Terror-Warnung - oder - Aufzeichnungen über einen Höhlenbewohner des Atomzeitalters

 
 
DeBehr, Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 16. Januar 2018
  • |
  • 770 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-95753-486-6 (ISBN)
 
Sigurd schüttelte sich. Die Frau war unglaublich! Und dann dieser treu-doofe Pinscherblick! Die heilige Angelique des neudeutschen Bismarck-Reiches. Eine willfährige Bilderbuch-Gespielin in den Händen der westdeutschen Oligarchen und Hedgefond-Spekulanten, treu ergebene Dienerin einer Camarilla, welche den Hals nicht voll genug kriegen konnte und dabei die Welt in den Abgrund taumeln ließ. Ihre Berater hatten ihr zur perfekten Maskerade verholfen. Eine durchschnittliche, geistig eher dürftig bemittelte Mimin, eine geschlechts- und emotionslose Marionette, an der alle Attacken abprallten wie von einer Schaufensterpuppe. Sie spielte die Rolle der Unschuld vom ostdeutschen Lande mit einer Unverfrorenheit, die Anarchisten wie Sigurd die Sprache verschlug. Das liebe gute Mütterchen, das kein Wässerchen trüben konnte; die Mutter Courage des alemannischen Wirtschaftswunders ... Sigurd packte seine WALTHER PP und feuerte 3 Kugeln in die Flachbild-Visage. Es knallte fürchterlich in der Bude, sein TV-Gerät wurde in Stücke gerissen, die Splitter flogen an die Wand, dann herrschte Stille im Raum. Verwundert schaute der Amok-Schütze seine winzige Puste an. Erstaunlich, was die für eine Durchschlagskraft bewiesen und wie diese Durchschlagskraft seinen schönen, neuen Fernseher zertrümmert hatte. Sigurd Linke ist Mitte 40 und bewegt sich außerhalb jeder Ordnung. Freunde und Bekannte beschreiben ihn als misstrauischen Einzelgänger. Seine Mitbürger sind ihm gleichgültig, ihr Wohl und Wehe geht ihm am Gesäß vorbei. Doch sein ungetrübter Weitblick erkennt die Tragik innerhalb der Gesellschaften, die armen Unterdrückten und die bösen Unterdrücker. Und so macht sich Sigurd auf, die Welt zu retten. Sein Weg führt ihn um den halben Erdball. Überall wittert er Ungerechtigkeit, mit seinen ganz speziellen Mitteln will er dieser Herr werden. Jedwede Terroristen, so erkennt Sigurd, haben gar nicht so unrecht. Auch er will den Terror hinaustragen, um endlich alles und jeden zu retten, auch den, der gar nicht gerettet werden möchte. EIN LITERARISCHER GENIESTREICH, DER POLITISCHE ENTWICKLUNGEN IN ALL IHRER ABSURDITÄT AUFS PAPIER BRINGT.
  • Deutsch
  • 1,26 MB
978-3-95753-486-6 (9783957534866)
3957534860 (3957534860)
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            Sigurd Linke bewegte sich außerhalb jeder Ordnung. Freunde und Bekannte - viele waren ihm nicht verblieben - beschrieben ihn als misstrauischen, menschenfeindlichen und mürrischen Einzelgänger. Seine Mitbürger waren ihm gleichgültig, ihr Wohl und Wehe gingen ihm am Gesäß vorbei. Wären seine Landsleute morgen von einem Erdbeben verschluckt oder von einer tropischen Seuche hinweggerafft worden, hätte er dies mit einem müden Achselzucken quittiert. Schon früh hatte er gelernt, sie zu verachten. Zuerst seinen Vater, seine Nachbarn, seine Lehrer. Später seine Kollegen, seine Vorgesetzten, seine Arbeitgeber. Nun gut, der Durchschnittsteutone verhielt sich im allgemeinen höflich und zurückhaltend, zeigte sich eher schüchtern als aufdringlich. Trotzdem war das deutsche Volk kaum zu ertragen: Jeder dieser Spießbürger war fest entschlossen, 75 Jahre lang in großer sozialer Sicherheit und unbegrenztem Wohlstand zu leben. Ein Wust von Sparbüchern und Versicherungspolicen sollte ihn vor den Unbilden des Schicksals bewahren. Und dann dieses krankhafte Streben nach Ordnung und Sauberkeit! Sigurd packte das Grausen, wenn er die geputzten Häuser und die mit Giftspritzen tot gepflegten Vorgärten seiner Landsleute anschaute. In der Einfahrt die gepflegten Karossen, auf denen kein Kratzer und kein Fleck zu sehen waren! - Nein, auf Dauer waren diese geistig und seelisch verarmten Besitzstandswahrer nicht zu ertragen. Die waren nur glücklich und zufrieden, wenn sie 8 Stunden in einer Fabrik oder in einem Bureau ihre Pflicht tun durften. Man hatte ihnen unsichtbare Zwangsjacken angelegt. Ein Leben ohne Zwangsjacke, ein Leben außerhalb der Tretmühle schien ihnen unvorstellbar. - Sigurd verstand seine Mitmenschen nicht. Er verstand ihre Protzerei nicht. Ihre Vulgarität nicht, ihre Gefühlskälte und ihre Hinterlist nicht. Hin und wieder bekam er Wutanfälle. Dann träumte er davon, wie einst der göttliche Harry Haller, ein paar von diesen Robotniks in ihren Autos mit einer Schrotflinte abzuschießen oder wie die RAF-Leute ein Kaufhaus in die Luft zu jagen. Aber Sigurd vermochte sich zu beherrschen. Die Idioten da draußen sollten ihn in Ruhe lassen. Wenn sie ihn in Ruhe ließen, dann ließ auch er sie in Ruhe. Er gab ihnen nichts, und er verlangte nichts von ihnen. Er praktizierte das Innere Asyl.

