Little Pearl

verraten
 
 
neobooks Self-Publishing
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 14. September 2018
  • |
  • 481 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7427-2479-3 (ISBN)
 
»Wenn ich dazu geboren wäre, jemanden zu lieben, wärst du diejenige, der ich mein Herz schenken würde.« Cécile Johnson lebt in einer Kleinstadt, wo sie ein erfolgreiches Bed & Breakfast leitet. Eines Tages bittet sie Dylan um einen Gefallen - den größten Bad Boy von Little Pearl. Bestimmt nicht hat sie erwartet, dass sie sich in ihn verlieben würde. Sie wurde von allen gewarnt, doch sie wollte nichts davon hören. Sie war zu blind von seinem Aussehen, von seinen geheimnisvollen Augen. Zu sehr versuchte sie, ihn zu retten. Nie hat sie damit gerechnet, dass ihr Herz in einzelne Stücke zerteilt werden würde. Von ihm.

Madlen Schaffhauser ist in einer lebhaften und wilden Großfamilie in der Schweiz aufgewachsen, wo sie noch immer mit ihrem Mann und ihren beiden aufgeweckten Kindern lebt. Sie ist eine wahre Fischefrau - hilfsbereit, verträumt, einfühlsam, sinnlich, und fast immer mit einem Buch anzutreffen, wenn sie nicht selbst gerade Geschichten schreibt.
  • Deutsch
  • 1,35 MB
978-3-7427-2479-3 (9783742724793)
3742724797 (3742724797)

Kapitel 1




O Mannomann, wenn meine Eltern wüssten, wohin ich auf dem Weg bin, würden sie mich sofort knebeln und mich in meinem Haus einsperren. Egal, dass ich schon sechsundzwanzig bin und seit drei Jahren erfolgreich ein Bed and Breakfast führe. Meine Mom und mein Dad würden in diesem Punkt keine Ausrede dulden. Allerdings ist es Dads Reaktion, vor der ich mich am meisten fürchte. Dabei möchte ich bloß den antiken Kasten, der noch von meiner Urgroßmutter stammt, restaurieren lassen. Ich möchte ihm wieder etwas vom Glanz und der Schönheit zurückgeben, in denen er vor Jahren gestrahlt haben muss. Aber das verstehen weder meine Eltern noch meine Brüder nicht. Sie würden das alte Möbelstück eher ersetzen, als aufzufrischen. Nur können sie mich nicht von meinen Plänen abhalten, weshalb ich jetzt meinen alten, verbeulten roten Toyota Yaris zu Mr. Moores Grundstück steuere.

Draußen herrschen nicht mal zehn Grad und der Wind bläst heute besonders stark um die Häuser, trotzdem ist mir heiß. Wahrscheinlich sind es nur meine Nerven, die Blank liegen. Ja, das muss es sein, denn auch mein Herz schlägt etwas zu schnell gegen den Brustkorb. Aber das würde ich natürlich meiner Familie gegenüber nie zugeben.

Ich höre meine vier Brüder gleichzeitig entsetzt fragen: »Was hast du dir dabei nur gedacht? Bist du verrückt, zu diesem Spinner zu fahren? Willst du Ärger mit mir? Ich habe dir doch gesagt, du hast bei diesem Typ nichts verloren. Was davon hast du nicht verstanden?«

Wenn ich ehrlich bin, habe ich nur daran gedacht, Urgroßmutters Erbe aufzupolieren. Und auch wenn mich wegen der Stimmen meiner Brüder plötzlich Zweifel überkommen, so gibt es kein Zurück mehr. Ich bin schon viel zu nah an meinem Ziel, als dass ich umkehren könnte.

Seine Werkstatt liegt etwas außerhalb des Dorfkerns, was eher ungewöhnlich ist. Normalerweise streiten sich die Geschäfte von Little Pearl darum, einen Platz an der Main Street zu ergattern. Doch anscheinend mag es Dylan Sawyer lieber abgelegen und einsam, wie mir der Weg zu Mr. Moores Grundstück eben zeigt.

Obwohl ich Mr. Moore seit zehn Jahren kenne, bin ich noch kein einziges Mal zu seinem Haus gefahren. Ich hatte bis heute auch noch nie einen Grund dazu.

Ich biege nach rechts und nach wenigen Metern überquere ich einen kleinen Bach. Dann folge ich längere Zeit einem Waldrand, bis ich schließlich am Ende der Straße ankomme. Und somit vor dem Haus meines Gärtners stehe.

