Die kleine Nini

 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. April 2015
  • |
  • 224 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-96534-7 (ISBN)
 
Ihre kleine Welt ist voller Abenteuer! Doch egal, worum es geht: Nini hat viele Ideen und ein paar Geheimnisse, packt die Gelegenheiten beim Schopf, meistert alle Lebenslagen bravourös und kämpft sich mit viel Witz und Humor durch ihren Alltag. Geschrieben aus der Sicht eines achtjährigen Mädchens von heute, ist Nini ein Kind unserer Zeit. Einzige Tochter einer alleinerziehenden Mutter, wünscht sie sich manchmal heimlich, dass es noch ein Happy-End zwischen ihren Eltern gibt, und wenn das nicht geht, dann wenigstens einen Hund.
  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Piper ebooks in Piper Verlag
  • 2,06 MB
978-3-492-96534-7 (9783492965347)
Sophie Scherrer hat nach dem Studium als Journalistin, Rundfunksprecherin und Lektorin in verschiedenen großen Verlagshäusern gearbeitet. Ihr erstes Theaterstück »Der eitle Ritter Löwenzahn und das kleine Vergissmeinnicht« schrieb sie in der vierten Klasse mit einem Pelikan-Schulschreibfüller und mindestens 50 Rechtschreibfehlern. Aber sie hatte eine sehr nette Lehrerin. Heute führt sie mit ihrem Mann einen eigenen kleinen Verlag und lebt mit ihrer Familie in München.

Ich kaufe ein Meerschweinchen

Gestern Abend hat Mama Besuch gehabt. Ihre Freundin Sabine war da. Ich finde es immer schön, wenn Sabine zu uns kommt. Dann hat Mama immer gute Laune.

Einmal zum Beispiel bin ich nach Hause gekommen, und da hatte ich wirklich schlechte Karten, denn ich hatte im Diktat von 40 Wörtern 32 falsch geschrieben, und unsere Lehrerin, die Fuchsi, hatte druntergeschrieben:

»Nini, du musst unbedingt üben! Und deine Schrift kann man kaum lesen.« Da war ich schon ziemlich in Sorge, dass Mama ausrastet und mir vielleicht sogar verbietet, »SpongeBob« zu gucken.

Aber dann war Sabine da und trank mit Mama Kaffee und beide haben gelacht. Da hab ich gesagt: »Mama, ich hab 32 Fehler im Diktat!« Aber Mama hat nur genickt und gesagt: »Ja, ist gut, Ninilein. Nimm dir einen Joghurt und fang schon mal mit der Verbesserung an.«

Gestern Abend jedenfalls war Sabine wieder da, und deswegen hat Mama mir nichts vorgelesen, aber sie hat mir eine heiße Milch mit Honig gemacht, und ich durfte noch eine CD hören. Aber dann hatte ich plötzlich Durst von der Milch und bin noch mal in die Küche gegangen.

Mama und Sabine saßen im Wohnzimmer, und ich hab gehört, wie Mama sagte: ». also, ein Hund? Ich weiß nicht. Wie soll ich mich denn auch noch um den kümmern?«

Und Sabine hat gesagt: »Aber ich hab gelesen, dass Tiere für Scheidungskinder so besonders wichtig sind.« Da hab ich ein bisschen gelauscht, denn sie redeten über mich.

Ich hätte wirklich gerne einen Hund. Ich weiß nicht, ob das so ist, weil Mama von Papa geschieden ist, aber wenn ich einen Hund hätte, könnte ich mit ihm rumspazieren und Stöckchen werfen und er würde immer auf mich hören. Alle Nachbarn von uns haben Hunde, die Lücks, die Brockerhoffs und die Havelkamps, nur wir nicht. Mama sagt, das geht nicht, weil sie manchmal geschäftlich wegmuss. Und dann sagt sie immer, am Ende würde doch alles an ihr hängen bleiben.

»Nein, wirklich Sabine«, hat Mama da schon gesagt, »ein Hund, das geht wirklich nicht. Den kann man nicht allein lassen, und am Ende bleibt wieder alles an mir hängen.«

Dann haben sie über andere Dinge geredet, und ich bin wieder in mein Bett geschlichen, allmählich waren auch meine Füße kalt geworden, weil ich keine Pantoffeln anhatte. Ich hab ein bisschen mit den Zehen gewackelt unter der Bettdecke, damit sie wieder warm werden, und ich hab darüber nachgedacht, dass ich auch mal gerne einen Hund hätte. Oder wenigstens ein Tier, aber eins, das man streicheln kann, nicht so einen blöden Kanarienvogel, der dann nachher doch nicht spricht.

Ich bin schon fast eingeschlafen, da kam mir plötzlich eine tolle Idee. Meine Freundin Louisa hat ein Meerschweinchen. Das ist viel kleiner als ein Hund, aber genauso kuschelig. Man kann ihm einen coolen Namen geben und es macht trotzdem nicht viel Arbeit. Und wenn Mama wegmuss oder wir in die Ferien fahren, könnte ich es zur Not auch mitnehmen oder vielleicht bei Louisa lassen.

Da hab ich beschlossen, am nächsten Tag nach der Schule in der Tierhandlung vorbeizuschauen und nach einem Meerschweinchen zu gucken. Plötzlich bin ich ganz aufgeregt gewesen. Natürlich würde ich erst mal gucken, klar. Aber dann könnte ich ja vielleicht auch gleich ein Meerschweinchen kaufen. Was kostete so ein Tierchen wohl?

Ich bin noch mal aufgestanden, hab die Nachttischlampe angeknipst und bin zu meinem Regal getappt. Dort hab ich hinter ein paar Büchern meine Spardose versteckt. Eigentlich ist es ein leeres Marmeladenglas mit einem karierten Deckel. Meine richtige Spardose ist leider kaputtgegangen, als Louisas kleiner Bruder mal bei mir gespielt hat. Der heißt Jacques und ist ziemlich wild, und er hat immer gerufen: »Oh, eine Spardose, die knacken wir jetzt, die knacken wir jetzt!« Dann hat er meine schöne Pu-der-Bär-Spardose auf den Boden geworfen und dann war sie für immer geknackt. Seitdem hab ich das Marmeladenglas. Leider sind keine Scheine mehr drin gewesen, die hab ich alle neulich ausgegeben, weil ich für meinen Gameboy ein Spiel gekauft hab. Aber dann hat Mama mir den Gameboy weggenommen, weil ich abends heimlich unter der Bettdecke gespielt hab. Es war einfach so superspannend, und ich wollte unbedingt noch herausfinden, hinter welcher Tür mein Pokémon sitzt.

Dann ist Mama reingekommen, und die weiß nicht mal so richtig, was das ist - ein Pokémon. Sie denkt, das sind alles gelbe Monster, die immerzu nur »Kamehameha« schreien.

Mama hat furchtbar geschimpft und gesagt, ich wär ja schon süchtig, und jetzt kommt das Ding erst mal weg, sonst werde ich noch ein Autist.

Ich weiß nicht mal so richtig, was das ist - ein Autist, ich glaube, das ist jemand, der immer Kopfschmerzen hat, aber ich hab mich nicht getraut zu fragen, weil Mama sowieso schon ziemlich sauer war.

Jedenfalls sind die Scheine jetzt weg und mein Gameboy auch. Den krieg ich erst wieder nächstes Wochenende, wenn ich zu Papa gehe. Aber es sind noch ein paar Münzen im Glas gewesen. Ich hab sie gezählt - immerhin sieben Euro. Ich hab sie in meinen kleinen Geldbeutel gesteckt und die Spardose wieder zurückgestellt. Dabei ist dummerweise ein Buch aus dem Regal gerutscht. Es ist ein sehr dickes Buch gewesen und es ist ganz schön laut auf den Boden geknallt.

Unten hat Mama die Wohnzimmertür aufgerissen.

»Nini?! Was machst du da?«

»Nichts, Mama!«, hab ich schnell gerufen. »Ich war nur noch mal auf der Toilette.«

»Nini, du musst jetzt wirklich schlafen!«

»Ja, Mama. Gute Nacht, Mama!«

»Gute Nacht, Nini. Schlaf schön!«

»Ja, Mama. Ich schlafe schon.« Ich bin ins Bett geschlüpft und hab Mäh an mich gedrückt. Mäh ist mein Kuscheltier. Es ist ein kleines, weißes, weiches Schäfchen und ich hab es schon ganz lange.

»Morgen bekommst du vielleicht ein kleines Brüderchen, Mäh«, hab ich geflüstert. »Du darfst deswegen aber nicht eifersüchtig sein, denn ich hab dich wirklich sehr lieb.«

Und dann bin ich endlich eingeschlafen.

Am nächsten Tag bin ich schon ganz früh wach gewesen und hab meine Sachen angezogen, bevor Mama ins Zimmer gekommen ist, um mich zu wecken.

»Nanu, Nini, du bist ja schon auf«, hat Mama erstaunt gerufen und die Gardinen zurückgezogen. »Und sogar angezogen!«

»Ja, Mama«, hab ich gesagt und sie angestrahlt. »Ich wollte dir mal eine Freude machen.«

Mama hat mich angesehen und gelächelt. »So, so«, hat sie gesagt.

Wenn Erwachsene »so, so« sagen, weiß man immer nicht so ganz genau, was sie damit meinen. Es hört sich ein bisschen so an, als würden sie einem nicht glauben, und deswegen hab ich noch gesagt: »Schließlich bin ich ja schon groß.«

Mama hat gelacht und mich kurz an sich gedrückt, und dann hat sie gesagt, das trifft sich gut, dass ich schon groß bin, denn sie hat heute einen Termin und kommt mittags etwas später nach Hause, und ich soll mir den Schlüssel aus dem Geheimversteck holen und schon mal einen Joghurt essen und keinen Quatsch machen, bis sie kommt.

»Ruf mich auf dem Handy an, wenn du da bist, mein Schatz, ja?«, hat Mama gesagt.

Ich hab genickt. »Klar, mach ich. Kein Problem.«

»Und lass keinen rein, hörst du?«

Ich hab den Kopf geschüttelt und »Nein, natürlich nicht« geantwortet.

Mama sagt immer, als sie noch klein war, waren andere Zeiten. Da konnte man seine Haustür praktisch aufstehen lassen und es passierte nichts. Aber heute ist alles anders. Heute gibt es viele böse Menschen, die es auf kleine Kinder abgesehen haben. Die sagen: »Komm, ich kauf dir leckere Schokolade« oder: »Soll ich dir mal ganz kleine süße Kätzchen zeigen?« Und wenn man dann mitgeht, wird man abgemurkst.

Gott sei Dank ist aus unserer Schule noch keiner abgemurkst worden. Seit ich allein zur Schule gehe, musste ich Mama in die Hand versprechen, dass ich nienienie zu jemand ins Auto steige, den ich nicht kenne, auch wenn es noch so regnet. Und ich darf keinem Fremden aufmachen, wenn sie nicht da ist.

Mama versucht immer, zu Hause zu sein, wenn ich von der Schule komme, aber manchmal geht das nicht, weil ihre Arbeit länger dauert, und dann hole ich mir den Schlüssel aus dem Geheimversteck, das nur Mama kennt und ich und ein paar von meinen Schulfreunden, denen ich das Versteck auch schon mal gezeigt hab. Aber das weiß Mama nicht.

Auf jeden Fall war das heute gut mit dem Termin, weil ich so mehr Zeit hatte, um in die Tierhandlung zu gehen.

In der Schule bin ich ganz zappelig gewesen, weil ich immer an das Meerschweinchen denken musste.

»Nini, hör auf herumzuzappeln, sonst musst du nachsitzen«, hat Frau Fuchs gesagt, die wir alle nur »die Fuchsi« nennen. Ich hab mir echt Mühe gegeben, meine Füße ruhig zu halten und nicht auf dem Stuhl herumzuwippen, und ich hab immer wieder auf die große Uhr geguckt, die neben der Tafel hängt.

Als die Schulglocke läutete, hab ich meine Hefte und Stifte schnell in den Ranzen geworfen und bin losgesaust. Ich war ganz außer Atem, als ich zehn Minuten später vor der Tierhandlung angekommen bin. Im Schaufenster sind weiße Mäuse immer im Kreis herumgerannt, und in einem Käfig daneben hockten vier Kaninchen, die sich eng aneinandergekuschelt haben.

Ich hab die Tür aufgemacht. Drinnen roch es gut nach Holz und Tieren und Vogelfutter. »Guten Tag«, hab ich gesagt. »Ich wollte mal nach Meerschweinchen gucken.« Die Verkäuferin mit den kleinen grauen Löckchen hat ganz freundlich ausgesehen, wie Frau Holle. »Meerschweinchen sind da drüben.« Sie hat gelächelt und in den hinteren Teil des Ladens gezeigt. Und dann ist sie mit mir...

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