Mit Drahtesel und Quietsche-Ente auf dem Jakobsweg

3.000 Kilometer mit dem E-Bike von Hamburg nach Santiago de Compostela
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. November 2018
  • |
  • 266 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7481-6678-8 (ISBN)
 
3.000 Kilometer mit dem E-Bike von Hamburg nach Santiago de Compostela - und dann noch mit einer Quietsche-Ente. Wer kommt auf eine so hirnrissige Idee? Sein Name ist Daniel. Als Ehemann, Vater, Manager und Couch-Potato entspricht sein Horizont dem vieler Menschen Ende 30. Vielleicht hat er sich gerade deshalb aufgemacht, dem Ruf des Jakobsweges zu folgen. Findet er auf seinem Weg durch Deutschland, Niederlande, Belgien, Frankreich und Spanien das, was er nicht gesucht hat? Vielleicht gar ein Elixier, das seine gewohnte Welt aus den Angeln hebt?
1. Auflage
  • Deutsch
  • 7,47 MB
978-3-7481-6678-8 (9783748166788)
Daniel Schöneberg ist gelernter Betriebswirt und Geschäftsführer in einem mittelständischem Unternehmen.

Als Familienvater lebt er mit seiner Frau, seinen drei Mädels und seinem Hund im schönsten Bundesland der Welt. Schleswig-Holstein ist zwar nur seine Wahlheimat, aber inzwischen sein Zuhause.

Mit seinem Autorendebüt "Mit Drahtesel und Quietsche-Ente auf dem Jakobsweg" verbindet er seine Leiderschaft fürs Reisen und fürs Schreiben.


Die Entscheidung für den Jakobsweg


»Morgen, Morgen nur nicht heute!
Sprechen immer träge Leute.«

Christian Felix Weiße

Mein persönlicher Jakobsweg begann vor etwa zehn Jahren in Berlin. Ich kam gerade von einer Asienreise zurück und entdeckte in der Flughafenbuchhandlung das bislang erfolgreichste deutschsprachige Sachbuch. Ein berühmter Westfale hat einige Jahre zuvor eine Pilgerreise nach Santiago de Compostela unternommen. Da ich mit der Bahn nach Hause fuhr, hatte ich ausgiebig Zeit, um zu lesen. Das Buch fesselte mich so sehr, dass ich meinen Ausstieg verpasste.

Auch ohne wissenschaftliche Untersuchung wird der überdurchschnittliche Pilgeranstieg nach Erscheinen der Lektüre nach dem Autor als Kerkeling-Effekt bezeichnet. Diese Wirkung trat bei mir ebenfalls ein. Am liebsten wollte ich sofort loslaufen. Aber zum einen war ich noch nicht einmal vom letzten Abenteuer zurück und zum anderen fand ich ausreichend Gründe, nicht mal eben zu verschwinden. Ich war träge und suchte wiederholt Ausreden, um die Umsetzung der Idee zu verschieben. Mal fehlten eine Begleitung, manchmal der Mut und meistens die Zeit. Ich war mir sicher, dass der richtige Zeitpunkt nicht existiert. Immer war der beste Tag für den Beginn meines Weges morgen - oder besser noch übermorgen. Um mir ein Licht am Horizont zu erhalten, vertröstete ich mich auf die Möglichkeit zwischen zwei Jobs. Allerdings kommt eine berufliche Pause in meiner Vita nicht oft vor. Als es so weit war, bekam ich als Abschiedsgeschenk sogar einen Reiseführer für den Camino geschenkt. Doch ich fand erneut ausreichend Gründe, es nicht zu tun. Ich verliebte mich neu, zog um und suchte eine neue berufliche Herausforderung. Die Sehnsucht ließ mich aber trotz aller Gegenargumente nie los. Ich las viele themenbezogene Bücher, zum Beispiel von zwei Eseln auf dem Jakobsweg, über einen Rollstuhlfahrer, der den Camino meistert, und von einer Frau, die von ihrer Haustür ans Ende der Welt pilgert. Das Thema wurde mir mit der Zeit immer mehr zu eigen.

Vertraute Geschichte


Als einer der zwölf Apostel ist mir Jakobus der Ältere bereits aus der Christenlehre bekannt. Er zählt zu den erstberufenen Jüngern und teilt die bedeutendsten Erlebnisse mit Christus. Sowohl beim Treffen mit Moses als auch im Garten Getsemani war er anwesend. Auf Leonardo da Vincis Darstellung des letzten Abendmahls sitzt Jakobus in einem grünen Gewand zu Jesus' Linken.

Um ihn ranken sich viele Legenden. Eine besagt, dass sein Leichnam einem Schiff ohne Besatzung anvertraut wurde, das ihn nach Galicien brachte. Der historische Jakobus wurde hingerichtet. Es heißt, seine Liebe und sein Vertrauen zu Gott haben den Heiligen Jakobus freudig in den Tod gehen lassen.

Die Legende zu seinem Grab in Santiago de Compostela findet sich erst im Mittelalter. Angeblich soll Jakobus in Spanien missioniert haben und nach seinem Tod dorthin zurückgebracht worden sein. Als Person lange Zeit in Vergessenheit geraten, soll Jakobus Kaiser Karl dem Großen im Traum erschienen sein. Der Heilige hat den Kaiser gebeten, einer sternförmigen Straße zu seinem Grab zu folgen und das Land von den maurischen Invasoren zu befreien. Die Wiederentdeckung des Jakobswegs als Pilgerstraße fällt also nicht zufällig mit dem Eindringen der Mauren auf der iberischen Halbinsel zusammen.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass im Jahr meiner Reise so mancher in unserem christlichen Abendland erneut den Einfall der Muslime fürchtet. Das Verhältnis dieser beiden Religionen und ihre gemeinsame Zukunft werden so heftig diskutiert wie schon lange nicht mehr. Der Jakobsweg und seine Symbole, seine Mythen und Legenden reichen weit in unsere Gegenwart.

Die Gebeine des Heiligen Jakobus sollen Wunder wirken. Ich kann mir kaum ausmalen, welche Bedeutung der Knochen eines Heiligen für die Menschen im Mittelalter besessen haben muss. Um Gebeine wurde gekämpft, sie wurden gestohlen, gefälscht und versteckt. So groß war die Macht, die man ihnen zuschrieb. Und die Menschen pilgerten. Nach Rom und Jerusalem wurde Santiago zum drittgrößten Pilgermagneten der mittelalterlichen Welt. Bis zu einer halben Million sollen es zu den Hochzeiten im Mittelalter gewesen sein. Fällt zudem der Tag des Heiligen Jakobus auf einen Sonntag, gilt dieses Jahr als Heiliges Compostelanisches Jahr, bei dem die Pilger einen vollständigen Sündenerlass erhalten.

Laut Pilgerbüro erreichten 2016 fast dreihunderttausend Pilger ihr Ziel in Santiago. Das waren so viele wie nie zuvor und diese Zahl wird sich in den kommenden Jahren sicher noch steigern. In meinem Geburtsjahr waren es gerade einmal dreizehn, auch wenn ich dieser Statistik nicht glaube.

Entlang der Pilgerrouten entstanden Kirchen als eindrucksvolle Bauwerke, die von der Macht des Christentums zeugen. Wer dem Jakobsweg heute folgt, kann nur erahnen, wie mächtig sie auf die Pilgergemeinde des Mittelalters gewirkt haben müssen.

Ohne befestigte Straßen, ohne GPS und ohne Hotels machten sich im Mittelalter Horden von Menschen auf, um den Jakobsweg zu wandern. Einige nahmen das Armutsgebot ernst und führten nichts als ihren Beutel und den Stab mit sich. Andere brachen mit Pferden und Wagen auf und schliefen in luxuriösen Unterkünften. Schon damals gab es einen Konflikt zwischen den echten und den falschen Pilgern, der bis heute anhält. Entlang des Camino hört man immer wieder, dass nur der, der die fast achthundert Kilometer ab den Pyrenäen zu Fuß geht, ein echter Pilger ist.

Ich werde mit dem Elektrorad fahren. Bin ich deswegen ein geringerer Mensch oder ein falscher Pilger? Würde mir deshalb das Geheimnis, das der Jakobsweg offenbart, verschlossen bleiben? Darüber mache ich mir keine Gedanken, da ich ja nichts suche und auch nicht die Vergebung meiner Sünden erbitte.

Warum?


Wenn man den Jakobsweg wandert, radelt oder fährt, drehen sich viele der Unterhaltungen mit anderen Pilgern um das Warum. Die Antwort darauf muss meistens tiefsinnig und bedeutsam sein. Diejenigen, die die Antwort nicht kennen - so wie ich -, werden mit einem ahnenden Blick bedacht. Ich will einfach dem Jakobsweg folgen, dem Ruf, der in meinem Inneren so laut ist, dass ich ihn nicht länger ignorieren kann.

In seiner jahrhundertelangen Geschichte geriet der Jakobsweg mehr als einmal in Vergessenheit und wurde wiederentdeckt. Am Ende des Mittelalters ebbten die Pilgerströme ab. Nach Francos Diktatur erinnerten sich die Hippies und New-Age-Anhänger an den uralten Pfad. Es gibt so viele Wege nach Santiago, wie es Pilger gibt, und so haben einige ihren Weg in Neuseeland, Indien oder Kanada begonnen. Auch in meinem Leben verhält sich der Jakobsweg wie in der Geschichte. Mal ist er sichtbar, mal unsichtbar, doch vorhanden bleibt er immer. Meine Frau gab mir schließlich den Mut, zu diesem Abenteuer aufzubrechen, weil sie mich kennt, besser als ich mich selbst. Ohne Dana gäbe es meinen Jakobsweg nicht und auch nicht dieses Buch. Ich hatte kein wirkliches Ziel. Der Weg war es, der mich faszinierte, dem ich mich anvertrauen und ausliefern wollte. Ich wollte sehen, was er mit mir macht. Obwohl ich gläubig bin, rechnete ich nicht damit, dass sich mir Gott ausgerechnet auf dem Jakobsweg offenbart. Das wäre doch zu profan. Was also ist der Motor meiner Reise?

Meine gewohnte Welt


Leicht wäre es, stände ich vor einem beruflichen oder privaten Neuanfang, trauerte um einen geliebten Menschen, wäre vom Leben enttäuscht oder bräuchte eine Auszeit. Aber das trifft auf mich nicht zu. Ich liebe meine Frau und meine Mädels, habe einen Hund und einen Beruf, der mich ausfüllt. Mein Glück ist klein und gleichzeitig riesengroß. Ich bin genau da, wo ich hingehöre. Meine Welt gleicht der vieler Menschen in meinem Alter: Wir sind im Job, in der Liebe angekommen. Längst rumort es nicht mehr im Inneren, ungelöste Fragen suchen nicht länger nach einer Antwort. Und trotzdem mache ich mich genau in dieser Phase meines Lebens auf den Jakobsweg.

Wie den Helden in den antiken Sagen ruft mich das Abenteuer immer lauter und fordernder, bis ich ihm nicht mehr entgehen kann. Es heißt, jeder Held bringt von seiner Reise etwas mit, ein Elixier, das seine gewohnte Welt verändert.

Mich mit einem Helden gleichzusetzen, käme mir ziemlich anmaßend vor, aber mit Blick auf meine Kleine gewöhne ich mich langsam an den Gedanken. In Hannahs Augen bin ich der Größte. Dazu gehört allerdings nicht viel. Aus ihrer Sicht kenne ich die Antworten auf alle Fragen, kann ihr jeden Wunsch erfüllen. Wenn sie Zuneigung und Geborgenheit benötigt, bin ich für sie da. Ihr geistiger Horizont besteht einzig und allein aus Liebe. Für sie bin ich ein wahrer Held. Wird sie älter, ändert sich diese Sichtweise.

Rational und von außen betrachtet bin ich kein Held. In meinem Leben habe ich keine außergewöhnliche Leistung vollbracht. Doch hier, in dieser Geschichte - meiner Geschichte über mich und den Jakobsweg -, verhält es sich anders. Meine Reise ist etwas Besonderes und hier bin ich ein Held.

Im Rückblick fasziniert mich, wie eindeutig ich jede Station der klassischen Heldenreise durchlaufen habe. Es erscheint mir fast so, als müssten wir uns alle irgendwann jenem uralten Muster stellen, um zu uns selbst zu finden. Mein Ruf des Abenteuers war die erste Begegnung mit dem Jakobsweg. Ich habe ihn nicht nur einmal abgelehnt, sondern viele dutzend Male. Immer fand ich gute Ausreden, um ihm nicht folgen zu müssen. Stattdessen machte mir meine gewohnte Welt noch schöner und gemütlicher. Völlig unbewusst führte ich mich damit meiner Heldenreise entgegen. Damit etwas seinen Zauber nicht verliert, müssen wir es manchmal verlassen. Nur so können wir das Vertraute dauerhaft schätzen und...

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