Die 7 goldenen Briefe

 
 
Ellermann (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 18. Juli 2019
  • |
  • 192 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-86273-062-9 (ISBN)
 
Echt magisch!
Jule ist 9 Jahre alt, als sie einen golden schimmernden Brief erhält, in dem ihr eröffnet wird, dass sie von der Nebenland-Kugel-Wahl-Klongsdingeling-Maschine zur Bewerbung um die Ehren-Prinzessinnen-Wu¨rde ausgewählt wurde. Sieben teufelstknifflige Aufgaben gilt es da zu meistern, aber wie, fragt Jule sich, würde eine Prinzessin wohl entscheiden? Gut, dass ihre Schwester und Freund Linus ihr zur Seite stehen.
  • Deutsch
  • Hamburg
  • |
  • Deutschland
  • 13,13 MB
978-3-86273-062-9 (9783862730629)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Andrea Schütze hat in ihrer Kindheit so ziemlich alle Hobbys ausprobiert, die man sich nur vorstellen kann. Irgendwann ist sie beim Lesen geblieben und schreibt deshalb auch so gerne Bücher. Sie hat einen Gesellenbrief als Damenschneiderin, ein Diplom als Psychologin, aber kein Seepferdchenabzeichen. Mit ihrer Familie lebt sie am südlichsten Zipfel von Deutschland. Dort gibt es eine Stelle, an der man gleichzeitig in Frankreich, Deutschland und der Schweiz stehen kann - vorausgesetzt natürlich man hat drei Beine.

Elias Linnekuhl, geboren 1990, kommt aus einem kleinen Ort neben einem Wald in Niedersachsen. Lebt und arbeitet in Hamburg fast am Wasser, und studiert Illustration. Er mag alles Farbenfrohe und sein größter Wunsch sind zwei eigene Hunde.

3 Der erste Brief


»Und, wer war's?«, ruft Mama aus dem Bad.

Jule hat es sich wieder auf ihrem Bett gemütlich gemacht und betrachtet das Papier in ihrer Hand. Es ist nur ein einziges Mal gefaltet. Doch sie wagt nicht, es aufzuklappen. Seltsamerweise fühlt es sich warm an und . knistert leicht, wie Brausepulver im Mund.

»Jule?«, ruft Mama.

Jule ist hin- und hergerissen. Sie kommt sich vor wie die Hauptperson in einem ihrer Bücher. Was soll sie Mama denn antworten? Es scheint, als ob gerade die Wahrheit gegen die Lüge, die Vernunft gegen die Magie und die Wirklichkeit gegen die Fantasie kämpft. Jule entscheidet sich für einen Kompromiss: Sie wird die halbe Wahrheit erzählen, drei Viertel der Magie und die komplette Fantasie weglassen.

»Da war so 'n verkleideter Jugendlicher«, ruft Jule also. »Mit einem Tattoo im Gesicht. Und der hat einen Zettel eingeworfen, wo draufsteht, dass man bei was mitmachen kann und dann was gewinnt.«

»Ach so«, ruft Mama zurück. »Kannst du gleich in den Müll tun.«

»Mhm .«, murmelt Jule. Dann faltet sie den Zettel auseinander und erwartet beinahe tatsächlich die Aufforderung zu einem Gewinnspiel, weil sie sich schon selbst nicht mehr glauben mag. Ist das an der Tür eben wirklich geschehen?

Doch der Brief in Jules Händen ist der Beweis. Und was für einer.

»Ohhh«, haucht Jule, als sie die glänzende Tinte der Schrift bemerkt, die sich wie flüssiges Spiegelglas über die Seite zieht.

Einladung zur Prinzessinnenprüfung

Für JULE PAUL, Menschenkind

1. Brief über das Prozedere und die Personalsuche

Wie jedes Jahr fällt der Rat der Zwölfeinhalber in einem langwierigen, hoch technologisierten Wahlverfahren die Entscheidung über die Zulassung einer Kindsperson zur Prüfung hinsichtlich der legendären Verleihung der Ehrenprinzessinnenwürde des Zauberreichs von Nebenland.

Jule lässt den Brief sinken. Sie kann nicht wissen, dass sich die komplizierten und unnötigen Satzverschwurbelungen der Alte Meister höchstpersönlich ausgedacht hat.

»Ehrenprinzessinnenwürde?« Jule zieht die Stirn in Falten.

Sie liest weiter.

