Die Boten des Schicksals

Das Buch
 
 
Schruf & Stipetic (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 17. November 2021
  • |
  • 260 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-944359-71-7 (ISBN)
 
Drei der apokalyptischen Reiter sind erwacht und suchen fieberhaft nach dem Buch der sieben Siegel, um in den Besitz ihrer vollen Macht zu kommen. Dämonen und Engel kämpfen um die Vorherrschaft an ihrer Seite, auf der ganzen Erde leiden die Menschen infolge dieser Kriege an Hunger und Armut. Die Boten des Schicksals haben sich an einen sicheren Ort zurückgezogen. Von dort aus können sie das Leid nur lindern, denn der vierte Bote, Enkis Sohn, ist noch zu klein, um zu kämpfen. Doch die Zeit drängt. Wenn die Reiter das Buch finden und die Siegel brechen, ist die Apokalypse nicht mehr aufzuhalten.
  • Deutsch
  • Bornheim
  • |
  • Deutschland
  • 0,55 MB
978-3-944359-71-7 (9783944359717)
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Andrea Schrader ist 1988 geboren und lebt in Lutherstadt Wittenberg. Sie hat Sozialwissenschaften studiert, im Onlinemarketing und als Journalistin gearbeitet. Abends verlässt Andrea Schrader jedoch die reale Welt und schreibt Fantasy-Geschichten. Sie erfindet neue Welten und Protagonisten mit erstaunlichen Eigenschaften und Fähigkeiten.

1


(Frühling 2040)

Das erste Grün spross an den Bäumen, die ersten Blumen reckten ihre Köpfe in die noch kühle Luft. Es wurde Frühling, Abale roch es. Ein wenig wehmütig war sie darüber. Der Winter mit Schnee und Eis war ihr Element. In keiner anderen Jahreszeit fühlte sie sich dem Wasser so nahe, ohne in ihm zu schwimmen. Mit den Kindern hatte sie Iglus und Schneemänner gebaut und Schneeengel gemacht. Es war gut, dass die Mönche ihre Familien in den Tempel geholt hatten. Hier waren sie sicher und Enkis und Almas Sohn musste nicht allein aufwachsen. Auf dem weitläufigen Gelände des Tempels waren sie alle mit Langlaufskiern gefahren und hatten zwei Ponys vor einen Pferdeschlitten gespannt. Es war ein Winter wie aus dem Bilderbuch gewesen - ein paar Monate, in denen die Zeit stillzustehen schien. Lange würde das aber nicht mehr anhalten, dessen war sich Abale sicher.

Engel wie Dämonen hielten sich bedeckt, obwohl mittlerweile drei Reiter erweckt waren, zwei davon auf der Seite der Dämonen. Es schien, als würden sie auf etwas warten. Die Boten wussten nicht, auf was. Sie versuchten, in alten Schriften Antworten zu finden. Ihre Gefährten halfen ihnen dabei, trotzdem waren die Anstrengungen bisher ohne Erfolg geblieben. Sie stießen nur immer wieder auf Erwähnungen des Buchs der sieben Siegel, aber nicht einmal die Schweizer Garde wusste, wo es versteckt war, wenn es denn wirklich existierte.

»Wo steckt er nur?«, fragte Alma leise neben ihr.

Abale lächelte. »Wir finden ihn schon.« Sie war zusammen mit Alma in den Gärten unterwegs, um EJ zu suchen. Almas Sohn und Enkis Erbe. Enki Junior hatten sie ihn genannt und kürzten den Namen mit EJ ab. Der Junge sollte eigentlich beim Training sein, aber seit dem Mittag hatte ihn keiner mehr gesehen. Der Achtjährige verschwand gerne in den Gärten, egal bei welchem Wetter. Er liebte die Nähe zu Bäumen und der Natur im Allgemeinen. Sein Element machte sich schon jetzt stark bemerkbar. Ganesh hatte gesagt, das liege daran, dass Reiter erweckt waren und seine Kräfte schnell gebraucht würden.

