Teufel

Thriller
 
 
Langen - Mueller Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. September 2011
  • |
  • 656 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7844-8064-0 (ISBN)
 
Zwei Leichen, eingemauert in ein Kriegerdenkmal an der österreichisch-tschechischen Grenze, sind nur der skurrile Anfang eines Alptraums. Reporter Paul Wagner und Historiker Gerg Sina sind einem Geheimnis auf der Spur, das am Fundament der katholischen Kirche rüttelt. Gesucht wird ein brisantes Archiv, das in den letzten Kriegstagen von Himmlers Wewelsburg in die Alpenfestung transportiert werden sollte, jedoch nie dort ankam. Irgendwo in Österreich ist es verschwunden... Der vatikanische Geheimdienst und eine geheimnisvolle Bruderschaft sind nicht zimperlich, wenn es darum geht, dieses Wissen wiederzuerlangen - und eines wird schnell klar: Alle, die je mit dem Archiv zu tun hatten, sind eines gewaltsamen Todes gestorben. Doch da ist noch etwas Älteres... viel Gefährlicheres ... seit Urzeiten ein Spiel spielend ... Als Sina und Wagner das erkennen, ist es schon fast zu spät.
1. Auflage.
  • Deutsch
  • 1,51 MB
978-3-7844-8064-0 (9783784480640)
3784480640 (3784480640)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Prolog I


21. Januar 2010, Burg Grub, Waldviertel/Österreich

Es hatte fast eine Woche lang Tag und Nacht geschneit. Der Schnee türmte sich in meterhohen Schichten auf den Häusern der kleinen Ortschaften und hatte sich wie ein Leichentuch über die Landschaft gelegt. Er verschluckte Bäume, kleine Bäche, Straßen und jedes Geräusch.

Der Mann, der nach Mitternacht mit dem steilen Anstieg zur Burg Grub kämpfte, versank bis zu den Hüften in der eisigen weißen Flut. Rund um ihn war es stockdunkel, kein Licht drang aus den Fenstern des kleinen Ortes, den er gerade hinter sich gelassen hatte.

Alles schlief.

Der schwere, schwarze Rucksack drückte ihn immer wieder tiefer in den Schnee. Trotzdem, wie von einer unsichtbaren Kraft getrieben, strebte er unbeirrt dem Gipfel des steilen Hügels zu, auf dem die Burg hochragte. Die rohen, dunklen Steinmauern, auf denen dick und schwer der Schnee lastete, wuchsen schroff und abweisend in die Nacht. Irgendwo in der Ferne heulte ein Hund.

Der Mann war an einer Weggabelung angelangt, die durch eine tief verschneite Buche gekennzeichnet war. An den Stamm war ein Kruzifix genagelt. Der Heiland trug eine Krone aus Schnee. Mit einem schiefen Lächeln blickte der Unbekannte auf. Die Wolken teilten sich und gaben mit einem Mal den Blick auf den kalt strahlenden Abendstern frei, das Gestirn des Teufels. Die Wolkendecke schloss sich erneut, wie von Geisterhand. Der Mann schüttelte leicht den Kopf und wandte sich dann nach rechts. Durch die Wand aus Schneeflocken glaubte er die Umrisse einer Zugbrücke zu erkennen. So tastete er sich weiter.

Mühsam pflügte er durch den Schnee, immer näher an die Burg und damit an sein Ziel heran. Als er schließlich am Rand des Grabens stand, setzte er den Rucksack ab und holte tief Luft. »Verfluchter Schnee«, murmelte er und wischte sich den Schweiß vom Gesicht.

Dann warf er einen Blick auf seine Armbanduhr. Es war genau 1.30 Uhr. Er war im Zeitplan.

Die Zugbrücke war heruntergelassen. Meterhoher Schnee, der unter seinen Schritten knirschte, lag auf den Planken. Je näher er den Mauern kam, umso höher erschienen sie ihm. Eine Eigernordwand aus Eis, Schnee und einigen vorspringenden Steinen.

Als er mit den Handflächen über das raue Holz des Tores glitt, überlegte er seine nächsten Aktionen. Sollte er versuchen, das Schloss aufzubrechen? Oder würde ihm der Weg über die Mauer nicht erspart bleiben?

Seine Augen suchten nach einem Schloss. Doch es gab keines. Das Tor war eine massive Fläche aus dicken Holzbohlen. Da war kein Ansatzpunkt, kein Schlüsselloch. Die beiden Flügel fügten sich fast nahtlos aneinander.

Er blickte hoch zur Mauerkrone und fluchte. Dann griff er in seinen Rucksack, nahm das schwarze Seil mit dem Wurfhaken heraus und wog es in seiner Hand. Nach einigen Schritten zurück über die Brücke wandte er sich um und warf. Mit einem leisen Zischen entrollte sich das Seil. Der Haken prallte von der Mauer ab und fiel wieder zurück.

Nach dem fünften Versuch verhakte er sich endlich. Der Mann riss versuchsweise am Seil, es hielt. Zufrieden schulterte er den Rucksack und begann zu klettern.

Professor Georg Sina war in seinem Lehnsessel eingeschlafen, eine Tasse mit einem kalten Teerest noch in der Hand. Das Feuer im Kamin war auf Glutnester heruntergebrannt, und es war kühl geworden in der großen Wohnküche der Burg. Auf Sinas Schoß lag ein aufgeschlagenes Buch über die Michaelskirchen in Niederösterreich. Eine Mappe mit dem Titel »Il Diavolo in Torino« und einem seltsamen Zeichen auf dem Umschlag lag auf einem kleinen Tischchen neben dem Lehnstuhl. Die Kerzen in dem alten Messingleuchter flackerten nur noch schwach. Vom Sofa her kam wohliges Stöhnen. Tschak, der kleine tibetische Hirtenhund, träumte von langen Spaziergängen durch die winterliche Landschaft und von flüchtenden Hasen.

Die Träume seines Herrchens waren weit weniger erfreulich. Eine grinsende Fratze, deren Züge sich ständig wandelten, materialisierte sich aus dem Nichts, huschte über rohe Wände, verwandelte sich in einen Zwerg, der, auf einen Stock gestützt, dem Wissenschaftler höhnisch ins Gesicht lachte. Doch plötzlich war die kleine Gestalt verschwunden, und an ihre Stelle traten drei gackernde Hühner, die bedrohlich wirkten und sich wie auf ein unhörbares Kommando in Bewegung setzten. Sie kamen direkt auf ihn zu und wurden größer und größer .

Keuchend zog sich der Unbekannte auf die breite Mauerkrone und ließ sich in den Schnee fallen. Es schneite unvermindert. Die dicken Flocken tanzten vor seinen Augen. Der Gedanke an den Abstieg auf der anderen Seite über die rutschigen Steine war kein erfreulicher. Doch dann sah er genauer hin. Da stand ein massives Eisengerüst, das fast bis zur Mauerkrone reichte.

Der Mann grinste und richtete sich auf. »Herzlichen Dank, Professor«, murmelte er, »für das verspätete Weihnachtsgeschenk.«

Die Planken unter seinen Füßen waren rutschig und trügerisch. Als er gegen etwas stieß, das laut klappernd in der Tiefe verschwand, hielt er den Atem an. Vielleicht war das Gerüst doch keine so gute Idee gewesen.

Zwei Etagen später geschah es. Sein Rucksack blieb an einer der Querstreben hängen und riss ihn zurück. Er verlor das Gleichgewicht, stolperte über eine Schubkarre voller Werkzeug und schlug der Länge nach hin. Mit Getöse stürzten Hämmer, Steine, Haken, leere Bierflaschen in die Tiefe. Der Lärm hätte Tote geweckt.

»Verdammt, verdammt, verdammt«, zischte der Unbekannte und schaute über den Rand der Planke in den Burghof. Ein helles Quadrat aus Licht erschien auf der unberührten Schneefläche. Dann schoss ein kleiner Hund bellend aus der Tür und verschwand sofort bis zur Schwanzspitze im Schnee.

Ein verschlafener Professor Sina lugte um die Ecke. Der Eindringling blieb regungslos liegen. Er schob sich etwas vom Rand des Gerüsts zurück, näher in den Schatten der Mauer. Dabei stieß er eine Kelle an, die scheppernd an den Stützen entlang zu Boden fiel.

Das Geräusch schallte durch die Nacht und weckte Sina vollständig. Er stürzte in die Wohnküche zurück, griff nach seinem Bogen und riss eine Handvoll vorbereiteter Pfeile aus dem bereitstehenden Köcher.

Seit ihm am Neujahrsmorgen ein steter Touristenstrom den letzten Nerv geraubt hatte, war er für den Ernstfall gerüstet. Er war schließlich in die Einschicht gezogen und wollte nicht als Geheimtipp in einschlägigen Reiseführern enden.

Aber wer oder was war da draußen auf dem Gerüst?

Georg schnappte sich drei Brandpfeile, hielt sie in die Glut des Kamins und rannte auf den Burghof. Mit einem fauchenden Geräusch zog der erste Pfeil seine Lichtspur durch die Nacht und blieb in einem der Holzbretter des Gerüsts stecken.

Sina versuchte etwas zu erkennen, dann schickte er den nächsten Pfeil hinterher.

Mit großen Augen beobachtete der Eindringling den halb bekleideten Mann mit dem Bogen. »Der ist ja völlig irre«, flüsterte er entsetzt, als die Brandpfeile in seine Richtung rasten und wenige Meter von ihm entfernt im Holz stecken blieben. »Der fackelt noch das ganze Gerüst ab.«

Bevor er weiter darüber nachdenken konnte, war Sina bereits wieder verschwunden. An ein unentdecktes Eindringen war nicht mehr zu denken. Sein eigentliches Ziel, die Akte des Balthasar Jauerling, schien mit einem Mal unerreichbar. Der Unbekannte überlegte, sich wieder über die Mauerkrone zurückzuziehen. Oder sollte er es doch auf einen Kampf ankommen lassen? Und wo war der Hund?

In diesem Augenblick erschien Sina wieder auf dem Burghof, mit einem entschiedenen Gesichtsausdruck und einer Handvoll lodernder Pfeile. Von irgendwoher unter dem Gerüst ertönte gedämpftes Bellen.

Der Angreifer kramte kurz in seinem Rucksack, zog eine Handgranate hervor und entsicherte sie. Nach einem kurzen Moment entschied er sich für einen offenen Angriff. Er richtete sich auf und sah Sina im tiefen Schnee stehen und den nächsten Pfeil auf die Sehne legen.

»Das würde ich nicht tun, Herr Professor«, rief er, und seine Stimme brach sich an den Burgmauern. Georg erstarrte. Er sah eine dunkle Gestalt auf dem Gerüst kauern, eine Hand erhoben.

»Wir können uns wie zwei zivilisierte Menschen unterhalten, oder diese Handgranate wirft Sie bei der Renovierung dieser Ruine um mindestens drei Monate zurück.« Die Stimme des Mannes klang spöttisch. »Und von Ihrem Hund können Sie sich gleich verabschieden.«

»Diese Mauern haben bereits andere Kugeln gesehen und schlimmere Explosionen überstanden. Selbst Friedrich III. hat Monate gebraucht, um die Burg zu erstürmen«, gab Sina zurück und spannte ungerührt den Bogen. »Ich bin schneller in Sicherheit als Sie. Was Tschak betrifft, der ist längst im nächsten Hof. Werfen Sie!«

Stille senkte sich über den Hof. Fast lautlos stieg der Angreifer in Richtung Mauerkrone das Gerüst empor. Die Handgranate ließ er dabei nicht los. Er wollte weg von den Brandpfeilen, deren Flammen seine Position verraten könnten.

Sina sah die schemenhafte Bewegung im Dunkel und überlegte nicht lange. Mit einem Zischen schnellte ein schwarzer Jagdpfeil von der Sehne und raste durch die Nacht.

Als die breite, geschmiedete Spitze seinen Unterarm mit einem hässlichen Geräusch durchbohrte und am Knochen abprallte, jagte eine Schmerzwelle durch den Körper des Angreifers. Erschrocken ließ er die Handgranate fallen. Sie polterte das Gerüst hinab und verschwand im Schnee. Sekunden später zerriss eine Explosion die Stille, Feuerzungen schossen das Gerüst empor, die Streben knickten ein, und die Konstruktion stürzte...

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