Von seinem Erbvermögen hatte Sigurd ein leicht verwahrlostes Häuslein am Stadtrand erworben. Zudem hatten seine braven Eltern ihm ein Wohn- und Geschäftshaus im Zentrum und eine Eigentumswohnung am Stadtrand hinterlassen, deren Vermietungs-Einkünfte ihm ein sorgloses Dasein eröffnet hatten. So hatte Sigurd nach dem Ableben seiner alten Herrschaften die Entscheidung getroffen, sich aus dem öffentlichen Leben zurückzuziehen und seine restlichen Jahre als misanthropischer Eremit in der Industrie-Landschaft zu verbringen. Sein Wohnsitz schien ein wenig ärmlich und heruntergekommen. Aus den Dachrinnen schauten Grashalme und Löwenzahn empor, die Fassade grau und verwittert, von den Fensterrahmen blätterte der Lack ab. Immerhin würden ihn nächtliche Raubgesellen nicht heimsuchen, da bei ihm offensichtlich keine Reichtümer zu erbeuten waren. - Die unmittelbare Nachbarschaft war nicht unangenehm. Linker Hand befand sich ein Dachdecker-Unternehmen mit Werkstatt, Materiallager und Wagenhalle, an den Wochenenden verschlossen und unbewohnt. Der Besitzer hatte während des Wirtschaftswunders einen Riesenbatzen Geld gescheffelt und sich in einem Vorort einen Bungalow gebaut. Seine ehemalige Wohnung im Betriebsgebäude ließ er leer stehen, sie diente als Verwaltung, Buchhaltungs-Archiv und Ersatzteillager. Rechter Hand stand ein Zweifamilienhaus, welches ebenso ärmlich und heruntergekommen war wie Sigurds eigene Hütte. Türkische Einwanderer hatten sich darin niedergelassen. Freundliche und bescheidene Zeitgenossen. Leute, die nicht ständig über den Zaun linsten, ob er denn jeden Samstag den Rasen mähe, und die nicht meckerten, wenn er am Sonntag im Garten die Wäsche im Wind flattern ließ oder um Mitternacht seine Hi-Fi-Anlage aufdrehte, dass das Fensterglas klirrte. Sigurds antiautoritäre Garten-Philosophie zeichnete sich dadurch aus, dass alle Blumen und Kräuter frei in den Himmel wachsen durften, ohne von einer Sense gestutzt zu werden. So musste er keinen unnützen Schweiß vergießen, und so diente er obendrein den Idealen der Naturschützer. Seine Klause hatte er im Lauf der Jahre zu einer Art Festung ausgebaut. Hinter einem 2-Meter hohen Maschendraht-Zaun hatte er einen Schutzwall aus Brennnesseln, Dornengestrüpp und Stacheldraht errichtet. - Sigurd Linke lebte in bescheidenen Verhältnissen. In der Garage standen zwei klapprige Fahrräder und ein TOYOTA, der schon zwölf Jahre auf dem Buckel hatte. Für die Fortbewegung bevorzugte er die Eisenbahn oder den Linienbus. Der Terror auf öffentlichen Straßen erfüllte ihn mit Grausen. Wider den Wahnsinn der Drängler und Raser war kein Kraut gewachsen.

