Gustav Klimt

Die Lebensgeschichte (optimiert für Tablet-Computer)
 
 
Random House ebook (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 23. Mai 2011
  • |
  • 112 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-06192-0 (ISBN)
 
'Ich interessiere mich nicht für die eigene Person - eher für andere Menschen, weibliche ...' Gustav Klimt

Gustav Klimt prägte als Künstler und als eigenwillige Persönlichkeit unser Bild von Wien um 1900 wie kaum ein zweiter. Die Autorin Bettina Schümann lässt die mondäne Gesellschaft, in der der berühmte Jugendstilkünstler sich bewegte, in ihrer Biografie lebendig werden und zeichnet das faszinierende Bild des eigenwilligen Künstlers, der ein Liebling der Damen der Gesellschaft war und sie auf seinen Gemälden in Gold und Edelsteinen glänzen ließ.



Bettina Schümann, selbst Mutter zweier Kinder, arbeitet als Autorin und Redakteurin in München. Bei Prestel erschienen von ihr 'Entdecke München! Stadtrallye für Kinder' (2008) und '13 Künstlerinnen, die du kennen solltest' (2009)
  • Deutsch
  • 4,88 MB
978-3-641-06192-0 (9783641061920)
364106192X (364106192X)
weitere Ausgaben werden ermittelt
"Untergang der alten Welt (S. 46-47)

Wenn alles ganz anders ist, als man dachte… Wer sich verteidigen muss, schließt sich gern zusammen. Und wer neue Wege sucht, tauscht sich auch gern aus. So treffen sich die Wiener Künstler und Intellektuellen in den legendären Wiener Kaffeehäusern oder im Salon der Bertha Zuckerkandl — jener außergewöhnlichen Journalistin, die für Klimts Kunst so eindeutig Stellung bezieht. Sie ist eine intelligente Frau, die es versteht, interessante Menschen zusammenzuführen.

Am interessantesten — ach was, am verrücktesten! — wird es aber immer dann, wenn man plötzlich feststellt, dass manches doch ganz anders ist, als man dachte, dass es sei. Wie zum Beispiel jetzt. Wer bin ich? Aufruhr kommt nämlich nicht nur aus Künstlerkreisen. Auch die Wissenschaft liefert Erkenntnisse, die, upps, mal eben kurz das Selbstbild der Menschen umkrempeln. 1899 bringt der Nervenarzt Sigmund Freud seine Schrift »Traumdeutung« heraus. Er berichtet darin, im Menschen das »Unbewusste« entdeckt zu haben. Dieses Unbewusste speichert all die Erlebnisse und unsere »verbotenen triebgesteuerten« Wünsche, an die wir uns bewusst nicht mehr erinnern können: Weil sie für uns zu unangenehm oder beängstigend sind, haben wir sie ins Unbewusste verdrängt.

Einmal im Unbewussten abgelegt, sind diese Ängste aber dennoch nicht »weg«. Nein, im Gegenteil: »Sie steuern sogar unser Handeln, ohne dass wir etwas dagegen tun können. Sigmund Freud aber, so schreibt er, hat jetzt eine Methode gefunden, diese angstbesetzten Erlebnisse und verbotenen Wünsche ins bewusste Erinnern zurückzuholen und ihnen dadurch ihre Macht wieder zu nehmen: Dies gelingt ihm durch die Deutung von Träumen. Hoppla. Das muss erst mal verdaut werden! »Was für Untiefen sind denn da in uns verborgen?« »Nicht unsere Vernunft, sondern unsere Triebe und Ängste beherrschen uns also?«

Die Diskussionen laufen heiß in Berthas Salon. »Unfassbar ist dieses Unbewusste, beängstigend!« Dennoch fordert das neue Unbewusste regelrecht dazu heraus, es — zum Beispiel durch die Kunst — irgendwie fassbar machen zu wollen. »Arthur Schopenhauer hat ja seinerzeit auch schon behauptet, dass das Triebhafte unserer Sexualität uns bestimmt, und nicht unser freier Wille. Er war überzeugt, wir könnten den ewigen Kreislauf von Begehren und Leiden durchbrechen…« »… durch Askese. Nein danke! Ich jedenfalls bin kein Eremit.« Verlegenes Gehüstel. Gelächter.

»Nein, lass mich doch mal ausreden: Schopenhauer meint, die Kunst kann diesen Kreislauf durchbrechen! Immer dann nämlich, wenn wir geniehafte Kunst genießen, treten wir in eine andere Welt ein, in der Glück und Unglück aufgehoben sind.« »Folgt daraus nicht die Forderung nach dem Dienst der Künstler an den Menschen?«, wirft Gustav in die Runde. »Schaut euch auch Nietzsche dazu an. Er sagt ebenfalls, die Kunst kann die Menschen erlösen. Überlegt doch mal, was für eine Aufgabe das für uns Künstler bedeutet!« Schauen wir ihn uns also an, den Philosophen Friedrich Nietzsche: 1872 hat er seine Schrift »Geburt der Tragödie aus dem Geist der Musik« veröffentlicht. »Lebe intensiv!«, war darin sein Credo."

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