Wie kann ich heute glauben?

Die negative Theologie des Cusanus
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 6. Dezember 2017
  • |
  • 136 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7460-0300-9 (ISBN)
 
Als Psychotherapeut und Philosoph, der sich immer auch mit Theologie befasst hat, wird der Autor häufig mit Glaubensfragen seitens seiner Klienten konfrontiert.
Viele Menschen haben offensichtlich den Eindruck, dass christliche Kirchen den suchenden Gläubigen nicht überzeugend begleiten und ihm eine naive affirmative Theologie zumuten, die sich nicht mit dem heutigen geistes- und naturwissenschaftlichen Wissen in Einklang bringen lässt.
Dieses Buch zeigt einen Weg auf, wie man heute sehr wohl noch glauben kann. Das Ziel dieses Weges ist die negative Theologie des Nikolaus von Kues.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,46 MB
978-3-7460-0300-9 (9783746003009)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Ulrich Schmitz-Roden ist Psychotherapeut und Philosoph mit langjähriger Erfahrung in Klinik und Praxis.

2. Zeitgeist


In welcher Zeit leben wir? Wie erlebe ich meine Zeit? Diese Fragen sollten wir uns am Anfang unserer Reflektion über unser Leben - das wir bewusst leben wollen - stellen, um dann unseren Glauben in diesem Alltag zu finden. Schon die Erkenntnis, dass wir nicht mehr Getriebene des Alltags sein wollen, dass wir unser Leben in die Hand nehmen wollen, führt uns vor die Frage nach unserer Zeit und nach dem Geist, der in ihr herrscht. Diese Betrachtung kann an dieser Stelle aber nur ganz individuell gefärbt und skizzenhaft sein, weil das Thema Zeitgeist unendlich komplex ist und unseren Rahmen sprengen würde.

Jeder kann diese Fragen auch sicherlich nur vor dem eigenen lebensgeschichtlichen Hintergrund beantworten, der bestimmend ist für die Bewertung seiner Erfahrungen in seiner Lebenswelt.

Wer z. B. in der Zeit ohne Telefon oder Handy groß geworden ist, wird eine andere Bewertung für diese Kommunikationsform haben, als ein Kind, das mit dieser Technik wie selbstverständlich aufgewachsen ist. Schon dieses einfache Beispiel verdeutlicht, wie schwer ein Übereinkommen in der Einschätzung von Nutzen und Gefahren dieser Technik, oder grundsätzlicher jetzt gesagt, aller Techniken unseres Alltags wird. Schon hier steht jeder für sich allein. Wie erst recht, wenn es um transzendentale Fragen geht!

Also beginnen wir, diese individuell erlebten Grenzen unserer Zeit vorsichtig zu umschreiben, so es für unser zentrales Thema notwendig ist. Diese mehr fragend vorgestellte Zeitskizze stellt den Hintergrund dar für die Frage nach dem Weg unseres Glaubens in unserer Zeit.

Sobald wir zu reflektieren beginnen, werden wir eines übrigens sofort feststellen: der "Mainstream" ist dann kein Ruhekissen mehr. Dann gibt es kein Zurück in das unreflektierte Leben!

Fangen wir an mit dem Autoritäts- und Normverfall in unserer Zeit. Was vor Jahren unvorstellbar war, ist heute schon normaler Alltag. Jeder von uns kann sicher Beispiele, ganz profane Beispiele des Alltags nennen. Hier nur wenige Fragen aus dem pädagogischen Alltag. Die Unsicherheit in der Erziehung ist enorm: Mütter fragen, wann ihr kleines Kind ins Bett muss. Jugendliche fragen ernsthaft, warum man nicht seinen Vater schlagen darf, so dieser ihn doch auch schlägt. Wann wird der Computerkonsum für die kindliche Entwicklung schädlich? Warum stützen wir uns nicht mehr auf die mütterliche oder väterliche Autorität?