Im Keller hatte Sigurd einen Wust von Trödel und Antiquitäten untergebracht. Wenn die ollen Klamotten überhandnahmen und wenn es notwendig schien, sein Einkommen aufzubessern, besorgte er sich Erlaubniskarten, um auf Flohmärkten in den Nachbarstädten einen Stand zu beschicken. Auf diese Weise machte er nebenbei etwas Kohle, ohne dass die Finanzverwaltung ihn nachher zur Kasse bat. - Seine Wohnräume waren schlicht und genügsam eingerichtet, die Möbel stammten von den Eltern oder aus Haushaltsauflösungen. Für Schrankwände, Polstergarnituren oder andern Schnickschnack hatte er nie viel Zaster investiert. Während es seine Landsleute als höchstes Glück der Erde empfanden, ihr sauer verdientes Geld zu verprassen, indem sie ihre Behausungen mit vermeintlichen Kostbarkeiten vollstopften, hütete er sich vor allen als sinnlos empfundenen Investitionen. In der Überfluss-Gesellschaft, in der man viele schöne, alte Sachen im Sperrmüll finden oder preiswert aus Nachlässen übernehmen konnte, sah er dies als unnütze Geldverschwendung. Im Wohnzimmer gab es ein Plüschsofa, zwei Sessel und ein riesiges Fernsehgerät vom QUELLE-Versand. Das Arbeitszimmer diente als Bibliothek und Studienraum. Hier schrieb er sein Tagebuch, hier erledigte er seine Korrespondenz mittels seiner häuslichen Datenverarbeitung. Im Übungsraum standen Hanteln, Expander und Gewichte bereit, in einem anderen Raum eine flüchtig aufgebaute Modelleisenbahn, mit der er sich ab und an die Zeit vertrieb, wenn er sich nach Liebe und Zärtlichkeit sehnte. In seinem Refugium verbrachte Sigurd recht traurige Tage. Es fehlte ihm eine Frau an der Seite. Das Alleinsein war qualvoll. Seine Lebensweise gestattete es nicht, eine Familie zu unterhalten. Außerdem war ihm das mit zu viel Mühe und zu viel Verantwortung verbunden. Wenn man Blagen am Hals hatte, so grummelte er, dann müsse man ständig hinter dem Geld herjagen, dann könne man nicht tagsüber auf dem Sofa abhängen. So verzichtete er auf feste Beziehungen. Man konnte nicht alles haben im Leben. In der Sprache der Sozialarbeiter und Polizei-Psychologen: Er lebte als ein Individuum ohne jede soziale Kontrolle! Trotz seiner seelischen Verlotterung verstand er es meisterhaft, seine anarchistische Wut vor den Mitmenschen zu verbergen. Eines seiner Kennzeichen war der Umstand, dass er, was sein Äußeres betraf, völlig unauffällig war. Er war nicht groß und nicht klein, nicht fett und nicht dürr, nicht schön und nicht hässlich. Er duschte und rasierte sich alle drei Tage und er bevorzugte saubere, dunkle, unauffällige Kleidung. Wenn er das Haus verließ, trug er eine Mütze und eine Sonnenbrille. Er urinierte nicht in öffentlichen Grünanlagen, und er belästigte keine Schulmädchen, selbst wenn es ihn am Unterleib juckte und er solchen Bedürfnissen zu gern nachgegeben hätte.

Sein Vater war ein ehrbarer und ehrgeiziger Kaufmann gewesen, der während des Wirtschaftswunders besessen gewesen war von dem Gedanken, durch unablässiges Schuften und durch Verzicht auf jegliche Lebensfreude einen größtmöglichen Wohlstand zu erringen. Seine Kindheit hatte Sigurd Linke in materiell gut versorgten Verhältnissen verbracht, jedoch in einer Atmosphäre der menschlichen Kälte und Gefühllosigkeit, sodass sein Gemüt verkümmert war, bevor er noch richtig reif und flügge geworden. Nach der Reifeprüfung hatte er den Militärdienst geleistet, später Geschichte, Geografie und Germanistik an der Universität zu Köln studiert. Obwohl ihn seine Ausbildung zu einem Lehramt auf dem Gymnasium befähigte, war es für ihn früh beschlossene Sache, niemals als Beamter ein Leben lang in einer deutschen Philister-Schule unter lauter Philister-Kollegen eine Philister-Stelle anzunehmen. Zum Leidwesen seiner Eltern war er dann in einen abenteuerlichen Lebenswandel hineingestrudelt: Er hatte als Nachtwächter in einem Museum gearbeitet, als Lagerist in einer Möbelfabrik, als Kurier einer deutschen Großbank, als Buchhändler, als Lkw-Fahrer und als Lampenverkäufer. Wenn er genügend Geld gespart hatte und ihm seine Beschäftigungen zu langweilig geworden waren, hatte er seine Arbeitsstätten kurz und bündig verlassen. Dann hatte es ihn in die Ferne gezogen. Er hatte seinen Rucksack gepackt und ferne tropische Länder bereist. Er liebte es, sich mit einfachen, bitterarmen Menschen zu umgeben und in ihren bescheidenen Hütten einzukehren. Je mehr er über die Armut in der Welt erfuhr, desto heftiger verachtete er den Wohlstand seiner Landsleute.

Rücksichtslos hatte er seine Arbeitgeber im Stich gelassen, ebenso rücksichtslos hatte er seine Freundinnen verlassen, wenn es ihm notwendig erschienen war. Er hatte sich gern verliebt, und er hatte sich häufig verliebt. Er hatte...

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