"Du sollst nicht morden"

Selbstzeugnisse christlicher Wehrmachtssoldaten aus dem Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion
 
 
Campus (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 17. August 2017
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  • 512 Seiten
 
E-Book | PDF mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-593-43643-2 (ISBN)
 
Wie konnten christlich sozialisierte Soldaten der Wehrmacht den Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion vor Gott rechtfertigen? Welche Strategien entwickelten sie, um ihre Erlebnisse zu verarbeiten? Gab es christliche Motive, die das massenhafte Morden legitimierten? Anhand zahlreicher Feldpostbriefe und Tagebücher deutscher Soldaten aus allen Abschnitten der Ostfront von 1941 bis 1944 kann David Schmiedel eindrucksvoll zeigen, wie christliche Vorstellungen und nationalsozialistische Propaganda - nicht zuletzt durch die tätige Mitwirkung der Feldgeistlichen - in den Hirnen und Herzen der Truppenangehörigen verschmolzen. Sein Buch leistet somit einen wesentlichen Beitrag zum tieferen Verständnis der Kriegsgesellschaft des "Dritten Reichs".
  • Deutsch
  • Frankfurt / New York
  • Neue Ausgabe
  • 5,89 MB
978-3-593-43643-2 (9783593436432)
3593436434 (3593436434)
weitere Ausgaben werden ermittelt
David Schmiedel, Dr. phil., ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte der Universität Magdeburg.
Inhalt

Dank 9
Einführung 11

Teil I: Theoretische Grundlagen

1. Die Darstellung der Quellenkorpora und -gattungen 29
1.1 Die Feldpostbriefe 30
1.2 Die Tagebücher 38
1.3 Die Erinnerungsberichte 42
1.4 Die Tätigkeitsberichte 45
1.5 Die Seelsorgeberichte 47
1.6 Die protokollierten Interviews 48
1.7 Die psychologischen Komponenten von Veränderung und Verdrängung in den Quellengattungen 50
2. Die methodischen und ideengeschichtlichen Grundlagen 53
2.1 Die Entwicklung der Gottesvorstellung im 19. und 20. Jahrhundert 53
2.2 Die Kommunikation mit Gott 63
2.3 Die tiefen- und verhaltenspsychologischen Ansätze 65
2.4 Die Projektionstheorie 69
2.5 Die Religionssoziologie 74
2.6 Die Raumtheorie 81

Teil II: Historische Rahmenbedingungen

3. Die Erziehung und die Sozialisation der Wehrmachtssoldaten 91
3.1 Die Erziehung im Kaiserreich 94
3.2 Die Erziehung in der Weimarer Republik 96
3.3 Die Erziehung im "Dritten Reich" 97
3.4 Die Erziehung und Ausbildung in der Wehrmacht 100
4. Das Verhältnis von Kirchen und Nationalsozialismus 106
4.1 Die theologische Verstrickung und deren Aufarbeitung nach
dem Zweiten Weltkrieg 106
4.2 Die Kirchen und das nationalsozialistische Regime 1933 bis 1945 - zwischen Zusammenarbeit und Widerstand 112
4.3 Eine "nationalsozialistische" Konfession? 122
4.4 Gegen die Sowjetunion - christliche und nationalsozialistische Feindbilder und Propaganda 128
5. Das System der Feldgeistlichkeit 139

Teil III: Empirische Befunde: "Der Krieg legt diesmal schwere politische und rel.-moralische Probleme auf."

6. Der Anspruch und das Selbstbild deutscher Wehrmachtssoldaten 153
7. Der allmächtige Gott - der vergeltende Gott: Die Bezugnahme auf die Eigenschaften Gottes 169
7.1 Die Allmacht Gottes 170
7.2 Die Güte/Gnade Gottes 179
7.3 Die Vergeltung Gottes und das Wirken des Teufels 194
7.4 Die Untrennbarkeit der Gotteseigenschaften 203
8. Gott und Kriegsgewalt 205
8.1 Die Gewalt gegen Zivilisten 207
8.2 Die Gewalt gegen Rotarmisten 240
8.3 Die Gewalt gegen Wehrmachtsangehörige 265
9. Die Rechtfertigung von Krieg und Gewalt durch Gott 292
9.1 Mit Gott kämpfen, mit Gott siegen, mit Gott unterliegen? 298
9.2 Der Vernichtungskrieg als Wille Gottes 313
9.3 Die religiöse Rechtfertigung des Judenmordes 324
10. Die "Räume" Gottes 333
10.1 Die Front versus das Hinterland 336
10.2 Die Feldgottesdienste 345
10.3 Der Glaube an Talismane und Ikonen 358
10.4 Die Feiertage 364
11. Die Auswirkungen der Gewalt auf die Gottesbilder 384
11.1 Die Verschmelzung 385
11.2 Die Abgrenzung 394

Resümee 451
Anhang
Archivalische Quellen 467
Gedruckte Quellen 470
Literatur 475
Internetbelege 499
Alphabetisches Register der Schreiber (Quellen und Literatur) 500
Alphabetisches Abkürzungsverzeichnis (Quellen) 510
Dank

Das vorliegende Buch ist eine überarbeitete und gekürzte Fassung meiner Dissertationsschrift, die im Sommer 2015 an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg angenommen worden ist.
Die Idee zur Arbeit entfaltete sich aus der Fragestellung meiner Magisterarbeit (Friedrich-Schiller-Universität Jena 2012), in der ich den Umgang christlicher Soldaten mit der Situation "Stalingrad" untersucht habe. Anhand der Ergebnisse dieser Arbeit wuchs in mir die Frage, wie christlich sozialisierte Soldaten an der Ostfront des Zweiten Weltkrieges ein Teil der nationalsozialistischen Unterdrückungs- und Vernichtungsmachinerie werden und sein konnten. Konzeptionelle Unterstützung bei der Nuancierung meiner Frage erhielt ich dabei von Prof. Silke Satjukow und Prof. Rainer Gries. Silke Satjukow, die die Betreuung und Erstbegutachtung übernahm, bin ich aufgrund ihrer stetigen Unterstützung während des Entstehungsprozesses der Arbeit zu besonderem Dank verpflichtet. Gleiches gilt auch für Prof. Bertram Schmitz, der in seiner Funktion als Zweitgutachter stets ein offenes Ohr für meine Anliegen hatte.
Unverzichtbar waren auch die Doktoranden- und Habilitandenkolloquien der beiden, in denen sich mit den Kollegen stets kritische und anregende Diskussionen entwickelten. Besonderen Dank möchte ich an dieser Stelle Andreas C. Matt M. A. aussprechen, der mit seinen präzisen Nach-fragen stets Schwachstellen zu offenbaren vermochte.
Mein Dank gilt ebenso den Mitarbeitern der zahlreichen Archive, ohne deren Bestände das Entstehen meiner Arbeit nicht möglich gewesen wäre. Hervorzuheben ist hier Dr. Markus Seemann vom Archiv des Katholischen Militärbischofs für die deutsche Bundeswehr, dessen Interesse an meinem und dessen Anregungen für mein Forschungsvorhaben mir eine Bestärkung waren. Des Weiteren Herrn Gunnar Goehle, dessen Betreuung im Archiv des Museums für Post und Telekommunikation Berlin mir eine große und unerlässliche Hilfe bei der Hebung der für meine Arbeit besonders tragenden Feldpostbriefe war. Der Axel Springer Stiftung in Berlin und der Geschwister Boehringer Ingelheim Stiftung für Geisteswissenschaften in Ingelheim am Rhein danke ich für die großzügige Gewährung eines Publikationszuschusses, der die Drucklegung der Studie möglich gemacht hat.
Abschließend möchte ich meiner Frau Isabel Schmiedel danken, die nicht nur mit ihrer stetigen Lektüre meiner Texte eine unverzichtbare Hilfe war, sondern die mich in allen schwierigen Phasen stets begleitete und mich immer wieder aufrichtete. Besonders trifft dies für die schwere Zeit des Herbst 2013 zu, nachdem mich der zu frühe Tod meines Vaters Steffen Schmiedel seelisch immer wieder stark beanspruchte. Ihm sei diese Schrift gewidmet.

Hildesheim, im Frühling 2017
David Schmiedel


Einführung

Ende Oktober des Jahres 312 nach Christus zog der römische Kaiser Konstantin der Große mit seinem Heer die via flaminia entlang in Richtung Rom, um den Usurpator Maxentius im Kampf zu stellen. Dieser wiederum zog dem konstantinischen Heer entgegen, woraufhin es am 28. Oktober 312 zur Schlacht an der Milvischen Brücke kam (Schmitt 2007: 150). Was genau an diesem Tag und während der Schlacht - die als "Urknall" der christlichen Kriegsgewalt (Baudler 2001: 257f.) und der christlichen Geschichtstheologie (Wallraff 2013: 97f.) bezeichnet werden kann - geschah, ist aufgrund der Überlieferung (die Forschung kann sich fast ausschließlich nur auf die Darstellungen von Lactantius und Eusebius stützen) nicht mehr zu eruieren. Als gesichert erscheinen im Grunde nur das Datum der Schlacht und der Sieg Konstantins über Maxentius, der zugleich das Ende eines etwa einjährigen Feldzuges bedeutete (Girardet 2010: 64).
Vor einiger Zeit ergab sich ein Gespräch mit zwei evangelischen Geistlichen über deren Einschätzung zu den überlieferten Vorgängen in der Nacht vor der Schlacht: Laut der antiken Chronisten Lactantius und Eusebius soll es sich so verhalten haben, dass Konstantin im Traum der christliche Gott erschien, der ihn anwies, das caeleste signum dei - das sogenannte Labarum - auf die Schilde seiner Soldaten zeichnen zu lassen, wodurch ihm der Sieg gewährt werden würde (Heinen 2007: 7). Konstantin tat dies und sein Sieg am nächsten Tag leitete die sogenannte konstantinische Wende ein (Bleicken 2007: 64), die, nachdem die Verfolgung der Christen im römischen Reich erst vor wenigen Jahren zu Ende gegangen war (Piepenbrink 2007: 24) - wobei diese trotzdem immer wieder aufflammte (Kraft 1989: 75, 379) -, das Christentum zur staatlich legitimierten Religion erhob.
Der erste Theologe bezog sich vollkommen auf die Friedfertigkeit des Christentums, weshalb er die Frage, wie es denn möglich war, dass das Christentum aufgrund einer Waffentat zur legitimierten Religion im römischen Reich wurde, ganz entschieden beantwortete: Er glaube davon kein Wort. Sicherlich hat Gott zu Konstantin gesprochen, doch dieser hat die Worte Gottes falsch verstanden, da er aus dem Geist eines Militärstrategen heraus dachte. Gott hätte niemals eine Gewalttat im Namen des Christentums gewollt.
Der zweite Theologe konnte dieser Antwort nicht im Geringsten zu-stimmen: Zu sagen, dass Gott niemals Waffengewalt zur Durchsetzung seiner Ziele benutzen würde, würde die Freiheit Gottes einschränken. Gott hatte in dieser Nacht entschieden, dass die Christen - zumindest für eine gewisse Zeit - aus der Verfolgung geführt werden sollten, um das römische Reich zu führen.
Während der erste Pfarrer sich also unter keinen Umständen die Legitimation von Gewalt durch den christlichen Gott vorstellen konnte, stellte für den zweiten Pfarrer die durch Gott legitimierte Gewalt im Namen des Christentums kein Problem dar. Ohne im Folgenden darauf eingehen zu wollen, welche der beiden Ansichten aus theologischer oder moralisch-ethischer Sichtweise zu teilen wäre, zeigt dieses Beispiel auf, wie unter-schiedlich sich die Frage nach der Anwendung von Gewalt in der christlichen Religion noch im 21. Jahrhundert auslegen lässt.
Nun gibt es in jeder Zeit und jeder Epoche eine Vielzahl von Deutungsmöglichkeiten, die sich mitunter näher oder weiter entfernt von der Heiligen Schrift und der Theologie bewegen; ein Extremum bei diesem "Entfernen" von Schrift und Theologie war die Zeit des Nationalsozialismus, in der von verschiedensten Akteuren ganz eigene und heute außerordentlich fremd scheinende Deutungsmuster entwickelte und ausprägte wurden.
Als am 28. August 1941 über drei Millionen Wehrmachtssoldaten den Angriff auf die damalige Sowjetunion begannen - ein jeder von ihnen hatte, neben Hakenkreuz und Reichsadler, den Schriftzug "Gott mit uns" auf seinem Koppelschloss gestanzt - war die Frage danach, wie es die christliche Religion mit Krieg und Frieden hält, wie sie Gewalt rechtfertigt und erklärt, ebenso aktuell wie zu Zeiten Konstantins. Unter den Angreifern befanden sich Feldgeistliche, aber auch Männer der Kirche, die in regulären Kampfeinheiten dienten - von Angehörigen des Jesuitenordens bis zu ordinierten Priestern und Pfarrern. Doch auch unter den "normalen" Soldaten befanden sich etwa 95 Prozent Christen - Menschen, die an den christlichen Gott glaubten und die diesen mit auf ihren Feldzug gegen Moskau nahmen.
Der Feldzug gegen die Sowjetunion ist eines der am besten erforschten Themen im großen Themenkomplex des Zweiten Weltkrieges. Bereits kurz nach dem Krieg erschienen die ersten Werke - zumeist noch von ehemaligen Wehrmachtsoffizieren verfasst, die selbst am Feldzug teilgenommen hatten -, die den Krieg vor allem unter operativen Gesichtspunkten darstellten (Heim/Philippi 1962). Im Grunde rissen seitdem historische Veröffentlichungen über die Problematik des Ostkrieges nicht ab, auch wenn sich dabei wohl ihre Themen und Schwerpunktsetzungen änderten. Standen zunächst vor allem der genaue Verlauf des Feldzuges und später das deutsche Leid im Fokus der Betrachtung, so eröffnete spätestens die sogenannte Wehrmachtsausstellung, die seit 1995 - zunächst mit Quellenfehlern behaftet - in verschiedenen deutschen Städten zu sehen war (Schlemmer 2008: 247), den Deutschen neue Aspekte und Ansichten über die Art der Kriegsführung gegen die damalige Sowjetunion (Hamburger Institut für Sozialforschung 2002).
Ein wichtiger Aspekt der Diskussion über deren Form und deren Ausmaße war und ist es erstens, dass vor allem über die Motive und die Motivation der Männer diskutiert wurde und wird, die den Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion führten. Prominente und oft diskutierte Positionen zu dieser Frage lassen sich unter anderem bei den Historikern Daniel Goldhagen (Goldhagen 1996), Christopher Browning (Browning 1998) , Götz Aly (Aly 2005) und Sönke Neitzel sowie bei dem Soziologen Harald Welzer (Neitzel/Welzer 2011) finden. Neben den vorrangigen Fragen der Motive und dem Werden der Massenmörder an der Ostfront wurde jedoch zweitens noch ein weiteres Themenfeld ebenso gründlich beleuchtet wie hart "umkämpft": Die Frage nach der Anzahl der Männer, die an den Verbrechen an der Ostfront teilhatten: War nur eine Minderheit der deutschen Wehrmachtssoldaten an Verbrechen gegen Rotarmisten und Zivilbevölkerung beteiligt, während - so die vorherrschende Lehrmeinung in der Zeit der Bonner Republik - vor allem Sicherheitsdienst (SD) und Schutzstaffel (SS) die Kriegsverbrechen begingen? Oder beteiligte sich doch die Mehrzahl der in der Sowjetunion kämpfenden deutschen Soldaten an diesen Handlungen (Hartmann 2004: 70)?
Allein aufgrund der Vielzahl der Wehrmachtssoldaten, die zwischen 1941 und 1944 in der Sowjetunion kämpften, hat es sich für die Forschung als außerordentlich schwierig erwiesen, Erklärungsmuster für die Vorgänge an der deutschen Ostfront des Zweiten Weltkrieges zu finden, die, wenn nicht auf alle, so doch zumindest auf möglichst viele deutsche Soldaten zutreffen. Ebenso verhält es sich bis heute mit der Frage nach der Teilhabe der Wehrmachtssoldaten an den Verbrechen in der Sowjetunion.
Ausgehend von der Vielzahl an Publikationen, die sich bisher ohne endgültiges Ergebnis mit den beiden oben angeführten Fragestellungen beschäftigt haben, ist zu fragen, ob der Blick auf das große Ganze, auf der Grundlage einer möglichst umfassenden Erklärungsstruktur für die deutschen Verbrechen an der Ostfront wirklich der richtige Ansatz ist. Unter Umständen kann es fruchtender sein, makrosoziologische Vorgänge, wie das Morden an der Ostfront, aus verschiedenen mikrosoziologischen Blickwinkeln zu betrachten, die den Blick ausschließlich auf ein bestimmtes Moment einer Person richten. Eben dies soll in der vorliegenden Schrift anhand des Gottesbildes ausgewählter "christlicher" Soldaten untersucht werden. Denn diese "christlichen" Soldaten entfesselten einen brutalen Vernichtungskrieg, der sowohl in seiner Qualität - dem totalen Einsatz aller zur Verfügung stehenden Mittel - als auch in seiner Quantität - etwa 26,6 Millionen BürgerInnen der Sowjetunion kamen nach heutigen Schätzungen ums Leben (Hartmann 2011: 115) - neue Maßstäbe setzte. Aus den beiden vollkommen gegensätzlichen Polen, der christlichen Erziehung auf der einen und der komplett entgrenzten Gewalt auf der anderen Seite, leiten sich die grundlegenden Fragen dieser Schrift ab: Wie konnten christlich sozialisierte Menschen, die an einen gütigen und vergebenden Gott glaubten, einen Krieg führen, der ganze Bevölkerungsteile vernichtete und ganze Landstriche verwüstete? Wie konnten die Soldaten ihre Handlungen im Krieg gegen die Sowjetunion mit Gott rechtfertigen? Gab es christliche Motive, die das massenhafte Morden legitimierten? Welche Strategien entwickelten die Soldaten, um ihre Erlebnisse an der Ostfront mit ihrem Bild von Gott zu vereinbaren? Wie gingen sie mit der Gewalt um, die ihnen selbst entgegenschlug? Wie reagierten die sie betreuenden und theologisch gebildeten Feldgeistlichen auf all diese Geschehnisse?
Diese speziellen Fragen wurden bisher unter religionswissenschaftlichen Aspekten noch nicht genauer beleuchtet. In Bezug auf die Religionswissenschaft als wissenschaftliche Disziplin ist zu konstatieren, dass sich diese erst ab den siebziger Jahren mit den totalitären Systemen des 20. Jahrhunderts - und damit auch mit dem Nationalsozialismus - auseinanderzusetzen begann. Diese Veränderung hing maßgeblich mit der auf-kommenden Debatte über die religiösen Aspekte des Begriffes "Holocaust" zusammen (Maier 1995: 9f.). Das bevorzugte Gebiet der Beschäftigung betraf jedoch die makrokosmologische Betrachtung der Religionen in diesen Systemen beziehungsweise die Aufarbeitung der Teil-habe der Religionen an diesen.
Auf die unmittelbar in den totalitären Systemen Handelnden - in besonderem Maße gilt dies für die Verbrechen an der deutschen Ostfront des Zweiten Weltkrieges - hat die Religionswissenschaft bisher jedoch kaum oder nur randständig geblickt. Trotzdem bieten die Werke dieser Wissenschaft in ihrer makrokosmologischen Ausprägung eine wichtige Grundlage für das Verständnis der religiösen Befindlichkeiten der betreffenden Soldaten.
Eine ähnliche Entwicklung wie in der Religionswissenschaft war auch in der Theologie zu beobachten. Da die Methoden und Betrachtungsweisen dieser Wissenschaft jedoch nicht Teil dieser Analyse sind, werden ihre Werke nur dort eingesetzt, wo die zu betrachtenden Soldaten - und besonders die Feldgeistlichen - sich an theologischen Lesarten versuchten. Dabei darf nicht außer Acht gelassen werden, dass es sich bei den meisten Soldaten um theologische Laien handelte, in deren Worte nicht mehr theologische Gedanken hineingelegt werden sollten, als diese selbst fähig waren zu liefern. Die Anwendung von theologischen Schriften ist in dieser Arbeit folglich stets als eine Reaktion auf die Worte der Soldaten zu verstehen.
Des Weiteren sind in dieser Arbeit gewisse methodische Überlegungen und Zwischenschritte zum Einsatz gekommen, die die konzentrierte Reaktion auf die Worte und Gedanken der Wehrmachtssoldaten unterstützen: Erstens kann und soll "Gott" in dieser Arbeit ausschließlich ein Bild sein. Diese Prämisse erschließt sich bereits aus der historischen Fragestellung der Arbeit, die keine andere Deutung zulässt. Des Weiteren wird diese Sichtweise durch die Projektionstheorie untermauert, die auf der Idee basiert, dass Menschen ihre persönlichen Erfahrungen auf ihr Gottesbild projizieren. Damit wird Gott zu etwas Individuellem, das jeder der untersuchten Soldaten mit eigenem Inhalt füllte. Doch diese Füllung war nicht komplett frei, denn durch seine Eigenschaften war Gott de facto als "Gefäß" vorgegeben, das nur gewisse Inhalte erlaubte. Erst dadurch wird das Bild "Gott" wissenschaftlich verifizierbar; es entsteht eine Vergleichbarkeit. Diese macht das Gottesbild methodisch urbar, so dass zweitens eine religionswissenschaftliche Ausprägung der Religionssoziologie angewandt werden kann, um die Bilder zu ordnen und zu verorten. Bei diesem Ansatz ist besonders das Zusammenwirken zwischen profaner Gewalterfahrung und ihrer sakralen Ausdeutung zu beachten.
Zusätzlich zu diesen Vorteilen, die die Bezugnahme auf das Bild von "Gott" für das Vorgehen dieser Schrift zu bieten hat, wird auch ein nicht zu unterschätzendes definitorisches Problem ausgelotet: die Definition des Begriffes "religiös". Dieser Begriff ist deshalb so schwierig und mit außer-ordentlicher Vorsicht zu verwenden, da keine allgemein anerkannte Defi-nition existiert beziehungsweise die Definitionen so weit auseinandergehen, dass eine einheitliche Verwendung im Grunde nicht möglich ist. Die Arbeit versucht, diesen Begriff weitestgehend auszuklammern, wobei dies leider nicht an jeder Stelle - meist aus dem Mangel anderer Begriffe heraus - gelingen mag. Die in dieser Arbeit betrachteten Schreiber werden aufgrund der vorangegangenen Darlegung dezidiert als "christliche Schreiber" bezeichnet und nicht etwa als "religiöse Schreiber". Als christlicher Schreiber zählt dabei ein jeder Soldat, der sich in seinen Egodokumenten auf Gott beziehungsweise auf sein Bild von Gott bezieht. Die Aussagekraft kann dabei auf verschiedenen Wegen erreicht werden; manchmal genügt ein einziger Brief eines Soldaten, um einen tieferen Einblick in dessen Denken über Gott zu erlangen. Andere Soldaten wiederum äußerten sich umfangreicher, jedoch stets nur sehr kurz zu Gott in ihren Briefen, was eine längerfristige Verfolgung ihrer Korrespondenz notwendig macht. Beide Arten des Schreibens bergen auf ihre Art Informationen und sind auf ihre Art aussagekräftig - Entwicklungsprozesse jedoch lassen sich nur anhand der zweiten Art von Briefen darstellen, während die erste Art ausschließlich Momentaufnahmen abbilden.
Auch aufgrund dieser wichtigen Unterscheidung wird in der Arbeit eine "mikrochronologische" Darstellung bevorzugt, die viele kleine Geschichten erzählt, die sich erst am Ende der Arbeit zu zwei größeren Geschichten verbinden, welche die Ereignisse der Ostfront "makrochronologisch" wiedergeben. Alle Belegstellen sind folglich zwar in ihren entsprechenden historischen Kontext eingebettet, jedoch findet keine Erzählung statt, die den Leser stringent vom Sommer 1941 bis in den Sommer 1944 führt.
Aus diesem Grund wird stets sowohl das intrinsische Umfeld - was schrieb der Soldat des Weiteren in seinen Briefen - als auch das extrinsische Umfeld - persönliche Lage des Soldaten, Lage am eigenen Frontabschnitt, regionale und globale Kriegslage - des Gottesbezuges, soweit es die vorliegenden Informationen zulassen, wiedergegeben und betrachtet sowie, wenn nötig, als Subtext angeführt.
Um die weiter oben begonnene Darstellung der in dieser Arbeit relevanten Wissenschaften abzuschließen, sei daran erinnert, dass sich neben den bereits genannten wissenschaftlichen Disziplinen noch zahlreiche weitere Humanwissenschaften mit dem Thema der Kriegsgewalt im Zweiten Weltkrieg und dem Umgang mit ihr beschäftigt haben. Als prominentes Beispiel aus dem Umfeld der Germanistik sei an dieser Stelle das sogenannte Echolot-Projekt (Kempowski 1993; Kempowski 1999; Kempowski 2002; Kempowski 2005) des Schriftstellers Walter Kempowski genannt, der versuchte, einen Einblick in die "Seele" der Deutschen während des Zweiten Weltkrieges zu gewinnen. Kempowskis Werke beschäftigten sich dabei nicht ausschließlich mit der Ostfront und dem dort geführten Vernichtungskrieg. Jedoch sind gerade diese Vorgänge - ebenso wie der christliche Glaube der Deutschen in dieser Zeit - wichtige Teile seines "kollektiven Tagebuchs". Kempowskis Mischung aus verschiedensten privaten, semi-öffentlichen und öffentlichen Quellen, die von einer Vielzahl von bekannten und unbekannten Schreibern stammen, ist dabei weit entfernt von einem Versuch, die von den Soldaten ausgehandelten Themen zu systematisieren beziehungsweise sie wissenschaftlich aufzuarbeiten. Jedoch zeigt das Echolot wie unterschiedlich der Glauben an Gott bei den Wehrmachtsangehörigen im Ostkrieg ausgeprägt war. Diese unterschiedlichen Ausprägungen spiegeln sich auch in dem für diese Arbeit gesichteten Quellenmaterial wider. So bemerkte zum Beispiel der katholische Kriegspfarrer Giron vom XXXXIII. Armee-Korps in seinem Seelsorgebericht vom 12. Oktober 1941 "zur religiösen Haltung des Soldaten:"
"In Einzelgesprächen mit verwundeten Soldaten und Offizieren ergab sich viel-fach, dass der junge Mann unter einem unheilvollen Zwiespalt leidet. Das Christentum erscheint ihm als intolerant, lebensfeindlich und jedem gesunden Streben abhold. Demgegenüber fühlt er sich sehr stark angesprochen durch die Lehre vom Blut und von der Rasse.
Die Persönlichkeit Christi achtet er. Das Geheimnis der Menschwerdung des Sohnes Gottes erscheint ihm als zu ungeheuerlich als dass er es gläubig annehmen könnte.
Fast in allen Gesprächen stellte ich als tiefere Ursache dieses Zwiespaltes in der Hauptsache eine krasse Unkenntnis der wahren christlichen Heilslehre fest." (AKMB WmS 7: Seelsorgebericht des katholischen Kriegspfarrers Giron vom XXXXIII. Armee-Korps vom 12. Oktober 1941 für die Zeit vom 1. Juli bis 30. September 1941)
Viele Soldaten kannten folglich die christliche Lehre, hatten sie jedoch nicht voll verinnerlicht, so dass sie im Zwiespalt zwischen dieser und den Ideen des Nationalsozialismus standen. Andere Soldaten wussten fast nichts von der Lehre und den Grundlagen des Christentums: Der katholische Kriegspfarrer Leik von der Kriegslazarettabteilung 680, kommandiert zur Kriegslazarett-Abteilung 530 (AKMB SW 551: Kommandierung des Kriegspfarrers Leik in "Geschichte der Feldseelsorge". Blatt vom 20. November 1945), welche in Stalino - dem heutigen Donezk - lag, vermerkte im Mai 1943 über ein Gespräch mit einem evangelischen Soldaten in seinem Tagebuch: "Nichts voraussetzen. Ein ev. OBlt (Rechtsanw) fragt: Haben sie in der Kath. Kirche auch die 10 Gebote? Die stammen doch von Luther!" (ebd.: Tagebucheintrag des katholischen Kriegspfarrers Leik von der Kriegslazarett-Abteilung 680 aus dem Mai 1943)
Jedoch machten die Kriegspfarrer auch komplett gegenteilige Erfahrungen. So schrieb der katholische Kriegspfarrer Baltes vom Kriegslazarett 2/561 in seinem Tätigkeitsbericht vom 5. Oktober 1944:
"In der religiösen Aussprache mit den Einzelnen sowohl auch im größeren Kreis ging es vor allem um Fragen der Christologie und um die Frage nach einem gütigen Gott. Interessant war es auch in diesem Kreis, es handelte sich allerdings um 20 bis 25 aufgeschlossene Christen, daß die Generalabsolution sie in keiner Weise zufriedenstellte, wo es nur eben möglich sei, forderten sie die persönliche Beichte." (AKMB WmS 36: Tätigkeitsbericht Kriegspfarrer Baltes Kriegslazarett 2/561 vom 5. Oktober 1944 für die Zeit vom 1. Juli bis 30. September 1944)
Allein diese kurz angeführten Beispiele zeigen, wie breit sich das Spektrum des christlichen Glaubens bei den Wehrmachtangehörigen erstreckte. Es reichte von Soldaten, die sich in ihrem Glauben nicht sicher waren, über die, die nur noch nominell Christen waren, bis zu Soldaten, die den christlichen Glauben in vollem Maße verinnerlicht hatten. Auch wenn gerade die im letzten Beispiel aufgezeigte Gruppe der Fragenden, denen die Generalabsolution nicht genügte, für die Beantwortung der in dieser Schrift gestellten Fragen am fruchtbarsten erscheint, so darf nicht vergessen werden, dass auch die Soldaten, die sich zunächst nicht tiefer mit dem christlichen Glauben beschäftigten oder die diesen ablehnten, zum Gewinnen wichtiger Erkenntnisse beitragen können. Denn jeder Einzelne von ihnen, der sich während des Krieges gegen die Sowjetunion zu Gott äußerte, entwickelte eigene Strategien, die den Riss zwischen Gott und Vernichtungskrieg schließen sollten.
Dabei war es in den meisten Fällen unerheblich, welcher Konfession die Soldaten angehörten. So erinnerte sich der katholische Wehrmachtssoldat Bruno Fuhrmann:
"Ich begegnete einem evangelischen Christen, mit dem ich mich anfreundete. Einmal lagen wir bei einem Angriff ganz gottverlassen in unserem Loch draußen auf dem Feld. Wir beide schrien das Vaterunser zum Himmel. Mein evangelischer Freund hatte genau solche Angst wie ich auch. Ob evangelisch oder katholisch, das spielte keine Rolle." (Fuhrmann 2001: 220)
Im "Gewaltraum der Ostfront" verschwammen für die Soldaten die Feinheiten der Konfession. In der Gefahr für das eigene Leben wurden der Schutz Gottes und die Bezugnahme auf ihn zu einem deutlich wichtigeren Element als die Frage nach der korrekten Reichung des Abendmahls. Dies mag auch damit zu begründen sein, dass die Grabenlinien an anderen Stellen verliefen. Die Soldaten kämpften nach außen gegen einen Feind, den sie aufgrund seiner Ideologie als gottlos empfanden, und sahen sich aus dem Inneren von den vom nationalsozialistischen Staat geförderten neuheidnischen Strömungen bedroht. Der Unteroffizier Erwin Böhm drückte diesen Umstand und das Zusammenwachsen der christlichen Soldaten mit nur knappen Worten aus: "Unter den Kameraden gab es keine Debatte, ob der eine katholisch oder evangelisch war. Wir waren eben Christen." (Böhm 2001: 192)
Diese während der Lektüre der Quellen und der Literatur gewonnene Erkenntnis wurde deshalb der Arbeit vorangestellt, da sie es dem Autor erlaubt, gleich zwei methodische Probleme zu lösen: Zum einen rechtfertigt die Konvergenz der Konfessionen die Bezugnahme auf den Glauben an Gott, der schlussendlich als Kernelement der christlichen Religion bestand, nachdem sich die um die Religion herum errichtete Schale aus theologischer Ausdeutung der Schrift und Ritus - gleich einer Zwiebel - abgeschält hatte. Christsein bedeutete seit der Stiftung der Religion im Grunde buchstäblich den Bezug auf Jesus Christus - einem zentralen Bestandteil des dreieinigen Gottes; denken wir zurück an den Tätigkeitsberichtsbericht des katholischen Kriegspfarrers Baltes vom Kriegslazarett 2/561 vom 5. Oktober 1944. Welche Fragen stellten die Soldaten an ihn? Es waren Fragen "der Christologie und [.] die Frage nach einem gütigen Gott." (AKMB WmS 36: Tätigkeitsbericht Kriegspfarrer Baltes Kriegslazarett 2/561 vom 5. Oktober 1944 für die Zeit vom 1. Juli bis 30. September 1944)
Zum anderen löst das Verschwimmen der Konfessionen das Span-nungsfeld zwischen der Mehrzahl an evangelischen Soldaten innerhalb der Wehrmacht und der Mehrzahl an katholischen Quellen auf, das besonders frappierend bei den Seelsorgeberichten zutage tritt. Da die Grenzen der Konfessionen verschwammen, ist es für diese Arbeit nicht mehr von Bedeutung, dass die evangelischen Soldaten mit einem Anteil von fast zwei Dritteln die Mehrheit stellten, wobei keine oder kaum evangelische Seelsorgeberichte tradiert sind. Bestärkt wird das Herabsetzen der Wichtigkeit der Konfessionen in dieser Arbeit durch die Arbeit der Feldgeistlichen selbst, die unabhängig davon, ob sie bei einem Lazarett oder einer Division eingesetzt waren, zumeist alle Soldaten - gleich ihrer Konfession - versorgten, da sie alle ihnen unterstellten Soldaten christlichen Glaubens als ihnen anvertraut verstanden.
Trotzdem wurde - sofern sie aus den Quellen ermittelt werden konnte - stets die Konfessionszugehörigkeit der einzelnen Soldaten und Feldgeistlichen in der Schrift angegeben, um die genauere Einordnung der Vielzahl an Personen in dieser Arbeit zu erleichtern. Um diese weiter zu unterstützen, wurden des Weiteren so viele Informationen wie möglich betreffend des Vor- und Nachnamen, Alters, Rangs, der Einheitenzugehörigkeit, Stationierung und so weiter angeführt sowie noch einmal im Anhang unter Punkt 15.2 wiedergegeben; fehlen alle oder einige dieser Angaben, lagen sie nicht vor. Auch aufgrund dieser Fülle an Details, die die Schreiber betreffen, wurden die Nachnamen aller Brief- und Tagebuchschreiber, die aus Archivquellen stammen, geändert. Die Nachnamen von Soldaten, die aus der Literatur oder aus gedruckten sowie publizierten Quellen stammen, wurden in ihrer Klarform beibehalten. Ebenso wurden die Namen von Feld- und Zivilgeistlichen in Seelsorge- und Tätigkeitsberichten, aber auch in Briefen in ihrer Klarform beibehalten, da es sich bei diesen um Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens handelte. Ausnahmen wurden bei Pfarrern gemacht, deren Namen aus archivrechtlichen Gründen (Sperrfristen) nach der Kirchlichen Archivordnung (KAO) noch nicht veröffentlicht werden können.
