Spur in die Dunkelheit

Kriminalroman
 
 
dotbooks GmbH (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. Dezember 2017
  • |
  • 288 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-943835-09-0 (ISBN)
 
Sie hat einen Traum - und wird zum Opfer: Der fesselnde Kriminalroman 'Spur in die Dunkelheit' von Tilmann Schott jetzt als eBook bei dotbooks. Was muss man aufgeben, um seinen großen Traum zu erfüllen? Die junge Moldauerin Irina hofft auf ein besseres Leben im 'Goldenen Westen' - und erkennt zu spät, dass sie sich den Falschen anvertraut hat: Geschunden und missbraucht wird sie in eine deutsche Hafenstadt verschleppt. Durch einen Zufall kreuzt ihr Weg den des Dozenten Frank Thervall. Er will Irina helfen und sie aus diesem Albtraum befreien. Aber wer sich mit den skrupellosen Schleppern des modernen Sklavenhandels anlegt, riskiert sein Leben ... Bewegend und gnadenlos offen erzählt: Ein packender Kriminalroman, der Licht auf das dunkle Geschäft mit dem Leid wirft! Jetzt als eBook kaufen und genießen: 'Spur in die Dunkelheit' von Tilmann Schott. Wer liest, hat mehr vom Leben. dotbooks - Der eBook-Verlag.

Tilmann Schott, Jahrgang 1963, wuchs in Hamburg auf und zog 1990 nach Berlin. Er war als Richter am Kriminalgericht Berlin-Moabit sowie in der kriminologischen Forschung tätig. Seit 2004 ist er Professor an der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung in Lübeck. Zu seinen Unterrichtsgebieten gehören unter anderen das Visa- und Einreisesystem der EU und die Bekämpfung der Schleuserkriminalität. Tilmann Schott ist verheiratet und lebt mit seiner Frau und deren Kindern an der Ostsee. Der Autor im Internet: www.tilmann-schott-luebeck.de Bei dotbooks erschien Tilmann Schotts Kriminalroman 'Spur der Tränen".
  • Deutsch
  • 0,55 MB
978-3-943835-09-0 (9783943835090)

Malmö, Ribersborgs Strand, 20. Oktober


 

Hätte er sich nur nicht umgesehen! Es waren dunkle Wolken aufgezogen, um die strahlende Sonne dieses Herbsttages zu verdecken, der Wellengang auf dem Öresund wurde deutlich unruhiger, und das Signal einer aus dem Hafen auslaufenden Fähre ließ Frank Thervall sich noch einmal umdrehen. Dabei erblickte er etwas Eckiges im feinen Sand des Strandes, beugte sich herab und hob es auf. Es war eine Klarsichthülle, in der sich eine Plastikkarte, ein Kørekort, befand, ein dänischer Führerschein von der anderen Seite des Sundes, aus Kopenhagen. Unwillkürlich warf Frank Thervall einen Blick auf die Öresundbrücke, die sich majestätisch hinter den Klippen im Stadtteil Limhamn über die Ostsee erhob, um die südschwedische Region Skåne mit der dänischen Hauptstadt zu verbinden. In seinem Rücken lag die in Malmös Norden neu geschaffene Hafencity von Västra Hamnen mit Sundpromenade, Neubauten und ihrem alles überragenden Wahrzeichen Turning Torso, das Geschäfte und Wohnungen in mehr als 50 Etagen beherbergte. Vermutlich war der Führerscheininhaber von Kopenhagen aus herübergefahren, in Malmö am Strand gewesen und hatte seinen Kørekort hier verloren. Thervall steckte den Führerschein in die Tasche seiner Jeans, um ihn bei nächster Gelegenheit bei der Polizei abzugeben. Hätte er nur geahnt, welche Kette von Zufällen er in Gang setzen würde, die sein eher belangloses und halbwegs geordnetes Leben aus den Angeln heben würde – er hätte das Dokument zurück in den Sand fallen lassen. Er verließ Ribersborgs Strand und stieg auf die Holzbrücke, die zur Strandsauna Kallbadhus führte. Dort schwang er sich auf sein am Geländer angelehntes Fahrrad.