Zur Teilnahme berechtigt sind nur die zur Teilnahme Berechtigten, siehe unten.

Jule sieht unten nach und entdeckt wieder ihren eigenen Namen. Sachte streicht sie mit dem Zeigefinger über die Buchstaben. Die Tinte ist noch feucht und lässt sich verwischen. Ein silberner Hauch bleibt auf ihrem Finger zurück.

Sollte sich die zur Teilnahme Berechtigte zur Teilnahme bereit erklären, so sollte sie hier ankreuzen:

? Ja, die zur Teilnahme Berechtigte will berechtigterweise teilnehmen.

? Nein, macht doch, was ihr wollt.

Jule muss lachen. Auf keinen Fall wird sie Nein ankreuzen.

Die Nachricht über die Teilnahmeentscheidung sei an dem zuvorderst mit dem überbringenden Überbringerboten, Elf Clemens vom Stamm der Waldreben, vereinbarten Platze abzulegen.

Jule nickt. Die Fußmatte, daran kann sie sich erinnern.

Im Falle eines hübschen Kreuzchens bei JA sehen die Regularien fürderhin vor, dass insgesamt 7 (in Buchstaben: SIEBEN) Aufgaben zu lösen sind, ohne welche es dem Rat der Zwölfeinhalber nicht möglich sein wird, die Ehrenprinzessinnenwürde zu verleihen. Die teilnahmeberechtigte Prinzessinnenprüfungsanwärterin möge sich im Klaren darüber sein, dass eine solche Ehre nur den allerwenigsten zuteilwird.

Zur Verdeutlichung folgt sogleich ein klitzekleines Rechenbeispiel:

Im deutschen Teil der Menschenwelt leben ungefähr eineinhalb Millionen Mädchen in deinem Alter. Jede Dritte hat schon mal davon geträumt, wie es wäre, eine Prinzessin zu sein. Das sind fünfhunderttausend Mädchen. Dass die Wahlkugel ausgerechnet auf deinen Namen plumpst, ist völlig, total und WAHNSINNIG unwahrscheinlich. So unwahrscheinlich, wie es wäre, auf deinem Fensterbrett fünf Krähen sitzen zu sehen, wenn du jetzt einen Blick hinauswerfen würdest

Jule kann nicht anders, sie muss aus dem Fenster schauen. Aber was ist das? Auf dem schmalen Sims sitzen tatsächlich fünf Krähen, die sich bei dem Versuch, ihrerseits ins Zimmer hineinzuspicken, krächzend schubsen und wegdrängeln.

Jule schüttelt ungläubig den Kopf.

»Das, das, das .«, stammelt sie.

Sollten dort zuuufällig doch fünf Krähen sitzen, dann beachte sie nicht, denn sie verhunzen mir meine gesamte Erklärung und zählen nicht. Diese Krähen sind nämlich die fünf kleinen Hexen, die bloß neugierig auf das teilnahmeberechtigte Menschenkind sind, und keine zufällige Vogelschar, falls du verstehst, was ich meine.

Jule nickt und schüttelt den Kopf, fast gleichzeitig. Sie versteht . halb irgendwie, aber das ist völlig egal.

Mahnend und mit erhobenem Zeigefinger sei der Ordnung halber strengstens darauf hingewiesen, dass die ganze Aktion nicht nur mit einem Krönchen und Ehre zu tun hat, wie Clemens das so schludrig dahergesagt hat, sondern ebensogleich mit Vertrauen: Über die geheimen, magischen Vorkommnisse sollst du nämlich Stillschweigen bewahren gegen Blödmänner aller Art, um dadurch das Nebenland vor Neugier, Spionage, Auskundschaftung und Tourismus zu bewahren.

Horch und merke:

Jemandem zu vertrauen, ist die größte Ehre, die man ihm zuteilwerden lassen kann.

Doch stopp jetzt, Ende Gelände, Schluss, aus, genug der tiefsinnigen Worte, hier kommt Aufgabe Numero 1 ..., liest Jule, als die Zimmertür aufgeht. Aus dem Augenwinkel registriert sie, dass die Krähen erschrocken Reißaus nehmen.

»Kann ich jetzt den Umschlag haben?«, fragt Luzie und kuschelt sich neben Jule aufs Bett. Sie duftet nach Babylotion und Himbeer-Shampoo.

»In zehn Minuten komme ich zum Gutenachtsagen«, ruft Mama.