Die Quellen selbst wurden in ihrer Schreibweise originalgetreu übernommen; dies betrifft alle vermeintlichen Fehler in Orthographie, Inter-punktion und Syntax sowie heute veraltete Schreibweisen. Nicht lesbare Worte in den Briefen und Tagebüchern wurden mit einem "?" gekennzeichnet, um die Auslassung darzustellen. Alle in den Quellen verwendeten Abkürzungen sind im alphabetischen Abkürzungsverzeichnis im Anhang unter Punkt 15.1 angegeben. Eine Ausnahme hiervon bilden lediglich von den Schreibern und Feldgeistlichen abgekürzte Numeralia und Namen, wobei Zweitere entweder nicht bestimmt werden konnten beziehungsweise ihre Aufschlüsselung nicht zum besseren Verständnis der Quellen beigetragen hätte.
Es wurde zudem versucht, stets eine ausgewogenen Mischung zwischen Egodokumenten und amtlichen Dokumenten, wie den Berichten der Feldgeistlichen, zusammenzustellen, damit sowohl die Innen- als auch die Außensicht auf ein bestimmtes Thema gewährleistet werden konnte. Einige Kapitel benötigten jedoch einen verstärkten Einsatz von Seelsorgeberichten (zum Beispiel das Kapitel 10.1), da sich die Soldaten zu manchen Themen nicht so ausführlich äußerten wie die Kriegspfarrer. Bei anderen Themen waren wieder die Briefe und Tagebücher von Vorteil, da die Feldgeistlichen zu manchen Themen den gleichen Zugang hatten wie die Soldaten.
Diese "Vermischung" der Quellengattungen macht es notwendig, die Quellen in ihren Besonderheiten ausführlich zu beschreiben. Dies geschieht in Kapitel 1, wobei das Teilkapitel 1.7 in einer gewissen Weise eine Ausnahme bildet, da es sich mit keiner speziellen Quellengattung beschäftigt, sondern beschreibt, wie die Erlebnisse der Schreiber die Gestalt der Quellen veränderte. Im folgenden Kapitel 2 werden anschließend die methodischen Grundlagen dargelegt, um aufzuzeigen, nach welchen Kriterien die Quellen in dieser Schrift ausgewertet und verstanden werden. In Teilkapitel 2.6 wird dieses Kapitel abschließend zudem ein eigener Ansatz zum Verständnis der Ostfront im Sinne dieser Arbeit konstruiert.
Nachdem diese theoretischen Grundlagen im ersten Teil der Arbeit behandelt worden sind, beginnt mit Kapitel 3, das die Sozialisation der betrachteten Wehrmachtssoldaten beschreibt, in Teil zwei der Schrift die Darstellung der historischen Rahmenbedingungen. Das Kapitel 4 beleuchtet anschließend das wechselvolle Verhältnis zwischen Kirchen und Nationalsozialismus bis hin zu christlichen und nationalsozialistischen Feindbildern und der Propaganda an der Ostfront. In Kapitel 5 wird das für diese Arbeit besonders wichtige System der Feldgeistlichkeit der deutschen Wehrmacht dargestellt.
Anknüpfend an die Darlegung der historischen Rahmenbedingungen wird mit Kapitel 6, das die Selbstwahrnehmung der Wehrmachtssoldaten beschreibt, der dritte Teil dieser Arbeit eröffnet, der die empirischen Befunde darlegt. Im Anschluss an die Sicht der Wehrmachtssoldaten auf sich selbst wird in Kapitel 7 das für diese Arbeit zentrale Gottesbild der Soldaten genauer betrachtet, indem die Zuschreibung der Gotteseigenschaften durch die Wehrmachtsangehörigen untersucht wird. Im Anschluss wird in Kapitel 8 - als Synthese der Kapitel 6 und 7 - das Zusammenwirken von Gott und Kriegsgewalt genauer beschrieben, wobei jedoch aufgrund des Inhaltes der Quellen nicht nur die von den Wehrmachtssoldaten intendierte Gewalt gegenüber den sowjetischen Zivilisten und Kriegsgefangenen anhand von Schriftstücken belegt und analysiert wird, sondern in Teilkapitel 8.3 auch die Gewalt, die die Wehrmachtssoldaten als Täter an der Ostfront selbst erlitten. Auf diese Darlegung logisch aufbauend wird in Kapitel 9 die Rechtfertigung der ausgeübten und erlittenen Gewalt mit der Hilfe Gottes beschrieben, bevor in Kapitel 10 die "Räume" dargelegt werden, in denen die in Kapitel 9 aufgezeigten Muster sich entwickelten. Die Ausführung des Quellenbestandes beendend, werden in Kapitel 11 umfassend zwei Einzelfallbeispiele dargelegt, um aufzuzeigen, wie sich die in den vorangegangenen Kapiteln dargelegten Erklärungs- und Deutungsmuster bei zwei verschiedenen Menschen unterschiedlich entwickelten.
Die Schrift abschließend werden im Anschluss in Kapitel 12 die Forschungsergebnisse dieser Arbeit noch einmal verdichtet - und zum besseren Überblick mit Zwischenüberschriften untergliedert - dargestellt sowie ein Ausblick für eine weitere Forschung aufgezeigt.

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