Narr

Thriller
 
 
Langen-Müller (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. Oktober 2011
  • |
  • 656 Seiten
 
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E-Book | PDF mit Adobe DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7844-8024-4 (ISBN)
 
In einem kleinen österreichischen Weindorf geschieht ein grausiger Mord: Der Lehrer von Mittelalterforscher Georg Sina wird gefoltert und an einem Baum aufgehängt. Unweit des Tatorts finden Sina und Reporter Paul Wagner ein Steinkreuz mit geheimnisvollen Symbolen. Zur gleichen Zeit bergen zwei Abenteurer im Berliner Untergrund eine mysteriöse Truhe und lösen damit bei mehreren Staaten Alarm aus. Wo sind die vier verschlüsselten Dokumente aus der Zeit des Wiener Kongresses? Wer sie besitzt, hält die Macht in Händen.
Die Ereignisse überschlagen sich: Mitglieder der österreichischen Regierung werden systematisch ermordet, der ermittelnde Kriminalkommissar wird Opfer eines Anschlags...
Schritt für Schritt setzen Sina und Wagner die verschiedenen Puzzleteile zusammen und entdecken ein ungeheuerliches Komplott. Es geht zurück auf den genialen Strategen Metternich, zieht sich durch die europäische Geschichte und mündet in ein wahnwitziges Ultimatum.
Sina und Wagner müssen jetzt weit mehr als ihr eigenes Leben retten: Durch die Unterwelt von Berlin und Wien, über alte Friedhöfe, durch modrige Gewölbe und geheime Kammern der Hofburg führt die Jagd nach der Wahrheit.
Der neue Thriller des Autorenduos Schilddorfer & Weiss nimmt seine Leser mit auf eine Achterbahnfahrt durch Geschichte und Gegenwart.
  • Deutsch
  • Deutschland
  • 1,32 MB
978-3-7844-8024-4 (9783784480244)
3784480241 (3784480241)
weitere Ausgaben werden ermittelt
1 - Prolog - 29.8.2009 [Seite 7]
2 - Buch 1 Der Lehrer [Seite 15]
2.1 - 30.8.2009 [Seite 16]
3 - Buch 2 Die Gespielin [Seite 127]
3.1 - 31.8.2009 [Seite 213]
4 - Buch 3 Der Zwerg [Seite 287]
4.1 - 1.9.2009 [Seite 347]
5 - Buch 4 Der Soldat [Seite 401]
5.1 - 2.9.2009 [Seite 402]
6 - Die Krone [Seite 557]
6.1 - Epilog I [Seite 635]
6.2 - Epilog II [Seite 640]
6.3 - Epilog III [Seite 647]
6.4 - Nachwort [Seite 653]

Wien, Innere Stadt/Österreich

Genau um 6:09 Uhr war die Sonne an diesem Morgen blutrot über Wien aufgegangen. Ihre ersten Strahlen, die über die Dachfirste glitten, kündigten das Kommen eines weiteren heißen Augusttages an. Kaum eine halbe Stunde später begannen sich die Straßen an diesem Samstag zu füllen. Wenn auch gemächlicher als unter der Woche, rollten die ersten Vorboten der mittlerweile üblichen Verkehrslawine in die Innenstadt. Viele Wiener waren auf Urlaub gefahren, nach Italien ans Meer oder an eine jener All-inclusive-Destinationen, die nichts mehr dem Zufall überließen. Die Stadt schien trotz der Tag und Nacht anhaltenden, drückenden Hitze auszuatmen. Es würde ein ganz gewöhnlicher Sommertag werden in Wien, oder vielleicht einer, an dem wieder einmal Geschichte in der Stadt an der Donau geschrieben würde. Die alarmierenden tagespolitischen Ereignisse der letzten Zeit deuteten auf Zweiteres hin.

Wilma Palm war bereits seit mehreren Stunden wach, die Nervosität und die Hitze der Nacht hatten sie kaum schlafen lassen. Jetzt lief sie, nach einem schnellen Frühstück im Stehen, den Ring, die Wiener Prachtstraße, entlang. Es blieb ihr nicht mehr viel Zeit, um vor ihrer Chefin im Büro am Stubenring einzutreffen. Seit der Wahl und dem Amtsantritt vor zwei Jahren hatte sie es sich zur Angewohnheit gemacht, mindestens eine Stunde vor der Ministerin an ihrem Arbeitsplatz zu sein, um alles für den reibungslosen Tagesablauf der Politikerin vorzubereiten. Die Regierung war angesichts der Finanz und Bankenkrise aus der Sommerpause zurückgeholt worden. Auch Palm hatte daraufhin auf ihren Urlaub verzichten müssen, er war von höchster Stelle ersatzlos gestrichen worden.

Aber nicht nur deswegen war Wilma Palm wütend. Aufgrund der europäischen Finanzministerkonferenz hatte die Fahrbereitschaft der Regierung alle Wagen ihres Fuhrparks im Einsatz, um die ausländischen Politiker von den Hotels zur Hofburg und wieder zurück zu bringen. Palm hatte überhaupt kein Problem damit, die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen, aber genau an diesem Morgen behinderte ein Schwertransport die Straßenbahnen entlang der Ringstraße. Tieflader, beladen mit Baumaschinen, waren im alljährlich wiederkehrenden sommerlichen Rhythmus zu riesigen Baustellen in der Bundeshauptstadt unterwegs - dieses Jahr war der Rennweg dran, wo der Fahrbahnbelag und die Straßenbahnschienen erneuert werden sollten. Die MA 46, die Magistratsabteilung der Stadt Wien für Verkehrsorganisation und technische Verkehrsangelegenheiten, hatte das Büro der Ministerin nicht darüber informiert, dass bereits am Wochenende mit den Arbeiten begonnen und daher mit massiven Verkehrsbehinderungen zu rechnen sein würde.

»Das ist doch so selbstverständlich wie das Amen in der Kirche, dass gerade heute alles drunter und drüber geht«, ärgerte sich Palm laut und rätselte, warum die Baufirmen ausgerechnet die für die Konferenz so wichtige Ringstraße dazu benutzen mussten, um die schweren Geräte an ihren Einsatzort zu bringen. Am meisten haderte sie jedoch mit sich selbst, weil sie am Schottentor nicht die U-Bahn und damit den kürzesten Weg genommen, sondern sich für die oberirdische Ringlinie entschieden hatte.

Zum selben Zeitpunkt verließ eine Gruppe Polizisten das Polizeikommissariat in der Rossauer Kaserne, überquerte die Maria-Theresien-Straße und erreichte schließlich ebenfalls den Schottenring. Ihre Aufgabe war es, die Abbieger aus den Seitengassen und Nebenfahrbahnen umzuleiten, um einen Transporter nicht zu behindern, der einen hausgroßen gelben Bagger in den dritten Bezirk überstellte.

Einer der Uniformierten postierte sich an der Einfahrt zur Gonzagagasse, während seine Kollegen weiter unten in Richtung Donaukanal ihre Positionen einnahmen.

Amüsiert beobachtete der Polizist eine kleine, etwas untersetzte Frau mit kurzen, blonden Haaren, die ein dickes Bündel aus losen Akten und bunten Schnellheftern unter den Arm geklemmt hatte. In der anderen Hand trug sie eine bis zum Bersten gefüllte Aktentasche. Das Kostüm stand ihr überhaupt nicht und wirkte ein wenig aufgesetzt, fast wie eine Verkleidung, fand der Polizist. Die blonde Frau stöckelte im Schnellschritt an ihm vorbei und schimpfte hörbar vor sich hin. Sie ist wohl in Eile, dachte der Uniformierte und hielt einen Autofahrer davon ab, dem Schwertransport zu nahe zu kommen. Dann blickte er wieder zu der Frau, die sichtlich mit ihren Stöckelschuhen kämpfte. Sie stolperte, strauchelte, aber gewann gerade noch ihr Gleichgewicht wieder.

»Die trägt ansonsten wohl eher flache Schuhe, so wie sie läuft .«, wunderte sich der Schutzmann halblaut und schüttelte mitleidig den Kopf. Er musste aber unweigerlich kichern, erinnerte ihn die Gestalt doch zunehmend an Daisy Duck.

Die Kleine kommt daher wie eine Ente, dachte sich auch der Fahrer des Sattelschleppers mit dem riesigen Bagger auf der Ladefläche und lachte in sich hinein.

Ein Uniformierter am Straßenrand winkte ihm einen freundlichen Gruß zu.

»Ja, ja. Dein Freund und Helfer, zumindest ab und zu .«, murmelte der Mann und grüßte halbherzig zurück. In seinem Innersten freute er sich aber, dass die Fahrbahnen exklusiv für ihn frei gehalten wurden. Er drehte das Radio lauter, als der Sprecher gerade über die »Verkehrsbehinderung durch eine Reihe von Schwertransporten in der Wiener Innenstadt« berichtete.

Ich bin im Verkehrsfunk, grinste er in sich hinein. Auch ein kleiner Werktätiger kann es ins Radio schaffen, wenn er sich nur genug anstrengt und sein Bagger groß genug ist. Mit sich und der Welt im Reinen zündete er sich eine Zigarette an und lauschte den Schlagzeilen. Die Hauptmeldung in den Nachrichten waren an diesem Morgen die europäischen Politiker, die in Wien ihre Köpfe zusammensteckten, um einen Weg aus der Krise zu finden, die von den internationalen Großbanken verursacht worden war.

»Aber auch eure Karossen müssen warten, wenn ich, Martin Kurecka, hier fahre!«, kommentierte er halblaut, als er fast im Schritttempo an den gesperrten Kreuzungen mit den Reihen der wartenden schwarzen Limousinen vorbeifuhr. Zufrieden blies er den Rauch seiner Zigarette aus dem offenen Seitenfenster. Kurecka schaute zwischen den Stämmen der Bäume des Grünstreifens durch, zu der kleinen, drallen blonden Frau hinüber, die jetzt fast genau neben ihm herlief. Dann stutzte er, schaute nochmals hin und traute seinen Augen nicht.

Wilma Palm hatte ein solches Geräusch noch nie gehört. Es war eine Mischung aus lautem Rascheln und Knirschen, gefolgt von Knacken wie brechendes, ja zerfaserndes Holz. Sie hielt an, blieb regungslos stehen und fuhr dann wie elektrisiert herum. Hinter ihr erblickte sie jedoch nur einen Polizisten in unmittelbarer Nähe des Grünstreifens, der mit weit aufgerissenen Augen vor sich auf den Boden starrte.

Martin Kurecka hatte sofort eine Vollbremsung eingeleitet. Der Schwertransport mit dem riesigen Bagger kam nur mühsam zum Stehen, dumpf klopfte die Hydraulik und die Reifen quietschten. Er schaltete den Motor ab, zog die Handbremse fest und sprang aus dem Führerhaus. Mit wenigen Schritten war er neben dem Polizisten und der kleinen blonden Frau im grauen Kostüm, die wie erstarrt dastanden und ihn gar nicht zu bemerken schienen. Alle drei konnten ihren Blick nicht von dem fünf Meter tiefen und eineinhalb Meter breiten Loch zu ihren Füßen abwenden, in dem einer der Alleebäume der Ringstraße, eine ganze Jungpappel, gerade bis zum Wipfel verschwunden war.

Nussdorf ob der Traisen/Österreich

Die drei Männer hatten Zeit. Es lag in ihrer Tradition, in ihrem Denken und in ihrer Art, dem Tod zu begegnen. Manchmal dauerte es kürzer, bis die hagere Gestalt im langen schwarzen Mantel kam, manchmal eben länger. Aber er kam immer, nichts konnte ihn aufhalten. Das war Gesetz seit Anbeginn der Welt und es würde sich nie ändern. So standen sie geduldig im Schwarz des Hausschattens, nebeneinander in der Dunkelheit vereint, an die raue, von der Sommerhitze noch warme Wand gelehnt und lauschten in die Nacht. Samtig strich der Wind durch die Weingärten vom Donautal herauf und brachte die Blätter in den Obstbäumen ganz leise zum Rascheln. Es war eine rabenschwarze, mondlose Nacht, eine zum Verlieben und zum Sterben, zwei Wochen vor dem nächsten Vollmond, dem Herbstmond.

Einer der Männer im schwarzen Kampfanzug beugte sich vor, drehte sich zur Seite und blickte aufmerksam durch das offene, gelblich erleuchtete Fenster des alten, gedrungenen Bauernhauses, während der zweite mit vor der Brust verschränkten Armen zu dösen schien. Der dritte Mann wiederum schaute hinauf zu den Sternen, die wie Myriaden von galaktischen Glühwürmchen in der Sommernacht flimmerten.

Durch die geblümten, bunt bestickten Vorhänge, die sich im leichten Windzug bauschten, konnte man zwei Männer in ein Gespräch vertieft erkennen. Sie saßen sich an den Stirnseiten eines groben Tisches gegenüber, vor ihnen eine bauchige grüne Weinflasche, die schon fast leer war. Der ältere der beiden, sein Gesicht dem Fenster zugewandt, musste über siebzig sein und machte einen nervösen und gleichzeitig müden Eindruck. Seine unstetig hin und her gleitenden Hände schoben das volle Rotweinglas vor sich im Zickzack über die Tischplatte, einem undefinierbaren Muster folgend, während er leise und manchmal zögernd sprach. Die üppigen, weißen Haare waren zerzaust und standen in alle Richtungen ab, verliehen ihm einen leicht anarchistischen, vernachlässigten und zugleich ungebändigten Eindruck. Seine hellen Augen jedoch blickten freundlich und nachsichtig auf sein Gegenüber. Das runde, von der Sonne gebräunte Gesicht hatte kaum Falten, und wären...

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