Kater Ghizmo und das Geheimnis des Gutshofs

Katzenkrimi
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 28. Januar 2020
  • |
  • 310 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-8894-7 (ISBN)
 
Jenny van Rosmalen möchte auf dem Land ein neues Leben beginnen. Als sie ihr kleines Gehöft bezieht, stellt sie fest, dass ein frecher Streunerkater namens Ghizmo in der Miete inklusive ist. Doch kaum hat sie sich auf dem Hof eingerichtet, geschieht etwas Entsetzliches: Jenny findet eines Morgens auf der Weide nur noch die Überreste eines ermordeten Ponys. Ghizmo hat die abscheuliche Tat beobachtet - und versucht Jenny nun auf die Spur des Mörders zu bringen...

Spannung für Katzenfreunde mit einem aufgeweckten, charmanten Kater in der Hauptrolle.

Dieser Krimi ist in einer früheren Ausgabe unter dem Titel "Die Nacht, in der der Kater sang" erschienen.

eBooks von beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung!
1. Aufl. 2020
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 5,12 MB
978-3-7325-8894-7 (9783732588947)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Andrea Schacht (1956 - 2017) hat lange Jahre als Wirtschaftsingenieurin und Unternehmensberaterin gearbeitet, bis sie sich entschloss, ihre wahre Leidenschaft, das Schreiben, zum Beruf zu machen. Mit ihren historischen Romanen und ihren Katzenromanen hat sie sich eine große Fangemeinde erobert.

3


Das Pony und die Fee


Der weißpfotige Katzenspuk, der mich am Tag zuvor auf dem roten Eimer entzückt hatte, materialisierte sich am offenen Terrassenfenster, als ich gerade meinen Morgentee trank. Mutig, der Kleine. Und ausgesprochen hübsch. Wenn auch ein wenig mager. Aber sein getigertes Fell wirkte gepflegt, ebenso die weißen Socken und der weiße Strich über seiner rosa Nase. Große, grün funkelnde Augen sahen sich neugierig um und schienen auch mich kritisch zu begutachten. Aber als ich ihn höflich begrüßte, zog er sich leider zurück.

Dann entdeckte ich das Messer in meiner Hand und verstand seine Vorsicht.

Ich mochte Katzen.

Vielleicht wäre es schön, mit einer zusammenzuleben.

Ich ging zum Fenster und schaute nach draußen. Aber der Katzenspuk hatte sich wieder in die Unsichtbarkeit verzogen. Immerhin schien er - etwas sagte mir, dass es sich um einen Kater handeln musste - das Revier zu kennen. Und vermutlich war er es auch gewesen, der in der Nacht seinen volltönenden Gesang dargeboten hatte.

Der Tag war noch jung, die Sonne schien, und ich fühlte mich tatsächlich stark genug, drastische Entscheidungen zu treffen.

Ich würde in den Ort hinuntergehen und Vorräte einkaufen.

Der Spaziergang führte mich an der benachbarten Koppel vorbei, wo sich mir ein geradezu märchenhaftes Bild bot. Auf einem langmähnigen weißen Pony voltigierte eine zierliche Elfe. Ein Mädchen, vielleicht zwölf oder dreizehn, in rosa Jeans und einem flatternden weißen Hemd zeigte anmutig ihr Können. Ihre langen blonden Haare umwehten sie wie ein Schleier. Eine Szene wie aus einem kitschigen Mädchenpferdeliebe-Roman. Ich konnte nicht anders, ich musste stehen bleiben und ihr zusehen.

Das Geschöpf bemerkte mich und trabte auf den Zaun zu.

»Hi, ich bin Lili!«

Klar, wie auch anders?

»Hallo, ich bin Jenny«, stellte ich mich vor. »Ich wohne da drüben.«

»Weiß ich. Das ist Tinkerbell.«

Das Pony schnaubte.

»Und wer von euch beiden ist die Fee?«

Kichern antwortete mir. Lili hüpfte vom Ponyrücken.

»Wir haben schon gehört, dass das Haus vermietet wurde. Das ist gut so, es hat sich ziemlich einsam gefühlt. Gefällt es Ihnen?«

»Doch, ja. Es ist sehr hell und groß.«

»Da hat bis zum vergangenen Jahr der Florian drin gewohnt. Der war Maler, wissen Sie?«

»Ich habe es mir fast gedacht. Oben war sein Atelier, nicht wahr?«

Lili nickte eifrig.

