Thiemes Pflege

Das Lehrbuch für Pflegende in der Ausbildung
 
 
Thieme (Verlag)
  • 13. Auflage
  • |
  • erschienen am 7. September 2017
  • |
  • 1536 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-13-240297-3 (ISBN)
 
Dieses Lehrbuch enthält alles, was du für die Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege brauchst. Das Buch ist von Pflegenden für Pflegende geschrieben und orientiert sich am aktuellen Pflegegesetz und der 3-jährigen Ausbildungs- und Prüfungsverordnung. Der Aufbau und die Strukturierung nach ATLs und Organsystemen haben sich bewährt. Zudem neu in der 13. Auflage: Die zentralen Grundlagen der lebensphasenübergreifenden Pflege - vom Kind bis zum alten Menschen. Die kontinuierliche Aktualisierung und Weiterentwicklung der Inhalte macht es zu einem umfassenden und anerkannten Grundlagenwerk in der Pflegeausbildung. Profitiere für deine Pflegepraxis: 220 Fallbeispiele, viele Fotoserien, Schritt-für-Schritt-Anleitungen und zu jedem Kapitel ein ausführliches Literaturverzeichnis mit Tipps zum Weiterlesen.
Mit diesem Werk bist du für die Ausbildung bestens gerüstet und fit für die Praxis!
13. aktualisierte und erweiterte Auflage
  • Deutsch
  • Stuttgart
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  • Deutschland
  • Medizinische Fachberufe
  • 1590
  • |
  • 302 Tabellen, 1590 Abbildungen
  • |
  • 2042 Abbildungen
  • 69,73 MB
978-3-13-240297-3 (9783132402973)
3132402974 (3132402974)
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Die ATL - ein Plädoyer von Liliane Juchli und Ursula Geißner


Die ATL (Aktivitäten des täglichen Lebens) - eine Ordnungsstruktur im Kontext eines ganzheitlichen Menschenbildes


Liliane Juchli

Zur Bedeutung der ATL, wie ich sie im Verlaufe meiner Arbeit am Krankenpflegelehrbuch über eine Zeitspanne von mehr als 25 Jahren (1969 - 1997) entwickelt und beschrieben habe, möchte ich einige Grundüberlegungen an den Anfang stellen.

  1. Die Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL, engl. ADL = Activities of Daily Living) sind zwölf Elemente, die zwar als Ordnungsstruktur ein umfassendes Pflegeerfassungsinstrument sind, das aber nicht isoliert, sondern nur als Teil eines ganzheitlichen Pflegemodells zur Anwendung kommen sollte.

  2. Die Orientierung an den ATL ist demnach ein methodischer Zugang zur Erfassung des Menschen - ob gesund oder krank. Sie bleibt so lange ab"strakt, solange sie nicht in Beziehung gebracht wird mit dem Grundsatz jeglichen Lebens in seiner Lebendigkeit, wie auch in seiner steten Entwicklung und Veränderung.

  3. Das Leben lässt sich nicht in Begriffsystemen und Ordnungsstrukturen einfangen, aber wir brauchen diese, um menschliche Fähigkeiten, Ressourcen und Probleme erfassen und beschreiben zu können.

  4. In der Wahl eines Systems treffen wir eine Grundsatzentscheidung, die aber erst wirksam wird, wenn wir sie einlösen. Diese Einlösung aber kann so oder so geschehen. Das heißt: Ich verhalte mich, und indem ich mich verhalte, greife ich in Situationen ein.

  5. "Sich verhalten" ist ein Beziehungsausdruck des Menschen in der Welt. Dies kommt insbesondere in der zwischenmenschlichen Begegnung - im Sein und im Handeln - zum Ausdruck. Die menschliche Begegnung ist somit die essenzielle Basis der Pflege überhaupt. Mein Kernwort "Ich pflege als die, die ich bin" verbindet demnach die Art und Weise, wie ich den Menschen sehe, wie ich auf ihn zugehe, und bestimmt die davon abgeleitete Sorge und Pflege. Die Ordnungsstruktur ATL kann und darf demnach nicht isoliert vom zugrunde liegenden Menschenbild betrachtet werden.

  6. Der kranke Mensch, der Pflege braucht, ist darauf angewiesen, dass er ganzheitlich gesehen wird. Ohne diesen Zusammenhang kann jedes Tun zur Funktion und können selbst die ATL zur reinen Technik werden. Unverzichtbar ist und bleibt deshalb die Frage nach dem Menschen in seiner Ganzheit. Damit steht und fällt eine sinnvolle Anwendung der ATL als vertretbare und taugliche Grundlage sowohl für die Erfassung und Beschreibung von "Pflegediagnosen", wie auch die "Anwendung von Assessment-Strategien" in der Pflege, wo es um das konkrete Umsetzen des Pflegeprozesses geht (erfassen, einschätzen, steuern und bewerten).

Ein ganzheitliches Pflegemodell, wie ich es verstehe, basiert somit auf

  • einer Theorie, in diesem Fall auf der ganzheitlichen Sichtweise vom Menschen, wie sie in der 8. Auflage "Pflege und Theorie der Gesundheitsförderung und Pflege Kranker" beschrieben wurde, und

  • einem Instrument, das wir auch als Ordnungsstruktur bezeichnen können. Ich habe dafür die 12 Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL) gewählt (mehr darüber s. u.).

Alle Modelle haben eines gemeinsam: Sie erfassen nie das Ganze. Dies gilt für jeden Erklärungsversuch, sei dieser bezogen auf das Weltbild, das Menschenbild, das Gottesbild oder ein Pflegeleitbild.