Ganesh, der Mönch, der den größten Teil ihrer Ausbildung übernommen und ihnen ihre Elemente nahegebracht hatte, war vor zwei Jahren gestorben. Nach einem langen Leben im Kreise seiner Familie. Er hatte auf ein erfülltes Leben zurückgeblickt und zwei Urenkel gehabt. Trotzdem tat sein Tod weh. Er war immer die Stimme in ihrem Kopf gewesen, wenn sie nicht mehr weiterwusste. Ganesh hatte immer einen Rat gehabt - jetzt nicht mehr. Sein Grab war auf einer Rasenfläche in der Nähe des Tempels. Abale hatte sich immer gewundert, warum die Mönche diese Stelle mieden, warum auch sie nicht darauf herumlaufen sollten. Jetzt wussten sie es: Es war der Friedhof. Abale verstand nicht ganz, warum die Mönche ihnen nie davon erzählt hatten. Andererseits hatten die Boten auch nie danach gefragt.

»Ich weiß immer noch nicht, ob es richtig ist, dass er schon jetzt so hart trainiert«, meinte Alma und blickte sorgenvoll in den Himmel.

Abale seufzte. »Er ist ein Bote. Er muss lernen, mit seinen Kräften umzugehen, sonst ist er ein gefundenes Fressen für die Engel und Dämonen. Außerdem sind wir mittlerweile besser ausgerüstet, besser vorbereitet. Wir verlassen den Tempel nie mehr ohne unsere Lederrüstung. Es wird ihm nichts passieren, wenn er uns in ein paar Jahren begleitet.«

»Das sagte Enki auch immer. Dass ihm schon nichts passieren würde«, erwiderte Alma. Tränen schimmerten in ihren Augen.

Abale hakte sich bei ihr unter und ging weiter. Die Botin hatte nicht damit gerechnet, dass Alma so lange um Enki trauern würde. Doch eigentlich war es nur natürlich. Alles hier im Tempel musste sie an Enki erinnern, hier war er ein gutes Stück seines Lebens aufgewachsen. Wie sollte sie es hier schaffen, ihn zu vergessen? Es gab zwar ein oder zwei Mönche, die ein Auge auf Alma geworfen hatten - Küchendienst half dabei, den neusten Klatsch und Tratsch zu erfahren -, aber Alma ließ niemanden an sich heran.

»Es kann einem immer etwas passieren. Auch als ganz normaler Junge könnte EJ etwas passieren, wenn er mit Freunden unterwegs ist. Vielleicht ein Autofahrer, der die Kontrolle verliert. Oder ein wild gewordener Elch«, meinte Abale.

Alma lächelte. »Es gibt keine wild gewordenen Elche in Schweden.«

»Du hast nur noch nie einen gesehen«, erwiderte Abale und zwinkerte ihr zu. »Fakt ist, dass EJ ein Bote ist und genau wie wir seine Aufgabe zu erfüllen hat. Du wusstest das. Du hast gesehen, dass Katharina hinter ihm her war. Wie würde es ihm wohl gehen, hätte sie Erfolg gehabt? Wir wissen nicht mal, was passiert, wenn einer von uns korrumpiert wird. Vielleicht verlieren wir nur unsere Kräfte, vielleicht sterben wir aber auch sofort.«

»Wurden Izila und Enlil nicht so gut wie korrumpiert? Sie liebte einen Dämon und er brach jeden Kontakt wegen eines Engels mit euch ab«, sagte Alma.

Abale schüttelte den Kopf. »Sie beide haben nie für etwas anderes als das Schicksal gekämpft. Sie haben uns nicht verraten. Als sie die Wahrheit über Kargúhl und Alyss erfuhren, haben sie gegen sie gekämpft. Izila brachte Kargúhl um und schnitt sich dabei beinahe selbst das Herz aus der Brust. Enlil tötete Alyss, und schaffte es dennoch nicht, sie davon abzuhalten, Enki umzubringen. Sie waren nicht korrumpiert. Sie waren dem Schicksal weiterhin treu.«

Alma nickte. Abale sah Tränen über ihre Wangen laufen, die Alma schnell wegwischte. »Du hast ja recht mit allem. Aber selbst das viele Training wird ihn nicht schützen. Es hat Enki nicht geschützt und Phönix auch nicht.«