»Er hat auch mal Tink gemalt. Und mir das Bild geschenkt. Das fand ich unheimlich süß.«

Links in meinem Augenwinkel nahm ich eine Bewegung wahr, und als ich mich leicht drehte, sah ich die weißen Pfoten. Der Kater schlich sich neugierig an.

»Und der Geselle da gehört auch zu dir?«, fragte ich.

»Der . Oh, das ist Ghizmo. Nein, der gehört nicht zu mir. Leider. Der war Florians Kater. Aber als der gestorben ist, letzten Herbst, da ist er in Tinkerbells Stall eingezogen. Ich hätte ihn ja gerne mit nach Hause genommen, aber Papa wollte das nicht. Also habe ich ihn hier hin und wieder gefüttert.«

»Er hat mich heute morgen schon besucht, ist aber ganz schnell verschwunden, als ich ihn begrüßen wollte.«

»Er ist ein bisschen menschenscheu. Wahrscheinlich vermisst er den Florian.«

Tatsächlich war der Kater wieder unsichtbar geworden.

»Vielleicht verliert er seine Scheu, wenn ich ihm ein Schälchen Futter anbiete.«

»Bestimmt. Er mag diese Knusperfischchen.«

Das Pony rieb seinen Kopf an Lilis Schulter, und sie strich ihm über die Nase.

»Wie lange trainierst du schon mit Tinkerbell?«, wollte ich wissen.

»Och, seit drei Jahren. Beim Sommerfest bin ich mit meiner Freundin Joly aufgetreten, in einem Duett. Mit Musik.«

Plötzlich wurde Lilis Gesicht traurig.

»Was ist passiert?«

»Jolys Pony kann nicht mehr auftreten. Jemand hat es verletzt. Am Hals. Sie haben es morgens auf der Weide gefunden. War ganz viel Blut. Aber es lebte noch. Und der Tierarzt wollte es einschläfern. Aber Joly . Jetzt steht es nur noch auf der Koppel.«

»Mein Gott, wer macht denn so was?«

»Ein Irrer. Ein durchgeknallter Irrer. Aber sie haben ihn nicht gefunden. Und ich habe Angst um Tink.«

Das konnte ich verstehen, und mir fielen auch keine beschwichtigenden Worte ein.

»Aber seither ist so etwas nicht wieder vorgekommen?«

»Nein. Und hoffentlich ist dieser Irre inzwischen weg. Papa meint, dass er nicht von hier war. Weil es in anderen Orten weiter weg auch solche Fälle gegeben hat.«

Da meine Kenntnisse zu regionalen Ereignissen der letzten Jahre eher dürftig waren, konnte ich nur nicken.

»Jenny, Sie wohnen jetzt hier gegenüber von Tinkerbell. Achten Sie ein bisschen auf sie?«

»Gerne. Aber ständig kann ich nicht am Fenster sitzen.«

»Nein, ich meine nur . Falls Ihnen was auffällt, rufen Sie uns dann bitte an?«

»Natürlich.«

Lili kramte einen rosa Notizblock aus ihrer Hosentasche und kritzelte zwei Telefonnummern darauf.

Ich steckte den Zettel in meine Hosentasche.

»Dann will ich mal sehen, dass ich etwas Futter für Ghizmo und mich finde. Unten im Ort gibt es sicher Geschäfte?«

»Klar, immer die Straße lang.«

Wir verabschiedeten uns, und beschwingt von der Begegnung mit der jungen Fee wanderte ich los. Gut zwanzig Minuten lang führte mich die Landstraße zwischen Weingärten und Feldern zu den ersten Häusern, umgeben von prachtvollen alten Gärten mit hohen, Schatten spendenden Bäumen. Die Kirchturmspitze leitete mich zum Ortskern, und hier mitten in das rege Geschäftsleben. Es war ein hübsches Örtchen. Vor den Läden standen Kästen mit Geranien und Margeriten, aus einer Bäckerei wehte mir der Duft von Hefegebäck entgegen, drei Hunde saßen mit hängenden Zungen vor der Metzgerei, eine Boutique warb mit Sonderpreisen auf die Sommerware, und vor einem Lebensmittelladen warteten Einkaufswagen auf die Kunden.

