetzt. Ich kann nur schwer beschreiben, was ich alles empfand und welche bislang unbekannten Gefühle mich durchfluteten. Allenfalls könnte man sie ´himmlisch´ nennen. Mein Gehirn gaukelte mir die Welt aus einem völlig anderen Blickwinkel und von...

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: ohne DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "glatten" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Ein Kopierschutz bzw. Digital Rights Management wird bei diesem E-Book nicht eingesetzt.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

3,49 €
inkl. 7% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB ohne DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen