Kreuz und Chrom

Kriminalroman
 
 
Aufbau (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. September 2018
  • |
  • 400 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8412-1627-4 (ISBN)
 
Ein Ermittler mit gewissen Methoden. Jan Schröder war verdeckter Ermittler und ein waschechter Motorrad-Freak. Nach dem ungeklärten Tod seiner Frau lässt er sich zur Mordkommission versetzen, weil er sich um seine sechsjährige Tochter Lea kümmern muss. Doch kaum im neuen Job wird ein Priester im Beichtstuhl erstochen. Schnell zeichnen sich Verwicklungen in höchste Kreise von Kirche und Politik ab - und dass seine Tochter den Mörder vermutlich gesehen hat und in höchster Gefahr schwebt. Ein Kriminalroman der etwas anderen Art - nichts für schwache Nerven!
1. Auflage
  • Deutsch
  • Berlin
  • |
  • Deutschland
  • 2,29 MB
978-3-8412-1627-4 (9783841216274)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Ralf Schmidt wurde 1968 in Hayingen auf der Schwäbischen Alb geboren. Nach verschiedenen Stationen in der Kraftfahrzeugbranche ist er heute bei einem großen Automobilkonzern tätig. Er lebt mit seiner Frau in der Nähe von Ingolstadt, wo er an seinen Harley-Davidsons und seinen Romanen arbeitet.

1


25 Jahre später

»Sieht Mama durch die Augen?«

Jan Schröder drehte seiner Tochter den Kopf zu. Sie lag neben ihm auf dem Bett und lächelte ihn an. Mit dem Finger strich sie sanft über das tätowierte Porträt seiner Frau. Sein Blick wanderte zur Tätowierung auf der Innenseite seines linken Unterarms. Er zog das kleine Mädchen zu sich heran. Lea lachte und strampelte wild mit Armen und Beinen. Ihr Vater hielt sie fest in seiner Umarmung und küsste sie auf die Wange.

»Mama sieht alles«, sagte er.

Zärtlich strich er seiner Tochter durch ihr schwarzes Haar, das genauso glatt war und glänzend schimmerte wie Michelles. Lea kuschelte sich in seine Armbeuge.

»Vom Himmel aus?«, fragte sie.

Sein Blick wanderte durch das Schlafzimmerfenster hinaus in den sonnigen Morgenhimmel.

»Ja«, sagte er, »vom Himmel aus.« Obwohl er es besser wusste.

Zufrieden schloss sie die Lider. Schröder musterte ihre Gesichtszüge. Sie hatte sie von ihrer Mutter geerbt. Die dunklen Augen von ihm.

»Wie wäre es mit Frühstück?«, fragte er Lea und begann sie zu kitzeln. Sie lachte und versuchte, aus seinem Griff zu entschlüpfen.

»Und dann?«, fragte sie neckisch, nachdem sie ihm entkommen war.

Er wiegte den Kopf hin und her und presste die Lippen aufeinander. »Schwimmbad?«

Lea sprang auf und hüpfte auf dem Bett herum. »Au ja. Schwimmbad. Schwiiiimmmmbad. Mit der Harli?«

Er lachte. »Ja. Wenn du willst, fahren wir Harley.«

Er nahm seine Tochter an die Hand und ging mit ihr in die Küche. »Wie immer?«, fragte er.

Lea kletterte auf einen der Barhocker und nickte. »Wie immer, Papa.«

Schröder strich ihr durch das Haar. »Okay.«

Kurz darauf stellte er ihr eine Schüssel Cornflakes mit Milch hin. Für sich nahm er eine Flasche Cola Light aus dem Kühlschrank und setzte sich neben seine Tochter. Das Mädchen schaufelte lautstark die Flakes in sich hinein, und ihr Vater schaute lächelnd dabei zu.

»So«, sagte Lea und schob die leere Schale von sich. Sie fuhr sich mit dem Handrücken über den Mund und stieg vom Barhocker. »Komm jetzt, Papa.«

»Ich komm ja schon, du kleine Nervensäge«, murmelte er leise.

»Hab ich gehört«, sagte sie und stapfte davon.