Aus allen Lebensbereichen, auch aus Technik und Wissenschaft, sind Fragen nach Autorität und Normen wichtig und werden gestellt. Nicht alles, was machbar ist, kann gut sein. Wo sind die Grenzen der Gentechnik bei Zeugung, aber auch für die Ernährung? Allgemein gefragt: Stehen wir vor einem Paradigmenwechsel in Alltag und Wissenschaften?

Die Diskussion um Richtig und Falsch kennt im öffentlichen Raum keine Grenzen mehr - ein nicht endender Prozess, in dem mehr zerredet als erhellt wird. Eine personale Autorität, die unhinterfragt anerkannt würde, könnte diese Fragen beantworten und damit auch Grenzen setzen. Gibt es sie heute?

Wir müssen aber auch anders herum fragen: Ist es nicht gut, dass es diese Autorität nicht mehr gibt, wenn wir z. B. an den Missbrauch durch Autoritäten denken? Die Geschichte der Autoritäten - politische wie institutionelle - ist oft eine Geschichte des Versagens!

Gott sei Dank erlebt der Einzelne aber doch noch innerhalb privater tragender Beziehungen eine Autorität, die positiv erlebt wird.

Der öffentliche Alltag hingegen ist zunehmend geprägt vom Verlust der Autorität in Schule, Kirche und Staat.

Bei Entscheidungen sind wir dadurch oftmals allein gelassen. Es fällt uns dann schwer, wichtige Entscheidungen allein zu treffen, weil wir es auch nicht mehr lernen abzuwägen, sich Zeit zur Reflektion zu nehmen. Es muss alles schnell gehen. Die schnelle Internetnutzung suggeriert uns zudem, dass alles ohne Mühen und Anstrengungen in unsere Köpfe gelangt, und so verlernen wir, wie man lernt.

Wir sind offensichtlich in einem Teufelskreis gefangen: wir brauchen Autorität und Normen; wenn sie dann aber einmal gesetzt sind, diskutieren wir sofort so lange, bis sie unbrauchbar geworden sind, und unsere Suche beginnt wieder von vorn. Es zeigt sich, dass es in unserer Zeit offensichtlich mehr um Meinungen oder Effekte geht, als dass über Inhalte diskutiert wird, denen wir uns zu stellen haben. Aber das ist in der postmodernen Zeit, die nicht enden will, sehr schwierig.

Wollen wir diesem Prozess entgehen, müssen wir erkennen, dass wir auf uns zurückgeworfen sind, dass wir uns nur selber Normen und Grenzen geben können und müssen. In der postmodernen Diskussion heißt das: wir müssen für uns den kleinen Konsens finden und leben, weil es die großen Erklärungen, (wie beispielsweise den Kommunismus) nicht mehr gibt, die uns die Fragen beantworteten.

Inne-Halten wäre gut. Staunen ist ein Inne-Halten, ein tiefes Inne-Halten in uns. Wir kommen auf das Staunen noch zurück.

Zeichnen wir die Skizze unserer Zeit mit ein paar Strichen weiter: Nehmen wir die Halbwertzeit unseres Wissens.

Was heute noch als wahr angesehen worden ist, ist morgen schon nicht mehr wahr. Diese alltägliche Redensweise, die uns mahnen sollte, sich nicht zu sicher zu fühlen, ist mehr denn je Wirklichkeit geworden!

Die Verdopplung des Wissens, auf das wir zugreifen können, geschieht in einem rasenden Tempo! Verdoppelte sich das Wissen um 1800 erst in hundert Jahren, verdoppelt es sich im 20. Jahrhundert bereits in fünf Jahren, und heute im 21. Jahrhundert wird eine Zeitspanne von vier Jahren angenommen. Es werden aber auch schon eineinhalb Jahre diskutiert!

Diese Entwicklung ist unvorstellbar. Wie ist das möglich?

