Teilhabebedarfe von Menschen mit Behinderungen

Zwischen Lebenswelt und Hilfesystem
 
 
Kohlhammer (Verlag)
  • 1. Auflage
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  • erschienen am 16. November 2016
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  • 185 Seiten
 
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978-3-17-029371-7 (ISBN)
 
Der Bedarfsbegriff hat für alle beteiligten Akteure im Rehabilitationsgeschehen praktische Relevanz: Bedarfe von Menschen mit Behinderungen zur Verwirklichung gesellschaftlicher Teilhabe zu ermitteln und darauf aufbauend passende Hilfen zu planen, ist eine zentrale Aufgabe. Angesichts dieser Schlüsselfunktionen von Bedarfsfeststellung und Teilhabeplanung beschäftigt sich dieser Band mit dem Begriff des Bedarfs vor dem Hintergrund neuer Denkmodelle von Behinderung und Teilhabe. Teilhabebedarfe von Menschen mit Behinderungen werden aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet und Orientierung gebende ethische, rechtliche und soziale Standards diskutiert. Dabei deckt das Buch auch grundlegende Widersprüche auf, die dem Teilhabebedarf zwischen Lebenswelt und Hilfesystem innewohnen.
  • Deutsch
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  • 1,07 MB
978-3-17-029371-7 (9783170293717)
3170293710 (3170293710)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Prof. Dr. Markus Schäfers lehrt und forscht im Fachbereich Sozialwesen der Hochschule Fulda mit dem Schwerpunkt Rehabilitation und Teilhabe im Sozialraumbezug. Prof. Dr. Gudrun Wansing ist Professorin für Behinderung und Inklusion am Institut für Sozialwesen der Universität Kassel.
1 - Deckblatt [Seite 1]
2 - Titelseite [Seite 4]
3 - Impressum [Seite 5]
4 - Inhalt [Seite 6]
5 - Vorwort [Seite 10]
6 - Theoretisch-konzeptionelle Grundlegung von Behinderung und Teilhabebedarf [Seite 12]
6.1 - Zur Einführung: Teilhabebedarfe - zwischen Lebenswelt und Hilfesystem [Seite 14]
6.1.1 - 1 Hohe Relevanz bei gleichzeitiger Unbestimmtheit der Begriffe [Seite 14]
6.1.2 - 2 Zum Begriff des Bedarfs [Seite 15]
6.1.3 - 3 Teilhabe als zentraler Bezugspunkt von Bedarf [Seite 17]
6.1.4 - 4 Problematisierung des Teilhabebedarfs: zwischen Lebenswelt und Hilfesystem [Seite 18]
6.1.5 - 5 Bedarfsfeststellung und Teilhabeplanung als Schaltstellen [Seite 19]
6.1.6 - 6 Übersicht über die Beiträge in diesem Band [Seite 20]
6.1.7 - Literatur [Seite 23]
6.2 - Der Bedarfsbegriff »revisited« - Aspekte der Begründung individueller Ansätze zur Bedarfserhebung und -umsetzung [Seite 25]
6.2.1 - 1 Einleitung [Seite 25]
6.2.2 - 2 Bedarf als sozialpolitische und fachliche Kategorie: eine erste Differenzierung der Verwendungszusammenhänge [Seite 26]
