Die Odyssee des Fälschers

Die abenteuerliche Geschichte des Konstantin Simonides, der Europa zum Narren hielt und nebenbei die Antike erfand
 
 
Siedler Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 23. Februar 2011
  • |
  • 208 Seiten
 
E-Book | PDF mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-55323-4 (ISBN)
 
Der Meisterfälscher - wie Konstantin Simonides Griechenland erfand

Konstantin Simonides war der geschickteste und schamloseste Fälscher von alten Manuskripten im 19. Jahrhundert. Rüdiger Schaper bietet eine hinreißende biographische Erzählung, die zudem auf anschauliche Weise die Frage nach Originalität und Fälschung stellt. Das Buch weckt nicht nur Sympathien für seinen skurrilen Helden, sondern beschwört zugleich die Antikensehnsucht vom 19. Jahrhundert bis heute und zeigt, wie sich das moderne Europa seine Antike erfand.

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Siedler
  • 30,60 MB
978-3-641-55323-4 (9783641553234)
3641553237 (3641553237)
weitere Ausgaben werden ermittelt
1 - Inhalt [Seite 7]
2 - Copy & Paste: Die Schwarze Kunst der Schriftgelehrten [Seite 11]
3 - Erinnerung in Delphi: Der schöne Antinous [Seite 21]
4 - Das Gift-Attentat [Seite 29]
5 - Unter Männern: Verbannung auf dem Heiligen Berg Athos [Seite 45]
6 - Jahre der Sammlung, dunkle Jahre [Seite 61]
7 - Das erfundene Griechenland: Europa, Lord Byron und die Philhellenen [Seite 75]
8 - Die Symais [Seite 89]
9 - Ausgrabungen und Entdeckungen [Seite 105]
10 - Von Büchernarren und Sammlerwahn [Seite 117]
11 - Der Uranios-Skandal [Seite 131]
12 - Der andere Konstantin: Professor Tischendorfs Schatzsuche [Seite 147]
13 - Cosi fan tutti: Vorläufer und Kollegen des Simonides [Seite 159]
14 - Charles Stewarts mysteriöse Biographie [Seite 167]
15 - Ein Zeitungskrieg und die Frage nach der Originalität der Fälschung [Seite 179]
16 - Konstantin Simonides' Tod in Alexandria - und seine Auferstehung [Seite 189]
17 - Nachbemerkung [Seite 199]
18 - Ausgewählte Bibliographie [Seite 203]
19 - Bildnachweis [Seite 207]
"Ein Zeitungskrieg und die Frage nach der Originalität der Fälschung (S. 177-178)

Konstantin gegen Konstantin: Simonides atta ckiert Tischendorf. Der Fälscher erklärt den Codex Sinaiticus zur Fälschung. Er löst einen jahrelangen Glaubenskrieg in Zeitungen und Zeitschriften aus und verschwindet von der britischen Insel.

Zwei Worte. Sie machen Simonides verrückt. Codex Sinaiticus. Der tödlich korrekte Leipziger professor reist mit seiner entdeckung durch europa, lässt sich an höfen, akademien, Universitäten feiern, seine Bücher über den Orient erleben auflage um auflage, während Simonides in england, das ihm keine zweite heimat, aber der komfortabelste exilantenort geworden ist, um sein Lebenswerk kämpft. noch einmal ein flammender Vortrag, ein auffrischen der Referenzen, ein sicherer instinkt, wo angegraben werden kann, und er hat das Vertrauen des reichen Liverpooler Kaufmanns Joseph mayer gewonnen, der sich ein privatmuseum der antike einrichtet.

Bei der Sichtung und entzifferung ägyptischer papyri stößt Simonides auf eine Schrift, die er im Sommer 1860 als Fragment des matthäus-evangeliums identifiziert – datiert auf das »Jahr 15 nach der himmelfahrt des herrn«. ein zeitgenössischer Bericht aus der mitte des 1. Jahrhunderts. Das älteste Schriftdokument der christengeschichte! Dreihundert Jahre älter als der Codex Sinaiticus! Die britischen Zeitungen überschlagen sich vor Begeisterung, Dr. Simonides, der »bedeutende paläograph«, steht vor der Rehabilitierung, wenn er denn in england je tief in Ungnade gefallen ist. Unter exzentrikern, so ausdauernd sie einander auch bekämpfen, findet man Schutz.

Und er macht mayer mit anderen schönen entdeckungen Freude: episteln von Johannes und Judas, Fragmente des Zarathustra und eines androsthenes, admiral unter alexander dem großen. Die prüfung der Mayer Papyri durch die Royal Society of Literature in London zieht sich bis anfang 1863 hin, Zweifel an der »himmelfahrtsgeschichte« sind laut geworden. noch über hundert Jahre später geben die Liverpooler Funde Rätsel auf. Selbst wenn Simonides gefälscht hat, oder fälschen wollte, dann besaß er bei den Mayer Papyri alte, wertvolle und belastbare Unterlagen.

Die affäre läuft nach bewährtem muster. erst wird Simonides in der presse gefeiert, und die akademiker ziehen mit, man will ja nichts verpassen. Dann melden sich dieselben Wissenschaftler zu Wort und beginnen damit, Simonides Stück für Stück auseinanderzunehmen – um sich nachher als Retter der gebildeten Welt feiern zu lassen, für ihren Sachverstand und ihren Spürsinn, da sie einen großen Schwindel aufgedeckt haben. es ist die nie erlahmende, immer wieder aufs neue erfolgreich praktizierte, unwiderstehliche technik des Boulevard."

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