 

Einige wenige Skater und Jogger begleiteten ihn an diesem bereits sehr kühlen Oktobernachmittag auf dem Weg an der Strandpromenade, bis er in die Mariedalsvägen abbog und an der Stadtbibliothek vorbeifuhr. Hier endeten die Schienen der alten Museumsstraßenbahn im Nichts und symbolisierten den offenen Ausgang der Diskussion über die Frage, ob die vor dreieinhalb Jahrzehnten eingestellte Straßenbahn nicht als moderne Stadtbahn wieder in ganz Malmö eingeführt werden sollte, um die chronisch überfüllten Stadtbusse von Skånetrafiken zu entlasten. Konkrete Vorüberlegungen in diese Richtung zu entwickeln – das war das Projekt, über das Kristina Lindström ihre Dissertation schrieb und durch das Frank Thervall sie hier kennengelernt hatte, in der Stadtbibliothek, an deren großzügiger Glasfront er eben vorbeiradelte. Thervall lenkte sein Fahrrad quer über den Gustav-Adolfs-Torg. Der gepflasterte Platz, von einer Seite von einer großen Bushaltestelle und von den drei anderen Seiten von Altbauten, Hotels und einer modernen Einkaufspassage umrahmt, stellte einen zentralen Treffpunkt dar. Ein kunstvoller Brunnen und konisch geformte Laternen, deren Masten in der für das Stadtwappen typischen dunkelgrünen Farbe lackiert waren, verbanden nostalgischen Charme mit modernem urbanem Design. Frank bog in die abwechselnd von Altbauten und modernen Häusern gesäumte Stora Nygatan ein und hielt am Eingang zur Fußgängerzone mit dem dominanten Glaspalast des Kaufhauses Åhlens. In dem auf der Rückseite des Eckhauses gelegenen großzügig angelegten und mit Holzdielen ausgestatteten Treppenhaus knarrten die Stufen, als er zu Kristinas Dachgeschosswohnung hinaufstieg, die bereits im Flur einen Hang zu Kontrasten und moderner Architektur offenbarte. Die eine Wand zierte ein auf die Größe eines Posters kopiertes Foto der Göteborgsoperan, des Opernhauses von Göteborg. Der an der gegenüberliegenden Wand mit origineller Neonwerbung vom Hardrock Café Stockholm verzierte Spiegel verriet Frank, dass der Seewind sein Haar komplett zerzaust hatte und seinen Schal wirr und unordentlich zwischen Windjacke und Pullover heraushängen ließ. Bevor er etwas Ordnung in sein Äußeres bringen konnte, erschien Kristina im Flur und empfing ihn mit Vorwürfen.

 

„Ich sprach von einer halben Stunde, nicht von einem halben Nachmittag“, sagte sie. „Deine einsamen Strandspaziergänge dauern immer länger.“ Sie hatte ihr langes dunkelblondes Haar zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden, ihre schöne randlose Brille gegen die viel strenger und unnahbarer wirkende Brille mit dem breiten Gestell getauscht und trug den schicken dunkelblauen Pullover, den Frank ihr auf der letzten Stockholm-Reise in einer Boutique am Söder Mälarstrand gekauft hatte. Ihre ausdrucksstarken blauen Augen blitzten ihn an.

„War es nicht so, dass du nicht mitkommen wolltest?“, verteidigte er sich und zog seine Jacke aus. „Und hast du dich niemals verspätet?“ Gleichzeitig war Frank bewusst, dass sich Kristina noch nie verspätet hatte.

Beide gingen in das Wohnzimmer. Kristinas lichtdurchflutete Wohnung bestand aus einem großen Wohnraum, der zugleich als Arbeitszimmer diente, und einem kleineren Schlafraum, beides hell und modern eingerichtet. An den Wänden hingen zwei Poster von Ausstellungen der Konsthall an der Rådmansgatan und eines von jenem Architekturwettbewerb zur Stadtbahn, den Kristina gewonnen und sich damit ein Stipendium für ihre Promotion gesichert hatte. Zurzeit waren sämtliche verfügbaren Flächen auf ihrer cappuccinofarbenen Couch und ihrem cremefarbenen Schreibtisch mit Papieren, Fotokopien und Büchern belegt.

„Ich habe gewartet. Dein Handy hast du auch hiergelassen.“ 

„Kristina, in drei Stunden fährt meine Fähre …“, begann er.

