Damenschneider

Kriminalroman
 
 
Gmeiner Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. Juli 2011
  • |
  • 275 Seiten
 
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978-3-8392-3731-1 (ISBN)
 
Ein schwerer Motorradunfall gibt der Wiener Polizei schon seit Längerem ein Rätsel auf. Erst als die Inspektoren Kajetan Vogel und Alfons Walz in einer Zeitung auf ein anonymes Leserfoto des Unglücks stoßen, kommt Bewegung in die Sache: Sie besuchen das Unfallopfer im Krankenhaus, um Näheres herauszufinden. Dabei lernen sie den serbischen Krankenpfleger Bojan Bilovic kennen, der behauptet, früher Chirurg in Belgrad gewesen zu sein. Als er tags darauf tot in seiner Wohnung aufgefunden wird und das Gerücht aufkommt, Bilovic habe illegale Schönheitsoperationen durchgeführt, nimmt der Fall eine dramatische Wendung.
2011
  • Deutsch
  • 2,56 MB
978-3-8392-3731-1 (9783839237311)
3839237319 (3839237319)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Rupert Schöttle, 1957 in Mannheim geboren, studierte Musik und Musiksoziologie und lebt heute als Cellist in Wien, wo er hauptsächlich bei den Wiener Philharmonikern und im Orchester der Wiener Staatsoper tätig ist. Er hat verschiedene Anekdotensammlungen und Kriminalromane veröffentlicht. Mit dem Krimi "Damenschneider" gibt er sein Debüt bei Gmeiner.
1 - Prolog [Seite 8]
2 - 1 . Kapitel ( Montag ) [Seite 30]
3 - 2 . Kapitel ( Dienstag ) [Seite 49]
4 - 3 . Kaptel ( Dienstag ) [Seite 67]
5 - 4 . Kapitel ( Dienstag ) [Seite 81]
6 - 5 . Kapitel ( Dienstag ) [Seite 98]
7 - 6 . Kapitel ( Mittwoch) [Seite 122]
8 - 7 . Kapitel ( Mittwoch) [Seite 144]
9 - 8 . Kapitel ( Donnerstag ) [Seite 174]
10 - 9 . Kapitel ( Donnerstag ) [Seite 202]
11 - 10 . Kapitel ( Donnerstag ) [Seite 220]
12 - 11 . Kapitel ( Donnerstag ) [Seite 236]
13 - 12 . Kapitel ( Freitag ) [Seite 259]
14 - Epilog [Seite 273]

Prolog


Die Stunde der Entscheidung war gekommen.

Seufzend setzte sich Erwin Necker an seinen Wohnzimmertisch, nahm einen kleinen karierten Spiralblock zur Hand und schrieb mit einem silbernen Bleistift, den er aus seiner rechten Hosentasche geangelt hatte, sorgsam die Ziffern eins bis sechs untereinander, um sogleich in tiefes Nachdenken zu verfallen.

Mit gerunzelter Stirn saß er nun da und drehte den Stift im Mundwinkel.

Plötzlich hielt er inne, nahm das Schreibwerkzeug aus dem Mund und notierte entschlossen hinter den sechsten Punkt »Schreibtisch aufräumen«.

Während er mit schief gelegtem Kopf die in feiner Handschrift verfassten Worte begutachtete, schob er seine Hand ein wenig höher, wo sie hinter der »Fünf« zu liegen kam. Dieses Mal zögerte er nicht und vermerkte dahinter mit gespitzten Lippen: »Eltern besuchen.«

Die Formulierung des vierten Punktes bedurfte anscheinend ebenfalls keiner allzu großen Geistesarbeit, schrieb er doch sogleich dahinter: »Nichts tun.«

Was er hinter die »Drei« schreiben sollte, schien ihm noch nicht ganz klar zu sein, denn er hielt einige Augenblicke inne, bevor er dort die nächsten zwei Worte registrierte: »Oper-Salome.«

Auch bei dem zweiten Punkt zögerte er. Nachdem er einige Zeit seinen Kopf hin und her gewiegt hatte, vermerkte er dort endlich »Beisl-Tour.«

Die Protokollierung des ersten Punktes schien ihm offensichtlich die größte Pein zu bereiten. Zuerst dachte er lange nach, dann stand er auf und lief unruhig im Zimmer auf und ab, bis er sich schließlich entschlossen hinsetzte und mit zittriger Hand und dementsprechend krakelig niederschrieb: »Vera aufsuchen.«

Nun war die Liste komplett, und die Gestaltung seines freien Abends würde sich in wenigen Augenblicken entscheiden.

