Ein Ticket nach Shanghai

 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 18. September 2018
  • |
  • 260 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7528-7461-7 (ISBN)
 
Peter ist ein junger Angestellter in einem international renommierten Unternehmen. Er erstellt als Konstrukteur Zeichnungen für ein Großprojekt in China. Eines Tages lernt Peter Karin kennen und sie verlieben sich. Auf eigenen Wunsch erhält er die Chance, nach China zu reisen und an der Realisierung des Projektes mitzuwirken.
Wie wird seine Freundin auf die lange Trennung reagieren?
Wird Karin ihn dorthin begleiten?
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,98 MB
978-3-7528-7461-7 (9783752874617)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Herbert Schida wurde 1946 in Neuroda (Thüringen) geboren. Er ist verheiratet und lebt mit seiner Familie in Wien.
Nach dem technischen Hochschulstudium (Elektrotechnik) arbeitete der Autor auf dem Gebiet der Supraleitung, Elektromaschinenbau, CAD, Identifikationssysteme und Kraftwerksbau.

Publikationen:
Im Tal der weißen Pferde. Ein historischer Roman aus dem Thüringer Königreich, Heinrich-Jung-Verlagsgesellschaft mbH, Zella-Mehlis 2009.
* Das Blut der weißen Pferde. Ein historischer Roman aus dem Thüringer Königreich, Heinrich-Jung-Verlagsgesellschaft mbH, Zella-Mehlis 2011.
* Die Spur der weißen Pferde. Ein historischer Roman aus dem Thüringer Königreich, Heinrich-Jung-Verlagsgesellschaft mbH, Zella-Mehlis 2012.
* Der Pferdejunge. Fantastische Geschichten aus Rodewin, Heinrich-Jung-Verlagsgesellschaft mbH, Zella-Mehlis 2016, Herausgeber: Heimatverein Neuroda e. V.
* Bruder Reinhold und Graf Bertel. Elgersburger Geschichten aus dem Mittelalter mit Bildern von Rosa Bauer, Verlag Kern GmbH, Ilmenau 2017.
* Ein Ticket nach Shanghai. Roman, Books on Demand GmbH, Norderstedt 2018.
* Die Geliebte aus Shanghai. Roman, Books on Demand GmbH, Norderstedt 2018.

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Wien, Gloriette

Der Regen peitscht gegen die hohen Scheiben des Großraumbüros. Ich sitze vor dem Computerschirm und drehe mich zur Seite. Der Blick aus dem Fenster entspannt die Augen. Sie brennen, wenn ich mehrere Stunden auf den leicht flackernden Bildschirm meines CAD-Arbeitsplatzes starre.

Ich sehe über die Dächer von Wien. In der Ferne liegt die Gloriette auf einem Hügel und darunter ist das Dach des Schlosses Schönbrunn zu erkennen.

Mit meiner Mutter bin ich früher, an den Sonntagen, durch den Schlosspark gegangen. Der Vater musste arbeiten und wollte nicht gestört werden. Er ist selbständig und an den Wochenenden erledigt er Dinge, zu denen er an den Arbeitstagen keine Zeit findet. Weiter rechts liegt der Lainzer Tierpark, für den einst der "Arme Schlucker" die Mauer gebaut hatte. Er war Baumeister und gab das beste Angebot ab. Finanziell soll er sich dabei übernommen haben. Kaiser Josef II. schenkte ihm in seiner grenzenlosen Güte das Bergwirtshaus in Alland mit zugehörigem Grundbesitz. Nicht schlecht!

Es ist eine schöne Geschichte und zeugt vom Wohlwollen der Obrigkeit.

Heute ist es in unserem Projektgeschäft nicht anders als früher. Das billigste Angebot bekommt in der Regel den Zuschlag. Bei schlechter Kalkulation kann das zum Ruin der Firma führen. Gut, dass ich in einem der großen Schlachtschiffe der Industrie tätig bin. Es bewegt sich träge im Wasser. Größere Wellenberge können ihm nichts anhaben. Viele Projekte ziehen sich über mehrere Jahre hin.

Die Augen entspannen sich beim Anblick des vielen Grüns und ein Seufzer kommt über meine Lippen. Ich blicke auf meinen CAD-Arbeitsplatz. Die Abkürzung CAD steht für den englischen Begriff "Computer-aided design", das bedeutet Computer-unterstütztes-Konstruieren oder Zeichnen.

Ein Schreibtisch mit großem Bildschirm, davor ein Tablett und eine Tastatur sind alles, was ich als Arbeitsmittel benötige. Der Computerarbeitsplatz ist mit allen Rechnern der Konstruktionsabteilung vernetzt. Es ist leicht auf Zeichnungen anderer Projekte zuzugreifen, wenn es notwendig ist.

Das Bild des Konstrukteurs hat sich in den letzten Jahren gewaltig verändert. Als ich vor sechs Jahren in der Firma NILE zu arbeiten begann, standen in meinem Großraumbüro unzählige Zeichenmaschinen. Heute gibt es nur noch wenige davon. Ein paar ältere Kollegen können sich nicht von ihnen trennen. Einen Vorteil haben die Dinger. Wenn ein Besucher kommt und eines dieser antiquarischen Wunderwerke sieht, weiß er, dass er sich in einer Konstruktionsabteilung befindet.

Mein unmittelbarer Kollege, Alfred Neumann, gehört zu denen, die sich nicht von ihrer Zeichenmaschine trennen können. Hin und wieder steht er davor und bewegt die Scheren- und Parallelogramm-Führungen über einer fertigen CAD-Zeichnung. Hier und dort ein kleiner Strich und ein zufriedenes Lächeln gleitet über sein Gesicht. Diesen verzückten Ausdruck habe ich bei ihm niemals gesehen, wenn er vor dem Bildschirm saß.

Mit Alfred wurde ich vor sechs Jahren zu einer Einheit verschmolzen. Ich hatte keine Wahl und er wahrscheinlich auch nicht. Wie in einer Zwangsehe mussten wir das Beste daraus machen. Er teilt mir seitdem alle Arbeiten zu. Anfangs waren es nicht die Angenehmsten, die sich ein Absolvent einer Höheren Technischen Lehranstalt wünscht. Ich musste Zeichnungen ordnen, technische Beschreibungen kopieren, Bauteile aus verschiedenen Katalogen heraussuchen und, und, und. Es war eine langweilige Tätigkeit, doch irgendwer musste sie tun.

Drei Jahre halte ich durch, sagte ich mir damals. Erst nach dieser Zeit der Praxis bekam ich den Ingenieurtitel verliehen. Dieses kleine Anhängsel zu meinem Namen war mir ungeheuer wichtig. Ob es eine österreichische Erscheinung ist, kann ich nicht sagen. Es hob mich von der Masse der Menschen in meinem Umkreis ab. Seitdem ich mich "Ingenieur" nennen darf, begegnet man mir freundlicher und meine geäußerten Meinungen finden mehr Beachtung.

Bei den Ämtern und Ärzten werde ich seitdem nicht mit meinem Namen aufgerufen, sondern mit "Herr Ingenieur". Eine erhoffte Bevorzugung konnte ich nicht feststellen. Überall muss ich genauso lange warten wie die anderen. Bleibt mir somit nur die Befriedigung der Eitelkeit.

Da mich die Hilfsarbeiten im ersten Jahr nicht sonderlich interessierten, sah ich in den Pausen den anderen Konstrukteuren über die Schulter. Von ihnen lernte ich viel. Als Alfred mitbekam, dass ich geschickt mit dem Computer umging, gab er mir häufiger Aufgaben, die kompliziert waren und schnell mit diesem Hilfsgerät erledigt werden konnten. Die Arbeit machte Spaß und das war mir wichtig.

Alfred wurde mit der Zeit immer abhängiger von meinen Leistungen. Er erkannte es und seitdem verbesserte sich sein Ton mir gegenüber. Das Wort "Bitte" kam jetzt manchmal über seine Lippen.

Gegenüber unserem Abteilungsleiter trat nur er in Erscheinung und für meine gute Arbeit erntete er allein das Lob. Es störte mich nicht, solange ich mich nicht mit den Hilfsarbeiten abgeben musste. Die konnte ich aus Kapazitätsgründen nicht mehr erledigen und Alfred übernahm sie. Das war mir eine innere Genugtuung.

Der Rechner braucht lange, um meine zuletzt bearbeitete Zeichnung am Schirm aufzubauen. Nervös trommle ich mit den Fingern auf die Tischplatte.

Mein Telefon summt. Ich greife zum Hörer und melde mich.

"Guten Tag! Hier Firma NILE, Peter Pichler, was kann ich für Sie tun?"

Gespannt lausche ich, wer sich am anderen Ende der Leitung meldet.

Es ist die Sekretärin, die sich kurz hält.

"Der Chef möchte Sie in einer halben Stunde sprechen!"

Ein solcher Anruf bedeutete nichts Gutes. Was will der Abteilungsleiter von mir? Warum lässt er nicht Alfred zu sich kommen?

Es muss etwas Persönliches sein. Eine kleine Gehaltserhöhung kommt nicht in Frage, die hatte ich erst vor drei Monaten erhalten. Wenn es nicht die Projektarbeiten und das Gehalt sind, bleibt nur eines übrig, die Kündigung.

Böses schwant mir.

Meine Kollegen erzählten vor ein paar Tagen am Mittagstisch in der Werkskantine, dass mit einer größeren Entlassungswelle zu rechnen ist. Welche Abteilungen davon betroffen sind, wusste niemand.

Dieses Damoklesschwert schwebt jederzeit über den Köpfen aller Mitarbeiter. Unwillkürlich sehe ich nach oben. Über mir hängt nur eine Leuchtstofflampe.

Wen kann ich jetzt anrufen und eine Auskunft bekommen?

Der Betriebsrat müsste es wissen. Er segnet jede Entlassung ab.

Meine Nervosität nimmt zu. Lauter wird das Trommeln mit den Fingern auf der Schreibtischplatte.

"Was ist mit dir? Hast du nichts zu tun?", ruft mir Alfred von seinem Platz aus zu. Verärgert sehe ich ihn an und unsere Blicke kreuzen sich.

"Ist dir eine Laus über die Leber gelaufen! Sag, was los ist!", setzt er nach.

"Ich soll zum Chef kommen. Weißt du, was er von mir will?"

"Na, abstechen wird er dich wollen", entgegnet Alfred lachend.

"Blöder Kerl!", entfuhr es mir unbedacht.

Alfred lacht und es scheint ihn zu freuen, wie sorgenvoll ich dreinschaue.

Ich starre auf die Zeichnung am Bildschirm. Es ist mir nicht möglich, mich zu konzentrieren und weiter zu arbeiten. Verärgert stehe ich auf und gehe in Richtung des Kaffeeautomaten. Er befindet sich am Ende des Gangs, der zu dem Großraumbüro führt. Zwei Bistrotische stehen an der Wand mit leeren Plastikbechern, die irgendwer nicht weggeräumt hat. Ich stecke eine Wertmarke in den Schlitz des Automaten und drücke die Taste für Kaffee. Ein Becher rutscht in die Halterung und verklemmt sich. Die heiße Brühe plätschert daneben.

"Pech gehabt!", vernehme ich hinter mir eine bekannte Stimme. Es ist ein Arbeitskollege, den ich zu meinen Freunden zähle. Wir sind gleichaltrig und zur selben Zeit in die Firma gekommen.

"Die sollten endlich einen besseren Automaten aufstellen. Wenn unsere Anlagen so funktionierten, wie diese Kiste, wären wir schon lange pleite", bemerke ich verärgert.

"Male den Teufel nicht an die Wand und sprich dieses verdammte Wort nicht aus!"

"Welches meinst du?"

"Na 'Pleite'! Die Firma, bei der ich nach der Schule angefangen hatte war gut und ist trotzdem eingegangen."

"Es muss einen Grund gegeben haben, dass es passierte."

"Die Wirtschaftslage war schlecht und keiner wollte unsere Sachen kaufen."

"Das kann uns bei NILE nicht passieren. Unsere Anlagen sind in der ganzen Welt gefragt", erwidere ich auftrumpfend.

"Es gibt keine absolute Sicherheit. Hast du von dem Gerücht gehört, dass hundert Leute entlassen werden sollen?"

"Hin und wieder spricht man davon. Es ist nur Geschwätz", beschwichtige ich unsicher.

Den eingekeilten Plastikbecher ziehe ich aus der Halterung und werfe ihn in die Abfallbox neben dem Automaten.

Ein neuer Versuch.

Die...

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Warengruppensystematik 2.0

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