Zwar versuchte ich über Jahrzehnte - von Auflage zu Auflage - eine Sichtweise vom Menschen in seinen Bezügen darzulegen wie auch deren Beziehung zu den ATL in ihrer Verknüpfung untereinander aufzuzeigen. Was ein Buch aber nicht leisten kann, ist die Umsetzung, deren Wirksamkeit im Pflegealltag abhängig ist von den Menschen/den Pflegenden, die ein Instrument gebrauchen.

Menschenbild und Pflegeleitbild Es ist hier nicht der Ort, um meine Theorie vom Menschen zu beschreiben oder zu begründen. Kurz zusammengefasst sehe ich den Menschen in seinen Bezügen

  • zu sich selbst/zur Eigenwelt (Biografie, aktuelle Lebenssituation),

  • zum Mitmenschen/zur Mitwelt (soziales Netz),

  • zur Natur und den Dingen/zur Umwelt (Ökologie und Lebensraum) und

  • zum ganz Anderen, dem Göttlichen/der Überwelt (religiöse, spirituelle Dimension).

Es ist mir bewusst, dass auch die beste Beschreibung vom Menschen in seiner Ganzheit hinter der Wirklichkeit zurückbleibt und sie immer nur ein fragmentarischer Erklärungsversuch sein kann. Das war mir vor 25 Jahren ebenso bewusst, wie es mir heute noch immer ist. Vielleicht bin ich dabei einfach etwas bescheidener geworden meinen eigenen Bemühungen gegenüber, wie auch gegenüber den Erklärungsversuchen, die uns die Wissenschaft anbietet.

Es bleibt aber auch im 21. Jahrhundert wahr. Jedes Modell bleibt eine leere Hülle, wenn es nicht das Leben und das Lebendige ins Zentrum rückt. Auch der Begriff "Ganzheitlichkeit" lässt sich im Letzten nicht beschreiben, stehen doch auch die Wissenschaftler vor einem im Letzten nicht Benennbaren, wenn sie zu erklären versuchen, dass "das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile" (H. P. Dürr, Atomphysiker).

Aktivitäten des täglichen Lebens Die Auseinandersetzung sowohl mit den altgriechischen Gesundheitsmodellen wie auch mit den neueren Erkenntnissen in der Heilkunde und Pflege hat mein Denken immer wieder neu herausgefordert. Diese stete Neuorientierung lässt sich im Vergleich der verschiedenen Auflagen des Buches "Pflege" leicht feststellen.

So habe ich in der 2. Auflage (1972) den "Regelkreis gesunden Lebens" ein erstes Mal thematisiert, damals noch in Anlehnung an die Bedürfnispyramide von A. Maslow und den von Virginia Henderson in den Grundregeln der Krankenpflege beschriebenen "Grundbedürfnissen des Menschen". Die nachdenkende Beschäftigung mit den Grundelementen der alltäglichen Wirklichkeit des Lebens, anlässlich einer eigenen schweren Krankheit und eines nachfolgenden zweijährigen Einsatzes in der Pflege, haben mich 1981 veranlasst, die Bezeichnung "Grundbedürfnisse" zu ändern und von "Aktivitäten des täglichen Lebens" zu sprechen.

Als "unterstützende und stellvertretende Übernahme" sind sie seit der 4. Auflage, als Umsetzungsinstrument (Ordnungsstruktur) eines ganzheitlichen Menschenbildes, ein unverzichtbares Merkmal meines Pflegekonzeptes. Ich habe die Benennung und Bedeutung der einzelnen ATL im Verlauf der Jahre nur unwesentlich verändert und kann auch heute noch vollumfänglich dahinterstehen. Die ATL sind und bleiben ein Ausdruck des Lebens, und die Pflege dient dem Leben.

Die ATL aus heutiger Sicht Ich versuche im Folgenden auf einige kritische Punkte hinzuweisen:

  • Mit dem Kriterienkatalog bzw. mit der Ordnungsstruktur der ATL ist sowohl die Gesundheit wie die Pflege- und Rehabilitationsbedürftigkeit eines Menschen bzw. eines Patienten umfänglich erfassbar, wodurch die Pflegediagnose, -planung und -evaluation möglich sind. Mit anderen Worten: Erfassung, Wirksamkeit und Qualitätssicherung können gleichermaßen sichtbar gemacht werden.

  • Mehr als früher würde ich aber heute betonen, dass die einzelnen ATL sich gegenseitig beeinflussen und die Kompetenzstufen (Grad der Selbstständigkeit und Selbstkompetenz) sich ergänzen und gegenseitig beeinflussen.

  • Das Konzept der ATL wird immer dann ins Leere laufen, wenn wir nur auflisten würden, was wir sehen, und nicht gleichzeitig nach der Bedeutung fragen.

  • Die ATL sind nur dann ein gutes Instrument zur Datenerhebung, wenn wir die Fakten in Bezug zum Menschen, als ganzheitlichem Wesen, sehen mit Blick auf alle seine Beziehungen und Bezüge (s. o. Menschenbild und Pflegeleitbild). Das heißt, dass wir den Menschen als Träger einer individuellen Geschichte erkennen, die das, was jetzt ist, beeinflusst und mitbestimmt hat. Die Wirksamkeit im Gebrauch eines Instrumentes, auch der ATL, ist demnach gebunden an die Reflexionsfähigkeit der Pflegeperson. Wichtig ist nicht, was wir fragen, welche Fakten wir sammeln, sondern wie wir Fragen stellen und wie wir Zusammenhänge sehen und bewerten, um darauf situationsgerecht antworten zu können.

    ...

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