Nachdem er aus seiner anderen Hosentasche einen ebenfalls silbernen Würfel gezogen hatte, und ihn gedankenverloren in seinen zu einer Kugel geformten Händen schüttelte, ging er nochmals bedächtig die einzelnen Punkte durch.

Unter dem sechsten Absatz hatte er, gleichsam als Kontrapunkt zur höchsten Augenzahl, wie stets die Handlungsalternative notiert, die ihm am wenigsten zusagte.

Dieser Punkt, den er so fürchtete, gebot ihm nämlich, seinen Schreibtisch aufzuräumen, auf dem sich Papiere und Notizen der letzten Monate in beständig wachsender Unordnung gestapelt hatten, und diese Aufgabe, so notwendig sie ihn auch anmutete, erschien ihm ganz und gar nicht verlockend. Immerhin hatte er das Glück gehabt, dass der Würfel in den letzten Wochen eine andere Tätigkeit stets als wichtiger befunden hatte. Dementsprechend gestaltete sich die Unordnung, die unterdessen ein solches Ausmaß angenommen hatte, dass Necker zum Würfeln auf den Esstisch ausweichen musste.

Schicksalsergeben nahm er dies hin, genauso wie die »Fünf«, die ihm geboten hätte, seinen greisen Eltern einen Besuch abzustatten. Diese Möglichkeit erschien ihm eigentlich noch drohender als der unaufgeräumte Schreibtisch.

Dies freilich mochte er sich nicht eingestehen.

Dieser fünfte Punkt war ein Continuum auf Neckers Würfelliste, allerdings nicht, weil er wie der sechste Absatz lange nicht eingetreten war, - gerade letzte Woche war er auf Empfehlung seines würfelförmigen Entscheidungsträgers (und zu ihrer größten Verwunderung) bei seinen Eltern gewesen, - sondern aus schlechtem Gewissen, das er ihnen gegenüber hegte (und das sie nota bene auch gerne nährten).

Denn seit seiner Matura und dem darauf folgenden Auszug aus der herrschaftlichen Villa in der exklusivsten Wohngegend Wiens, der so genannten >Cottage< (wie alles Vornehme von den Wienern Pseudo-Französisch, also >koteesch<, ausgesprochen) im 19. Wiener Gemeindebezirk, hatte er seine Familie nur mehr höchst sporadisch beehrt.

Zwar war dies aus gutem Grund geschehen, war doch sein Verhältnis mit dem despotischen Vater und der bigotten Mama, die stets bestrebt war, die Fassade einer heilen Familie aufrechtzuerhalten, schon während seiner Jugend ziemlich zerrüttet gewesen.

Doch nunmehr standen beide in den Achtzigern und niemand konnte wissen, wie lange sie noch am Leben bleiben würden.

Die Vorstellung, plötzlich vor dem Sarg eines seiner Elternteile zu stehen und sich dem Vorwurf auszusetzen, dass er sich zu ihren Lebzeiten nicht genug um sie gekümmert hatte und es nun dafür endgültig zu spät sei, erfüllte ihn dann doch mit Unbehagen.

So beruhigte er sein schlechtes Gewissen, indem er allwöchentlich einen Besuch zur Disposition des Würfels stellte, unter Punkt fünf.

Denn Necker war ein chronisch unentschlossener Mensch.

Bevor er auf die Idee mit dem Würfel verfallen war, bedauerte er jede Entscheidung, die er sich nach mühsamer Überlegung endlich abgerungen hatte, im gleichen Moment schon wieder, weil ja eine mögliche Alternative vielleicht doch die attraktivere Variante gewesen wäre.

So ging es während des Prozesses der Entscheidungsfindung so lange hin und her, bis Necker endlich erschöpft aufgab - und nichts tat.

Hätte er wie früher seiner Trägheit nachgegeben und seine Freizeit mit dem sinnlosen Konsum von seichter Fernsehunterhaltung verbracht, deren Berieselung er mit großen Mengen von Bier und Chips erträglicher zu gestalten versuchte, wäre er im Bewusstsein eventuell entgangener Möglichkeiten zutiefst deprimiert gewesen. Seitdem er jedoch würfelte, erkannte er auch dies als Wink des Schicksals und nahm es ohne Widerspruch hin.

So war unter dem vierten Punkt, auch dieser kehrte regelmäßig wieder, die Alternative des gar nicht so süßen Nichtstuns vermerkt. Das immerhin war die sicherste Variante einer Abendgestaltung - denn wenn man nichts tat, konnte man auch nichts falsch machen.

