Der Weihnachtsmann bin ich ...

Roman
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 2. Auflage
  • |
  • erschienen am 20. November 2019
  • |
  • 368 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7504-8356-9 (ISBN)
 
Als kleiner Junge hat er sich das immer gewünscht: Nur einen Tag im Jahr arbeiten und Geschenke verteilen, die man selbst nicht bezahlen muss. Doch als Helge während seines Studiums einen Job als Weihnachtsmann annimmt, kommt es ganz anders. Bei seinen Einsätzen im roten Mantel passieren Dinge, die sein Leben gehörig durcheinanderbringen. Schon bei ihrer ersten Begegnung verzaubert ihn der hübsche Weihnachtsengel Jana und will ihm nicht mehr aus dem Kopf gehen. Bei einem gemeinsamen Auftritt in einem Kinderheim begegnet er dem kleinen Waisenjungen Finn, den er glaubt bei einem Diebstahl beobachtet zu haben.
Helge muss Entscheidungen treffen, die seine bisherige Lebensplanung grundsätzlich in Frage stellen und sieht sich unangenehmen Wahrheiten gegenüber, die bis in die eigene Familie reichen. Ist er reif für diese Entscheidungen? Ist er bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen? Und welchen Einfluss hat seine große Liebe Jana darauf?
Anrührend und tiefgründig erzählt Jürgen Schnell eine turbulente Geschichte voller überraschender Wendungen. Doch kann es letztlich auch ein Happy End geben?
2. Auflage
  • Deutsch
  • 0,62 MB
978-3-7504-8356-9 (9783750483569)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Jürgen Schnell wurde in Magdeburg geboren, wuchs dort auf und lebt heute in Dresden. Er studierte in Leipzig Wirtschaftsjournalistik und war in diesem Beruf viele Jahre tätig.
Später gründete er ein Pressebüro und war an der Herausgabe mehrerer Sachbücher beteiligt. Nun legt er seinen ersten Roman vor.

TEIL 1


1


Das hatte er sich schon als kleiner Junge immer gewünscht: als Weihnachtsmann leben, nur einen Tag im Jahr arbeiten, überall gern gesehen sein und Geschenke verteilen, die er selbst nicht bezahlen muss. Helge Krawinkel döste in einem tranceähnlichen Zustand zwischen Traum und Wirklichkeit vor sich hin. Ein helles Glöckchenklingeln erreichte aus dumpfer Ferne sein Ohr. Kratzendes Stühlerücken und vielstimmiges Gemurmel setzten ein und umkreisten seinen Kopf. `Weihnachten klingt anders´, dachte er noch und wachte auf. Das "Glöckchen" entpuppte sich als Pausenzeichen des Referenten und seine Ruhestatt als harter Stuhl in einem Seminarraum der Universität.

"Na, ausgeschlafen!?", raunzte ihn Hilmar von links an. Zur passenden Antwort war Helge noch nicht in der Lage. Aber so langsam kam er wieder im realen Leben an. Gemeinsam mit Hilmar hatte er sich, offenbar in einem Ansturm geistiger Umnachtung, freiwillig zu dieser vierstündigen Tortur angemeldet, wollte zum Jahresende als "zertifizierter Weihnachtsmann" gutes Geld verdienen. Geld, das er dringend brauchte. Offenbar bestand seine Geldbörse aus Zwiebelleder, denn jedes Mal, wenn er hineinsah, kamen ihm die Tränen. Und das waren keine Freudentränen! Armer Student eben. Da kam ihm so ein Nebenjob als rotbemantelter Geschenkeverteiler gerade recht. Von einer notwendigen Ausbildung war in seinem Kindheitstraum allerdings nie eine Rede gewesen. Und von wegen: einen Tag im Jahr arbeiten! Ab dem ersten Adventssonntag sollten sie sich darauf einstellen, mindestens an jedem Wochenende in Einkaufszentren und auf Weihnachtsmärkten aufzutreten. Auch das war ihm nie im Traum erschienen. Aber es half nichts, jetzt musste er da durch.

Hilmar interessierte die Vorweihnachtszeit nicht. Er wollte nur am 24. Dezember als Weihnachtsmann Familien beglücken, stand finanziell auch besser da als Helge. Sein Vater besaß ein Unternehmen und sponsorte sein Studium relativ großzügig.

Jetzt war erst einmal Pause und die beiden gönnten sich eine Cola, um munter zu werden.

"Hilmar, warum haben Weihnachtsmänner eigentlich immer einen dicken Bauch und Vollbart?"

"Weiß nicht. Vielleicht, weil´s gemütlicher aussieht?"

"Dann sind wir hier aber falsch. Wir haben weder Bauch noch Bart."

"Kriegst du doch alles gestellt, Kostüm und Bart und so. Schau dir lieber die künftigen Englein an. Hübsche Mädel dabei, oder?"

Helge ließ den Blick schweifen und begann an Hilmars Gütestandard zu zweifeln, sah kräftige Engel, die ohne Zweifel einige Pakete wegschleppen konnten, kleine, zierliche, die dagegen unter dem ersten Päckchen in die Knie gehen würden. Stopp! Sein Blick blieb an pechschwarzen langen Haaren hängen. Das Gesicht von ihm abgewandt, ragte die schlanke junge Frau fast um Kopfes Größe aus ihrer Umgebung heraus.

"Kennst du die lange Schwarzhaarige da hinten?", fragte er, Hilmar mit seinem Ellenbogen leicht in die Seite stoßend.

"Bestimmt nicht. Du weißt, Miriam ist doch so eifersüchtig."

"Sieht aus wie Schneewittchen, zumindest von hinten.", setzte Helge seinen Gedanken fort, bis Hilmars Antwort bei ihm angekommen war.

"Übrigens: wollte Miriam nicht auch mitkommen?"

"Hat es sich noch mal überlegt. Meinte, Englein spielen wäre doch nichts für sie. Hat es ja nicht so mit Kindern."

Helge hatte Schneewittchen die ganze Zeit nicht aus den Augen gelassen. Plötzlich drehte das Mädchen sich um und ihre Blicke trafen sich für wenige Sekunden. Ihn durchzuckte es kurz, da war sie auch schon im Pulk zukünftiger Engel und Weihnachtsmänner verschwunden. Die Pause ging zu Ende und der Seminarraum füllte sich wieder. Noch einmal zwei lange Stunden bis zu diesem dämlichen, aber notwendigen Zertifikat. Als BWL-Student im dritten Semester hatte er ja schon gelernt: ohne Qualifikation ist man auf dem Arbeitsmarkt weniger wert. Gilt offenbar auch für Weihnachtsmänner.

Die Müdigkeit war zwar verflogen, aber vom Vortrag bekam Helge dennoch kaum etwas mit. Er suchte Schneewittchen im weiten Rund. Plötzlich stieß ihn Hilmar unsanft an.

"Du, wir müssen uns Bücher besorgen", flüsterte er ihm zu.

"Wieso das denn? Die verteilen wir doch als Geschenke!"

"Vielleicht solltest du hin und wieder mal zuhören. Der Weihnachtsmann hat ein goldenes Buch. In das schreibt er die Namen und Eigenschaften der Kinder ein, die er am Weihnachtsabend besucht. Oder willst du dir das alles merken?"

"Natürlich nicht, aber.da ist sie", atmete Helge erleichtert aus.

"Wer?"

"Schneewittchen."

"Mensch, vergiss jetzt dein Märchenwesen und denk an deinen neuen Job."

"Warum sollte ich?"

"Weil du ordentliches Geld verdienen willst, oder?"

Da hatte er zwar recht, aber Helge fühlte sich dennoch genervt.

Auch der Redner nervte, meinte gerade: Weihnachtsmänner sollten immer freundlich und lieb auftreten, ein paar kleine Süßigkeiten in den Manteltaschen haben, um Kinder zu beruhigen. Für wie dumm hielt der ihn eigentlich!?

Doch so Unrecht hatte er nicht, musste er sich in einem Moment innerer Erleuchtung eingestehen. Sollte er diesen Job nicht einfach sausen lassen? Konnte er das überhaupt, zurückhaltend auf nervige Kinder eingehen? Er erinnerte sich an seine beiden jüngeren Geschwister, die ihn immer in Rage versetzt hatten, wenn sie störrisch ihren Willen durchsetzen wollten. Und er von der Mutter hörte, er sei doch schon groß und müsste Verständnis haben. Hatte er aber damals nicht. Würde er es heute haben, wenn ihm kleine Rangen das Leben schwer machen würden?

Helge wusste es nicht. Er wusste nur, dass er einen Job brauchte, um etwas Geld zu verdienen. Und mögliche fünfhundert Euro am Weihnachtstag klangen ja erst einmal nicht schlecht. Dafür ließ sich Einiges aushalten.

"Breitschuh, Hilmar." Der Name seines Freundes holte ihn aus seinen Gedanken zurück in die Wirklichkeit.

"Bis gleich", Hilmar stand auf, ging durch den Mittelgang und nahm vorn sein Zertifikat aus der Hand des Studentenwerk-Vertreters entgegen. In alphabetischer Reihenfolge wurden jetzt die Teilnehmer nach vorn gerufen. Wann würde Schneewittchen dran sein?

Er zuckte zusammen, als er seinen Namen hörte: "Krawinkel, Helge". Er nahm den Gang auf der rechten Seite, denn der führte an seiner Märchenprinzessin vorbei. Beim Vorbeigehen blickte er sie kurz an. Sie würdigte ihn keines Blickes. Das Zertifikat - eine laserbedruckte A4-Seite - in der Hand, verließ er den Raum, stellte sich draußen neben die Tür und beobachtete die Szenerie. Irgendwann musste ja auch Schneewittchen aufgerufen werden. Endlich, beim "S" war es so weit: Auf "Steinbock, Jana" erhob sich das hübsche, groß gewachsene Mädchen mit den hüftlangen schwarzen Haaren von ihrem Stuhl und schwebte langsam auf ihn zu. Bei den BWL-lern hatte Helge sie noch nie gesehen. Sie musste an einer anderen Fakultät studieren.

Im Foyer des Seminargebäudes hatte das Studentenwerk drei Stände aufgebaut, an denen die Jobs vergeben wurden. Einkaufszentren, Kinderheime, Seniorenresidenzen und Familien hatten ihren Bedarf angemeldet. Schneewittchen steuerte zielgerichtet auf einen dieser Stände zu. Helge folgte ihr und schaffte es unmittelbar hinter ihr in die Warteschlange.

"Hallo, Ben", grüßte Schneewittchen lächelnd den dort am Computer sitzenden Studentenvertreter.

"Hey, Jana, wie kann ich dir helfen?"

"Hast du was am 7., 14. und 21. Dezember? Und dann würde ich gern noch in ein Kinderheim gehen."

"Warte mal. Das sind ja alles Sonnabende. Da hab´ ich viele Anfragen. Das Einkaufszentrum `leopark´ sucht zum Beispiel einen Weihnachtsmann und zwei Engel."

"Einen Engel übernehme ich!", erklärte Schneewittchen ihr Einverständnis.

"Und ich spiele den Weihnachtsmann", mischte Helge sich ein.

Jana warf ihm einen scheelen Blick zu.

"Immer schön der Reihe nach", wies ihn der Vertreter zurecht.

"Jana, kannst du am Nachmittag des 18. Dezember? Da hab´ ich was im Kinderheim gleich neben dem Einkaufszentrum."

Nach einem kurzen Blick in ihren Terminkalender: "Ja, das kriege ich hin."

Schneewittchen erhielt Termine und Ansprechpartner, bedankte sich und ging von dannen, als sei Helge Luft.

"So, nun zu dir", wandte sich Ben an ihn. "Wenn du mir deinen Namen verrätst, trage ich dich in das Einkaufszentrum ein. Würdest du auch ins Kinderheim gehen?"

"Warum nicht!? Helge Krawinkel", stellte er sich vor. "Aber am 24. Dezember würde ich auf jeden Fall auch gern eine Runde bei Familien drehen."

Studentenvertreter Ben holte einen Karteikasten unter dem Tisch hervor: "Wir haben die Anfragen aus...

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