Das anorganische Spiel

 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 18. Mai 2020
  • |
  • 548 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7519-6432-6 (ISBN)
 
Hauptsache Spannend und Gruselig! Hauptsache gute und solide Zombieliteratur!

Unsere untoten Freunde überrennen zur Mittagszeit den Erdenball. Mia und Ben zählen zu den wenigen, die sich in den Ulmer Münster retten können. Die beiden jungen Leute müssen um ihr Leben rennen und springen, laufen und kämpfen.

Denn der moderne Zombie ist topfit und ausgeruht, agil und hochmotiviert!

Aber erst einmal geht es hinaus, aus dem alten Kirchenschiff und mitten hinein ins Zombieland. Mia und Ben flüchten vor den lebenden Toten über die Schwäbische Alp, Heidelberg und Frankfurt.

Der alte Graf Alex schließt sich den beiden an, will er doch das große Rätsel der Zombies lösen. Der alte Mann ist von Lungenkrebs gezeichnete und wird von den unheimlichen Wiedergängern nicht beachtet.

Auf ihrer folgenden Reise sammeln die drei weitere Überlebende auf und wechseln vom Auto zum Flugzeug, von der Provinz in die weite Welt. Sie jetten von Frankfurt über Afghanistan nach Taiwan und von dort weiter nach Neuseeland.

Ihre Reise endet in einem riesigen, unwirklichen Hotel in den heißen Steppen Botswanas, quetschrammelvoll mit dem untoten Pack!
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,51 MB
978-3-7519-6432-6 (9783751964326)
weitere Ausgaben werden ermittelt

1.


Unter dem alten Glockenstuhl,


tanzen der Zombie und der Guhl.


"Das sollen Zombies sein!" Der alte Mann, der sich mit Hermann vorgestellt hatte, schaut neugierig durch die Metallspeichen des Geländers.

"Ja, das ist ihre landesübliche Bezeichnung", antwortet Tobias genervt. Wie häufig muss er das dem alten Sack denn noch erklären?

"Was wollen diese Zombies von uns?" Mia muss ihre eigene Stimme hören. Sie muss sich vor allem selber Mut und Hoffnung zusprechen. Die junge Frau erwartet keine allzu vielversprechende Hilfe von den anderen dreien. Der erste ist dieser ältere Herr Hermann, in seinem grobmaschigen schweren Zweireiher. Der ist ganz der werte Großpapa, so liebenswert, so herzlich und höflich. Jeder Enkel wäre stolz, so einen Großvater zu haben!

Aber hier! Der ist und bleibt ein alter Mann, uralt und gebrechlich, vielleicht bis in die hintersten Hirnwindungen verkalkt. Der ist im besten Fall eine verstaubte und ausgetrocknete Alzheimer Mumie, im Seniorenstift am Leben gehalten, mit einem guten Dutzend Tabletten täglich und Bingo Spielen am Wochenende.

Der zweite in der Reihe ist dieser Tobias, geschätzte Ende vierzig. Der ist die perfekte Performance eines protzigen Pfaus und allzeitbereiten Machos. Der glänzt und spiegelt sich in seinem eigenen Ego. Der hat echt nicht mitbekommen, dass seine besseren Jahre längst abgelaufen sind.

Der dritte und letzte ihrer Gruppe wäre dieser Ben. Der sitzt dort zitternd und heulend in der Ecke. Den haben die letzten Stunden wirklich übel mitgenommen. Der arme Junge ist weder ansprechbar noch zu irgendetwas zu gebrauchen. Der müsste doch in ihrem Alter sein, sie kann nur Mitleid mit dem armen Jungen haben.

"Was wollen diese Zombies von uns?" äfft Tobias Mias Frage nach. Für ihn sind alle Blondinen strohblöd, das Mädel ist da keine Ausnahme. Stopp, das hübsche Küken ist durchaus eine Ausnahme, die ist vorzeigbar, er würde sie nicht von der Bettkante stoßen!

