Schurken überall!

 
 
Ravensburger Buchverlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 28. Juli 2011
  • |
  • 224 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-473-38447-1 (ISBN)
 
Bevor ich erzähle, wie der ganze Schlamassel passieren konnte, muss ich darauf hinweisen, dass diese Aufzeichnungen total geheim sind.
Es geht niemanden etwas an, warum Tante Hellas Geburtstag in einer Katastrophe endete, warum unser Hamster Machmawas sich plötzlich tarnen musste und ich fast in einem Giraffen-Kostüm verhaftet worden wäre. Und das Allerwichtigste: Niemand darf von meiner geheimen Identität erfahren, weil sonst die Welt in Gefahr ist!

P.S.: Wer das hier liest und weitertratscht, den soll der Blitz beim Kacken treffen!
Aufl.
  • Deutsch
  • Ravensburg
  • |
  • Deutschland
  • 4,88 MB
978-3-473-38447-1 (9783473384471)
347338447X (347338447X)
weitere Ausgaben werden ermittelt
  • Intro
  • Impressum
  • Superhelden sind ganz anders
  • Die Unglaublichen Dreieinhalb und die mysteriösen Diebstähle
  • Drei Helden und ein Plan
  • Das Gehirn und die zwei Monster
  • Es gibt nur eine Sünde: Feigheit!
  • Eine Falle wird gestellt
  • Eine böse Überraschung
  • Eine schreckliche Aufgabe
  • Tarnung und Pläne
  • Um Kopf und Kragen
  • Ein überraschendes Opfer
  • Der Superstar und der Tölpel
  • Liegestütze und Klappmesser
  • Noch eine ganz böse Überraschung
  • Die erste Stunde der Wahrheit
  • Die Feier
  • Autoreninformation

Eine Falle wird gestellt

Nach der letzten Unterrichtsstunde machten sich Martin und Dieter auf den Weg zu meiner Mutter, um ihr die Nachsitzen-Geschichte unterzujubeln. Martin war supernervös. Die Angst stand ihm ins Gesicht geschrieben. Er schwitzte und keuchte, als hätte er einen 100-Meter-Lauf absolviert. Aber ich war mir trotzdem sicher, dass Martin und Dieter das irgendwie hinkriegen würden. Und während ich unter das Pult huschte, um mich zu verstecken, begann Barbara Frau Daffodil abzulenken.

Wir hatten verabredet, dass Barbara das ganz unauffällig tun sollte. Vielleicht indem sie Frau Daffodil in ein Gespräch verwickelte. Über das Wetter oder Haustierhaltung oder so. Aber Barbara war heute irgendwie zu hibbelig dafür. Sie ging nach vorne ans Lehrerpult und starrte Frau Daffodil an. Die wunderte sich und fragte: "Was kann ich für dich tun, Barbara?"

Barbara antwortete nicht. Sie schnappte sich einfach Frau Daffodils Tasche und rannte wie von der Tarantel gestochen aus dem Klassenzimmer. Frau Daffodil war so verdutzt, dass sie ihr erst ein paar Sekunden später folgte. Bevor sie aber die Verfolgung über den Schulhof aufnahm, schloss sie noch die Tür hinter sich ab. Ich war allein.

Komisches Gefühl, so allein in der Klasse zu sein. War ich noch nie. Gut, ich war schon oft der einzige Schüler in diesem Raum gewesen, aber dann war ja immer noch ein Lehrer dabei, der mir ins Gewissen reden wollte. Die Lehrer sagten dann so Sachen wie: "Du musst dich mehr konzentrieren, Sebastian!" Oder: "So kann es nicht weitergehen!" Oder: "Ich bin kein Superschurke aus einer anderen Dimension. Das ist Unsinn, Sebastian!"

Aber so ganz richtig allein war ich noch nie da drin. Es war so still und friedlich. Die Stühle standen kreuz und quer im Raum. Die Lüftungsrohre an der Decke, die so groß waren, dass man hindurchkriechen konnte, wummerten leise. Gedämpft drang Gelächter durch die geschlossenen Fenster. Das kam von der Theatergruppe, die in der Aula ihr neues Theaterstück probte. Das selbst geschriebene "Meisterstück", das unbarmherzig Richtung Aufführung getrieben wurde, hieß "Alles für die Tonne! Die Geschichte der Mülltrennung von Buckelbügel". Spannend oder sogar aufregend klang das nicht. Das wäre aber auch eine Riesenüberraschung gewesen. Bis jetzt war es nämlich gang und gäbe, dass wir uns jedes Jahr so was elend Langweiliges anschauen mussten. Letzten Winter hieß es sogar, ein Musical durchzustehen: "Der gütige König Lächeln und die kleinen Miesepeter". In dem Stück ging es darum, dass alles besser wird, wenn man immer lächelt und singt. Hat man Angst: lächeln und singen. Machen die Hausaufgaben Probleme: lächeln und singen. Will jemand einem etwas Böses antun: lächeln und singen. Ich hab das dann gleich nach der Aufführung mal an den Schlägertypen aus der 6b (b wie böse) ausprobiert.

War ein Flop. Ich hab Dresche bezogen wie lange nicht. Sie fühlten sich durch mein Grinsen wohl genauso provoziert wie durch meinen Gesang.

Damals habe ich mir geschworen, dass ich niemals mehr in meinem Leben singen werde. Das macht die Leute irgendwie fuchsteufelswild. Martin hat damals übrigens einen der Miesepeter gespielt. Es ist nur keinem aufgefallen. Nicht mal dem Regisseur oder seinen Eltern, die ihn nach der Vorstellung verärgert anmeckerten, wo er sich denn während des Stücks rumgetrieben habe.

"Ich hab mitgespielt! Ich war der Miesepeter, der sein Vollkornbrot mit dem Kräuterfrischkäse und den Sojasprossen nicht essen wollte!", reagierte Martin zu Recht empört.

"Erzähl keinen Stuss und putz dir die Nase!"

Manchmal kann eine Superkraft wie Martins echt nerven. Unscheinbar bis zur Unsichtbarkeit zu sein, hat nicht nur Vorteile. Erst recht nicht beim Theaterspielen.

Martin wäre ein extrem unsichtbarer Romeo und alle würden denken, dass Julia einen Knall hat. Und das würde ich gerne sehen. Weil Julia mit Sicherheit von der arroganten Bettina Schlittenrufer gespielt werden würde. Die hat bei uns irgendwie ein Abo auf die Hauptrollen. Im jetzigen Stück spielte sie die grundgütige "Grüne Tonne", in die der Bioabfall reinmuss. Ich find die total doof. Vor allem weil Mutter die so toll findet. Jedes Mal wenn die Schlittenrufer auf die Bühne latscht und so geschwollen daherredet und so übertrieben mit den Armen rumfuchtelt, schaut Mutter mich traurig an und sagt, dass sie eigentlich viel lieber eine Tochter gehabt hätte. Die hätte dann nämlich auch ihre Talente geerbt. "Auch den Schluckauf?", frage ich sie dann immer sauer und kriege einen Monat Stubenarrest. Klingt lang, ist es aber nicht. Denn der Stubenarrest wird schon nach einem Tag von Mutter auf zwei Tage reduziert, weil ich sie angeblich wahnsinnig mache, wenn ich die ganze Zeit zu Hause rumhänge. Wahrscheinlich liegt das daran, dass ich sehr gerne lese. Allerdings laut. Das macht erstens mehr Spaß und zweitens kann man sich dann alles besser merken. Neue Wörter und so weiter. Und wenn ich Stubenarrest habe, dann hole ich immer ein altes medizinisches Wörterbuch aus dem Schrank und lese es ganz besonders laut vor. In dem dicken Schinken werden die gruseligsten Krankheiten und ihre Folgen beschrieben. Mutter fühlt sich dann immer rucki, zucki selbst ganz elend. Man muss dazu sagen, dass Mutter sich gerne Krankheiten einbildet. In erster Linie Kopfschmerzen und Herzinfarkte. Aber mit ein bisschen Unterstützung ist sie da dann doch ganz flexibel.

Das Lachen aus der Aula verebbte langsam. Entweder waren die Proben vorbei oder es gab auch noch eine Pantomimen-Nummer, die einstudiert werden musste. Was mir ehrlich gesagt noch weniger schmecken würde. Irgendwie finde ich Pantomimen etwas Furcht einflößend. Die laufen ständig gegen Wände, die gar nicht da sind! Wie gaga ist das denn?

