Kater Ghizmo und der Duft des Geldes

Katzenkrimi
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 28. Januar 2020
  • |
  • 320 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-8895-4 (ISBN)
 
Eigentlich läuft es für den charmanten Streunerkater Ghizmo wunderbar: Mit Jenny van Rosmalen, der Besitzerin des Gehöfts, lebt es sich sehr harmonisch, die Nachbarschaft verhält sich friedlich, und die Futterschale ist stets gut gefüllt. Doch da schreckt eine Einbruchsserie das verschlafene Örtchen auf. Als Jenny in den Fall verwickelt wird, nimmt Ghizmo sich der Sache an. Und je tiefer er sein vorwitziges Näschen in die Angelegenheit steckt, desto sicherer ist er, dass mehr hinter den Einbrüchen steckt als gedacht ...

Der zweite Fall für den frechen Kater Ghizmo und seine geheimnisvolle "Mitbewohnerin" Jenny.

Dieser Krimi ist in einer früheren Ausgabe unter dem Titel "Der Tag, an dem die Katze kam" erschienen.

eBooks von beTHRILLED - mörderisch gute Unterhaltung!
1. Aufl. 2020
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 5,08 MB
978-3-7325-8895-4 (9783732588954)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Andrea Schacht (1956 - 2017) hat lange Jahre als Wirtschaftsingenieurin und Unternehmensberaterin gearbeitet, bis sie sich entschloss, ihre wahre Leidenschaft, das Schreiben, zum Beruf zu machen. Mit ihren historischen Romanen und ihren Katzenromanen hat sie sich eine große Fangemeinde erobert.

1


Träge Tage


Etwas Feuchtes bohrte sich in mein rechtes Ohr. Etwas, das von einem laut brummenden Motor angetrieben wurde. Das passte nicht zu dem, was ich eben geträumt hatte. In meinem seltsam verworrenen Traum ging es nicht um Motoren, sondern um kopflose Pferde.

Mühsam hob ich die Lider und tastete benommen an mein Ohr.

Meine Hand traf Pelz.

Der Motor wurde lauter, und eine Raspel fuhr über meine Wange.

Das störte mich, und ich drehte mich weg.

»Schurrrrrr!«

»Mhm?«

»Maumau!«

»Oh.«

»Ungerrrrr!«

»Ah!«

In mein vom Schlaf benebeltes Bewusstsein drang der herrische Befehl eines hungrigen Katers, der seine Morgenmahlzeit verlangte.

»Gleich, Ghizmo. Gleich. Gott, bin ich müde!«

Plumps.

Trappeln auf der Holztreppe.

Halb benommen drehte ich mich um und warf einen Blick auf den Wecker.

Das durfte doch nicht wahr sein. Halb elf?

Ich raffte meinen gesamten Willen zusammen und taumelte nach unten in die Küche, um dem Herrn des Hauses den Napf zu füllen.

»Du warst sehr geduldig, Ghizmo.«

In seinem Blick lag ein milder Vorwurf, dann stürzte er sich auf das Futter. Während er es laut schmatzend verputzte, streichelte ich entschuldigend über seinen Rücken. Es störte ihn nicht.

Also trottete ich wieder nach oben und versuchte, mit kaltem Wasser die Reste der Benommenheit abzuspülen. Es gelang mit Maßen.

Zwei Wochen war es her, dass der Fall des Pferdemörders gelöst worden war, und heimlich war ich ein bisschen stolz darauf, dass ich dazu beigetragen hatte.

Dann aber folgte der Fluch der Tat, und ich musste mich mit schlaflosen Nächten und Anfällen von Panik herumschlagen. Nach drei Tagen gab ich übernächtigt auf und rief Dr. Werla an. Die nette Psychiaterin aus der Klinik im Nachbarort gab mir umgehend einen Termin, hörte sich mein Jammern an und verschrieb mir Medikamente.

Damit konnte ich schlafen.

Aber um welchen Preis.

Wenn ich morgens das Bett verlassen hatte, wanderte ich wie ein Geist durch die Räume meines Hauses. Es gehörte seit dem vergangenen Monat mir, und ich hatte einiges an Renovierungsarbeiten in Auftrag gegeben. Meister Baumstark, der schmächtige Malermeister, hatte die Wände tapeziert und gestrichen, Isabell den grauenvollen Teppichboden entfernt und das darunterliegende Parkett so wunderbar bearbeitet, dass es golden im Licht schimmerte. Die alten Möbel waren in die Scheune geräumt worden, gestern waren die neuen gekommen. Eine Orgie von Blau, Türkis, Maigrün und roten und gelben Tupfern beherrschte den großen Wohn-/Essbereich jetzt und hätte mich aufmuntern sollen.

Mich munterte leider nichts auf, und Ghizmo war sauer. Er kam seit Tagen nur noch zu seinen Futterzeiten ins Haus.

Katzen lieben Veränderungen nicht, hatte ich damit gelernt. Und pünktlich serviert wurde zu allem Überfluss auch nicht mehr. Zumindest das konnte ich ändern. Ich würde mir den Wecker stellen, damit der arme kleine Kerl wenigstens regelmäßig sein Essen bekam. Und der magere Streuner in der Scheune ebenfalls.

Weshalb ich den nächsten Napf füllte und mich auf den Weg zu seinem Asyl machte.

Mein Anwesen - ha, wie sich das anhörte - bestand aus dem L-förmigen Wohnhaus, einer breiten Garage, in die ich mich bisher geweigert hatte, einen Blick zu werfen, und einer Scheune, die, als der Feyenhof noch landwirtschaftlich genutzt wurde, als Lager für Heu und Stroh und allen möglichen Müll benutzt worden war. Ich hatte sie entrümpeln lassen und wartete auf eine zündende Idee, was man aus ihr machen sollte.

Bis der Funke flog, nutzte ich sie wie mein Vorgänger - ich hatte Gerümpel darin angesammelt. Das ging erstaunlich schnell. Inzwischen war sie mit den betagten Sitzmöbeln, dem zerschrammten Esstisch, etlichen Stühlen, Kommoden und Regalen möbliert. Mehrere Decken, manche farbbekleckst, hatten sich auch eingefunden. Und auf einer davon, in der Ecke des Sofas, lag ein schwarzer Kringel.

Ich hatte den Verdacht, dass Ghizmo diesem zerzausten Streuner Gastrecht gewährt hatte. Der Kater trug die Blessuren eines langen, entbehrungsreichen Lebens an seinem Körper. Er war menschenscheu und unfreundlich, dennoch besaß er so viel Überlebenswillen, dass er das gebotene Fressen nicht ausschlug. Durch vorsichtiges Beobachten hatte ich bemerkt, dass der arme Kerl so gut wie keine Zähne mehr hatte.

Vermutlich hatte er auch noch diverse andere Leiden, aber ich konnte ihm nicht nahe genug kommen, um ihn in einen Tragekorb zu packen und zur Tierärztin zu bringen.

Krallen hatte er nämlich noch.

Als ich zu ihm trat und den Napf abstellte, schreckte er auf und fauchte mich an.

»Schon gut. Ist nur dein Futter.«

Grüne Augen funkelten mich an, aber ich vermeinte darin nicht nur Misstrauen, sondern auch ein wenig Gier zu sehen. Doch ich wusste schon, dass er erst über sein Mahl herfallen würde, wenn ich ihm den Rücken zugedreht hatte. Ich respektierte sein Verhalten und ließ ihn allein.

Irgendwann, wenn nicht mehr ganz so viel Watte in meinem Gehirn war, würde ich eine Entscheidung treffen müssen, was ich mit dieser Scheune anfangen wollte. Als Wohnraum war sie ungeeignet, außerdem war das Haus für mich groß genug. Isabell, die quirlige Schreinerin, hätte gerne einen Fitnessbereich daraus gemacht, samt Sauna und Whirlpool. Vermutlich hegte sie die Hoffnung, zur Mitnutzung eingeladen zu werden. Na ja, schick wäre das schon.