"Was glaubst du wohl?" Der Macho ist in seinem Element. Er darf gleichzeitig zurechtweisen und anbaggern, alles in einem Atemzug: "Als guter Zombie hätte ich ein so junges hübsches Zuckermäuschen nicht übersehen! Was glaubst du wohl?"

Mia stößt seine Hand an ihren Hüften zur Seite, kann aber nicht verhindern, dass ihre Stirn errötet, so ein Kotz-brocken! "Das immer nur die Falschen gebissen werden, Schade aber auch!"

"Wieso wollen diese Zombies uns beißen?" Hermanns Augen gewinnen an Farbe, das stumpfe trübe Licht eines sterbenden Lebens ist aus ihnen gewichen! Er spürt eine alte Kraft, das Blut beginnt wieder durch seine Adern zu pumpen, die Muskeln spannen in seinen Schultern! Ganz wie damals! Diese neue Welt, diese Welt der Zombies, das ist seine Welt! "Kann mir jemand die Spielregeln erklären!" Er fixiert die beiden Streithähne aus kalten Fisch-augen, so kalt wie sie damals waren.

"Damit wir ebenfalls zu Zombies werden!" Tobias schüttelt unmissverständlich seinen Kopf, das sind allesamt Blödiane. Er hätte diesen Tattagreis wieder hinaus ins Kirchenschiff stoßen sollen, gleich unten an der Türe, zu den tobenden Zombies: "Also, nur für dich, die Details im Einzelnen! Die Grenze, die Front zwischen Menschen und Zombies, die kann nur in eine Richtung überschritten werden. Das ist wie in einer Einbahnstraße, gegen die Fahrtrichtung ist nicht drin, niemand schwimmt gegen den Strom."

Hermann nickt ihm zu. Das sind klare Fronten, er versteht diese Spielregeln auf Anhieb!

"Wirst du gebissen, wirst du zum Zombie. Das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche." Tobias breitet seine Hände aus, ganz wie ein Heiliger und schaut gespielt andächtig empor, zum Kreuzgewölbe der Basilika: "Die Welt ist jetzt in schwarz und weiß, in Gut und Böse oder, voil?, in Menschen und Zombies aufgeteilt."

"Können wir uns gegen diese Zombies wehren?" Hermann schnalzt leise mit der Zunge, das Dunkel lichtet sich. Dieser vorlaute Tobias ist brauchbar, der ist wie ein offenes Buch. Der ist echt eine Zusammenfassung aller dummdösigen Zombiefilme, die er selber gesehen hatte.

"Ja, wir schon." Tobias wirft einen vernichtenden Blick auf den in der Ecke kauernden Ben. Das schlaffe Weichei wird nichts und niemanden mehr retten. Dieser gelähmte Tropf wird nichts und niemanden mehr etwas zu Leide tun, nicht einmal sich selber! Eine blauschwarze Mammut-Outdoor Jacke kleidet den Knaben adrett, wie in einem Modemagazin. Seine kurzen Haare liegen, gestylt, wie zu einem Interview in der Glotze. Tobias kann über diese offensichtliche Fehlbesetzung ihrer Gruppe nur belustigt schmunzeln.

"Du musst ihr Gehirn zerstören", antwortet Mia. Sie durchforstet, wie der alte Hermann, ihre Erinnerungen an die schwachsinnigsten Filme aller Zeiten: "Du musst ihnen in den Kopf schießen oder mit einem Hammer draufhauen."

"Mein Täubchen, wir haben weder das eine, noch das andere", blockt Tobias sogleich mit einem mitleidigen Kopfschütteln ab.

"Wie schnell sind die eigentlich?" Hermann streicht grübelnd mit den Fingern über sein Kinn. Dieser Tobias, der wird diesen Ort nicht lebend verlassen! Ihn, Hermann, ihn hat sein Gefühl, sein sechster Sinn, niemals getäuscht.

Mia zuckt mit den Schultern: "In den letzten Kinoversionen sind die Zombies immer schneller geworden!" Wieso fragt der alte Herr, bildet der sich allen Ernstes ein, noch irgendjemanden davonlaufen zu können? Wie der sich das Treppenhaus zur Orgelempore hochgequält hatte, der mühte sich Schritt für Schritt, der musste immer wieder stehenbleiben und Luftholen. Nein, diese Kirche wird sein Grab werden! Mia muss schlucken, der alte Mann tut ihr Leid.