Kurz darauf gingen beide aus dem Haus. Schröder mit einer Sporttasche in der Hand und Lea mit einer viel zu großen Sonnenbrille auf der Nase. Ihr Vater wuchtete das Garagentor auf und schnallte die Tasche auf das Motorrad.

»Hier«, sagte er und streckte seiner Tochter einen Sturzhelm entgegen. Lea nahm ihn, klemmte ihn zwischen die Knie und hielt sich die Ohren zu. Schröder klappte den Kickstarter heraus und trat ihn mit Schwung nach unten. Donnernd sprang die alte Harley-Davidson an. Das Mädchen nahm die Hände von den Ohren und schob sich den Helm auf den Kopf, so dass die Sonnenbrille schräg auf ihrer Nase saß. Ihr Vater grinste kopfschüttelnd.

»Verdammt«, sagte er plötzlich und stellte die Harley ab.

»Paapaaa. Das sagt man nicht!«

Schröder zog das klingelnde Handy aus der Brusttasche seiner Lederjacke. »Ja?«

Lea nahm den Helm ab und setzte sich darauf.

»Wo? In der Vitus-Kirche?«

Er hörte dem Anrufer länger zu und sah immer wieder schulterzuckend zu seiner Tochter, die seine Blicke mit Grimassen erwiderte.

»Ich habe heute eigentlich frei und wollte mit meiner Kleinen ins Schwimmbad.«

Schröder hörte dem Anrufer weiter zu und lief dabei ein paar Meter hin und her. »Okay. Ich komme kurz vorbei und schau mir das an. Ich habe heute niemanden, der sich um meine Tochter kümmern kann.«

Schröder steckte das Telefon weg. Lea stand auf und sah ihren Vater skeptisch an.

»Zieh den Helm auf. Wir fahren nur noch kurz wo vorbei. Danach geht's ins Schwimmbad.«

»Versprochen?«

»Versprochen.«

Lea nickte ernst und zog sich den Helm wieder auf den Kopf. Schröder trat die Harley erneut an und streckte Lea eine Hand entgegen. Das Mädchen ergriff sie und kletterte auf den Rücksitz.

»Gut festhalten!«, brüllte er.

»Paapaaa!«, rief sie.

Schröder sah im Rückspiegel, wie seine Tochter genervt den Kopf schüttelte. Sie mochte mit sechs Jahren schon nicht mehr, wenn man sie wie ein Kind behandelte. Wo mag das noch hinführen?, dachte er sich und legte den Gang ein. Lea stellte die Füße auf die Rasten und packte ihn fest um den Bauch, so weit wie ihre Arme reichten. Sie hatte jedes Mal einen riesigen Spaß, wenn er sie auf einem seiner Motorräder mitnahm.

An der Vitus-Kirche steuerte er die Harley auf den gepflasterten Vorplatz. Dort standen bereits Polizeifahrzeuge und ein Krankenwagen. Menschen rannten geschäftig umher. Schröder machte den Motor aus und stieg ab.

»Morgen, Schröder«, rief ein schwergewichtiger Mann, der die Kirchentreppen herunterhumpelte.

»Guten Morgen«, sagte Schröder und hängte seinen Helm an den Spiegel. Lea zog ihren ebenfalls aus.

»Na, darfst du schon auf dem Motorrad mitfahren?«, fragte der Dicke und kniff das Mädchen sanft in die Wange.

»Lass das«, sagte Lea und fuhr mit der Hand angewidert über die Stelle, die er berührt hatte.

»Ich hoffe, es ist wirklich so wichtig, Kai«, sagte Schröder.

»Der Pfarrer«, sagte sein Kollege und nickte in Richtung Kirche.

»Der Pfarrer? Verdammt.«

»Paapaaa.«

Kai Lorenz sah zu Lea und deutete Schröder dann an, ein paar Schritte zu gehen.

»Du wartest hier, Lea. Und du gehst nirgends hin. Versprochen?«

Lea verschränkte genervt die Arme vor der Brust.

»Versprochen.«

Schröder und Lorenz gingen die Treppe hinauf und verschwanden in der Kirche.

