Die Frauen des Hauses Fugger

Mit sanfter Macht zum Weltruhm
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
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  • erschienen am 30. März 2015
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  • 192 Seiten
 
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978-3-492-97062-4 (ISBN)
 
Die Augsburger Handwerker- und Kaufmannsfamilie Fugger stieg im 16.Jahrhundert zu sagenhaftem Reichtum und politischem Einfluss auf. Den Weg von einfachen Webern zum wichtigen Handelsgeschlecht ebneten auch die bislang nur wenig beachteten weiblichen Akteure des Hauses. Martha Schad zeigt, wie mit sanfter Macht die Fäden der Familien- und Reichspolitik gezogen wurden. Ein engagiertes Geschichtsbuch, das detaillierte Einblicke in Freud und Leid der Fugger bietet und dabei die historische Objektivität niemals verlässt.
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978-3-492-97062-4 (9783492970624)
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Heiraten in die Kaufmannschaft, das Patriziat und den niederen Adel

Aus der Ehe der Barbara Bäsinger und des Jakob Fugger d. Ä. waren elf Kinder hervorgegangen. »Aus der weiblichen Umsicht einer altdeutschen Bürgerin fand Barbara neben den Aufregungen des Geschäftes Zeit, um mit sicherer Hand die Erziehung zu lenken«. Es sei ihr »altershalber« ein Büchsenmeister, der Barchentweber Georg Pecher, als Pfleger zur Seite gestellt worden. Die Söhne Ulrich, Andreas, Hans, Peter und Georg wurden zu Kaufleuten bestimmt, Marx und Jakob traten in den geistlichen Stand. Die Mutter hatte den Tod der Söhne Andreas, Hans, Marx und Peter zu betrauern, so daß ihr schließlich nur noch die Söhne Ulrich, Georg und der wieder aus dem Kloster Herrieden ausgetretene jüngste Sohn Jakob zur Seite standen.

»Die Töchter galt es zu tüchtigen Bürgersfrauen heranzuziehen«. Da Barbara Fugger sehr betagt starb, sah sie noch die Söhne aus der Enge der schwäbischen Maßstäbe herauswachsen durch »Ehrbarkeit, Redlichkeit und Vernunft«. Sie erlebte die Wappenverleihung an ihre Söhne durch Kaiser Friedrich III. und verfolgte nicht ohne Stolz deren Beziehungen zur Kurie und die erfolgreichen Transaktionen für das Kaiserhaus. Bis auf die Hochzeit ihres jüngsten Sohnes Jakob, der sich erst 39jährig ein Jahr nach ihrem Tod verheiratete, sah sie die Verehelichung all ihrer Kinder. Ihr Einfluß auf die Partnerwahl sollte nicht unterschätzt werden.

Ulrich führte 1479 mit Veronika Lauginger erstmals eine »Frau patrizischen Geblüts in das Haus am Rohr ein«. Die Lauginger waren mit den reichsten und vornehmsten Familien verschwägert und besaßen große Landgüter, so z. B. Schloß Wellenburg. Sie wurden wie die Fugger selbst erst 1538 in das Patriziat der Stadt Augsburg aufgenommen. Die Lauginger waren allerdings ursprünglich von patrizischer Herkunft, »hatten sich aber nach 1368 unter die Zünfte begeben«.

Am Martinstag 1486 hatte sich Georg Fugger »mit der edlen und tugendsamen Jungfrau Regina Imhof, Geschlechters und Bürgers in Augsburg ehelicher Tochter, in den heiligen Ehestand eingelassen«.

Die Familie Imhof gehörte zu dem in Augsburg eingewanderten Landadel; somit schenkte Regina Imhof »dem Geschlecht eine Stammutter, deren Sippe ursprünglich ritterbürtig war«. Dieser Heirat verdankte die Fugger-Familie den Anschluß an die »quasi-patrizische Gesellschaft der Mehrer der Geschlechter«, deren Mitglied die Imhof waren, durch die patrizische Ehe eines ihrer Angehörigen.

Regina Fugger-Imhof schenkte fünf Söhnen und einer Tochter das Leben. Zwei Söhne, Johannes und Peter, starben als Kinder; ihr zweitgeborener Sohn Marcus starb mit 23 Jahren in Rom. Er war der Nachfolger seines Onkels Marx, eines Bruders seines Vaters, in der Pfründenvermittlung in Rom. In der Hand dieses Sohnes der Regina Fugger entstand eine enorme Pfründenhäufung, die zwar keineswegs dem Bestreben der Kirche entsprach, doch in der Praxis sehr wohl geduldet wurde. Der Jüngling von knapp zwanzig Jahren brachte es immerhin zum Dompropst von Passau und Regensburg, zum Propst von St. German und Moritz zu Speyer, von Neumünster in Würzburg, von St. Stefan in Bamberg, von St. Peter am Perlach in Augsburg: außerdem wurde er Archidiakon von Heiliggrab zu Liegnitz, Lizentiat des Geistlichen Rechts und päpstlicher Protonotar und Apostolischer Scriptor. Diese Anhäufung war zum Teil auf Kosten derer erfolgt, die sich an Marcus Fugger gewandt hatten, um durch ihn Pfründen zu erlangen. Dabei handelte es sich nicht nur um Ehrenämter, sondern um solche mit einträglichen materiellen Gewinnen. Marcus wird zum »Inbild« dessen, was ein am Heiligen Stuhl einflußreicher Oheim um 1500 vermochte. Eine glänzende Laufbahn wäre ihm beschieden gewesen, wäre er nicht 23jährig in Rom verstorben, wo er im Jahre 1511 in der Nationalkirche der Deutschen, der St. Maria dell'Anima, neben seinem Onkel Marx zur Ruhe gebettet wurde. Ob seine Mutter Regina unter den Trauergästen in Rom war, ist unwahrscheinlich. Der frühe Tod ihres so erfolgreichen Sohnes hatte die seit 1506 verwitwete Mutter schwer getroffen. Sie verwirklichte in Augsburg eine Idee ihres Sohnes, in seiner Propstkirche St. Peter eine Corpus-Christi-Stiftung zu errichten, zu »seinem Trost und Hilfe«, also zu seinem Seelenheil. Sie glaubte »nach der heiligen christlichen Kirche Lehre und Unterweisung, daß allen lebendigen und toten christgläubigen Menschen die allermeiste, größte, nützlichste und vollkommenste Hilfe sei das Amt der Heiligen Messe, darin der zarte, würdige Fronleichnam unseres lieben Herrn Jesu Christi und sein rosenfarbenes Blut gehandelt und gewandelt, sein bitteres Leiden und Sterben erneuert, vor dem Angesicht seines himmlischen Vaters aufgeopfert, seine göttliche Gnade gebeten wird und andere gute Werke mit Zierlichkeit, Gottesdienst zu künftigen Zeiten und ewigen Tagen, uns armen Sündern und allen gläubigen Seelen Hilfe und Gnade und Barmherzigkeit mitzuteilen.«

Die Seelenämter auf Fronleichnam und am Todestag ihres Sohnes, die von der Pfarrkanzel verkündet wurden und bei welchen man die Armen des Sebastian-Siechenhauses mit »Gottesbrot« für die Teilnahme daran belohnte, waren prunkvoll. Regina Fugger überschüttete die St. Peterskirche mit erlesensten Geschenken: ein karmesinfarbener Samtrauchmantel, Meßkleider und Levitenröcke mit dem Doppelwappen Fugger-Imhof, ein seidener Umhang und Perlenkranz für die Monstranz, ein rotsamtenes Korporale, ein seidenes Altartuch, ein geschnitztes und gemaltes Sakramentshaus, eine Fahne, ein Weihrauchfaß und ein Ampelschrein aus Messing. Die große Zahl der guten Werke, von Papst und Bischof gebilligt »sollte die Seele des verstorbenen Kurialen nach dem Wunsche seiner bangenden Mutter aus dem Fegefeuer befreien und ihr zu ewigen Seligkeit verhelfen«.