Ich beschloss, einen dieser Wagen zu nehmen und wagte mich in das Innere.

Für einen Moment musste ich die Augen schließen. Es war lange her, dass ich eine solche Fülle von Waren gesehen hatte. Aber dann packte es mich wie ein Rausch. Im Haus hatte ich so gut wie keine Vorräte gefunden, also legte ich alle möglichen Grundnahrungsmittel in den Wagen, bedachte, dass ich auch für die Sauberkeit verantwortlich war, und sammelte Reinigungsmittel zusammen, fand eine reiche Auswahl an Katzenfutter, und an der Frischetheke wühlte ich glücklich in Trauben, Äpfeln, Zwiebeln und Kartoffeln.

Und dann passierte es. Zwei übergewichtige Frauen drängten mich zur Seite, es wurde plötzlich so eng um mich. Keuchend sog ich den Atem ein. Mein Gesichtsfeld wurde immer kleiner, meine Lungen fassten keine Luft mehr. Ich schwankte. Atmen - ja, ganz ruhig atmen. Sich ablenken, keine Angst haben - aber mach das mal einer, wenn er kurz vor dem Ersticken steht. Ich hörte mich röcheln, meine Beine gaben nach, blinde Panik umfing mich .

Arme hielten mich, ließen mich zu Boden gleiten, drückten mir den Kopf zwischen die Knie.

»Alles gut, weiteratmen!« Hände drückten auf meinen Brustkorb. »Keine Angst, ich bin hier. Ich helfe Ihnen. Ich bin Ärztin. Ganz ruhig, ganz ruhig. Gleich geht es vorbei. Nichts bedroht Sie.«

Unter ihren Händen wurde mein Atem ruhiger, klärte sich die Sicht.

»Geht es wieder?«

»Gleich. Gott, wie peinlich.«

»Aber überhaupt nicht. Kommen Sie, da drüben können Sie sich hinsetzen.«

Die Frau führte mich zu einem Hocker, den eine hilfreiche Seele herbeigeschafft hatte. Mit wackeligen Knien setzte ich mich, noch immer zitternd.

»Irgendeine Krankheit, irgendwelche Medikamente, die das auslösen, oder einfach Panik?«

»Enge . kann ich nicht ertragen.«

»Ja, das gibt es. Und Hilfe gibt es auch dagegen.«

»Ich weiß. Aber manchmal . Zu früh .«

»Kann man nichts dagegen tun. Ist das ihr Einkaufswagen?«

Jemand hatte den vollgeladenen Wagen neben mich geschoben. Und schon wollte mich wieder Panik übermannen. Wie sollte ich nur all diese Sachen nach Hause bekommen?

»Ruhig, ganz ruhig, das kriegen wir schon hin. Wo haben Sie geparkt?«

»Ich bin zu Fuß hier. Gott, ich bin so blöd.«

Die Ärztin sah mich mit einem langen, fragenden Blick an. Dann sagte sie leise: »Es ist noch nicht lange her, dass Sie Ihre Therapie beendet haben, richtig?«

Ich senkte den Kopf.

»Vorgestern. Ich . ich bin gestern hier in ein Haus gezogen. Es ist noch alles so neu.«

»Gut, wo wohnen Sie?«

»Auf dem Feyenhof, oben, hinter den Weinfeldern.«

»Dann gehen wir jetzt gemeinsam zur Kasse, und ich fahre Sie nach Hause. Nein, keine Widerrede!«

Ich sparte mir diese, dankbar für die unerwartete Hilfe.

Drei große Tüten luden wir in das Auto, und die Ärztin, die sich als Serena Werla vorstellte, plauderte während der Fahrt über ihre Tätigkeit in der Klinik im Nachbarort. Außer ein, zwei Richtungsanweisungen brauchte ich nichts zu sagen. Sie half mir auch, die Einkäufe in die Küche zu tragen, legte dann eine Visitenkarte auf die Theke und verabschiedete sich mit den Worten: »Rufen Sie mich an, wenn Sie Hilfe brauchen. Es mag Zufall gewesen sein, aber solche Fälle wie der Ihre fallen in meinen Aufgabenbereich.«

Damit war sie weg, die Frau Psychiater.

Nein, ich...

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