Mit der unter Punkt »drei« vermerkten Alternative begann der Teil der Optionen, der weniger von der Pflicht als von der Neigung bestimmt war.

Als Spross einer gesellschaftlich angesehenen Familie konservativen Zuschnitts war es selbstverständlich gewesen, dass der kleine Erwin von seinen Eltern schon sehr früh mit dem breiten kulturellen Angebot seiner Geburtsstadt in Berührung gebracht wurde. Dabei stellte sich schon sehr bald sein Interessenschwerpunkt heraus. Während er bereits als Fünfjähriger mit großer Begeisterung der »Puppenfee« von Josef Bayer folgte, die an der Staatsoper traditionell um die Weihnachtszeit aufgeführt wird und deren Bühnenbild und Choreographie sich seit ihrer Uraufführung im Jahre 1888 nicht wesentlich verändert hat, überkam ihn bei Shakespeares »Sommernachtstraum« am Burgtheater schon nach wenigen Minuten der kindliche Schlaf, der erst durch den Beifall nach dem ersten Akt unterbrochen wurde. Der Vater hatte ihn immerhin gewähren lassen, denn wer schläft, quengelt nicht. Als er allerdings dazu Anstalten machte, nach der Pause wieder den Zuschauerraum zu betreten, zeigte sich das so rüde aus seinem Schlaf gerissene Kind dermaßen unwillig, dass sein Herr Papa sich ausnahmsweise einsichtig zeigte und zusammen mit seinem Sprössling den Heimweg einschlug. Was ihm selbst auch nicht ganz unrecht war, zumal ihm die moderne Inszenierung des Feenmärchens ganz und gar nicht behagte. Die bildungsbeflissenen Eltern ließen aber weiterhin nichts unversucht und schleppten ihren Sprössling schon wenig später in das »Theater in der Josefstadt«, wo zuweilen kindgerechtere Kost als in der Burg angeboten wurde. Doch selbst die Dramatisierung von Erich Kästners »Pünktchen und Anton« in den Kammerspielen vermochte den Knaben nicht von seiner einmal gefassten Antipathie gegen das Sprechtheater abzubringen. Dieses Mal schlief Erwin nicht, dafür jammerte er in einem fort, so dass sich die entnervte Mama, die dieses Mal den Opfergang auf sich genommen hatte, dazu gezwungen sah, das reizende Stück bereits während des ersten Aufzugs zu verlassen. Womit die Theaterbesuche zur offensichtlichen Erleichterung des Knaben für die nächsten Jahre gestrichen wurden.

Ganz anders verhielt sich Erwin in der Oper. Nicht nur die »Puppenfee«, auch Tschaikowskys »Nussknacker« und Mozarts »Zauberflöte« verfolgte er mit kindlicher Neugierde. Selbst Smetanas »Verkaufte Braut« und Donizettis »L'elisir d'amore« ließ er, kaum zehnjährig, gerne über sich ergehen. Auch wenn er in den Klavierstunden, die nun einmal zur bürgerlichen Erziehung dazugehörten, eine äußerst unglückliche Figur machte, so dass die Lehrerin schon nach wenigen Jahren selbst davon abriet, ihn weiter unterrichten zu lassen, in die Oper ging er ausgesprochen gerne. Und das war bis heute so geblieben. Unter Punkt drei vermerkte er also einen Besuch in der Staatsoper, zumal heute eines jener Werke auf dem Spielplan stand, das Necker besonders schätzte: die »Salome« von Richard Strauss war mit all ihrer sinnlich berauschenden Musik nämlich kurz und blutig.

Die Möglichkeit des Opernbesuchs hatte allerdings den Nachteil, dass sich Necker in einen Anzug hätte zwängen müssen, was ihm, der zumindest in privater Umgebung legere Bekleidung vorzog, nicht eben angenehm gewesen wäre. Andererseits hätte er es als unmöglich befunden, den Musentempel in Freizeitkleidung zu betreten, soweit immerhin hatte die Erziehung seiner Eltern gefruchtet.

Schon während seines Studiums hatte er sehr viel Zeit auf dem Stehplatz der Oper verbracht, um sich von den Vorlesungen der Medizin oder dem Sezieren von Leichen zu erholen. Dort lernte er mit der Zeit einige Gleichgesinnte kennen. Für mehrere Jahre hatte er es sich sogar zur Gewohnheit gemacht, zusammen mit einigen anderen, gleichaltrigen...

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