6.2.3 - 3 Ursprünge und Motive der »Individualisierung« von Bedarfslagen - mehr als »individueller Hilfebedarf« [Seite 27]
6.2.4 - 4 Spannungsfelder der Leistungserbringung [Seite 30]
6.2.5 - 5 Perspektiven: Ansatzpunkte zur Begründung und Umsetzung eines »individuellen Teilhabebedarfs« [Seite 34]
6.2.6 - Literatur [Seite 44]
6.3 - Welche Bedeutung hat das Behinderungsverständnis der ICF für die Erhebung von Teilhabebedarfen? [Seite 47]
6.3.1 - 1 Der Behinderungsbegriff der ICF vor dem Hintergrund der UN-BRK und des SGB IX [Seite 47]
6.3.2 - 2 Gesellschaftliche Teilhabe aus Menschenrechtsperspektive [Seite 48]
6.3.3 - 3 Potenzial der ICF für das Verständnis von Teilhabebedarfen [Seite 51]
6.3.4 - 4 Veranschaulichung der Konstruktion von gesellschaftlichen Barrieren und Unterstützungsfaktoren in der ICF [Seite 52]
6.3.5 - 5 Fazit [Seite 55]
6.3.6 - Literatur [Seite 56]
7 - Problematisierung des Bedarfsbegriffs [Seite 58]
7.1 - Reflexionen zum Blick auf das Individuum in der Bedarfsermittlung [Seite 60]
7.1.1 - 1 Einleitung [Seite 60]
7.1.2 - 2 Individuelle Teilhabeplanung als Produkt gesellschaftlicher Problemstellungen [Seite 61]
7.1.3 - 3 Bedarfsermittlung als normalisierende Praktiken [Seite 62]
7.1.4 - 4 Das autonome Subjekt als Grundlage der Bedarfsermittlung [Seite 67]
7.1.5 - 5 Das Subjekt anders denken - ein Ausblick? [Seite 69]
7.1.6 - Literatur [Seite 72]
7.2 - Teilhabebedarfe im Sozialrecht [Seite 74]
7.2.1 - 1 Einleitung [Seite 74]
7.2.2 - 2 Bedarf ist nicht gleich Anspruch [Seite 74]
7.2.3 - 3 Bedarfsfeststellung gehört sozialrechtlich zur Amtsermittlung [Seite 75]
7.2.4 - 4 Übergreifende Teilhabeplanung ist Pflicht der Rehabilitationsträger [Seite 76]
7.2.5 - 5 Individuelle Planung und Infrastrukturverantwortung [Seite 77]
7.2.6 - Literatur [Seite 78]
7.3 - Partizipation im Kontext von Bedarfsfeststellung - empirische Beispiele aus den Bereichen Medizinische Rehabilitation und Teilhabe am Arbeitsleben [Seite 79]
7.3.1 - 1 Einleitung [Seite 79]
7.3.2 - 2 Partizipation [Seite 79]
7.3.3 - 3 Bedarfsermittlung [Seite 80]
7.3.4 - 4 Beispiel aus der medizinischen Rehabilitation [Seite 81]
7.3.5 - 5 Beispiel Teilhabe am Arbeitsleben - Forschung und Praxis [Seite 82]
7.3.6 - 6 Ausblick [Seite 87]
7.3.7 - 7 Fazit [Seite 90]
7.3.8 - Literatur [Seite 90]
7.4 - Ethische Aspekte der Ermittlung von Hilfebedarfen im betreuten Wohnen bei Personen mit hohem Unterstützungsbedarf [Seite 92]
7.4.1 - 1 Rechte auf Selbstbestimmung und Inklusion [Seite 92]
7.4.2 - 2 Ein Blick auf die Behindertenhilfe aus ethischer Sicht [Seite 93]
7.4.3 - 3 Integrative Ethik [Seite 96]
7.4.4 - 4 Ethische Kriterien für die Bestimmung von Hilfebedarfen [Seite 99]
7.4.5 - Literatur [Seite 103]
8 - Bedarfsfeststellung in der Anwendung [Seite 106]
8.1 - Qualifizierte Hilfeplanung und -beratung in der Eingliederungshilfe - Erkenntnisse aus Evaluationsstudien im Rheinland [Seite 108]
8.1.1 - 1 Einleitung [Seite 108]
8.1.2 - 2 Qualifizierte Beratung im Kontext Individueller Hilfeplanung [Seite 109]
8.1.3 - 3 Wohnberatung für Menschen mit Behinderung [Seite 116]
8.1.4 - 4 Der Einfluss von Hilfeplanerstellerinnen und -erstellern auf die Bedarfserhebung im Rahmen einer stationären Folgehilfeplanung [Seite 120]
8.1.5 - 5 Fazit - Beratung im (Reform-)Prozess der Eingliederungshilfe [Seite 126]
8.1.6 - Literatur [Seite 129]
8.2 - Bedarfsfeststellung und Teilhabeplanung [Seite 132]
8.2.1 - 1 Einleitung [Seite 132]
8.2.2 - 2 Anforderungen an die Feststellung von Teilhabebedarfen im Rahmen einer individuellen Teilhabeplanung [Seite 135]
8.2.3 - 3 Individuelle Teilhabeplanung im Rehabilitationsgeschehen [Seite 138]
8.2.4 - 4 Individuelle Teilhabeleistungen und die Entwicklung eines inklusiven Gemeinwesens [Seite 141]
8.2.5 - 5 Ausblick: Personenzentrierte Planung und die Koordination von Leistungen durch Teilhabezentren [Seite 145]
8.2.6 - Literatur [Seite 147]
8.3 - Bedarfsfeststellung und Integrierte Teilhabeplanung [Seite 150]
8.3.1 - 1 Entstehungsgeschichte der Integrierten Teilhabeplanung und konzeptionelle Eckpunkte [Seite 150]
8.3.2 - 2 Die Entwicklungsgeschichte des Instrumentes ITP [Seite 153]
8.3.3 - 3 Der Anspruch des ITP als ein leistungsträgerübergreifendes einheitliches Verfahren [Seite 153]
8.3.4 - 4 Regionale koordinierende Vermittlung und Abstimmung [Seite 154]
8.3.5 - 5 Zeitbezug und Absicherung der Finanzierung [Seite 155]
8.3.6 - 6 Teilhabeplanung im Dialog mit Betroffenen [Seite 155]
8.3.7 - 7 Abkehr von einer »defizitorientierten« Beschreibung im Kontext von Bedarfsermittlung - gelingt dies über die Nutzung der ICF? [Seite 157]
8.3.8 - 8 Barrieren der Umsetzung von Teilhabeplanungsverfahren [Seite 158]
8.3.9 - 9 Anwendungspraktische Hinweise für Organisationen von Leistungserbringern [Seite 161]
8.3.10 - 10 Anwendungspraktische Hinweise für Leistungsträger der Eingliederungshilfe [Seite 162]
8.3.11 - 11 Umsetzungsanforderungen einer personenzentrierten und integrierten Teilhabeplanung in der Eingliederungshilfe [Seite 163]
8.3.12 - Literatur [Seite 165]
8.4 - Teilhabe als kommunikativer Aushandlungsprozess [Seite 167]
8.4.1 - 1 Einleitung [Seite 167]
8.4.2 - 2 Soziolinguistische Perspektiven auf Teilhabegespräche [Seite 168]
8.4.3 - 3 Ausgewählte kommunikative Strategien in Teilhabegesprächen [Seite 170]
8.4.4 - 4 Lässt sich Partizipation in Teilhabegesprächen realisieren? [Seite 180]
8.4.5 - Literatur [Seite 183]
8.5 - Autorinnen und Autoren [Seite 185]

Der Bedarfsbegriff »revisited« - Aspekte der Begründung individueller Ansätze zur Bedarfserhebung und -umsetzung


Iris Beck


1           Einleitung


 

Für die Einführung von Verfahren der zur Entstehungszeit ab den frühen 1990er Jahren sog. individuellen Hilfeplanung waren unterschiedliche Motive und Begründungszusammenhänge ursächlich. Ausgehend von einer Differenzierung der sozialrechtlichen und fachlichen Verwendungszusammenhänge, in denen Bedarfsermittlung eine Rolle spielt, sollen nachfolgend Ursprünge der »Individualisierung« der Bedarfskategorie und zwar bezogen auf den Wandel von der institutionellen zur personalen Orientierung nachgezeichnet werden. Diese Ursprünge stehen, was die fachlichen Entwicklungen betrifft, in engem Zusammenhang mit der Forderung nach einer an alltäglichen Lebensvollzügen ausgerichteten Leistungserbringung und einem veränderten Behinderungsverständnis. Das hier entfaltete Verständnis einer individualisierten Bedarfserbringung soll hinsichtlich seiner tragenden Elemente nachgezeichnet werden. Die Bedarfserbringung steht dabei aber im Spannungsfeld zwischen System und Lebenswelt. Diese Spannungsfelder zu thematisieren ist, so meine These, deshalb zentral, weil sich erst hierüber die Chancen und Grenzen der Bedarfserfüllung und Anforderungen an die Gestaltung der Leistungserbringung zeigen. Überlegungen zur wissenschaftlichen Begründung individueller Ansätze zur Bedarfserhebung und -umsetzung sollten sich an den fachlichen Leitzielen und ihrem Gehalt ebenso orientieren wie an den Spannungsfeldern, in denen sich die Bedarfserbringung vollzieht. Ganz wesentlich ist aber das Verständnis von »Teilhabe«, »Bedarf« und »Behinderung«, das der Komplexität und Relationalität dieser Kategorien gerecht werden sollte und sich unmittelbar auf die Handlungsspielräume der Adressaten und Adressatinnen auswirkt. Im Sinne eines Versuchs der Begründung und Differenzierung des Themas »individueller Hilfebedarf«, bezogen auf den Bereich der Eingliederungshilfe nach dem SGB XII, habe ich 2002 diesbezügliche Bilanzierungen zum damaligen Stand angestellt (vgl. Beck 2002). Im Rückblick und unter Bezug auf diese Überlegungen soll abschließend ein Fazit hinsichtlich der aktuellen Auseinandersetzung zur Frage des Wandels hin zur personalen Orientierung, zum Gehalt des Teilhabebegriffes, zum Verständnis alltäglicher Lebensvollzüge und behindernder Bedingungen gezogen werden.

 

2           Bedarf als sozialpolitische und fachliche Kategorie: eine erste Differenzierung der Verwendungszusammenhänge


 

Sowohl hinsichtlich der Begriffsbestimmung, der theoretischen Begründungszusammenhänge als auch der Praxis der Bedarfserhebung, -planung und -erfüllung lassen sich unterschiedliche Verständnisweisen, Zielsetzungen und Verwendungszusammenhänge finden. So unterscheidet sich eine durch einen gesetzlichen Leistungsträger vorgesehene Bedarfsermittlung als Basis der Prüfung von Leistungsansprüchen von der Planung der konkreten Leistungen und deren Umsetzung durch einen Leistungsanbieter. Die Ziele für die Feststellung eines sonderpädagogischen Förderbedarfs im Schulbereich sind andere als die der Hilfe- oder Teilhabeplanung für das unterstützte Wohnen. Es macht einen Unterschied, ob es um den Bedarf von bestimmten Bevölkerungsgruppen oder den eines oder einer Einzelnen geht. Bezogen auf Gruppen kann die Zielsetzung eine auf Kommunen oder Regionen bezogene Sozialplanung sein, in deren Rahmen Angebote und Leistungen für eine bestimmte Zielgruppe und eine eingegrenzte Problemlage entwickelt bzw. ausgebaut oder miteinander vernetzt werden sollen. Es kann hier aber auch darum gehen, alle Felder der Lebensführung zielgruppenübergreifend hinsichtlich des Abbaus von Barrieren der Zugänglichkeit und Nutzbarkeit zu verändern (vgl. Rohrmann 2016). In diesem Fall wird von »kommunaler Teilhabeplanung«, aber auch von »Aktionsplänen« oder »Inklusionsplänen« gesprochen, die wiederum ein Pendant auf der Ebene der Länder und mit dem Nationalen Aktionsplan der Bundesregierung zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) auf der Bundesebene haben. Eine gänzlich andere Zielsetzung unterliegt hingegen der im SGB XII § 75, 76, 79 enthaltenen Maßgabe der Bildung von »Gruppen mit vergleichbarem Hilfebedarf«, die als Basis der Leistungsentgeltberechnung für Einrichtungen dient. Sie muss von der Sozialplanung und vor allem von der individuellen Bedarfsermittlung und -planung deutlich unterschieden werden. Diese Hilfebedarfsgruppenbildung rekurriert auf die Identifikation von Anspruchsberechtigungen auf einen vorab definierten behinderungsbedingten Bedarf und dessen finanzielle Steuerung. Sie wird damit als Rahmenbedingung für eine Einrichtung leitend, weil sie in engstem Zusammenhang mit Vereinbarungen zur Prüfung der Wirtschaftlichkeit und Qualität der Leistungen steht; sie unterscheidet sich jedoch grundsätzlich von der Ebene der alltäglichen Lebensführung und Behinderungsbewältigung.

