Aviranes - Das Licht der Elfen

Das Licht der Elfen
 
 
Papierfresserchens MTM-Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 10. Juni 2020
  • |
  • 520 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96074-253-1 (ISBN)
 
Ich hörte, wie Diana neben mir die Luft einsog. Als ich den Blick hob, erstarrte ich. Vor uns breitete sich knapp über dem Boden eine bläulich schimmernde Nebelwolke aus, die immer größer wurde, bis sie Diana und mich einhüllte, und ich nicht mal mehr die Hand vor Augen erkennen konnte. Das Atmen fiel mir schwer, meine Augen brannten und ich musste husten.
"Was passiert hier?", schrie ich mit vor Panik zitternder Stimme.
Ich spürte, wie Diana ihre Hand um meinen Arm schloss. Sie drückte so fest zu, dass es schmerzte.
"Magie", hauchte sie.
Als die fünfzehnjährige Alisha erfährt, dass sie aus einer magischen Parallelwelt namens Aviranes stammt und die Enkelin des dort herrschenden grausamen Tyrannen ist, ändert sich ihr Leben grundlegend. Gemeinsam mit ihrer Mutter Celia begibt sie sich auf den Weg nach Aviranes. Dort will sie die sechs versprengten Widerstandsgruppen einen und für den Frieden kämpfen. Doch schnell erkennt sie, dass nicht alles so einfach ist, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Sie begibt sich auf eine gefahrvolle Reise, während der sie nicht nur den tiefen Geheimnissen von Aviranes, sondern auch sich selbst um einiges näher kommt. An deren Ende kann nur der Tyrann auf sie warten .
Erstauflage
  • Deutsch
  • Langenargen
  • |
  • Deutschland
  • Für Jugendliche
  • 3,08 MB
978-3-96074-253-1 (9783960742531)
weitere Ausgaben werden ermittelt

*

Die Kette


"Komm zu mir, Alisha, komm zu mir! Gemeinsam werden wir herrschen, nur gemeinsam sind wir stark!"

Ich stand am Fuße einer Treppe, die auf ein kleines Podest führte. Dort oben stand ein Mann und sah auf mich herunter. Hinter ihm konnte ich einen prunkvollen Thron erkennen, und das, obwohl es in dem großen Saal, in dem ich mich befand, beinahe stockfinster war. Dennoch spürte ich den Blick des Mannes auf mir.

"Komm zu mir, Alisha! Ich werde dir einen Trank geben, der verhindert, dass du alterst! Du wirst unsterblich sein, wenn du dich mir anschließt. Unsterblich und mächtig. Du kannst alles haben, was du willst, denn zusammen werden wir unbesiegbar sein!"

Es war mir, als zöge der Mann mich magisch an. Wie in Trance setzte ich einen Schritt vor den anderen und begann, die Stufen hinaufzusteigen, bis ein plötzlicher Schrei in mein Bewusstsein eindrang wie ein Stachel.

"Nein! Alisha, nicht! Du bist nicht mehr bei Sinnen! Er wird dich umbringen!"

Ich fuhr herum und entdeckte ein schlankes, blondes Mädchen, das am Fuß der Treppe stand und mich ängstlich ansah.

"Alisha, geh nicht zu ihm! Du bist hier, um ihn zu bekämpfen! Er wird seine Macht mit niemandem teilen!" Das Mädchen verstummte, als der Mann über mir ein Zepter hob und es auf die Unbekannte richtete. Er murmelte unverständliche Worte, woraufhin das Mädchen, wie von einer unsichtbaren Hand gepackt, durch die Luft geschleudert und dann gegen die Wand gedrückt wurde. Ihre Lippen bewegten sich stumm und in ihren Augen blitzte Angst auf, entsetzliche Angst.

"Komm Alisha, lass uns gemeinsam diese Welt beherrschen! Lass uns auf ewig diese Welt beherrschen. Unsterblich und unbesiegbar."

Ich begann die restlichen Stufen zu erklimmen, dem Ruf des Mannes folgend. Und mit jedem Schritt war es, als entfernte ich mich ein Stückchen weiter von mir selbst. Als ließe ich meine Erinnerungen, meine Wünsche und Träume, mich selbst zurück. Als ich schließlich neben dem Mann stand, empfand ich keine Gefühle, hatte keinen eigenen Willen mehr. Ich war eine Maschine geworden, ein Schatten meiner selbst, unfähig, eigenständig zu denken.

"Hey, Geburtstagskind!", hörte ich eine sanfte Stimme nah an meinem Ohr flüstern. Ich spürte warmen Atem, der mir sanft über die Wange strich und fuhr überrascht hoch. Hektisch drehte ich meinen Kopf und sah mich um. Zwischen den Vorhängen drang ein schmaler Streifen Sonnenlicht hindurch, erhellte das Zimmer und tanzte auf meiner Bettdecke. Alles war wie immer.

Trotzdem verfolgte mich mein Albtraum noch. Es war nicht das erste Mal gewesen, dass ich von diesem Mann geträumt hatte. Und davon, dass er mir Macht und Unsterblichkeit versprach und mir dafür Stück für Stück meinen Willen raubte. Diese Träume machten mir Angst und oft wachte ich mitten in der Nacht schreiend auf, aber ich traute mich nicht, damit zu meiner Mutter zu gehen. Wegen eines so albernen Traumes!

"Alles Gute zum Geburtstag, meine Große!", flüsterte meine Mutter und lächelte mich an. Sie war nur in ihren blauen Morgenmantel gehüllt und ihre langen braunen Haare fielen ihr noch ungekämmt über die Schultern. Ich sah mich noch etwas verschlafen in meinem Zimmer um. Mein Blick blieb an den zahlreichen Bücherregalen hängen, die jetzt allesamt leer waren. Dafür war der Boden des Zimmers mit Büchern bedeckt, die nur eine schmale Gasse zu meinem Bett freiließen, denn ich war gerade dabei, meine Schätze neu zu sortieren. Mal wieder. Es war alles so wie immer. Fast so wie immer. Denn heute war mein fünfzehnter Geburtstag. Und mein zwanzigster Morgen in dieser Stadt.

"Mach dich schnell fertig und komm dann in die Küche. Das Frühstück ist fertig." Mit diesen Worten stand meine Mutter auf und balancierte auf die Tür zu, bis sie über ein Buch stolperte und sich gerade noch an meinem Klavier festhalten konnte, um nicht vollends das Gleichgewicht zu verlieren. Sie brummte verärgert und verschwand dann durch die Tür.

Ich sah auf die Uhr. Es war zehn vor sieben. Mit einem Sprung war ich aus dem Bett und stieg geschickt über etliche Bücher, um zu meinem Kleiderschrank zu gelangen. Ich stolperte nicht ein einziges Mal. Kein Wunder. Schließlich hatte ich ja schon Übung.

Der Frühstückstisch war festlich gedeckt. Meine Mutter hatte sich wirklich ganz schön Mühe gegeben und nicht nur Schoko-Kirsch-Kuchen gebacken, sondern auch noch den ganzen Tisch mit Konfetti bestreut und meinen Teller mit kleinen, bunten Päckchen umrahmt. Es waren nicht besonders viele, denn meine Mutter musste alleine für uns beide sorgen. Meinen Vater hatte ich nie kennengelernt und meine Großeltern waren laut meiner Mutter schon verstorben, als ich noch ganz klein war.

"Alisha?", fragte meine Mutter besorgt. "Alles in Ordnung?"

Ich nickte nur, setzte mich dann, griff gierig nach einem der Geschenke und zerriss mit einer schnellen Bewegung das Papier. Zum Vorschein kam ein Buch mit dem Namen Der Klan der Wölfin von Maite Carranza. Ich erkannte es sofort wieder. Als ich mit meiner Mutter vor Kurzem in München gewesen war, hatte ich dieses Buch lange unschlüssig in den Händen gehalten.

"Danke!", rief ich freudig aus, legte mein Geschenk vorsichtig auf den Tisch und griff nach dem nächsten. Insgesamt packte ich noch eine CD und ein kleines Handtäschchen aus, bis ich das letzte Päckchen in den Händen hielt. Es war kleiner als die anderen. Ohne zu zögern, zerriss ich das Papier und hielt zu meiner Überraschung ein kleines, dunkelgrünes Säckchen in den Händen.

"Danke ... aber was ist da drin?", fragte ich zögernd.

Meine Mutter sah mich ernst an. "Mach es auf", riet sie mir scheinbar gelassen, doch ich kannte sie zu gut, als dass ich das leichte Zittern in ihrer Stimme überhört hätte.

Vorsichtig betastete ich das Säckchen. Der Stoff fühlte sich leicht und dünn an, so als könne er jeden Moment unter meinen Fingern zerbröseln. Doch darin erfühlte ich etwas Hartes, Rundes. Zögernd öffnete ich das Beutelchen, griff hinein und umschloss den Gegenstand mit den Fingern. Dann zog ich meine Hand aus dem Säckchen und öffnete sie langsam. Darin lag eine Kette. An einer dünnen, schwarzen Schnur hing ein dunkelgrüner, flacher, kreisrund geschliffener Stein. In der Mitte des Steines befand sich ein rundes Loch.

Ich sah, dass die Hände meiner Mutter zitterten, als sie nach der Kette griff und sie mir um den Hals hängte. Der Stein schmiegte sich kühl an meine Haut und plötzlich durchströmte mich ein Gefühl der Wärme und der Geborgenheit. Ich bemerkte, wie meine Mutter ausatmete und ein Lächeln die Anspannung vertrieb, die ich eben noch in ihrem Gesicht hatte erkennen können.

"Wir sollten jetzt essen, sonst kommst du noch zu spät zur Schule", erklärte sie, nahm mir gegenüber Platz und griff sich ein großes Stück Schoko-Kirsch-Kuchen. Auch ich langte kräftig zu.

"Ach ja, Alisha, sollte heute in der Schule irgendetwas Merkwürdiges geschehen, komm bitte sofort nach Hause", bemerkte meine Mutter wie nebenbei.

"Mama, bitte! Was soll in der Schule denn schon Merkwürdiges passieren?"

Meine Mutter ging auf diese Frage nicht ein.

Eine Dreiviertelstunde später trat ich durch die große, gläserne Eingangstür unserer Schule. Zielstrebig durchquerte ich Treppenhaus und Aula, nur um kurz darauf durch eine kleinere Tür wieder hinaus ins Freie zu treten.

Der Schulhof war riesig. Mein Blick schweifte über die unzähligen Schülerinnen und Schüler, die meist in Gruppen zusammenstanden und in ihre Gespräche vertieft waren. Niemand drehte sich nach mir um. Niemand interessierte sich für mich. Mit einem leisen Seufzer lehnte ich mich gegen die Wand und ließ mich auf den Boden gleiten.

Seit meine Mutter und ich vor knapp drei Wochen hierher gezogen waren, hatte sich in meinem Leben vieles verändert. Und das nur, weil ein Teil der Firma, in der meine Mutter jetzt arbeitete, in dieses Kaff hier ausgelagert worden war! Für einen kurzen Moment schloss ich die Augen und konzentrierte mich auf die vielen Stimmen um mich herum, die in der Luft zu einem gleichmäßigen Summen verschmolzen.

Ein kühler Windhauch wehte mir eine widerspenstige Strähne aus dem Gesicht. Nur langsam öffnete ich die Augen. Auch ich hatte mal Freundinnen gehabt. In einer anderen Stadt. In einem anderen Leben. Vor drei Wochen. In meiner Brust flammte der bekannte Schmerz auf, als ich an meine vier besten Freundinnen Sarah, Mirjam, Christina und Niki dachte. Unwillkürlich hob ich meinen rechten Arm und öffnete den Verschluss eines silbernen Armbandes, das sie mir zum Abschied geschenkt hatten.

Vorsichtig formte ich es auf meiner offenen Handfläche zu einem Kreis und sah auf die vielen feinen, silbernen Ringe, die in der Sonne glänzten. An vier von ihnen hingen kleine Anhänger. Vorsichtig nahm ich einen davon zwischen zwei Finger und betrachtete ihn eingehender. Er stellte ein Buch dar. Ein aufgeschlagenes Buch, und wenn ich genau hinsah, konnte ich sogar dünne Linien erkennen, die anscheinend beschriebene Zeilen sein sollten. Diesen Anhänger hatte ich von Mirjam bekommen....

Aviranes - das Licht der Elfen verfügt nicht nur über die klassischen Fantasymerkmale, wie etwa fantastische, fremde Welten, deren Lebewesen und Sitten. Darüber hinaus gelingt der Autorin bereits auf den ersten Seiten auf wichtige Charakterzüge ihrer Figuren hinzuweisen, ohne diese wirklich zu beschreiben. Sofort entsteht ein Bild im Kopf und lässt die Figuren und ihre Umgebung authentisch und lebendig wirken. Im späteren Verlauf wird die Geschichte immer tiefgründiger und mit ihr, auch ihre Figuren. "Ich wollte nicht nur ein simples Fantasybuch schreiben, sondern ein insgesamt anspruchsvolles Buch, in dem die Heldin sich mit dem Tod auseinandersetzen muss", erzählt Laura Schmolke. "Es ist mir schließlich auch wichtig, die Leute zum Nachdenken zu bringen." Auch wenn dies ein schweres Thema für die Siebzehnjährige war, laut ihrer eigenen Aussage war es für sie selbst am mühseligsten, sich die Sprache der Elfen auszudenken. "Es hat sich als unerwartet komplizierter rausgestellt", verrät die Bayerin schmunzelnd. "Ich musste später Verben durchkonjugieren und ganze Übersetzungslisten anlegen." Als Lohn für diese beschwerliche und langwierige Arbeit steht Aviranes nun mit einer überzeugenden Sprache da, in der nicht einfach irgendwelche Kunstwörter aneinandergereiht wurden, sondern tatsächlich Hand und Fuß haben - sogar Konjunktionen.

Aviranes - Das Licht der Elfen besticht nicht nur durch sein ästhetisches Cover und die charmante Gestaltung im Inneren. Der Fantasyroman beweist auch eindrucksvoll, dass sich die junge Autorin seit ihrer letzten Veröffentlichung von Aragien - Das Vermächtnis der Armreifen, sowohl in Quantität als auch Qualität weiter entwickelt hat. Schon ihr Debüt war eine herausragende Leistung, die von dem neuen Roman noch übertroffen wird.

Dateiformat: ePUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat ePUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

9,99 €
inkl. 5% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen