Die Insel Felsenburg

 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. April 2020
  • |
  • 344 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7519-0942-6 (ISBN)
 
Wunderliche
Fata
einiger
See-Fahrer,
absonderlich
Alberti Julii,
eines gebohrnen Sachsens,
Welcher in seinem 18den Jahre zu Schiffe
gegangen, durch Schiff-Bruch selb 4te an eine
grausame Klippe geworffen worden, nach deren
Ubersteigung das schönste Land entdeckt, sich da-
selbst mit seiner Gefährtin verheyrathet, aus solcher
Ehe eine Familie von mehr als 300. Seelen erzeuget,
das Land vortrefflich angebauet, durch besondere
Zufälle erstaunens-würdige Schätze gesammlet, seine
in Teutschland ausgekundschafften Freunde glücklich
gemacht, am Ende des 1728sten Jahres, als in seinem
Hunderten Jahre, annoch frisch und gesund gelebt,
und vermuthlich noch zu dato lebt, entworffen
Von dessen Bruders-Sohnes-Sohnes-Sohne,
Mons. Eberhard Julio,
Curieusen Lesern aber zum vermuthlichen
Gemüths-Vergnügen ausgefertiget, auch par
Commission dem Drucke übergeben
Von
Gisandern.
Nordhausen ,
Bey Johann Heinrich Groß, Buchhändlern.
Anno 1731.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,65 MB
978-3-7519-0942-6 (9783751909426)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Johann Gottfried Schnabel war ein deutscher Schriftsteller der Aufklärung. Er schrieb unter dem Pseudonym Gisander. Geboren wurde Schnabel am 7.11.1692 in Sandersdorf; er verstarb im April 1748.

Vorrede


Geneigter Leser!

Es wird dir in folgenden Blättern eine Geschichtsbeschreibung vorgelegt, die, wo du anders kein geschworner Feind von dergleichen Sachen bist, oder dein Gehirne bei Erblickung des Titulblattes nicht schon mit widerwärtigen Praejudiciis angefüllet hast, ohnfehlbar zuweilen etwas, obgleich nicht alles, zu besonderer Gemütsergötzung überlassen, und also die geringe Mühe, so du dir mit Lesen und Durchblättern gemacht, gewissermaßen rekompensieren kann.

Mein Vorsatz ist zwar nicht, einem oder dem andern dieses Werk als einen vortrefflich begeisterten und in meinen hochteutschen Stylum eingekleideten Staatskörper anzuraisonieren; sondern ich will das Urteil von dessen Werte, dem es beliebt, überlassen, und da selbiges vor meine Partie nicht allzu vorteilhaftig klappen sollte, weiter nichts sagen, als: Haud curat Hippoclides. Auf teutsch:

Sprecht, was ihr wollt, von mir und Julio dem Sachsen, Ich lasse mir darum kein graues Härlein wachsen.

Allein, ich höre leider! schon manchen, der nur einen Blick darauf schießen lassen, also raisonieren und fragen: Wie hält's, Landsmann! kann man sich auch darauf verlassen, daß deine Geschichte keine bloßen Gedichte, Lucianische Spaßstreiche, zusammengeraspelte Robinsonadenspäne und dergleichen sind? Denn es werfen sich immer mehr und mehr Skribenten auf, die einem neubegierigen Leser an diejenige Nase, so er doch schon selbst am Kopfe hat, noch viele kleine, mittelmäßige und große Nasen drehen wollen.

Was gehöret nicht vor ein baumstarker Glaube darzu, wenn man des Herrn von Lydio trenchierte Insul als eine Wahrheit in den Backofen seines physikalischen Gewissens schieben will? Wer muß sich nicht viel mehr über den Herrn Geschichtschreiber P. L. als über den armen Einsiedler Philipp Quarll selbst verwundern, da sich der erstere ganz besondere Mühe gibt, sein, nur den Mondsüchtigen glänzendes Märlein, unter dem Hute des Hrn. Dorrington, mit demütigstergebensten Flatterien, als eine brennende historische Wahrheitsfackel aufzustecken? Die Geschicht von Joris oder Georg Pines hat seit ao. 1667 einen ziemlichen Geburts- und Beglaubigungsbrief erhalten, nachdem aber ein Anonymus dieselbe aus dem Englischen übersetzt haben will, und im Teutschen, als ein Gerichte Sauerkraut mit Stachelbeeren vermischt, aufgewärmet hat, ist ein solche Ollebutterie daraus worden, daß man kaum die ganz zu Matsche gekochten Brocken der Wahrheit, noch auf dem Grunde der langen Titsche finden kann. Woher denn kommt, daß ein jeder, der diese Geschicht nicht schon sonsten in andern Büchern gelesen, selbige vor eine lautere Fiktion hält, mithin das Kind samt dem Badewasser ausschüttet. Gedenket man ferner an die fast unzählige Zahl derer Robinsons von fast allen Nationen, sowohl als andere Lebensbeschreibungen, welche meistenteils die Beiwörter: Wahrhaftig, erstaunlich, erschrecklich, noch niemals entdeckt, unvergleichlich, unerhört, unerdenklich, wunderbar, bewundernswürdig, seltsam und dergleichen, führen, so möchte man nicht selten Herr Ulrichen, als den Vertreiber ekelhafter Sachen, rufen, zumalen wenn sich in solchen Schriften lahme Satiren, elender Wind, zerkauete Moralia, überzuckerte Laster-Morsellen, und öfters nicht sechs rechtschaffene oder wahre historische Streiche antreffen lassen. Denn . Halt inne, mein Freund! Was gehet mich dein gerechter oder ungerechter Eifer an? Meinest du, daß ich dieserwegen eine Vorrede halte! Nein, keinesweges. Laß dir aber dienen! Ohnfehlbar mußt du das von einem weitberühmten Manne herstammende Sprichwort: Viel Köpfe, viel Sinne, gehöret oder gelesen haben. Der liebe Niemand allein, kann es allen Leuten recht machen. was dir nicht gefällt, charmiert vielleicht zehn, ja hundert und wohl noch mehr andere Menschen. Alle diejenigen, so du anitzo getadelt hast, haben wohl eine ganz besondere gute Absicht gehabt, die du und ich erstlich erraten müssen. Ich wollte zwar ein vieles zu ihrer Defension anführen, allein, wer weiß, ob mit meiner Treuherzigkeit Dank zu verdienen sei? Über dieses, da solche Autores vielleicht klüger und geschickter sind als du und ich, so werden sie sich, daferne es die Mühe belohnt, schon bei Gelegenheit selbst verantworten.

Aber mit Gunst und Permission zu fragen: Warum soll man denn dieser oder jener, eigensinniger Köpfe wegen, die sonst nichts als lauter Wahrheiten lesen mögen, nur eben lauter solche Geschichte schreiben, die auf das kleineste Jota mit einem körperlichen Eide zu bestärken wären? Warum soll denn eine geschickte Fiktion, als ein Lusus Ingenii, so gar verächtlich und verwerflich sein? Wo mir recht ist, halten ja die Herren Theologi selbst davor, daß auch in der heil. Bibel dergleichen Exempel, ja ganze Bücher, anzutreffen sind. Sapienti sat. Ich halte davor, es sei am besten getan, man lasse solchergestalt die Politikos ungehudelt, sie mögen schreiben und lesen was sie wollen, sollte es auch gleich dem gemeinen Wesen nicht eben zu ganz besondern Vorteil gereichen, genug, wenn es demselben nur keinen Nachteil und Schaden verursachet.

Allein, wo gerate ich hin? Ich sollte dir, geneigter Leser, fast die Gedanken beibringen, als ob gegenwärtige Geschichte auch nichts anders als pur lautere Fiktiones wären? Nein! dieses ist meine Meinung durchaus nicht, jedoch soll mich auch durchaus niemand dahin zwingen, einen Eid über die pur lautere Wahrheit derselben abzulegen. Vergönne, daß ich deine Gedult noch in etwas mißbrauche, so wirst du erfahren, wie diese Fata verschiedener Seefahrenden mir fato zur Beschreibung in die Hände gekommen sind:

Als ich im Anfange dieses nun fast verlaufenen Jahres in meinen eigenen Verrichtungen eine ziemlich weite Reise auf der Landkutsche zu tun genötiget war, geriet ich bei solcher Gelegenheit mit einen Literato in Kundschaft, der eine ganz besonders artige Conduite besaß. Er ließ den ganzen Tag über auf den Wagen vortrefflich mit sich reden und umgehen, sobald wir aber des Abends gespeiset, mußte man ihm gemeiniglich ein Licht alleine geben, womit er sich von der übrigen Gesellschaft ab- und an einen andern Tisch setzte, solchergestalt beständig diejenigen geschriebenen Sachen las, welche er in einem zusammengebundenen Paket selten von Abhänden kommen ließ. Sein Beutel war vortrefflich gespickt, und meine Person, deren damaliger Zustand eine genaue Wirtschaft erforderte, profitierte ungemein von dessen Generosité, welche er bei mir, als einem Feinde des Schmarotzens, sehr artig anzubringen wußte. Dannenhero geriet ich auf die Gedanken, dieser Mensch müsse entweder ein starker Kapitaliste oder gar ein Adeptus sein, indem er so viele güldene Spezies bei sich führete, auch seine besondere Liebe zur Alchimie öfters in Gesprächen verriet.

Eines Tages war dieser gute Mensch der erste, der den blasenden Postillon zu Gefallen hurtig auf den Wagen steigen wollte, da mittlerweile ich nebst zweien Frauenzimmern und soviel Kaufmannsdienern in der Tür des Gasthofs noch ein Glas Wein ausleereten. Allein, er war so unglücklich, herunterzustürzen, und da die frischen Pferde hierdurch schüchtern gemacht wurden, gingen ihm zwei Räder dermaßen schnell über den Leib und Brust, daß er sogleich halb tot zurück in das Gasthaus getragen werden mußte.

Ich ließ die Post fahren, und blieb bei diesen im größten Schmerzen liegenden Patienten, welcher, nachdem er sich um Mitternachtszeit ein wenig ermuntert hatte, alsofort nach seinem Paket Schriften fragte, und sobald man ihm dieselben gereicht, sprach er zu mir: »Mein Herr! nehmet und behaltet dieses Paket in Eurer Verwahrung, vielleicht füget Euch der Himmel hierdurch ein Glücke zu, welches ich nicht habe erleben sollen.« Hierauf begehrete er, daß man den anwesenden Geistlichen bei ihm allein lassen sollte, mit welchen er denn seine Seele wohl beraten, und gegen Morgen das Zeitliche mit dem Ewigen verwechselt hatte.

Meinen Gedanken nach hatte ich nun von diesem andern Jason das güldene Fell ererbet, und vermeinte, ein Besitzer der allersichersten alchimistischen Prozesse zu sein. Aber weit gefehlt! Denn kurz zu sagen, es fand sich sonst nichts darinnen, als Albert Julii Geschichtsbeschreibung, und was Mons. Eberhard Julius, zur Erläuterung derselben, diesem unglücklichen Passagier sonsten beigelegt und zugeschickt hatte.

Ohngeacht aber meine Hoffnung, in kurzer Zeit ein glücklicher Alchimiste und reicher Mann zu werden, sich gewaltig betrogen sahe, so fielen mir doch beim Durchlesen dieser Sachen, verschiedene Passagen in die Augen, woran mein Gemüt eine ziemliche Belustigung fand, und da ich vollends des verunglückten Literati besonderen Briefwechsel, den er teils mit Mons. Eberhard Julio selbst, teils mit Herrn G. v. B. in Amsterdam, teils auch mit Herrn H. W. W. in Hamburg dieses Werks wegen eine Zeit her geführet, dabei antraf, entbrannte sogleich eine Begierde in mir, diese Geschichte selbst vor die Hand zu nehmen, in möglichste Ordnung zu bringen, und hernach dem Drucke zu überlassen, es möchte gleich einem oder den andern viel, wenig oder gar nichts daran gelegen sein, denn mein Gewissen riet mir, diese Sachen nicht liederlicherweise zu vertuschen.

Etliche Wochen hierauf, da mich das Glück...

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