„Erinnere mich nicht daran! Diese Wochenendbeziehung! Wann triffst du endlich eine Entscheidung und ziehst nach Malmö?“

„Kristina!“ Frank wechselte von Schwedisch ins Englische wie immer, wenn er erregt war und ihm die Worte fehlten. „Ich habe eine Beamtenstelle in Deutschland. So etwas aufzugeben, muss ich mir sehr gut überlegen.“

„Es gibt auch hier eine Fachhochschule. Es gibt eine Universität in Lund. Du lernst Schwedisch. Du sprichst Englisch. Du kannst hier genauso arbeiten und leben.“

„Ich spreche nicht so gut Schwedisch, dass ich Unterricht geben könnte.“

„Dann lernst du es. Du wusstest, worauf du dich einlässt. Ich bin mit meinem Stadtbahnprojekt für mindestens fünf Jahre an Malmö gebunden. Ich will keine Wochenend- und Fernbeziehung, ich brauche einen Partner. Verstehst du? Einen Partner! Keinen Besucher!“

„Vergiss nicht, über Wochen bin ich schon am Donnerstag zu dir gekommen und musste erst am Montag wieder fort. Meine freie Arbeitszeiteinteilung hat uns sehr viele lange Wochenenden ermöglicht.“

„Ich will nicht das Wochenende für uns. Sondern die ganze Woche.“

Frank schwieg. Dass er begann, seine Umhängetasche für die Überfahrt nach Deutschland zu packen, trug nicht gerade zur Entspannung der Situation bei. Sie wandte sich demonstrativ ab, als er die Tasche fertigpackte und den Reißverschluss zuzog. Frank blickte sie an. Dann ergriff er das Skånska Dagbladet vom letzten Samstag, das auf dem Couchtisch lag, und einen roten Filzstift und schrieb auf den oberen Zeitungsrand: „Grenzenlos und über Länder hinweg: Ich liebe dich, meine Aurora.“

Sie drehte sich um, las die Zeilen und blickte Frank an mit den Worten: „Lass mich nicht zu lange warten, Tiger!“

 

Die Fähre der Finnlines-Reederei war ein kombiniertes Fracht- und Personenschiff. Ukrainische, russische und lettische LKW-Fahrer bildeten den größten Anteil der Fahrgäste an Bord und nahmen im Essensraum den mit dem Pappschild „Drivers“ abgegrenzten Bereich ein, während einige wenige Passagiere wie Frank Thervall in einem kleinen „Passenger“-Bereich plaziert wurden. Die Überfahrt in den Lübecker Hafen Travemünde-Skandinavienkai dauerte neun Stunden. Die Finnlines hatte nicht so viel Komfort zu bieten wie die TT-Line ab Trelleborg, aber die Überfahrt mit Finnlines war deutlich preiswerter als die TT-Line, die außerdem einen zusätzlichen Fahrtaufwand mit dem Skånetrafiken-Bus zwischen Trelleborg und Malmö bedeutete. Und ein Bahnticket mit dem Eurocity über Kopenhagen war noch teurer. Meistens nutzte Thervall die Nachtfähre für diese Direktverbindung zwischen Malmö und Lübeck. Kurz vor dem Ablegen um 22:00 Uhr bezog er seine Kabine, ohne die Bar oder das Café, das die LKW-Fahrer in Beschlag genommen hatten, aufzusuchen. Ein paar Minuten nur verbrachte er an der Reling und sah den Verladearbeiten zu. Die gespenstische Beleuchtung, Gabelstapler, Männer in signalgelben Sicherheitswesten, die Geräusche rasselnder Ketten und verschobener Container – das war eine ganz eigentümliche Atmosphäre. Frank sah sich die Aufschriften auf den Lastwagen und Containern an, DFDS-Seaways, DHL, osteuropäische Aufschriften, und natürlich – die ineinander verschlungenen Buchstaben P, S und T, das Logo der Spedition Per Sundquist Transport, Göteborg–Malmö–Lübeck. Der Fahrer eines der PST-Laster stand neben seinem Fahrzeug, trat seine Zigarette aus und kletterte in das Führerhaus, als die Zufahrt zum Fährinnern freigegeben wurde. Der Mann hatte ein markantes Äußeres: Er trug ein Basecap und hatte auf der linken Gesichtshälfte eine großflächige dunkle Spinnennetztätowierung. Sundquist war überall vertreten, wo es einen größeren Hafen gab. Und er hatte es geschafft, zu Kristinas und Frank Thervalls größtem Gegner im Stadtbahnprojekt zu werden, indem er die Pläne zur Wiedereinführung der Bahn durch Einflussnahme auf die Kommunalpolitik zu torpedieren versuchte. Frank zog sich in seine Kabine zurück und verzehrte zur Nacht unvernünftigerweise zwei Riegel Cloetta-Kex-choklad, die er am Nachmittag bei „7-eleven“ in einer Seitengasse neben Åhlens gekauft hatte und nach denen er fast schon süchtig...

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