Der Stein in der Mauer

Roman
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 24. März 2021
  • |
  • 236 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7534-5128-2 (ISBN)
 
Sven, ein ehemaliger Arzt aus Duisburg, ist monatelang mit seinem Motorrad in Süditalien unterwegs. Sonne, Strand, Meer, guter Wein, hübsche Frauen und und und. Sven genießt das Leben in Italien in vollen Zügen. Dann begegnet ihm in Süditalien plötzlich eine dämonische seit Jahrhunderten existierende schwarzmagische Sekte, Hexen, und für Sven geht der Wahnsinn los...
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,23 MB
978-3-7534-5128-2 (9783753451282)
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Lothar Schenk wurde 1954 in Borken, im Münsterland, geboren. Heute lebt der Autor in Südthüringen.

1


Der kleine Ort lag nicht mehr direkt an der Küste, schon im Gebirge, irgendwo im Süden, in Süditalien.

Ich malte innere Bilder, nahm erneut Licht auf, sammelte Jahreszeiten, verweilte, betrachtete sie.

"Spürte die Frau die eisige Wand des alten Hauses?"

Davor stand der erstarrte Rosenstrauch.

Sie froren und ich dachte, "vielleicht fühlte er sich gerade wie jener große Bruchstein.der herausstand.und den erstarrten Strauch fast berührte.".

"Hattet Ihr gehofft, hier eine Handvoll erwärmten Boden in Euren frierenden Händen halten zu dürfen?"

Ungleiche Steinbrocken lagen an den staubigen Hängen.zwischen dörren.erstarrten Sträuchern. bewegten sich nicht.

Die schwarz gekleidete Frau verdunkelte den trüben Blick des Mannes.der vor der Bar am Dorfplatz gedankenversunken rauchte.

"Was suchten Sie hier?"

Während ich Sie beobachtete, ging die Frau weiter in Richtung des kleinen Platzes vor der Kirche.

Lange betrachtete ich die verfärbten Blätter, diesen dunstig-blauen Spätherbsthimmel mit seinen schemenhaften Bergsilhouetten.

Ich atmete die warme Nachmittagsluft.

Mein Viewmaster drückte ein Dia nach dem anderen vor meinen inneren Augen vorbei.fast den ganzen Süden.fast.

Der Wein schmeckte, das Essen und die Wohnplätze.na ja...die Frauen wurden immer älter.besser: sie fehlten inzwischen gänzlich und irgendwie erinnerte ich mich erstaunlich selten an sie.

Erste Nachtfröste trieben meine Gedanken Richtung Mittelmeer und mit der vielleicht baldigen Rückreise kündigte sich auch ein nahender früher Winter an.

Ich war auf der Rückreise von mir zu mir.der Rückreise.

"Hatte ich früher nicht schon oft in irgendeine Richtung geblickt.in das nächste Tal vor einem Ort.auf einen griechischen Marktplatz vor irgendeiner Taverne.auf die nächtlichen Berge.in den Himmel von einer Terrasse.in das verschlossene Haus durch ein geöffnetes Fenster.auf das glitzernde Meer.während es regnete, schon etwas heller wurde.und diese Einsamkeit gespürt, diese unendliche Einsamkeit.?"

"War es die Hybris einer fast vollständig verbogenen Lebensachse oder eine wahrnehmungsarm gewordene Lebenslosigkeit?"

Die Verwandlungen hatten längst stattgefunden.

Meist unbemerkt und mitten heraus aus der vermeintlichen Schönheit kroch bereits jener Wahnsinn, der uns irgendwann später mit zielstrebiger Genauigkeit befiel.barriquierte Gedanken.trinkreif.in zu engen Fässern gereift.das Echo eines Lachens, eines Lebens, eines Weinens.das Leuchten an einem Kreuzweg und die Zypressen...Wege.

Mein halbvoller Espresso war kalt geworden und schmeckte bitter.

Ich drückte die Gaulois aus. "Rauchen fügt Ihnen und den Menschen in Ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu" - "Blondes" - und auf der Rückseite der Schachtel stand: "Rauchen lässt Ihre Haut altern".

"Beast of Burden", dieses Lied aus meiner inneren Musikbox spielte schon seit Stunden in meinem Kopf.

An unserem runden Blechtisch saß Paul.

Ich hatte meinen Tisch gewechselt und mich zu ihm gesetzt.

Er saß, wie ich, schon länger alleine.

Er hatte etwas betont Irres in seinem Blick und trank seinen vierten Kaffeecoretto, rauchte dabei hektisch.

"Ein Visionär?"

"Ein Looser?"

"Wohl eher ein Künstler oder ein überreifer Althippie mit chronifizierter Psychokrise.".

"Hallo, setz Dich, ich bin der Paul", sagte er zu mir, nachdem ich höflich gefragt hatte, ob ich mich dazusetzen dürfte.

Paul erklärte mir, dass dies hier eine "echt abgefahrene Gegend" sei und er gerade bei einem Bergamotte-Bauern mit Agriturismo lebte und gelegentlich mitarbeitete.

"Ich habe in der nächsten Kleinstadt ein Zimmer mit Frühstück, na ja, was man hier halt so Frühstück nennt", entgegnete ich ihm.

"Neulich haben wir einen Raucherverein - eine geschlossene Gesellschaft - für eine meiner Stammkneipen in Deutschland gegründet", meinte ich zu Paul.

"Es ist geschlossener, enger geworden.", entgegnete er mir, während er noch hektischer an seiner Selbstgedrehten zog. Seine Hände zitterten ein wenig.

"Ich wurde 1954 in einer Kleinstadt im westfälischen Münsterland geboren", sagte Paul plötzlich, ohne dabei in meine Richtung zu schauen.

"Meine Eltern waren Heimatvertriebene, oder wie man sie hier verächtlich nannte: Flüchtlinge. Die wichtigsten Leute im Ort waren damals Fabrikanten, Bauern, Ärzte, Pfarrer, Rechtsanwälte, Kaufleute und Lehrer, eben Einheimische. Beamte und Hausbesitzer waren auch sehr wichtig. Maurer und Hilfsarbeiter tranken oft sehr viel, aber auch Zahnärzte und Tierärzte, daher waren natürlich auch Wirte sehr wichtig. Eher für unwichtig hielt man Straßenfeger und deren Kinder, Haidenkinder von evangelischen - und sonst irgendwie Andersgläubigen - Eltern und natürlich Flüchtlinge und deren Flüchtlingskinder. Wer mit Flüchtlingskindern spielte war entweder Haidenkind, Flüchtlingskind oder sonst irgendwie asozialer Herkunft."

Während Paul seinen Espresso mit einem Schluck leerte und laut nach der jungen Bedienung rief, um einen Grappa zu ordern, in meine Richtung raunend: "Willst Du auch einen, wie heisst Du eigentlich"."Sven", antwortete ich, "ja ich möchte auch so einen Grappa und noch einen doppelten Espresso", näherte sich unserem Tisch ein erstaunlicher Mann.

Wie sich herausstellte war es Bernd, ein alter Freund Pauls.

Bernd trug hellbraune Lederhotpants, schwarze Netzstrümpfe und dazu hochhackige Cowboystiefel. Die blond gefärbten Haare erinnerten mich sofort an Billy Idol."White Wedding".

Bernd erzählte, er lebe fast das ganze Jahr in dieser Gegend und kannte auch den Bauern, bei dem Paul wohnte.

"Unser Pastor gab allerdings nie auf", fuhr Paul fort, während sich Bernd zu uns an den kleinen Blechtisch setzte, "deshalb mussten wir natürlich nach jeder Beichte immer besonders viele Bußgebete, "Gegrüßet seist Du.", beten" und Bernd ergänzte sogleich: "Hallöchen Paulimausi, wir waren doch damals Messdiener. Weist Du noch, wie wir dem Pastor den Ouzo in die Messweinflasche gefüllt haben."

"In unserer Wohngegend waren einfache Wohnverhältnisse und Kinderreichtum alltäglich, es wurde viel gesoffen", erzählte Paul weiter, während Bernd sich einen "doppelten Campari" bestellte.

"Wir wohnten jahrelang alle gemeinsam in einer winzigen Wohnung in den "Blocks".meine Eltern, meine Großmutter und ich, bis meine Oma in den "Blocks" in eine eigene kleine Wohnung zog. Die vor den schmutzig-roten Backsteinwohnblocks verlaufende Sandstrasse, noch mit alten Gaslaternen nachts spärlich beleuchtet, die allabendlich von einem Gemeindearbeiter mit einer langen Holzstange entzündet werden mussten, war nach einem bekannten deutschen Romantiker benannt und hatte einen schrillen Charme, fast spukhaft."

"Wer in den "Blocks" wohnte, überwiegend Vertriebene, hatte es nicht geschafft. Sie waren schon vor ihrer Vertreibung arm oder konnten ihre Vermögensverhältnisse aus der Zeit vor ihrer Vertreibung den Behörden, die für den "Lastenausgleich", eine Entschädigungszahlung für verlorenes Vermögen durch die Vertreibung, zuständig waren, nicht glaubhaft machen, weil ihre ganzen Bekannten und Verwandten, die ihren Immobilien-, Grund- oder sonstigen Besitz hätten bestätigen können, während der Vertreibung umgebracht oder umgekommen waren. Die "Blocks" gehörten der Gemeinde."Sozialer Wohnungsbau"."Bauverein". In der Hierarchie des Wohnens in unserer Gemeinde gab es unterhalb der "Blocks".vor der Obdachlosigkeit.nur noch die "Baracke", ein langes primitives Mehrfamilienwohngebäude aus Holz.eine baufällige Notunterkunft, die ebenfalls der Gemeinde gehörte. Wer in den "Blocks" wohnte hatte Arbeit oder war Rentner, lebte in sehr einfachen, aber geordneten Verhältnissen. Einige noch in den "Blocks" aufgewachsene Kinder schafften es später sogar zu bescheidenem Wohlstand, bauten eigene Häuser oder kauften Eigentumswohnungen. In der "Baracke" lebten ausschließlich Sozialhilfeempfänger, alleine oder mit ihren Familien, meist schwere Alkoholiker, mit allen daraus resultierenden Problemen. Auch sie waren überwiegend Heimatvertriebene, aber das Ende ihrer unfreiwilligen Reise war dieser letzte Lebensalptraum.die "Baracke". Von dort gab es meist...

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