"Ja, als ob sie von der Leinwand gehopst wären!" Tobias ist von dem Steingeländer mit der Eisensprossenerhöhung zurückgetreten und bewundert heimlich Mias körperliche Vorzüge. Nein, wie konnte ich dich nur übersehen, Schätzchen?

Alle drei fahren erschrocken herum. Bens Knie schlottern und seine Hände zittern. Sein ganzer Körper, die Muskeln und die Sehnen, sie alle wollen nicht die seinen sein, sie wollen ihm nicht gehorchen und ihm folgen. Die Motorik, der Bewegungsablauf stimmt nicht, er mutet sich selber fremd an.

Seine Haut klebt, der getrocknete Schweiß, der Angstschweiß zieht an seinen Kleidern. Alle seine Bewegungen sind mühsam und erzwungen. Er müht sich am Metallgeländer hoch und klammert sich mit weißen Knöcheln an den dünnen kalten Stangen fest.

Ben starrt mit weit aufgerissenen Augen in das riesige Kirchengewölbe des Ulmer Münsters. Die riesige Basilika liegt vor ihm, in ihrer ganzen einzigartigen Pracht. Er kann ein jedes der fünf Kirchenschiffe gut einsehen, die Reihen der massiven steinernen Säulen mit ihren Heiligenstatuen, die hohen Rundbögen über den Buntglasfenstern, den Chor in weiter Ferne, die Zugänge zu den einzelnen Kapellen und vor allem den Ausgang.

Beatrice hätte sicherlich diesen Anblick genossen. Sie wäre die Stufen des kleinen seitlichen Treppenhauses in Windeseile zum Balkon der Hauptorgel hinaufgetrippelt, die große Cannon Kamera in der einen, das Louise Vuitton Täschchen in der anderen Hand haltend. Sie hätte die große Orgel in Augenschein genommen und wäre begeistert gewesen. Die Innenansicht des gewaltigen Kirchenschiffes von dieser Plattform aus, gute zwanzig Meter über dem normalen Boden, wäre für sie genau das richtige gewesen.

Sie wäre!

Ben beißt sich in den Unterarm, in den dortigen Jackenärmel, um das Geräusch des Würgens zu unterdrücken. Was heißt hier, wäre? Wäre heute kein Föhn, wäre heute kein Naturschauspiel, wären sie nicht zum Ulmer Münster gegangen. Sie wären nicht zur höchsten Aussichtsplattform des Ulmer Westturmes hinaufgestiegen, des höchsten Kirchenturmes der Welt. Der Anblick der Alpen, die Magie des Föhns und seiner innewohnenden Fernsicht, der Panoramablick wäre nur eine Erinnerung geblieben. Die Erinnerung von vor zwei Jahren, als Beatrice und er sich bei dem gleichen Wunder der Natur kennenlernten. Wären ihnen die beiden Jahre doch erspart geblieben!

Aber Beatrice wäre trotzdem gegangen!

Aus, aus und vorbei! Ihre Beziehung war in die Brüche gegangen. Ein immenser Trümmerhaufen beidseitiger Gefühle hatte sich angestaut.

Ben wusste, Beatrice hätte ihm oben Lebewohl gesagt, ganz in ihrer Art. Aber nichts wäre und nichts hätte. Er hatte die beiden Tickets für die Turmbesteigung gekauft, brav und folgsam, sich dem Kommenden fügend. Er war weder in der Lage, das Blatt zu wenden, noch sich die Trennung einzugestehen.

Er konnte sich dem eigenen Versagen nicht stellen!

Er war stattdessen, die beiden flattrigen Kärtchen in der Hand haltend, vom kircheneigenen, vom integrierten hölzernen Kassen -und Touristenhäuschen, direkt in die "Himmlische...

Dateiformat: ePUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat ePUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

6,49 €
inkl. 5% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen