Romea

 
 
Mathias Kronemann's V-Ltier Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 9. Februar 2020
  • |
  • 178 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96858-913-8 (ISBN)
 
Nichts in der großen weiten Welt ist so einfach und doch so kompliziert wie die Liebe. In allen Zeitaltern wurden Romane, Gedichte und Lieder über dieses sonderbare und gleichzeitig wundervolle Gefühl geschrieben. Und doch muss jeder Mensch seine ganz eigenen Erfahrungen damit machen. Auch hier geht es um nichts anderes: Juna Kelly, geboren in Maine, verliert ihre Eltern bei einem tragischen Autounfall. Sie wird von Tante und Onkel in Kansas aufgenommen und findet dort trotz aller Umstände die wahre Liebe. Nun, ganz so einfach ist es dann doch nicht: Juna ist fünfzehn und ihr Romeo kein Junge...

Vivian Schey ist 43 Jahre alt, verheiratet und lebt mit ihrer Frau in Thüringen.
  • Deutsch
  • 0,26 MB
978-3-96858-913-8 (9783968589138)
Ein Anfang

 

Ich wurde im wundervollen, rauen Maine geboren. Auf einer Autofähre, eine kleine Meerjungfrau also. Mein Vater hatte die Idee zu meinem Namen, Sekunden nachdem ich da war: das Schiff hieß nämlich so. Nun, also genau genommen nicht das, worauf ich geboren wurde, sondern das Schwesterschiff, das uns entgegenkam. Der Kapitän unseres Schiffs war nicht begeistert, ganz im Gegensatz zur restlichen Besatzung. Zumindest, wenn ich den Geschichten darüber glauben darf. Ich habe nicht allzu viele Erinnerungen an mein - tja, nennen wir es mal: erstes Leben. Es war ja, wie schon eingangs erwähnt, leider nicht besonders lang. Dennoch vermisse ich bis heute manchmal das Meer, die Felsen und die immer ein bisschen salzige Luft. Nach dem Unfall jedenfalls ging es nach Kansas. Mit dem Bus und dem Zug. Ich war einfach nicht in ein Auto zu bekommen. Irgendwie verständlich.

 

Meine ersten Wochen bei Patricia und Josh waren schwierig für mich. Eine vollkommen andere Landschaft, anderes Wetter, andere Sprache. Na ja, das mit der Sprache stimmt nicht ganz. Gebe ich ja zu. Aber so ist das eben, wenn man von der Küste in die Prärie kommt. Ich weinte oft, schlief und aß kaum und war alles andere, als gut gelaunt. Ich mochte die beiden erstmal nicht leiden, überhaupt kein bisschen. Auch, wenn ich sie kannte. Und sie gaben sich doch solche Mühe.

Für die Schule war ich noch zu jung, einen Kindergarten gab es damals nicht und so blieben die Beiden, sich täglich abwechselnd, mit mir zu Hause. Und was für ein Zuhause das war! Meine Eltern hatten ein kleines, knallgrünes Haus inmitten eines beschaulichen Fischerdorfes. Ohne Garten und Veranda oder so ein Zeug, das Auto parkte auf der Straße. Das Haus hier dagegen war riesig groß, hell beige gestrichen, mit dunklen Holzschindeln gedeckt. Nicht am Stadtrand, nicht mitten in der City. Eine ruhige Gegend, in der man das Gefühl bekam, mitten im Wald zu sein, wenn man aus dem Fenster sah. Vorn waren eine Veranda und eine Garage für drei Autos, ein kleiner Vorgarten mit ein paar Blumen und sonst nur Rasen. Auch hinter dem Haus war genau das gleiche, bis auf das Garagentor. Nur größer. Mit drei Bäumen, einer davon seitlich vor meinem Fenster mit einer Schaukel am dicksten Ast. Zwischen den beiden anderen, weiter hinten, hing eine Hängematte.

Wenn man ins Haus zur Vordertür hineinging, war man wie üblich eigentlich schon im Wohnzimmer. Eigentlich deswegen, weil geradeaus die Treppe und der Durchgang zum Garten mit der Wäschekammer und dem Gästebad lagen und das Wohnzimmer rechts davon, es war aber alles gewissermaßen ein Raum. Auf der anderen Seite war der breite Durchlass zur Küche.

Mein Zimmer war oben, gleich links neben der Treppe. Dann kam eine Kammer für Krimskrams mit der Leiter auf den Boden. Geradeaus war das große Schlafzimmer, rechts das zweite Kinderzimmer, zu diesem Zeitpunkt noch leer, dann das für meine damaligen Begriffe immens große Bad mit Wanne, Dusche, zwei Waschbecken.

Mein Zimmer hatte alles, was ein Mädchen sich wünschen kann: ein Himmelbett, eine Erkernische zum Herumsitzen und Träumen, einen Schrank zum drin verstecken und massig Platz zum Herumtollen und Spielen! Anfangs spielte ich allerdings nur in der Küche, ich traute mich nicht aus dem Haus, später dann im Wohnzimmer und der Küche. Doch mit der Zeit gewöhnte ich mich an die noch fremde Umgebung und so kam es eines Tages, dass ich mich spielend auf der Veranda wiederfand. Josh war völlig aus dem Häuschen, als er mich da sah! Na, jedenfalls kam ich dann auch in Kontakt mit den anderen Kindern der Nachbarschaft, ich gewöhnte mich daran, dass es meine Eltern nicht mehr gab und auch an Patricia und Josh. Ich wollte die beiden nie »Tante Patricia« und »Onkel Joshua« nennen, ich nannte sie einfach nur beim Vornamen. Und Josh war sowieso mehr ein Kumpel, als das ich ihn respektvoll als Ersatzvater ansehen konnte. Wir beide kamen ganz gut damit zurecht. Patricia war nie richtig glücklich, weil ich nicht Tante sagte, hat es aber akzeptiert.

Ich hatte auch oft Angst, allein zu sein, schlief anfänglich trotz meines Alters selten im eigenen Bett und war wohl eine richtige Meckerziege. An den Weihnachtsmann und den Osterhasen glaubte ich längst nicht mehr, doch es musste immer jemand nachsehen, ob sich nicht unter meinem Bett der Sensenmann versteckte. Ich bekam jedes Mal schreckliche Angst, dass er mich holen käme, weil er mich doch damals im Auto vergessen hatte. Aber auch das ging vorbei, ich fing an, Märchen wieder zu mögen und mochte es natürlich, eine Prinzessin zu sein! Josh hat immer versucht, meine manchmal doch recht schwierigen Wünsche umzusetzen, auch wenn er Patricia damit beinahe in den Wahnsinn trieb. Mit Anziehsachen hatten die beiden bei mir auch zu kämpfen. Nicht etwa, weil ich keine tragen wollte, sondern nur speziell Sachen, die knallrot waren. Na ja, wie man halt als kleines Kind so ist.

Nach dem Sommer kam ich dann auf die örtliche Grundschule, sie lag mit der Middle School und der Highschool auf demselben, riesigen Grundstück am nördlichen Ende der Stadt. Einige Kinder in der Klasse, die aus unserer Nachbarschaft, kannte ich bereits, einige nicht.

 Die Fahrt mit dem Schulbus war für mich jedes Mal ziemlich lang und uninteressant, eigentlich Zeit genug, um Freunde zu finden. Was mir allerdings nicht besonders gut gelang. Ich war bei den anderen Mädchen nicht wirklich unbeliebt, aber auch nicht als beste Freundin gefragt. Ich hing eh zum größten Teil nur mit den Jungs herum, weil die Mädchen mich eben nicht so mochten. Denn erstens war ich nicht von hier und sprach deswegen manche Worte ein wenig anders aus, zweitens war ich ein Dreckspatz! Kaum war ich ein paar Minuten in der Schule, hatte ich den ersten Fleck auf dem Kleid. Ja, ich trug Kleider gern. Mache ich heute noch. Die sind und waren einfacher anzuziehen als Hosen und natürlich viel bequemer, hässlich kam ich mir darin auch nie vor und Josh liebte es, sie mit mir einkaufen zu gehen. Patricia wollte ich nicht dabei haben, die zupfte immer an mir herum. Und sie hatten den Vorteil, dass die Leute auf der Straße irgendwie freundlicher zu mir waren waren.

Was nicht heißen soll, dass ich auch freundlich zu ihnen war. Mann, was habe ich nicht alles für Unsinn angestellt! Die Leute erwarteten sowas nun mal nicht von einem Mädchen: die Streiche, die ich ihnen spielte, konnten nicht schlimm genug sein und fluchen konnte ich viel besser, als der alte, zerknitterte Mr. Hardy. Er wohnte gegenüber von Patricia und Josh und war früher beim United States Marine Corps. Er sprach es immer komplett aus, er sagte niemals nur »Marines«! Jeden Morgen um Punkt sechs Uhr kam er aus dem Haus, hisste die Flagge am Mast und salutierte. Am Abend genau das gleiche Spiel, nur um neun Uhr und anders herum. Ich fragte Patricia, warum er das mache und sie erzählte mir, dass er im Krieg war und alle aus seiner Kompanie gestorben waren. Bis auf ihn. Ich bedauerte Mr. Hardy sehr, denn ich wusste ja, wie es ihm ging. Als wir eines Tages abends, während der Sommerferien zur zweiten Klasse, noch einen Spaziergang machten, ich wollte unbedingt Leuchtkäfer sammeln, kamen wir gerade zur richtigen Zeit zurück. Mr. Hardy kam aus dem Haus und ging zum Flaggenmast. Patricia und Josh grüßten freundlich und wollten weitergehen, doch ich hielt sie zurück. Der alte Mann stutzte kurz, dann machte er weiter. Gruß, einholen, abnehmen, falten. Gerade drehte er sich zu uns um, da ging ich zu ihm, umarmte ihn und sagte ihm leise ins Ohr: »Ich weiß, wie es Ihnen geht. Ich habe auch Leute verloren.« Völlig verdutzt sah er mich an, dann entspannte sich sein Gesicht und er lächelte: »Danke, Kleines.« Patricia und Josh waren inzwischen bei uns und ein paar Sekunden später sah der alte Mr. Hardy gar nicht mehr so alt aus! Wir unterhielten uns ganz nett, ich bekam ein paar Tipps wegen der Leuchtkäfer und viel später, als es dann richtig dunkel wurde, gingen wir nach Hause. Danach war ich öfter mal bei Mr. Hardy. Er zeigte mir, wie man Sachen schnell sauber bekam, sich wehrte und selber schnell kleinere Wunden versorgte, schließlich hatte ich ja ständig genug davon.

Zu Patricias Leidwesen brachte er mir auch ein paar Schimpfwörter bei, die man besser nicht sagen sollte. Sie hatte deswegen die Idee, eine Tafel am Kühlschrank anzubringen und es gab jedes Mal einen Kreidestrich, wenn jemand fluchte. Jeder Strich bedeutete einen Dollar Strafe, die Hälfte bekam man erlassen, wenn man sich sofort entschuldigte. Ich benutzte ein, zweimal solche Worte auch in der Schule. Was aber keine so gute Idee war! Ich bekam richtig Ärger und Josh musste mich sogar einmal aus dem Büro des Rektors abholen, nur, weil ich - na, das schreibe ich jetzt besser nicht - gesagt habe.

Ein Junge aus der Schule, Billy Reydar, war davon sehr beeindruckt. Nicht von der Tafel am Kühlschrank oder dem alten Mr. Hardy. Nein, von meinen Flüchen! Sein Dad war der größte Farmer der Gegend, er war mit seiner zweiten Frau ständig unterwegs auf irgendwelchen Ausstellungen mit seinen preisgekrönten Rindern. Was mit Billys richtiger Mom war, wusste ich nicht, er hat nie darüber geredet, ich habe nie gefragt. Billy und ich verstanden uns wirklich gut, als wären wir das perfekte Paar. Billy blieb aber immer respektvoll auf Distanz. Kein Wunder, denn einmal war er nach der Schule mit zu Mr. Hardy gekommen und bekam hautnah mit, als der mir beibrachte, wie man einen Jungen sofort in die Knie zwingt. Es hat dem armen Billy nur vom Zusehen schon so weh getan, dass er danach eine ganze Weile mindestens zwei Meter von mir entfernt blieb, wenn er mit mir redete. Er hatte immer viel Zeit nach der Schule und war auch morgens der Erste im Schulbus. Die Farm lag nämlich etwas außerhalb der Stadt und er musste früh...

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