Die Forschung um die Halbwertzeit von menschlichem Wissen nimmt an, dass z. B. jede Minute eine neue chemische Formel gefunden wird, alle drei Minuten neue physikalische Erkenntnisse gewonnen werden, alle fünf Minuten eine neue Erkenntnis in der Medizin bekannt wird.

Diese rasende Geschwindigkeit der Wissensvermehrung ist nur machbar durch die globale Vernetzung der Wissenschaften. Das Zeitalter, wo Einstein allein die Relativitätstheorie und entsprechende Formeln entwickelt hat, ist vorbei. Die Fragestellungen z. B. in der Physik sind so komplex geworden, dass sich nur noch global vernetzte Forscherteams mit extrem leistungsstarken Computern dieser Fragestellungen Erfolg versprechend annehmen können.

Ob wir Laien dann noch die Ergebnisse verstehen können, ist mehr als fraglich. In der Hirnforschung, um ein anderes Beispiel zu nennen, geht man trotz scheinbar unüberwindbarer Probleme davon aus, dass man dem Gehirn auf die "Schliche" kommen wird, dass aber die Beschreibung dieser Prozesse zugleich für den Laien nicht darstellbar sein wird.4

Wenn wir diesen Skizzenstrich unser Zeit auf uns wirken lassen, kann man sich ganz klein und auch verlassen fühlen in der Flut dieser ungeheuren Information. Was mache ich mit diesem Wissen und dem Gefühl, das mich beschleicht? Ich kann es verleugnen, versuchen zu verdrängen, oder ich stelle mich bewusst dieser für mich unüberschaubaren Dynamik.

Staunen ist angesagt!

Machen wir einen letzten Skizzenstrich aus der Kosmologie in unserer Zeit. Einstein konnte in jungen Jahren noch an ein statisches Weltbild glauben, aber 1929 hat Edwin Hubble nachgewiesen, dass sich unser Universum ausdehnt. Heute gehen wir davon aus, dass die Expansionsgeschwindigkeit 170 Kilometer pro Sekunde pro Millionen Lichtjahre beträgt. Dies ist heute als Hubble-Gesetz bekannt.

Wer kann sich diese Geschwindigkeit oder diese Expansion vorstellen?

Schaudert es uns nicht und stellt sich diese Vorstellung nicht gegen unser alltägliches Gefühl, wenn wir uns auf unserer Erde bewegen? "Wir haben festen Boden unter den Füßen", sagen wir. "Wir haben, Gott sei Dank, wieder festen Boden unter den Füßen", wenn wir uns auf schwankendem Boden befanden.

Und dann ist da noch das schwarze Loch in unserer Galaxie, das gefüttert wird, wie die Forscher des Max-Planck-Instituts jetzt näher beobachten konnten. Eine heute beobachtbare Gaswolke wird in einigen Jahrzehnten in diesem riesigen Loch verschwunden sein. Dieses riesige Monster hat ein Gewicht von 4,3 Millionen Sonnenmassen! Alle Sterne umkreisen es. Wir, d. h. unser Sonnensystem umkreist es einmal in 230 Millionen Jahren!5

Wer bringt jetzt diese wenigen Skizzenstriche, mit der wir unsere Zeit umrissen haben, zusammen? Wer kann ein Weltbild erdenken, das alle diese Erkenntnisse unserer Zeit einschließt?

Wie naiv nimmt sich da das mittelalterliche Weltbild aus: Es ging davon aus, dass Gott der Schöpfer der Erde war, und stellte sich diese Erde als Mittelpunkt vor, um den sich alles drehte!

Es braucht keine Arroganz, wenn viele heute in der Naturwissenschaft davon ausgehen, dass wir keinen Schöpfergott mehr nötig haben.

Wir scheinen ja immer mehr die Gesetze des Universums zu erkennen, zu gewaltig und unvorstellbar sind die Ergebnisse der Forschung!

Es ist völlig nachvollziehbar, wenn Ludwig Wittgenstein in seinem Tractatus feststellt, dass das Mystische darin besteht, dass es die Welt überhaupt gibt!

Aber wie...

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