WeserTod

Ein Weserbergland-Krimi
 
 
CW Niemeyer (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 27. September 2011
  • |
  • 300 Seiten
 
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978-3-8271-9606-4 (ISBN)
 
Norbert Ulbricht, zu einem Kurztrip im Weserbergland unterwegs, wird unversehens zum Ermittler, als seine Freundin und Kollegin Maja Klausen vom 1. Fachdezernat der Polizeiinspektion zu einem Tatort gerufen wird. Der Schwimmgreifer Bodenwerder birgt ein zehn Jahre altes Autowrack aus dem Wasser. Die verweste Leiche hinter dem Lenkrad schockt Arbeiter und Polizei gleichermaßen - und in Hameln kommt es bei einer Anti-Atomkraftdemonstration zu derben Ausschreitungen: Mord am Chef des Sicherheitsdienstes im Kernkraftwerk an der Weser. Maja bekommt jede Menge unangenehmer Arbeit und versucht aus ihren Recherchen Verbindungen zum schauerlichen Fund in der Weser zu ziehen. Das Kernkraftwerk an der Weser scheint zum Spekulationsobjekt macht- und geldgieriger Manager zu werden. Die Täter ziehen eine Blutspur durchs Weserbergland.
  • Deutsch
  • 7,27 MB
978-3-8271-9606-4 (9783827196064)
382719606X (382719606X)
weitere Ausgaben werden ermittelt

EINS


Gegenwart

Hameln, Wasserschutzpolizei Rosenbusch, 7.30 Uhr

Der erste Kaffee des Morgens schmeckte bescheiden, dachte Polizeioberkommissar Günter Permes frustriert und pustete in die Tasse mit dem verblichenen Logo der Polizeigewerkschaft. Es lag sicher nicht nur an der neuen Kaffeemarke, die Fritz gestern mitgebracht hatte. Der Beschluss der Landesregierung, die Wasserschutzpolizei in Hameln in Kürze aufzulösen, ging Permes gehörig an die Nieren. Und sinnvolle Alternativen gab es nicht, denn mit der Auflösung des Standortes Hameln hatte der Landtag gleichzeitig beschlossen, auch Oldenburg, Hannover, Braunschweig, Papenburg und sogar Norddeich aufzulösen. Wo sollte er dann Dienst schieben?

Man hatte ihm und seinen beiden Kollegen versprochen, dass sie sich einen neuen Einsatzort wünschen konnten. Pure Augenwischerei, denn unterm Strich würden die Beamten künftig dort eingesetzt werden, wo man sie benötigte.

Permes trat mit der Kaffeetasse ans Fenster der Wache und blickte nachdenklich hinaus auf den Fluss. Die Sonne stand schon hoch über der Weser und tauchte den Fluss in ein warmes, anheimelndes Licht. Herbstsonne, dachte er. Die Fenster waren halbrund in einer Art Erker angeordnet und erlaubten ihm einen Panoramablick von der Umgebung. Die Straße Rosenbusch verlief u-förmig zwischen der Pyrmonter Straße und dem Torbayufer. Während rechter Hand die ausrangierte Eisenbahnbrücke vor sich hinrostete, blickte er nach vorn auf die Schleuse und konnte links die Münsterbrücke erkennen, auf der dichter Verkehr Richtung Innenstadt herrschte. Ein typischer Herbsttag. Doch dieser Herbst war anders als die 46 bisherigen, die er erlebt hatte. Er fühlte sich kälter an, jedenfalls bildete er sich das ein. Vielleicht lag das aber auch an der beruflichen Ungewissheit, die ihm bevorstand. So versuchte er die Schönheit des Herbstes zu genießen, so gut es ging. Das Laub der Bäume am Ufer verfärbte sich und schillerte in allen Farben. Am Torbayufer wagten sich zwei Enten an Land, während im Himmel eine Möwe über dem Becken der Schleuse kreischend ihre Bahn zog. Ein Ausflugsdampfer tuckerte flussaufwärts. Unwillkürlich fragte er sich, ob die Menschen auf dem Ausflugsschiff ähnliche Sorgen hatten wie er. Der Beschluss, dass die kleine Wache am Rosenbusch dicht gemacht werden sollte, bereitete ihm schlaflose Nächte. Und so hatte er sich in den Morgenstunden unausgeschlafen und schlecht gelaunt auf den Weg hierher gemacht. Er war mehr Schiffer als Polizist, und doch hatte die Kombination beider Berufe den Reiz des Jobs ausgemacht. Wie viele seiner Kollegen stammte auch Günter Permes aus einer Schifferfamilie. Er liebte die Weser, nannte sie liebevoll seinen Fluss und hätte nie im Leben daran geglaubt, hier einmal wegziehen zu müssen. Jetzt, wo die beiden Töchter Lisa und Jenny aus dem Gröbsten heraus waren und Ausbildungsplätze in Hameln bekommen hatten. Jetzt, wo das Haus an der Sollingstraße in Holzminden fast abbezahlt war und als Altersvorsorge diente. Ausgerechnet jetzt.

Es war zum Kotzen, dachte Permes verbittert und schüttelte den Kopf. Er hatte keine Ahnung, wie es weitergehen sollte. Wahrscheinlich, damit hatte er sich schon abgefunden, würde er arbeitslos werden. Und was das in seinem Alter zu bedeuten hatte, war ihm klar: Ein Jahr Arbeitslosengeld einstreichen, bevor er in Hartz IV rutschte. Einen Job würde er mit 46 Jahren wohl nicht mehr bekommen. Unternehmer stellten junge Leute ein, die zum einen körperlich belastbar waren und zum anderen andere Lohnvorstellungen äußerten. Und ob Permes die letzten Raten für das Haus von seinem Arbeitslosengeld bestreiten konnte, daran zweifelte er schon jetzt. Er fühlte sich, als würde er am Abgrund stehen.

Unweit der Schleuse lag die Pamir, das blauweiße Streckenboot, auf dem er in den letzten Jahren Dienst verrichtet hatte. Die gute alte W9 würde man nach dreißig Jahren treuen Dienstes nach Leer in Ostfriesland schaffen, um sie dort zu verkaufen. Niemand wusste so wirklich, wann die drei Polizisten die Wache am Rosenbusch zum letzten Mal abschließen würden, wann es ernst wurde für sie. Auch die Gespräche der Hamelner Oberbürgermeisterin mit dem Ministerpräsidenten hatten nichts gebracht. Das Aus für die Wasserschutzpolizei Hameln war beschlossene Sache, daran hatte auch das in letzter Minute eingelegte Veto der Sozialdemokraten im vorigen Winter nichts ändern können.

Danke Hannover, dachte Permes verbittert, als das Telefon auf seinem Schreibtisch anschlug. Scheiß Hannover!

Als er sich umdrehte und zu seinem Arbeitsplatz blickte, starrte er auf die DEWEZET, die neben dem Telefon auf seinem alten Schreibtisch lag. Wie immer hatte er sich die Zeitung auf dem Weg zum Dienst an der benachbarten Westfalen-Tankstelle besorgt. Jeden Morgen hielt er dort an – der Mann an der Kasse kannte ihn bereits mit Namen, was wahrscheinlich auch daran lag, dass er in Uniform kam und ein kleines Namensschild auf der Brust trug. Permes besorgte sich hier immer eine Packung Zigaretten und eine Zeitung; manchmal auch ein Croissant, wenn ihm danach war.

Man titelte auf der Zeitung mit einer neuen Horrormeldung aus dem japanischen Fukushima. Mein Gott, dachte Permes, die armen Menschen dort. Nicht nur, dass ihr Lebensraum durch die verheerenden Erdbeben zerstört worden war; durch den Supergau im Atomkraftwerk war die Gegend jetzt völlig verstrahlt. Auch an der Weser gab es ein AKW mit einem eigenen Zwischenlager – in Grohnde. Dort befand sich am Flussufer auch die Verladestelle, eine wichtige Durchlaufstrecke bei Castortransporten. Mit der Auflösung der Wasserschutzpolizei war eine Durchführung des bestehenden Weser-Alarmplans nicht mehr möglich, und Permes betete, dass in Emmerthal nie etwas annähernd verheerendes wie in Japan geschehen möge.

Er wandte sich um und spielte sekundenlang mit dem Gedanken, es einfach klingeln zu lassen. Bald schon würde es auch ohne die Wasserschutzpolizei gehen. Warum sollte er also noch Einsatz zeigen?

Schließlich wurde er doch von seinem Pflichtgefühl übermannt und trat an seinen Schreibtisch. Er stellte die Tasse ein wenig zu schnell ab – der Kaffee schwappte über und bildete einen unansehnlichen Rand auf der Schreibunterlage. Permes unterdrückte einen Fluch, griff nach dem Hörer, umrundete den Tisch und ließ sich auf den Stuhl sinken, während er sich meldete.

Am anderen Ende der Leitung war Horst Sickelmann, stellvertretender Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes, das im gleichen Gebäude wie die Polizei untergebracht war. „Moin, Herr Nachbar. Herzliches Beileid“, murmelte Sickelmann betroffen.

„Kannst du dir sparen“, gab Permes bissig zurück und angelte nach seiner Tasse. Während er trank, verzog er das Gesicht, was Sickelmann am anderen Ende der Leitung natürlich nicht sehen konnte.

„Ich mein’ das ernst. Das stand doch jetzt in der DEWEZET. Hameln ohne Wasserschutzpolizei – wie soll das denn funktionieren?“

„Dann müssen die 55.000 Sportboote im Jahr auf dem Fluss halt ohne uns klarkommen. Oder man wird sich an Streifenwagen mit Bootsanhänger gewöhnen müssen“, erwiderte Permes sarkastisch.

„Wenn ich mich recht erinnere, gibt es die WSP Hameln schon seit 1922.“

„Kannst du mal sehen, wie alt du schon bist.“ Nun musste Permes doch grinsen. Und auch der Kaffee schmeckte einen winzigen Deut besser. „Aber du rufst bestimmt nicht an, um mir dein Beileid zu bekunden“, schob er in sachlichem Ton nach.

„Allerdings. Unser Bagger hat an der Kiesverladestelle in Hessisch Oldendorf ein Auto aus dem Fluss geholt. Solltest du dir mal ansehen.“

„Ich habe einen gut erhaltenen Gebrauchtwagen – danke.“

„Solltest trotzdem mal kommen und dir den Mist ansehen, ich meine es ernst.“

Sickelmann war offenbar nicht zum Scherzen aufgelegt. Die Männer kannten sich seit über zwanzig Jahren und gaben sich allzu gern liebevollen Frotzeleien hin. Wenn er rummuffelte, dann hatte das wohl einen Grund.

„Nun gut, ich komme raus. Bist du auch vor Ort?“

„Sicher, ich melde mich aus Hessisch Oldendorf. Hau rein, die Sache ist ziemlich heiß.“ Ohne eine Antwort abzuwarten, hatte Sickelmann aufgelegt.

„Blödmann“, brummte Permes und legte ebenfalls auf. Während er seinen Kaffee leerte, fragte er sich, was an einem Autowrack in der Weser so heiß sein konnte. Vermutlich, dachte Permes im Hinausgehen, hat wieder einer seine Schrottkarre im Fluss versenkt, um die Entsorgungskosten zu sparen. Routine. Fahrgestellnummer feststellen, Halteranfrage und Anzeige an den Halter. So einfach war das. Nichts, weshalb man schlechte Laune schieben musste, so wie Sickelmann es tat.

Wenn hier einer Grund zu schlechter Laune hat, dann bin ich das wohl, dachte Günter Permes, als er zum Streifenwagen marschierte, der neben der kleinen Wache parkte.

Holzminden, 7.45 Uhr

Ihm wurde ziemlich heiß, als er sich an die letzte Nacht erinnerte. Das Blut wanderte abwärts in seinen Schoß, und ein lüsternes Grinsen stahl sich auf sein Gesicht. Er bedauerte es, dass er damit nicht vor seinen Freunden prahlen durfte. Alles, was in der letzten Nacht geschehen war, musste geheim bleiben. Und so war es die Erinnerung, an der er sich jetzt verzehrte. Sie hatte sehnsüchtig in der luxuriösen Wohnung auf ihn gewartet. Bis zu dem Moment, als er sie in den Arm genommen hatte und sie ihm den Mund mit einem leidenschaftlichen Kuss verschlossen hatte, der keine Fragen zulassen sollte, und sie unbekleidet auf den Fußboden des großen Wohnzimmers gesunken waren, waren nur wenige Sekunden vergangen. Es hatte nur sie gegeben, und so hatten sie sich der Kleidungsstücke entledigt. Er hatte sich ihr...

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