Abale seufzte. »Aber es hat sie lange Jahre vor Schlimmem bewahrt.«

Phönix war bei einem Erkundungsflug gestorben. Dämonen hatten auf ihn geschossen. Einem Pfeil hatte Phönix nicht ausweichen können. Mit letzter Kraft hatte er sich zum Tempel geschleppt und war hier gestorben, war in Flammen aufgegangen, und hatte nichts als einen Haufen Asche zurückgelassen. Izila war die ersten Tage wie paralysiert gewesen. Es dauerte Wochen, ehe sie sich überwand und wieder ins Feuer stieg. In dasselbe Feuer, in das sie schon als Achtjährige hineingestiegen war, um ihren Elementvogel schlüpfen zu lassen. Die Legende des Phönix stimmte daher nicht ganz: Er erstand nicht aus seiner eigenen Asche neu, sondern aus dem Feuer, das durch seine Magie ewig brannte. Nur ein Bote des Feuers konnte gefahrlos hineinsteigen und das Ei zum Schlüpfen bringen. Alle anderen, die es versuchten, verbrannten. Izila schaffte es ein zweites Mal, sie trat mit einem frisch geschlüpften Vogel aus dem Feuer, einem neuen Phönix.

Abale hatte ihren Vogel als Achtjährige, vor so unendlich vielen Jahren, aus dem Teich geholt, Enlil war auf den höchsten Turm gestiegen, Enki in einen Baum. Die Vögel waren zusammen mit ihnen aufgewachsen und zu einem wichtigen Teil ihres Lebens geworden.

Staunend stehen Izila, Abale und Enki im Garten um Enlil und betrachteten sein Luftvogelküken. Es sitzt friedlich auf seiner Hand und hat noch wunderbar weiche und flauschige Federn. Nur seine Farbe ist merkwürdig, sie variiert ständig, als streiche ein immerwährender Wind über das Gefieder, der nichts anderes bewegt. Sie haben die Geschichte gehört, wie er zum Ei gelangt ist und seine Prüfung bestanden hat. Er ist wirklich ein Bote, wie der Vogel in seiner Hand beweist.

»Ein gemeinsames Aufwachsen der Vögel ist hilfreich, damit sie, wie ihr auch, voneinander lernen können. Da Caladri nun geschlüpft ist, werde ich euch zeigen, wo eure Vogeleier liegen. Euch erwartet eine ähnliche Prüfung wie Enlil. Seid ihr bereit, sie anzugehen?« Ganesh tritt zu den Vieren, zusammen mit ihren Eltern. Zögernd nicken drei der Kinder.

»Abale, hab keine Angst vor dem Wasser. Ich weiß, seine Tiefen können angsteinflößend sein, aber es wird dich immer nur beschützen«, sagt ihre Mutter und nimmt das Mädchen in den Arm.

Abale klammert sich fest an ihre Mutter. Ihr ganzes Leben ändert sich in diesem Sommer von einem Tag auf den anderen. Sie weiß nicht, ob sie bereit ist, ihr Element vollständig anzunehmen. Woher soll sie wissen, ob sie dafür schon bereit ist?

»Lass uns mit dir anfangen, Enki. Dein Ei liegt in der Trauerweide dort.« Ganesh nimmt Enki bei der Hand und geht mit ihm auf den Baum zu. »Leg deine Hand an den Stamm und bitte um Einlass. Der Baum wird dich aufnehmen, sich aber hinter dir verschließen. Hinaus kommst du erst, wenn dein Vogel Amphis geschlüpft ist.« Enki sieht noch einmal zurück zu seinen Eltern, ehe er auf den Baum zutritt und eine Hand auf die Rinde legt. Einen Moment später ist er verschwunden, hineingesogen in den Baum.

Abale schluckt und greift nach der Hand ihrer Mutter. Als Nächstes wird Izila von Ganesh zu einem Lagerfeuer geführt. Es lodert hell auf, kaum dass Izila vor dem Feuerplatz steht. Ohne zu zögern, tritt das Mädchen ins Feuer.

Abale spürt Übelkeit in sich aufsteigen. Warum haben Izila und Enki keine Angst? Warum konnte Enlil seinem Element sofort vertrauen? War sie vielleicht doch nicht die Botin, wenn sie jetzt...

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