***

Lea setzte sich auf den Helm, schlug die Arme um die Beine und stützte das Kinn auf die Knie. Sie sah ihrem Vater zu, wie er durch die große hölzerne Pforte das Gotteshaus betrat. Ihr Blick wanderte von der Kirche über den Vorplatz hinüber zur Ladenzeile am Rande des Kirchplatzes, wo er an einem Eisstand hängen blieb, der zu einem Café gehörte. Lea leckte sich unbewusst über die Lippen und beobachtete die Kinder, die mit einem Eis davongingen. Sie schreckte aus ihren Gedanken auf, als plötzlich ein Mann hinter sie trat und ihr mit der Hand über das Haar strich. Ärgerlich drehte sie den Kopf und blickte zu ihm auf.

»Na, wartest du auf jemand?«, fragte der Fremde.

Er sah kurz zu dem Eiscafé, das Lea in den Bann gezogen hatte, dann lächelte er sie freundlich an und ließ schließlich den Blick zur Kirche wandern. Er verfolgte das Geschehen auf dem Vorplatz eine Zeitlang. Polizisten und Personen in weißen Overalls gingen ein und aus. Am Krankenwagen wurden die Blaulichter ausgeschaltet. Langsam fuhr der Rettungswagen vom Kirchplatz herunter und entfernte sich. Stattdessen kam ein silberner Wagen vor dem Kirchenportal zum Stehen, auf dem Lea das Wort »Rechtsmedizin« entzifferte.

Der Fremde beugte sich hinunter und legte ihr seine Hände rechts und links auf die Schulter. Das Mädchen verzog das Gesicht und schüttelte sie trotzig mit einem Schulterzucken ab.

»Lass das«, schimpfte Lea.

»Magst du ein Eis?«

Lea sah den Mann nachdenklich an, schaute zur Kirche, dann wieder zu ihm. Eis. Sie liebte Eis. Das Wasser lief ihr im Mund zusammen, so dass sie schlucken musste. Ihr Blick huschte für einen Moment hinüber zum Eisverkauf.

»Darf hier nicht fort.«

Der Fremde nickte wissend und richtete sich auf. »Auf wen musst du denn warten?«

Schröders Tochter blickte grüblerisch zum Kirchenportal. Vielleicht würde Papa ja so lange wegbleiben, bis sie das Eis gegessen hatte, und es gar nicht merken, dass sie nur kurz weg war, dachte sie.

»Auf Papa.«

Der Mann sah hinüber zum Kirchengebäude. »Ist er da drin?«

Lea schaute hoch und nickte. »Die haben ihn angerufen. Wir wollten ins Schwimmbad.«

»Was macht er denn in der Kirche?«

Das Mädchen zuckte mit den Schultern. »Vielleicht schauen, wie es dem Toten geht. Das muss er immer.«

Der Fremde lächelte. »Ist er Arzt?«

»Nööö. Polizeimann.«

»Dann dauert es bestimmt, bis er wieder rauskommt. Schön, dich kennengelernt zu haben«, sagte er und strich ihr erneut kurz über das Haar.

Lea zog den Kopf etwas ein. »Wo gehst du hin?«

»Ein Eis essen. Die Hitze ist ja nicht auszuhalten.«

Schröders Tochter spähte wieder zum Eingang der Kirche. »Wo?«

»Da drüben«, antwortete der Fremde und zeigte zu dem kleinen Eiscafé an der Ecke des Kirchplatzes. Sie schaute hinüber, wo Kinder mit Erwachsenen in einer Schlange standen und andere Eis schleckend über den Platz liefen. Lea musste wieder schlucken. Sie sah zu dem Mann hoch und lächelte schmallippig.

»Magst du mitkommen?«, fragte er.

Sie blies die Wangen auf und musterte den Fremden eine Zeitlang. Dann schüttelte sie den Kopf.

»Ich muss hier auf Papa warten.«

Der Mann sah zur Kirche, dann hinüber zur Eisdiele. »Von dort drüben kannst du bis hierher sehen. Du wirst deinen Vater nicht verpassen.«

Sie schaute abermals zum Eisstand und dann noch mal zur Kirche. Der Mann hatte recht. Von dort konnte...

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