Ostwind - Aris Ankunft

Das Buch zum Film
 
 
cbj (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. Februar 2019
  • |
  • 160 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-24343-2 (ISBN)
 
Ostwind und Mika gehören zusammen, egal wie groß der Ozean ist, der sie voneinander trennt. In ihrem neuen Abenteuer hängt das Schicksal der beiden am seidenen Faden und ihre magische Verbindung erweist sich als Fluch und Segen zugleich - bis mit Ari ein ganz besonderes Mädchen in ihr Leben tritt. Ist es möglich, dass Ostwind und Mika eine weitere Seelenverwandte gefunden haben? Und wird Ari es schaffen, Gut Kaltenbach vor der feindlichen Übernahme durch eine intrigante Pferdewirtin und Ostwind vor einem skrupellosen Pferdetrainer zu retten?Das spannende Abenteuer basiert auf dem Drehbuch von Lea Schmidbauer zum gleichnamigen Kinofilm, ergänzt mit exklusiven Fotos aus dem Film.Eine SamFilm-Produktion in Co-Produktion mit Constantin Film Produktion und Alias Entertainment.
  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • 4,09 MB
978-3-641-24343-2 (9783641243432)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Lea Schmidbauer wurde 1971 in Starnberg am Starnberger See geboren. Sie studierte ein paar Semester Amerikanische Kulturgeschichte, bevor sie sich an der Filmhochschule in München bewarb. Sie wohnt in München und als Teilzeitlandwirtin in einem kleinen Dorf in Mittelfranken.

1. Kapitel


Mikas lange rote Haarmähne wirbelte im Fahrtwind. Sie musste sich mit beiden Händen festhalten, denn der Pick-up, auf dessen Ladefläche sie kauerte, preschte zügig über eine Holperpiste mit Schlaglöchern groß wie Mondkrater. Die Sonne Andalusiens brannte heiß auf sie herab und die aufgepeitschten Sandkörnchen prickelten wie feine Nadelstiche auf ihrer Haut.

In Mikas Bauch kribbelte es vor lauter Vorfreude.

Endlich kam die Kreuzung in Sicht! Mika schlug mit der flachen Hand an die Heckscheibe des Pick-ups, der daraufhin ruckartig zum Stehen kam. Das Quietschen der Bremsen durchbrach die Stille der Steppe und eine riesige Staubwolke trieb in die Luft.

Mika packte ihre Tasche und sprang leichtfüßig von der rostigen Ladefläche.

Der nette alte Spanier, der bereit gewesen war, sie mitzunehmen, streckte den Kopf zum Fenster heraus und sah sie ungläubig an. »Aquí?«

Mika schenkte ihm ein dankbares Lächeln und nickte. »Sí. Gracias.«

Der Mann schüttelte ungläubig den Kopf. Tiefe Furchen legten sich in seine sonnengegerbte Stirn. »No! No!«, warnte er Mika und wies auf ein altes verwittertes Schild. »Peligroso! Mucho peligroso!«

Mika drehte sich kurz nach dem Schild um, auf dem ein springendes Pferd abgebildet war. Atención: Caballos Salvajes!, lautete die Warnung vor den frei laufenden Wildpferden.

Mika hatte mit der Reaktion des alten Mannes gerechnet und lächelte ihn unbekümmert an. Er konnte ja nicht wissen, was sie vorhatte.

»Ich weiß«, antwortete sie ihm und zeigte auf das Pferdebild, obwohl er kein Wort Deutsch sprach. »Wildpferde. Aber non peligroso. Nicht gefährlich.« Sie bewegte den erhobenen Zeigefinger wie einen Scheibenwischer hin und her. Vielleicht verstand er ja Zeichensprache.

Dann schulterte sie schwungvoll die Tasche und marschierte entschlossenen Schrittes davon, begleitet von aufgeregten Beschwörungen des Spaniers. »No, chica, no! Non son los caballos, son los incendios forestales! Fugeo, chica!«

Das zweite, etwas kleinere Schild, das unter dem Wildpferde-Hinweis angebracht war, und vor Steppenbrand warnte, schien Mika übersehen zu haben. Resigniert zuckte der Fahrer mit den Schultern und gab Gas. Diesem Mädchen war wohl nicht zu helfen, wenn es unbedingt in sein Unglück rennen wollte!

Zielstrebig eilte Mika durch die Steppe auf die Felsengruppe zu, die sich in der Ferne vom blauen Himmel abhob. Die Hitze ließ die Luft flimmern.

Mika wusste, dass Ostwind sich dort hinten mit seiner Herde in einer der Senken aufhalten musste. Sehnsuchtsvoll beschleunigte sie ihre Schritte. Das trockene Gras knisterte unter ihren Füßen. Gleich würde sie ihn wiedersehen. Ostwind!

Ihr Herz machte einen Sprung.

Leichtfüßig wie eine Gazelle eilte Mika den ausgetretenen Pfad hinauf, der sich zwischen den Felsen hindurchschlängelte. Unter den Ästen eines riesigen alten Baumes machte sie Rast, schloss die Augen und ließ den Moment auf sich wirken. Es war so schön, wieder hier zu sein.

Auf einmal bemerkte sie, wie der Wind deutlich auffrischte und sich der eben noch so grelle Sonnenschein in ein diffuses Licht verwandelte.

Dicht vor ihr wirbelte Sand mit kleinen Windhosen auf. Mikas Sinne waren alarmiert. Irgendetwas stimmte hier nicht.

Der Wind trug kleine Fetzen wie filigrane Blätter auf unsichtbaren Wellen und wehte ihr etwas vor die Füße. Geschickt fischte Mika es aus dem Wirbel und erkannte entsetzt eine verkohlte Distel, die zwischen ihren Fingern zu Asche zerfiel.

Voller Sorge spähte sie hinaus in die Steppe, doch die Luft war plötzlich von Sand und Rauch erfüllt, kein Blick drang hindurch. Ein Buschbrand!

Dann zerriss ein verzweifeltes Wiehern die Luft.

Blind vor Sorge rannte Mika los. »Ostwind! Ostwind!«

Erst waren sie nur weit in der Ferne zu sehen, doch die Flammen rollten wie ein Tsunami weiter, fanden immer neue Nahrung in dem trockenen Gras und verschlangen es wie ein gieriges Monster. Dennoch drang Mika weiter vor, rutschte und stolperte den Hang hinab, dort unten, das wusste sie, waren die Pferde. Ostwind würde die Herde anführen und einen Fluchtweg aus den Flammen finden. Mika rannte, bis das Stechen in der Lunge kaum noch zu ertragen war, bis ihre Stimme vor lauter Qualm erstarb.

Sie spürte, wie der Boden unter ihr zu beben begann. Das waren die Hufe der Pferde. Und wieder das panische Wiehern!

»Ostwind«, hustete Mika, rieb sich die tränenden Augen, hob die Arme, um das Gesicht vor Glut und Asche zu schützen, die unbarmherzig auf sie hinabregneten.

Das Donnern der Hufe schien aus allen Richtungen gleichzeitig zu kommen. Und dann lösten sich ihre Silhouetten aus dem Rauch, der nun immer dichter wurde und Mika heftig im Hals kratzte: die Wildpferde!

Verzweifelt spähte sie in den Qualm auf der Suche nach Ostwind. Die Augen brannten so sehr. Mika konnte ihn nicht finden, hörte aber sein aufgeregtes Wiehern, sonst war da nur Rauch, Rauch, Rauch. »Ostwind! Wo bist du?«

Ohne nachzudenken, rannte Mika weiter, immer weiter auf die Flammen zu, die ihr bereits gierig um die Fesseln leckten.

Und dann war der schwarze Hengst plötzlich da. Löste sich wie ein Geist aus dem Qualm. Schnaubte laut.

Als er Mika entdeckte, blieb er stehen.

Für einen kurzen Moment sahen sie sich an. Sie hatten sich gefunden.

Mika weinte, vor lauter Qualm, der immer dichter und beißender wurde, vor Erleichterung, Ostwind endlich gefunden zu haben, aus Angst, dass sie beide in den Flammen umkommen würden.

Wir müssen hier weg! Wir müssen sofort hier weg, weg von den Flammen, schoss es Mika durch den Kopf. Der Pfad durch die Felsen war der einzige Fluchtweg aus dieser Hölle. Ostwind hatte die Herde bereits aus den Flammen geführt, doch in diesem Moment krachte ein riesiger, brennender Ast herab. Mika rettete sich mit einem Satz nach hinten und stürzte auf den heißen Steppensand. Voller Entsetzen wurde ihr klar, dass der Ast und die mannshohen Flammen Ostwind den Fluchtweg abgeschnitten hatten. »Ostwind, ich bin bei dir!«, rief sie mit letzter Kraft.

Dann lösten sich die Flammen auf in ein dunkles Nichts.

Ari presste die Fußsohlen auf den grauen Linoleumboden. Die Kälte half ihr, sich wieder im Raum zu orientieren. Ihr Herz schlug heftig.

Immer diese Träume! Immer diese verdammten Träume, dachte Ari. Es war so unheimlich schwierig, aus diesen Träumen zurückzufinden in die Realität.

Du musst direkt nach dem Aufwachen versuchen, dich an die Träume zu erinnern, dann sind sie noch präsent, hatte ihr mal eine von den Psychotanten gesagt, zu der sie eine Zeit lang gehen musste. Jeden einzelnen beschissenen Traum hatte sie damals aufschreiben müssen. Traumtagebuch.

Ari stutzte. Dieser Traum war anders gewesen. Nachdem sich ihr Herzschlag langsam beruhigte, schlich sich die Erinnerung zurück. Der Geruch. Ganz nah. Würziger Pferdegeruch! Sie hatte mit diesem Pferd gesprochen, einem großen, kräftigen Schwarzen. Falsch, sie hatte zu diesem Pferd gesprochen. Das Pferd war in Panik gewesen. Hab keine Angst! Ich bin da. Spring! Du musst springen. Jetzt!

Ich hab im Traum ein Pferd gerettet, dachte Ari. Sie schüttelte sich. So ein Quatsch. So ein Kitsch. Und überhaupt: Woher weiß ich denn, wie Pferde riechen? Sie wollte diese absurde Szene fortwischen. Ari und Pferde, das passte so gut zusammen wie Metal-Rocker und Blockflöten.

Und dennoch. Dieser Traum war anders gewesen. Er hinterließ ein Gefühl in Ari, das sie zunächst nicht zu deuten wusste.

Für einen Moment ließ Ari den Blick durch ihr trostloses Zimmer unter dem Dach wandern, das mehr eine Abstellkammer war, über die billigen Möbel, das Regal mit den Einmachgläsern und den abgewetzten Teppich. Die Dachluke ließ nur wenig von dem dämmrigen Morgenlicht herein.

In diesem Augenblick lärmte ein herzzerreißendes Jaulen durch das Treppenhaus. Ari riss die Augen auf und schnellte in die Höhe. Sofort war sie hellwach und eilte aus der Dachkammer. Hatte sie es sich doch gedacht: Unten auf dem Treppenabsatz hockte die fette Kuh Fernanda!

Ari hörte ein leises Zischen, dann ein schmerzerfülltes Jaulen.

»Oh, tut das weh? Aua, aua«, frotzelte das grobschlächtige Mädchen.

»Fernanda?«, rief Ari und spurtete die Treppe hinunter. »Was machst du da?«

Fernanda dreht sich um und Ari konnte den kleinen Hund erkennen, den diese unter ihrem Arm geklemmt hielt. »Schwirr ab, Kellerassel! Wir spielen nur ein bisschen«, blaffte Fernanda und drehte mit dem Daumen das Rädchen des Feuerzeugs, bereit, dem kleinen Hund ein weiteres Tasthaar abzuflammen. Der Kleine versuchte, sich zu wehren und winselte erstickt.

Ari spürte, wie das Blut durch ihre Adern schoss und sich automatisch die Fäuste ballten, bis sich die Fingernägel in die Handflächen gruben.

»Lass ihn los!«, knurrte sie und es gelang ihr, Fernanda den kleinen Terrier zu entwinden und auf den Boden zu setzen.

»Sonst?«, quäkte Fernanda herausfordernd. »Du gehörst doch eh nicht hierher. Das ist mein Haus, mein Hund. Du wohnst hier doch nur.«

»Hör auf!«, drohte Ari.

»Und wenn nicht? Was passiert denn dann? Hä?« Fernanda glotzte Ari herablassend an.

Doch ihr schäbiges Grinsen beeindruckte Ari nicht die Spur. Im Gegenteil. Die Tierquälerin wollte eine Antwort? Die konnte sie kriegen.

Das nächste Geräusch, das Ari mit Genugtuung vernahm, war das von Knochen, der auf Knochen prallte. Fernandas Schrei war wie Musik in ihren Ohren. Der kleine Hund flitzte davon.

Ari atmete auf. Ein Pferd und ein Hund, dachte sie. Beide gerettet.

Fanny war von Natur aus ein ungeduldiger Mensch. Bei ihr musste immer alles...

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