Die von Regina Fugger am 14. Juni 1512 errichtete Corpus-Christi-Stiftung zum Seelenheil ihres Sohnes Marx d. J. und die ausführliche Begründung der religiösen Absichten dieser Urkunde stellt ein klares Bekenntnis zum Wesen der spätmittelalterlich geprägten katholischen Kirche dar. Die Formulierungen dürften kaum von ihr stammen, und sie weisen in allem zeitgenössische Klänge auf, doch zeigen sie sehr deutlich, wie stark sie von dem Wunsche zu solch programmatischem Bekenntnis erfüllt war. Wesentlich ist diese Stiftungsurkunde auf jeden Fall deshalb, weil sie das geistige Milieu kennzeichnet, aus dem die weiteren Söhne, Anton und Raymund, als Kinder der Regina Imhof-Fugger hervorgingen. Anton wurde der künftige Herr der Fuggergesellschaft und Begründer der Antonius-Linie, Raymund Begründer der Raymundus-Linie, wie sie in der Genealogie des Hauses Fugger genannt werden.

Anna Fugger wurde die Ehefrau des Kaufmanns und späteren Chronisten Hector Mülich; dieser war zweifellos ein wohlhabender Mann, der führende Repräsentant der Kramerzunft und damit u. a. Mitglied des Kleinen Rates der Stadt Augsburg. Verwandtschaftliche Beziehungen zu einem weiteren Chronisten und Kaufmann, nämlich Wilhelm Rem, ergaben sich durch dessen Heirat mit Walburga Fugger, der Schwester von Hector Mülichs Ehefrau.

Wurden diese beiden Schwäger Jakob Fuggers vom Geschäft ferngehalten, um ihnen jeglichen Einblick in den Geschäftsgang zu verwehren, so scheint dies bei dem Ehemann der Barbara Fugger, Konrad Meuting (Heirat 1479), genau das Gegenteil gewesen zu sein. Unter den Geschlechtern, die im Jahre 1368 unter die Zünfte gingen, waren auch die Meuting, die patrizischen Ursprungs waren. Aus dieser ehelichen Verbindung seiner Schwester Barbara zog Jakob Fugger den größten wirtschaftlichen Nutzen. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts war die Meuting-Gesellschaft die »größte Augsburger Handelscompagnie«. So brachte es diese Heirat mit sich, daß in hohem Maß die Erfahrungen der Meuting-Gesellschaft und deren geschäftliche Verbindungen, deren Wert nicht abzuschätzen ist, den Fugger-Brüdern zugute kamen. Konrad Meuting übernahm die Fuggerische Vertretung in Antwerpen. Auch die Leitung der Innsbrucker Faktorei und die der Faktorei in Hohenkirchen lag eine Zeitlang in seinen Händen. Die Übernahme der Faktoreien erfolgte zeitweise unter dem Namen Meuting, »was den Fugger-Brüdern in Augsburg um so angenehmer war, als sie mit ihrem eigenen Namen nicht die Aufmerksamkeit auf sich lenkten und ihre Interessen über längere Zeit im Verborgenen blieben«. Die große Wertschätzung der Familie seiner Schwester zeigte Jakob Fugger in den äußerst großzügigen Zuwendungen an diese in seinem Testament vom 22. Dezember 1525.

Haben die geschilderten sozialen Verflechtungen schon beeindruckend den ständigen Aufstieg der Familie angezeigt, so kommt es in der nächsten Generation nicht etwa zum Stillstand, sondern zu Verbindungen mit Töchtern und Söhnen aus alten Patriziergeschlechtern, zu Heiraten mit dem niederen Adel im In- und Ausland.

Von den Söhnen Ulrichs und Georgs, die allein Nachkommen hinterließen, gingen nur noch zwei eine Ehe mit Töchtern aus Augsburger Familien ein, nämlich Ulrich II. mit Veronika Gassner, 1525, deren Vater als Finanzbeamter Kaiser Maximilians zu Macht und Einfluß gekommen war, und Anton, Nachfolger des großen Oheims Jakob Fugger, mit Anna Rehlinger, 1527, die aus altem patrizischem Landadel stammte. Anna wurde zur Stammutter der sogenannten Antonius-Linie des Hauses Fugger von der Lilie. Bei der Geburt des elften Kindes verstarb Anna erst 43jährig am 25. März 1548 in Schwaz. In Babenhausen wurde sie begraben. Anton blieb in seiner großen...

»Die Autorin holt die Frauen aus der Fußnote der Geschichtsschreibung... Mit der bei Martha Schad gewohnten Mischung aus Witz, Spannung und Detailreichtum.«, Aichacher Zeitung

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