mal Gentleman - mal coole Sau

Eine Bilanz in Erinnerungen und Anekdoten
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 8. Oktober 2020
  • |
  • 396 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7526-4986-4 (ISBN)
 
Nach dem viel beachteten Buch "Rock¿n Roll im Kopf, Walzer in den Beinen" legt Max Schautzer nun seine etwas andere Autobiografie vor.
Amüsant und ehrlich schildert er sein facettenreiches Leben. Die Kindheit und Jugend in Klagenfurt am Wörthersee, auf dem Bauernhof der Großeltern; die intensive Zeit an der Schauspielschule in Wien, sein Intermezzo als moderierender DJ im Aachener Scotch-Club - bis er schließlich beim WDR
in Köln eine beispiellose Karriere startete.
Er erzählt davon, wie er in der Domstadt seine Traumfrau kennen lernte; wie seine Idee zu "Pleiten, Pech & Pannen" entstand und warum diese Show, die eine der erfolgreichsten der deutschen TV-Geschichte werden sollte, bei der ARD anfangs niemand haben wollte. Überhaupt nimmt er kritisch Stellung zur Fernsehunterhaltung, die er seit der Schwarz-Weiß-Zeit mitprägte wie kaum ein Anderer.
Auch lässt er Erinnerungen aufleben an eine Zeit, in der Radio noch "von Hand gemacht" wurde, wie er sagt. Seiner Vielseitigkeit und Kreativität hat er Beinamen wie "Feuerwehrmann der ARD", "Robin Hood der Rentner" oder "Gentleman der Bühne" zu verdanken.
Und was hat es mit der "coolen Sau" auf sich?
Lassen Sie sich überraschen!
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,68 MB
978-3-7526-4986-4 (9783752649864)
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2. WIE ES DAZU KAM, DASS ICH BEI ZWEI ARMEEN
UNIFORM TRUG


Meinen Wehrdienst beim österreichischen Bundesheer absolvierte ich ab 1959, vier Jahre nach Neugründung des Heeres und drei Jahre nach dem Volksaufstand in Ungarn bei der Artillerie. Um die neun Monate sinnvoll auszufüllen, entschied ich mich für eine Reserveoffiziersausbildung. Die war damals noch innerhalb der neun Monate Wehrdienst möglich. Die Grundausbildung unter einem Spies, der noch aus dem 2. Weltkrieg übrig blieb und ein widerlicher "Schleifer" war, absolvierte ich in Klagenfurt. Danach kam ich in die sogenannte Maturanten-Kompanie nach Salzburg-Siezenheim als ROA (Reserveoffiziersanwärter). Es folgten eine Winteralpin-Ausbildung in der Wattener Lizum in Tirol und ein Wirtschaftskurs in der Wiener Stiftskaserne. Die Wehrdienstzeit beendete ich als Korporal und Adjutant des Wirtschaftsoffiziers in Klagenfurt. Und zwar als einer der ersten Soldaten in der neuen Uniform des Heeres, in Kammgarn statt Loden! Mit Jeep und eigenem Fahrer musste ich Sonderaufgaben erledigen. Zum Beispiel die Schuhe des Vorgesetzten zum Schuster bringen und ähnliches. Als ROA wurde ich nach meiner Abmusterung mehrmals zu Übungen eingeladen. Da war ich aber schon in Deutschland.

Im Rahmen der Winteralpinausbildung in Tirol waren wir mit Kurzskiern im Gelände unterwegs. Vor dem Aufstieg spannten wir Felle unter die Skier. Unsere Ausrüstung war, verglichen mit heute, äußerst primitiv: Keilhosen aus Loden, die bei großer Kälte steif waren wie Ofenrohre, Skischuhe zum Schnüren, grünes Hemd, Pullover, Anorak, entweder eine Schirmmütze mit Ohrwärmern oder ein Helm. Außerdem mussten wir noch ein Sturmgewehr und unser Sturmgepäck, das sogenannte "Wimmerl" auf dem Rücken mitschleppen. Mit einer solchen Ausrüstung waren Skifahren oder Tourengehen alles andere als ein Vergnügen. Wir bauten Biwaks oder Iglus und lernten, wie man einen Anorak zum Not-Akia umfunktioniert, um damit einen Verletzten abzutransportieren. Auch im Lawinensuchdienst wurden wir ausgebildet. Mit Sonden stocherten wir im Schnee. An den Markierungen der Sonden konnten wir die Verschüttungstiefe erkennen. Die Spitzen hatten Widerhaken. Dort schauten wir, ob Fleisch- oder Stofffetzen dran waren. ABS-Rucksäcke mit Airbags und Peilsender gab es noch nicht. Wollten wir in unserer Freizeit zum Vergnügen Ski fahren, mussten wir die Hänge erst festtreten. Ein Lift stand nicht zur Verfügung.