Als ich aus dem Fenster sah, schlenderten die "Schauspieler" über den Pausenhof. Bis auf die Schlittenrufer, die schlendert nie. Die schreitet immer, den Rücken gerade, die Nase hoch in der Luft, als wäre sie ein Superstar oder ein bekloppter Diktator.

Ich beobachtete die Theatergruppe, bis sie an den Fahrradständern angelangt war. Dann widmete ich mich wieder meiner Aufgabe.

Vorn neben der Tafel, auf der immer noch meine zwei falschen Lösungsvorschläge in Mathe standen, hing das große Geodreieck. Es glänzte in der Sonne. Ich mochte das Geodreieck wirklich gerne. Ein sehr praktisches Teil.

Machmawas, unser Klassenhamster, steckte das Köpfchen aus seinem Versteck. Wahrscheinlich wollte er mal nachsehen, wer sich hier nach Schulschluss noch rumtrieb. Vielleicht wollte er aber auch nur ein paar Kunststückchen einüben. Einen Salto vielleicht oder eine Arschbombe in seinen Trinknapf. Schließlich muss der Hamster ja irgendwann mal irgendwas machen. Immer wenn wir da sind, macht er nämlich nichts. Null Komma nix. Daher hat er auch seinen Namen: Machmawas.

Ich kapier eh nicht, warum jede Klasse einen eigenen Hamster hat. Wahrscheinlich für schlechte Tage. Wenn wir mal eingeschneit werden oder so. Man hört ja im Fernsehen oft von Hamsterkäufen, wenn sich irgendwas Schlimmes anbahnt. Wie dann aber so ein kleiner Nager einem weiterhelfen soll, kapier ich persönlich nicht so ganz. Zum Essen eignet sich so ein Hamster ja eher nicht. Da hätte man sich, wenn es denn unbedingt ein Nager sein soll, wohl besser ein Meerschweinchen zugelegt. Erstens sind die dicker und zweitens klingt da ja das Wort Schwein und damit Schinken und Speck schon mit. Und so ein Hamster macht ja nix. Gar nix. Außer pennen. Aber vielleicht schont er sich auch nur, um im Falle einer Katastrophe genug Kraft zu haben, um zum Beispiel Verschüttete aus einer Lawine zu ziehen? So bernhardinermäßig. Kann schon sein. Man weiß es nicht genau. Kleine Leute werden ja gerne unterschätzt. So wie mein Vater. Der geht Mutter auch nur mit Mühe bis zur Brust. Und ich bin auch eher klein. Papa hat mir mal gesagt, dass es nicht auf die Körpergröße ankommt, sondern auf die geistige Größe, und dass viele große Männer der Geschichte in Wahrheit geradezu winzig waren. Napoleon zum Beispiel, Goethe oder Berti Vogts. Und außerdem hat klein sein manchmal auch echt große Vorteile.

Als Erstes holte ich mein Superheldenkostüm aus der Tasche. Stil ist für Superhelden enorm wichtig. Das sorgt bei den Bösen für Respekt und Furcht. Und außerdem kann niemand erkennen, wer hinter der Maske der Gerechtigkeit steckt. Das hat was Mysteriöses und das finden gerade Mädchen supercool. Hoffe ich zumindest.

Ich schwang mich in meine enge rote Hose, die wohl für Tänzer gedacht ist, schlüpfte in mein enges T-Shirt mit dem Gehirn drauf, schnallte mir den breiten, goldenen Gürtel um, zog meinen gelben Umhang an und setzte meine schwarze Maske auf. Dann erst nahm ich Martins Handy heraus und stellte die Kamera ein. Denn ich brauchte einen handfesten Beweis, sprich ein Foto, um die Einbrecher zu überführen. Meine Zeugenaussage allein, wusste ich, würde kaum reichen. Dafür war mein Ruf aus merkwürdigen Gründen zu sehr im Eimer. Der Einbrecher hätte einfach behaupten können, dass ich mir das nur ausgedacht habe. Dass ich einen Knall habe und so weiter. Und ich fürchte, dass man dem Verbrecher tatsächlich glauben würde. Und zwar nur, weil ich hie und da mal über das Ziel hinausgeschossen bin. Zum Beispiel als ich...

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