Jule presst den Brief an sich.

Soll sie oder soll sie nicht .?

»Luzie«, flüstert sie, »ich muss dir was erzählen. Aber du darfst es niemandem verraten, okay?«

»Nee.« Luzie schüttelt bestimmt den Kopf. »Mama hat gesagt, dass wir auf so 'n Quatsch nicht reinfallen sollen. Wenn jemand sagt, wir dürfen was nicht erzählen, dann sollen wir's erst recht erzählen.«

»Ja, schon .«, gibt Jule zu, »aber das ist eine Ausnahme.«

»Von wegen«, sagt Luzie und beginnt, ihre Brille mit einem Ohr von Jules Kuschelhasen zu putzen. »Darauf dürfen wir auch nicht reinfallen.«

Jule verdreht die Augen und bereut längst, dass sie überhaupt in Erwägung gezogen hat, ihre kleine Schwester einzuweihen.

»Okay, ist auch egal, du kannst es Mama erzählen, sie glaubt dir sowieso kein Wort«, fällt Jule ein. »Es geht ja eh nur um ein Spiel.«

»Ach so .« Luzie schiebt sich die Brille zurecht. »Auf deinem Fensterbrett sind übrigens gerade fünf Vögel gelandet«, sagt sie.

»Aha .?«, sagt Jule vorsichtig. »Und das findest du nicht seltsam? Also unwirklich oder so?«

»Nö, ich seh sie doch. Mit und sogar ohne Brille«, antwortet Luzie und späht über den Brillenrand hinweg.

»Und du würdest auch nicht lachen, wenn ich dir erzähle, dass ich grade einen Brief von einem Elfen bekommen habe und .«

»Elf-e!«, verbessert Luzie.

»Nee, das war so 'n jugendlicher Elf. Größer als ich. Vielleicht gibt's diese kleinen Schwirrdinger-Elfen aus den Bilderbüchern in echt gar nicht .«

Luzie prustet los.

»Es gibt keine Elfen, ja klar. Dann gibt's wohl auch nicht das Christkind und den Osterhasen, oder was? Ich hab doch auch schon mal einen Engel gesehen.«

»Echt?«, fragt Jule. Will Luzie sie auf den Arm nehmen? Doch ihre kleine Schwester sieht ihr nur erwartungsvoll entgegen. Jule ist da inzwischen schon ein bisschen misstrauischer geworden. Kein Mensch kann ihr noch weismachen, dass die Geschenke an Weihnachten wirklich vom Christkind . Aber andererseits, wenn ihr gestern jemand erzählt hätte, dass sie heute einen Brief aus dem Nebenland bekommt, in dem sie aufgefordert wird .

Jule atmet tief durch.

»Okay«, sagt sie. »Das Ganze ist so: Erst dachte ich, du hast den Brief geklaut, weil der Umschlag leer war, aber dann hat es geklingelt und . Jedenfalls hieß der Elf Clemens, und ich bin ausgewählt worden, um eine Prinzessin zu werden.«

»Kriegst du dann auch eine Krone?«, fragt Luzie, weil Prinzessinnen und Kronen zusammengehören wie Geburtstag und Torte oder Pommes und Ketchup.

Jule nickt und atmet auf. Eine Verbündete zu haben, ist wirklich sehr erleichternd.

Vorsichtig entfaltet Jule den Brief und liest ihn ihrer Schwester vor. Luzie nickt ernsthaft bei jedem Satz, ganz selbstverständlich, als würde Jule eine Einkaufsliste besprechen wollen.

»Ach so, das sind verwandelte Hexen!«, ruft Luzie bei der entsprechenden Stelle im Brief. »Ist doch klar! Ich mag Hexen.«

»Hier kommt Aufgabe Numero 1 ...«, liest Jule weiter und legt einen Arm um ihre Schwester.

»Eigentlich ist es echt gemein, dass ich nicht ausgewählt worden bin«, flüstert Luzie.

»Ach, komm«, meint Jule, »wenn ich noch was anderes gewinne als eine Krone, teilen wir's uns.«

»Aber ich darf als Erstes aussuchen«, hält Luzie fest.

»Ich teile, du suchst aus«, bestätigt Jule, weil sie das immer so machen, wenn es was zu halbieren gibt.

»Dann ist ja gut«, sagt Luzie beruhigt.

»Also, die Aufgabe .«, murmelt Jule und sucht nach...

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