Da wir eine Artillerieeinheit waren, lag es nahe, auch diese Geräte, also die Geschütze, zur Lawinenbewältigung einzusetzen. Dies geschah von der Inntal-Bundesstraße aus. Die Autobahn wurde erst ab den 60er Jahren gebaut. Anlässlich eines Manövers platzierten wir die 10,5- und 15,5-Kanonen jenseits der Bundesstraße, gut getarnt mit Netzen. Ziel der Schießübungen waren die Lawinenhänge rund um die Wattener Lizum. Die Aufgabenstellung war klar: Abschießen bedrohlicher Lawinen. In der Nähe der Geschütze befand sich die Feuerleitstelle. Zwischen Abschussstelle und Ziel lagen irgendwo die vorgeschobenen Beobachter, die den Einschlag der Geschosse mit Ferngläsern verfolgten und die entsprechenden Daten per Funk der Feuerleitstelle meldeten. Diese errechnete dann die modifizierten Befehle zum Abfeuern. Während der Schießübungen war das Tal militärisches Sperrgebiet.

Mir wurde wieder einmal eine Sonderaufgabe übertragen. Ich hatte darauf zu achten, dass an der Bundesstraße nichts Unvorhergesehenes passiert. Denn fast bei jedem Schuss blieb wegen des lauten Knalls ein LKW auf der Bundesstraße stehen. Das folgende Ritual wiederholte sich: Der Fahrer stieg aus, ging um das Fahrzeug herum und stieß mit den Füßen gegen die Reifen. Als er auf die Ladefläche klettern wollte, um auch noch die Ladung zu überprüfen, kam ich aus der Deckung, salutierte artig und meldete, dass es sich hier um ein wichtiges Militärmanöver handelt. "Was wird denn hier beschossen?" "Lawinen!" Die Fahrer starrten mich jedes Mal an, als käme ich von einem anderen Stern, schüttelten den Kopf und stapften zum Führerhaus, um weiter zu fahren.

Etwas darf ich mit gewissem Stolz behaupten: Seit ich die Reserveoffiziers-Ausbildung beim Bundesheer absolvierte, hat Österreich keinen Krieg mehr verloren!

Erfolgreicher Einsatz des "Blumenwerfer-Kommandos"

Vor einem anderen Manöver, das in Kärnten zum Abschluss der Ausbildung stattfinden sollte, konnte ich mich erfolgreich drücken. Ich hatte nämlich eine geniale Idee, die ich sofort unserem Spies unterbreitete. "Herr Hauptfeldwebel, was ist es Ihnen wert, wenn beim Manöver-Vorbeimarsch in Klagenfurt unsere BAA 7 mehr als alle anderen Einheiten bejubelt wird?" "Drei Tage Sonderurlaub!" "Abgemacht. Ich kann aber dann nicht am Manöver teilnehmen, weil das ja entsprechend vorbereitet werden muss. Außerdem brauche ich noch die Unterstützung eines Kameraden." Der Spies willigte ein und stellte mir eine Unabkömmlichkeits-Bescheinigung aus. Mein bester Freund, der seinen Dienst als Ordonanz im Offizierskasino verrichtete, sollte mich unterstützen. Er hatte noch keine Ahnung, was ihm blühte. Ich weihte ihn in meinen Plan ein. "Wir organisieren ein Blumenwerfer-Kommando beim Manöver-Vorbeimarsch." "Was für ein Kommando?" "Ein Blumenwerfer Kommando!" "Ja, super, woher nehmen wir die Blumen, und wer soll sie werfen?" "Alles eine Frage der Organisation. Wir gehen in die Schulen, erklären den Lehrern, die uns Schüler freistellen sollen, die wichtige staatsbürgerliche Aufgabe des Heeres, besorgen Blumen und regeln alles Weitere."

Um das umzusetzen, trennten wir uns und gingen an die Arbeit. Mir fiel ein, dass am Benediktinerplatz eine Gärtnerei aufgelöst wird und noch Restbestände an Blumen vorhanden sind. Die besorgte ich mir. Jetzt also die Schüler zum Blumenwerfen organisieren. Zunächst suchte ich die Handelsakademie, meine vor einem Jahr verlassene Schule und die Handelsschule auf. Dort blitzte ich aber mit meinem Ansinnen ab. Die Schüler waren einfach schon zu alt und zu stolz, um sie für eine solche seltsame Aufgabe gewinnen zu können. Auf in die Frauenfachschule. Dem Lehrerkollegium, das kurzfristig einberufen wurde, erklärte ich, wie wichtig es sei, wenn gerade die Jugend ihre Sympathien gegenüber den jungen Soldaten bekundet usw. usw. Zwei Klassen bekam ich bewilligt. Die Schülerinnen waren nicht sonderlich begeistert. Dann ging ich noch in die Volksschule und hatte auch da Glück. Statt "Turnen im Saal" stand nun "Blumen-werfen am Straßenrand" auf dem Stundenplan.

Etwa eine Stunde vor Beginn des Vorbeimarsches sammelten wir alle Schüler und Schülerinnen ein. Mein Freund, der mit seinem Moped unterwegs war, erschien, ich traute meinen Augen nicht, mit einem Korb voller Margeriten, die er auf Wiesen pflückte oder mähte, mit drei Nonnen und drei Mädchenklassen der Ursulinenschule. Jetzt besorgten wir noch mit Unterstützung der Polizei Bänke, die wir vor die wartenden Zuschauer gegenüber der Ehrentribüne mit Landeshauptmann, Bürgermeister, Landesbischof und vielen anderen Ehrengästen, stellten. Dann verteilten wir die Blumen. Ganz sparsam, weil wir viel mehr Schüler hatten, als erwartet. Ganz eindringlich forderten wir sie auf, die Blumen nur auf unser Zeichen hin zu werfen, und zwar dann, wenn die BAA 7 vorbei marschiert. Alles gut und schön. Nun kam aber an der Spitze der Parade die Abteilung mit den kleinen, niedlichen Haflinger-Pferden, die beim Bundesheer als Tragtiere eingesetzt werden. Sie begeisterten unsere Schüler so sehr, dass sie nicht mehr auf unser Kommando warteten. Der äußerst knapp bemessene Blumenvorrat flog also viel zu früh Richtung Haflinger-Truppe. "Zurück, zurück, holt die Blumen zurück. Die brauchen wir für die BAA 7", rief ich. Also liefen die Schüler auf die Straße und sammelten hastig Blüten und Stängel, genauer gesagt, mehr Stängel als Blüten wieder ein. Als endlich unsere Einheit erschien, gaben wir den Befehl, alles an Wurfmaterial den Soldaten zuzuwerfen und besonders laut zu jubeln. Am nächsten Tag stand in der Tageszeitung: "Der Kommandant der Brigade-Artillerieabteilung 7, Oberleutnant Wurzer wurde mit einem wahren Blumenregen bedacht". Wir als "Blumenregenmacher" konnten stolz melden: "Kommando erfolgreich ausgeführt" und wie vereinbart drei Tage Sonderurlaub antreten. Die Kameraden allerdings murrten: "Da waren sie schon beim Manöver nicht dabei und jetzt haben sie auch noch drei Tage dienstfrei."

Eines der wenigen Dinge, die ich aus der Zeit bei der Artillerie behalten habe, ist das Prinzip der Ballistik. Es lässt sich gut auf den Verlauf von Karrieren übertragen. Für die Flugbahn ist die Abgangsrichtung entscheidend und bei der ballistischen Kurve gibt es den aufsteigenden Ast, der länger und flacher ist als der absteigende.

INFO GERMAN (1972-1980)

Meine Karriere bei der deutschen Bundeswehr begann und...

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