Ich bin nicht sicher, was ich erwartet habe, aber das, was ich hier zu sehen bekomme, überrascht mich. Vor mir steht ein ziemlich großes, zwar altes, dennoch gepflegtes Haus. Die Fassade ist aus hellbraunem Holz, während die Fensterrahmen und die Tür in hellem weiß sind. Es macht den Anschein, als wäre es vor gar nicht langer Zeit renoviert worden.

Vor dem Eingang geht eine Treppe hoch auf eine gedeckte Veranda. Sie erstreckt sich über die ganze Breite und die gesamte Linksseite. Das Haus ist zweistöckig. Und ich frage mich sofort, was Mr. Moore mit all diesem Platz macht. Soweit ich weiß, lebt er allein, seit seine Frau vor fünf Jahren gestorben ist.

Ich halte auf der linken Seite des Grundstücks neben einem schwarzen Pick-up, der unter einer Eiche steht, und mit großer Wahrscheinlichkeit Sawyer gehört. Bevor ich mich überwinden kann auszusteigen, klappe ich meine Sonnenblende nach unten und öffne die Abdeckung des Spiegels, um meinen Anblick zu kontrollieren. Ich befeuchte meinen Zeigefinger und wische damit etwas schwarzen Kajal, durch den meine blauen Augen besonders hervorstechen, unter den äußeren Augenwinkel weg. Schnell kämme ich mir mit den Fingern noch durch meine blonden Haare, die mir knapp bis zur Schulter reichen. Ich atme nochmals tief durch, ehe ich die Autotür aufmache, meine Unterlagen unter den Arm klemme und mich zu Sawyers Werkstatt aufmache, die rechts an Moores Haus angrenzt.

Sawyers Werkstatt war ursprünglich eine Garage, wie mir Moore mal erklärt hat, und die er nun Dylan vermietet. Sie hat ein weißes Doppeltor. Auf der linken Seite gibt es eine Tür, die einen Spalt offen steht. Über der Garage entdecke ich zwei Gauben. Ich wundere mich über den weiteren Platz.

Hinter dem Grundstück folgt dichter Wald. Es wäre nichts für mich, hier zu wohnen, umzingelt von Bäumen, die schnell Dunkelheit bringen. Außerdem diese Abgeschiedenheit ... Moores Nachbar liegt Meilen zurück. Das letzte Haus sah ich, ehe ich am Bach die Brücke überquert habe. Aber wenn sich Mr. Moore hier wohl fühlt ... Ich zucke innerlich mit den Schultern. Jedem das Seine.

Nur, mache ich das Richtige, alleine hier zu sein, obwohl mich alle vor Sawyer gewarnt haben?

Ich schüttle meine aufkeimenden Gedanken ab. Mr. Moore hat nur in den besten Tönen von Dylan Sawyer und seiner Arbeit gesprochen, also, warum sollte ich vor diesem jungen Mann Angst haben?

Mit Fotos von dem Möbelstück, das ich gerne restauriert haben möchte und wegen dem ich hier bin, gehe ich zum Seiteneingang, aus dem Schleifgeräusche dringen. Als ich sie aufziehe, gibt sie keinen Mucks von sich. Ich bin überrascht über diesen makellosen Zustand. Wie ich Moore kenne, hat er bei der Renovation alles, was er kann, selbst gemacht. Doch er ist bald siebzig, und ich glaube nicht, dass er all diese Erneuerungen am Haus und diesem Nebengebäude alleine gemacht hat. Ich bin fast davon überzeugt, dass ihm Sawyer dabei geholfen hat. Daher kann dieser seltsame Kerl, wie ihn alle nennen, gar kein so übler Typ sein.

Es kursieren viele Gerüchte über ihn, auch Pru, eine Freundin aus der Schulzeit, und die gerne ein großes Maul führt, hat schon manches über ihn erzählt. Aber ich glaube eher, diese Geschichten sind alle frei erfunden. Trotzdem haben sie eine gewisse Unsicherheit hinterlassen, und ich versuche mich ständig davon zu überzeugen, dass er ein ganz normaler Mann ist, der einfach lieber für sich ist, als unter die Leute zu gehen. Denn soviel ich weiß, gibt er sich nur mit seinem Vermieter ab. In den zwei Jahren, die er nun in unserer Kleinstadt lebt, hat er sich so gut wie noch nie blicken lassen. Er geht nicht in die örtlichen Pubs, lässt sich nicht an unseren verrückten Stadtfesten blicken, und auch im Kino habe ich ihn noch nie gesehen.

Vielleicht steht er schlicht nicht auf Unterhaltung oder darauf mit Kumpels ein Bier trinken zu gehen.

Das Schleifen hat aufgehört, als ich die Tür hinter mir zuziehe. Sawyer steht mit dem Rücken zu mir, gebeugt vor einer Werkbank. Er hat mich nicht bemerkt, wie mir seine Haltung zeigt, und so nutze ich den Moment, um seine Werkstatt in Augenschein zu nehmen. Sie ist vollgestellt mit Regalen und Werkbänken. Und es riecht ein wenig nach Sägemehl und Politur. Der Raum ist größer, als ich erwartet habe. Ein großes Fenster sowie einige Lampen an der Decke sorgen für Licht. Verschiedenste Werkzeuge hängen an der Wand. Auf Regalen reihen sich unzählige Farb-, Lackier-, Holzöl- und was weiß ich noch für Dosen. Ich habe ein riesiges Chaos erwartet, doch hier scheint alles seinen genauen Platz zu haben. Es gibt eine zweite Tür. Wahrscheinlich führt dahinter eine Treppe nach oben. In einer Ecke stapelt sich Holz. Daneben steht ein antikes Sofa. Der Stoff ist völlig durchgesessen. Das Holz der gebogenen Beine und der kunstvollen Rückenlehne ist nur noch ein schwaches Braun.

Schließlich schweift mein Blick zurück zu Dylan, der in seine Arbeit versunken scheint. Gerade pustet er über das Holz und Staub fliegt durch die Luft. Er trägt eine verwaschene Jeans und ein schwarzes Langarmshirt. Auf der Schulter ist ein kleines Loch, die Ärmel hat er über die Ellbogen hochgeschoben. Sein Bizeps wölbt sich, als er mit dem Schleifpapier über die Holzplatte fährt. Er hat auf beiden Armen Tattoos, die unter dem Stoff seines Oberteils weiterlaufen. Links ein Drache in schwarz und grau, wenn mich nicht alles täuscht. Das auf dem anderen Arm kann ich nicht erkennen.

Ich wage einen Schritt, um ihn auf mich aufmerksam zu machen und wandere mit meinem Blick weiter über seinen durchtrainierten Körper. Sein Haar ist braunschwarz, an den Seiten und im Nacken kurz, oben etwas länger, das ihm jetzt in die Stirn fällt.

Mein Herz setzt einen Moment aus. Ich kann kaum noch atmen.

Seine braunen Augen blicken geradewegs in meine. Sie durchbohren mich.

»Hast du noch nie etwas von Anklopfen gehört?« Eine Menge Feindseligkeit schwingt in seiner Stimme mit, trotzdem entgeht mir nicht, wie tief sie ist. Wie angenehm tief.

Ich habe mich bereits seit längerer Zeit auf dieses Treffen vorbereitet, bin meine Begrüßung immer und immer wieder durchgegangen. Doch jetzt wo ich den Mann, der in meinem Alter sein muss und mich ansieht, als wäre ich ein Eindringling, fällt mir nichts Besseres ein, wie ihn zu fragen: »Sind Sie Mr. Sawyer? Dylan Sawyer?«

Er zieht seine dicken Brauen hoch. »Willst du mich verarschen?«

»N... nein«, stammle ich verlegen und verlagere mein Gewicht von einem Bein aufs andere.

Als ich nichts weiter anfüge, legt er sein Schleifpapier aus der Hand und klopft den Staub von seinen Fingern, ehe er sie in seine Hüfte stemmt. Er hat eine beeindruckende Statur. Mir sollte sowas nicht auffallen, dennoch gleitet mein Blick auf seine breiten Schultern und wie sich sein eng anliegendes Oberteil über der Brust spannt.

»Was willst du hier?«

Sofort laufe ich rot an und fühle mich ertappt. Ich schlage die Augen nieder und starre auf den grauen Betonboden. »Ich ... ich.« Herrgott nochmal, dieser Typ bringt mich mit seiner schroffen Art ganz durcheinander und katapultiert mich ins Schulzimmer zurück. Mir ist, als wäre...

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