In einem ersten Zugriff lassen sich somit folgende Verwendungszusammenhänge von Bedarfsermittlungen im Feld von Behinderung differenzieren: Die Sozialplanung stellt ein angestammtes sozialpolitisches Instrument im regionalen oder kommunalen Raum dar, um problembezogen den Erhalt sozialer Leistungen bedarfsgerecht, das heißt bezogen auf Quantität und Qualität der Leistung und das Ziel der Verbesserung einer Lebenslage zu steuern. Sie ist auf die Behebung sozialer Ungleichheit gerichtet, die beim Zugang zu wichtigen Gütern der Lebensführung zu Nachteilen führt, wobei sich die Ziele dafür aus validen Daten ableiten sollen. Deshalb erfolgen häufig sehr intensive Analysen regionaler oder kommunaler Lebensverhältnisse im Sinne einer Sozialstatistik (z. B. Armuts- oder Arbeitslosigkeitsrate) neben anderen Formen von Bedarfsuntersuchungen und der Evaluation bestehender Leistungsangebote. Die Bildung von vergleichbaren Hilfebedarfsgruppen ist in erster Linie ein sozialpolitisches und -rechtliches Mittel zur Steuerung der Wirtschaftlichkeit von Leistungen. Tatsächlich entwickelten sich Anfang der 1990er Jahre die fachlichen Ansätze zur Qualitätsverbesserung zeitgleich mit ökonomisch motivierten gesetzlichen Veränderungen. Der individuelle Bedarf, auch als Hilfe-, Förder-, Rehabilitations-, Assistenz- und seit neuestem auch als Teilhabebedarf bezeichnet, hat seinen Ursprung in fachlichen Entwicklungen, die sich als Wandel »von der institutionellen zur personalen Perspektive« zusammenfassen lassen (vgl. erstmals Thimm 1989), und strebt im Kern eine Planung und Erbringung von Leistungen durch Dienste und Einrichtungen an, die eine anerkannte Lebensführung im Gemeinwesen ermöglichen sollen. Mittlerweile stellt die individuelle Bedarfsplanung auch ein sozial- und schulrechtlich gefordertes Verfahren dar. Die rechtliche Verankerung ist Folge des fachlichen Wandels, also reformerisch motiviert, aber auch ein Mittel zur Prüfung der Leistungserbringung und ihrer Wirkung und kann somit auch ökonomischen und Steuerungszwecken dienen. Damit aber steht die individuelle ebenso wie die gruppenbezogene Bedarfserhebung und -planung im Spannungsfeld von Hilfe und Kontrolle und dies auch jenseits der ökonomischen Motive, weil unmittelbar und zum Teil sehr breit in Lebensverhältnisse Einblick genommen wird.

 

3           Ursprünge und Motive der »Individualisierung« von Bedarfslagen - mehr als »individueller Hilfebedarf«


 

Zentrale Erkenntnisse und Motive, die die Verbreitung von Ansätzen zur damals sog. individuellen Hilfeplanung ab den 1990er Jahren in der Fachwelt förderten, leiteten sich aus den bis dahin vollzogenen Reformprozessen unter Stichworten wie Normalisierung, Integration oder Selbstbestimmung ab (vgl. Beck 1992; Lübbe & Beck 2002). Die relativ junge Geschichte einer von der statusbezogenen Bedarfsfeststellung unterschiedenen Bedarfsplanung beginnt mit der Auseinandersetzung um Strukturen des Hilfesystems und den Forderungen nach einem Leben so normal wie möglich; diese Forderung bezog sich auf die Verwirklichung »normaler« im Sinne anerkannter Lebensbedingungen an den Orten, wo sich auch die Lebensführung im Allgemeinen vollzieht und auf die Berücksichtigung individueller Bedürfnisse. Diese doppelte Perspektive auf Lebensverhältnisse kehrt wieder im Konstrukt der Lebensqualität als subjektivem Wohlbefinden in Übereinstimmung mit Standards, das sich damals als angestrebtes Ziel der Reformbemühungen durchzusetzen begann (vgl. Beck 1992; 1994). Dabei waren die...

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