Der Teufel des Westens

Kriminalroman
 
 
Gmeiner-Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 5. April 2017
  • |
  • 311 Seiten
 
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978-3-8392-5385-4 (ISBN)
 
Man schreibt das Jahr 1936 und in Deutschland sind die Nationalsozialisten an der Macht. Im »Mandarin«, einer Bar des Berliner Westens, begegnet der Anwalt Eugen Goltz der schönen Irene Varo, einer Frau ohne Moral, die bei der Verfolgung ihrer Interessen keine Rücksicht kennt. Auf der Suche nach einer verschwundenen Freundin verstrickt sich Goltz immer tiefer in die Fangnetze von Irene und ihren Mordgesellen, und am Ende weiß er nicht mehr, ob er ein Opfer des Bösen oder selbst ein Teufel geworden ist.
2017
  • Deutsch
  • 5,55 MB
978-3-8392-5385-4 (9783839253854)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Bernward Schneider, Jahrgang 1956, studierte Jura in Marburg und ist seit 1986 in Hildesheim als Rechtsanwalt tätig, von 1991 bis 1994 arbeitete er zudem in Berlin-Köpenick. Mit seinen historischen Berlin-Krimis ist er einer breiten Leserschaft bekannt geworden. Der Kriminalroman »Der Teufel des Westens« ist der vierte Band seiner erfolgreichen Eugen-Goltz-Reihe. Der Autor ist Mitglied des Vereins Hildesheimliche Autoren e. V. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

1. Kapitel


Unvermutet beschlich mich das Gefühl, in eine Falle gelockt worden zu sein. Hinter den Lichtkegeln der Laternen, auf die ich durch die Windschutzscheibe meines Wagens blickte, war alles dunkel. Zu meiner Linken lag der Landwehrkanal. Sein Wasser schimmerte tückisch, wie stets in der Nacht. An dem hohen Gebäude zu meiner Rechten, vor dem ich mit laufendem Motor gehalten hatte, war kein Licht zu erkennen, auch nicht oben hinter den Fenstern von Lenis Wohnung.

Langsam rollte ich wieder an und sah im Weiterfahren, dass das Gitter des Tors, welches auf den Hinterhof des Gebäudes am Tirpitz-Ufer führte, offen stand. An der nächsten Straßenecke bog ich ab, fuhr an den Bordstein und stieg aus dem Wagen.

Mit hochgeschlagenem Mantelkragen, der mich davor schützen sollte, erkannt zu werden, schritt ich auf dem Bürgersteig zurück in die Richtung, aus der ich gekommen war. Unter dem finsteren Torbogen hindurch gelangte ich ans Ende der gepflasterten Einfahrt. Hohe Mauern ragten ringsherum wie steinerne Skelette in den schwarzen Himmel hinauf. Eine Hofbeleuchtung brannte nicht.

Die Finsternis brachte die Umrisse der größeren Gegenstände auf dem Gelände nicht völlig zum Verschwinden. Ich erkannte zwei Autos, die auf dem Hof geparkt waren, das eine stand nahe an dem Haus. Irgendwo dort in der Nähe musste sich der Hintereingang befinden.

Langsam bewegte ich mich auf das Gebäude zu.

Es war ein Mercedes 130, der bei der Mauer stand, Lenis Auto, von dem ich wusste, dass sie es von ihrem geschiedenen Mann, einem reichen Autohändler, bekommen hatte. Die Wohnung im obersten Stockwerk hatte sie auch von ihm. Alimente bekam sie keine, sie verdiente als Tänzerin ihr Geld.

Die Stille um mich herum schien mein Missbehagen Lügen zu strafen, trotzdem blieb ich stehen. Irgendjemand schien mich zu belauern, Schatten vor den drohenden Mauern. Leni war keine Frau, die es einem leicht machte, ihr zu vertrauen.

Ihr rätselhafter Anruf lag noch keine halbe Stunde zurück. Sie hatte mir nicht gesagt, was sie zu dieser mitternächtlichen Stunde von mir wollte, nur dass es eilig sei und mich besser niemand sehen sollte, wenn ich das Gebäude von hinten betrat. Die Sache war eher unheimlich als geheimnisvoll.

Aus der Dunkelheit der Septembernacht traten plötzlich die Umrisse einer Gestalt hervor. Eisige Kälte griff nach mir. Die Person hatte hinter dem Mercedes gestanden. Sie kam näher und um das Fahrzeug herum, dann erkannte ich sie, und der Schreck verschwand.

»Endlich bist du da«, sagte Leni leise.

Sie trug einen Mantel und hielt dessen Kragen mit den Händen zusammengedrückt, um den nackten Hals vor der kühlen Witterung zu schützen. Sie hatte halblange, blonde Haare, ein schmales Gesicht und schön geschnittene dunkelblaue Augen. Ihre anmutigen bloßen Unterarme sprangen hell aus den Ärmeln des Mantels hervor. Sie war ein reizendes Geschöpf, ein quälend reizendes Geschöpf, und das war auch der tiefere Grund, weshalb ich mich sofort auf den Weg gemacht hatte, als sie mich am Telefon zu sich gerufen hatte. Ich hatte ein Wiedersehen mit ihr herbeigesehnt, doch nun, da es soweit war, hielt sich meine Freude in Grenzen. Nichts war umsonst, dachte ich; eine Frau wie Leni hatte ihren Preis.

»Ich stecke in einer schlimmen Sache drin«, raunte sie mir zu und gab mir einen flüchtigen Kuss.

»Bei dir rechne ich immer mit dem Schlimmsten.«

Sie warf mir einen warnenden Blick zu. Eine Weile durchforschten ihre Augen die Dunkelheit hinter mir, als sei sie unschlüssig, wie sie sich weiter mir gegenüber verhalten sollte.

»Umso besser«, sagte sie und zwang sich zu einem Lächeln. »Mach dich trotzdem auf einiges gefasst.«

Durch den Kellereingang kamen wir in das Innere des Gebäudes. Es war das erste Mal seit drei Jahren, dass ich das Haus am Tirpitz-Ufer betrat. Damals hatte das Tirpitz-Ufer noch Königin-Augusta-Straße geheißen.

Der geräumige Lift, den wir bestiegen, bewegte sich in einem schwarzen Gitterkleid nach oben und verursachte kaum Geräusche. Es war ein elegantes Haus mit gut betuchten Mietern.

Leni öffnete die Wohnungstür und führte mich durch den Flur in einen Raum, dessen Fenster zum Landwehrkanal lagen, durch die schweren Vorhänge drang kein Licht nach draußen. Auf einem Schreibtisch stand eine kleine Lampe, die ein schwaches, orangefarbenes Licht verbreitete.

Der Schein der Lampe fiel auf eine regungslose Gestalt, die in einem rotledernen Sessel neben dem Schreibtisch saß. Die Augen des Mannes waren weit geöffnet und schienen im Licht zu glänzen, sie blickten mich starr an.

Eine Weile stand ich stumm da und starrte zurück.

»Er hat sich erschossen«, murmelte Leni.

Der Tote war in den Dreißigern, mit kurzem blondbraunen Haar und einem Gesicht, das bis zu diesem Tag wohl recht attraktiv gewesen war. An der Schläfe war eine saubere, kleine Einschusswunde zu erkennen.

Ich ging um den Stuhl herum. Auch auf der anderen Seite des Kopfes befand sich eine Verletzung, wahrscheinlich die Austrittswunde. »Wer ist das?«

»Michail Sapoznik, ein Mitarbeiter der russischen Botschaft. Wir waren befreundet.«

»Warum hat er sich erschossen?«

Leni zuckte mit den Achseln. »Ich war nicht dabei, als er es tat. Ich hatte meinen Auftritt im >Mandarin<. Als ich gegen Mitternacht nach Hause kam, saß er da - genauso wie er jetzt dasitzt. Ich habe nichts verändert und weder ihn noch etwas in seiner Nähe angefasst.«

Ich konnte riechen, dass irgendetwas nicht stimmte. »Auch wenn du nicht dabei warst, könntest du wissen, warum er es tat.«

»Ich weiß nur, dass er Angst hatte. Wahrscheinlich war das der Grund. Er ist aus dem Leben geflohen.«

»Vor wem hatte er Angst?«

»Neulich gab er an, er hätte das Gefühl, von zwei Agenten des sowjetischen Geheimdienstes beschattet zu werden. Stalin, so erzählte er mir, führt Säuberungsaktionen durch. Schon eine ganze Reihe von Diplomaten ist von ihm in die Sowjetunion zurückgerufen worden, um wegen Hochverrats vor Gericht gestellt und hingerichtet zu werden. Er befürchtete, dass ihm bald das gleiche Schicksal blühte. Er konnte es wohl einfach nicht mehr ertragen, mit dieser Aussicht zu leben.«

Die Pistole lag neben dem Stuhl. Ich ging in die Hocke, um sie zu betrachten. Es war eine kleinkalibrige Waffe, wie viele Offiziere sie als Privatwaffen benutzten. Der Lauf sah aus, als sei kürzlich damit geschossen worden. Ich suchte den Boden ab und entdeckte die Patronenhülse.

»Warum hat er sich ausgerechnet in deiner Wohnung erschossen?«

»Das hätte ich ihn auch gern gefragt.«

»Wie ist er hereingekommen?«

»Er kam am frühen Abend, später bin ich fort und habe ihn hier allein gelassen.«

»Hat niemand aus dem Haus den Schuss gehört?«

Sie zuckte die Achseln. »Es ist ein solides Haus mit dicken Mauern, und selbst wenn - hier geht jeder seine eigenen Wege.«

»Auch wenn geschossen wird?«

»Gerade dann! Vielleicht war auch nichts zu hören.«

»Kein schlechter Ort, um sich zu erschießen, was? Wenn er ein Mann mit Charakter wäre, hätte er es trotzdem nicht in deiner Wohnung getan.«

»Vielleicht habe ich ihn falsch eingeschätzt.« Sie schaute zum Fenster. »Nachdem ich Michail gefunden hatte, dachte ich, jetzt ist alles aus. Eine Stunde habe ich im Wohnzimmer auf dem Sofa gesessen und überlegt, was ich tun soll. Schließlich dachte ich an dich und fasste wieder Mut.«

Ich richtete mich auf. »Worauf hast du gewartet? Warum hast du nicht die Polizei gerufen?«

»Ich kann mich nicht an die Polizei wenden. Du musst mir helfen, ihn wegzuschaffen.«

Ich starrte sie an. »Das ist doch Unsinn! Wenn er sich selbst erschossen hat, hast du nichts zu befürchten.«

»Sie werden versuchen, mir einen Strick aus der Sache zu drehen«, sagte Leni. »Es gibt ein paar Leute, die schon sehnsüchtig auf eine Gelegenheit warten, um mich aufs Schafott zu bringen.«

Sie wich ein wenig zurück, als sie meinen finsteren Blick bemerkte.

»Wer will dich aufs Schafott bringen? Der russische Geheimdienst?«

Sie schüttelte den Kopf. »Wenn man Michail bei mir findet, bin ich geliefert.«

Ich trat vor sie und fasste sie bei beiden Schultern. »Hör mal zu, meine Schöne! Wenn ich dir helfen soll, einen Toten wegzuschaffen, musst du mir schon einen plausiblen Grund dafür nennen.«

Sie schüttelte mich ab. »Ich habe mich mit Leuten eingelassen, denen ich nicht gewachsen bin«, erwiderte sie. »Was ich vorhabe, ist die einzige Chance, mein Leben zu retten.«

»Was sind das für Leute?«

»Besser, du weißt es nicht. Ich kann dir nur so viel verraten, dass sie es verstehen, die Gestapo für ihre Zwecke einzuspannen.«

Das Telefon stand auf dem Sekretär. Ich ließ Leni los, trat hin und nahm den Hörer ab. »Wenn du die Polizei nicht anrufst, mache ich es.«

Sie sprang mich an wie eine Katze und riss mir den Hörer aus der Hand. »Idiot! Hau ab! Ich habe dich nicht gerufen, damit du meine Schwierigkeiten noch größer machst! Ich dachte, du bist ein Anwalt! Einen Denunzianten brauche ich nicht!«

»Ich bin Anwalt, kein Leichenbestatter.«

Sie legte den Hörer aus der Hand und machte ein paar Schritte von mir weg, dann wandte sie mir eine Weile den Rücken zu, bevor sie sich wieder zu mir herumdrehte.

»Ich weiß, was du denkst«, sagte sie und verschränkte die Arme vor der Brust. »Du denkst, dass ich eine Frau bin, die Männern nur Probleme...

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