Kalt wehte der Herbstwind durch meinen Pyjama, als ich über den Hof zurück in meine warme Höhle hastete. Zeit, mir mein eigenes Frühstück zu richten. Oder sollte ich gleich mit dem Mittagessen beginnen? Entscheidungen zu treffen fiel mir schwer, aber die Kaffeemaschine setzte ich doch schon mal in Gang. Und ein molliger Trainingsanzug fand sich auch im Badezimmer.

Noch immer taumelig setzte ich mich mit Zeitung, Kaffee und ein paar Keksen an meinen schönen neuen Esstisch und döste vor mich hin. Die Tabletten hatten zwar die Anfälle von atemloser Angst verscheucht, aber alles war mir nun so gleichgültig. Und meine Konzentrationsfähigkeit ließ auch zu wünschen übrig.

Immerhin las ich mit einigem Interesse die lokalen Nachrichten, die von der Renovierung des Hallenbades, den Veranstaltungen des Reitvereins, dem Auftritt des Gesangsvereins und der Verhaftung einer Bande von Einbrechern berichteten. In diesem Zusammenhang bat die Polizei, wachsam die Nachbarschaft zu beobachten, und gab Ratschläge, wie Fenster und Türen zu sichern seien.

Meine Fenster und vor allem meine Haustür entsprachen, wie mir dabei klar wurde, nicht dem einbruchsicheren Standard. Aber fest verschlossene Türen machten mir mehr Angst als offen stehende. Und ich war auch leichtsinnig - mehr als einmal hatte ich schon vergessen, die Fenster zu schließen, wenn ich das Haus verließ.

Vielleicht sollte ich solchen Dingen zukünftig etwas mehr Aufmerksamkeit widmen.

Aber hatte man die Einbrecher nicht gefasst? Und gab es bei mir überhaupt etwas, das solche Leute reizen könnte, hier einzudringen?

Diese Gedanken gingen mir durch den Kopf und lösten sich wieder auf. Wichtig waren sie mir nicht.

Die übrigen Nachrichten fesselten mich ebenfalls nicht besonders, ich überlas sie flüchtig und blieb auf der letzten Seite lediglich an einem kleinen Artikel hängen, der von einem Banküberfall im Taunus berichtete. Zwei maskierte und bewaffnete Männer waren in einer Kleinstadt in die örtliche Bankfiliale gestürmt und hatten die Kassiererin bedroht, die ihnen fünftausend Euro in großen Scheinen aushändigte. Allerdings hatte sie dabei vergessen, den Alarm auszulösen. Das war dann erst dem Filialleiter eingefallen, nachdem die Räuber bereits das Weite gesucht hatten. Das Bild aus der Überwachungskamera war unscharf und zeigte nur zwei vermummte Typen.

Man hatte es den Tätern wahrlich leicht gemacht.

Leichtsinnig war also nicht nur ich. Komischerweise beruhigte mich das, und irgendwie verdämmerte ich den Nachmittag. Später ließ ich meine eifrige Putzfrau Inge ein, die wortreich die neue Einrichtung kommentierte - sie fand nicht wirklich ihre Zustimmung. Inge war der Typ für rustikale Eichenmöbel und wuchtige Polster in gedämpften Brauntönen. Ich entfloh ihr und machte einen gemächlichen Spaziergang zum herbstlich duftenden Wald.

Die kühle Luft endlich belebte meine Sinne, und auf dem Rückweg wechselte ich einige Worte mit meinem Nachbarn, Grandpa Woody, der in seinem Garten ein paar Blätter zusammenfegte.

»Die Kleine übt sehr eifrig mit ihrem neuen Pony«, sagte er und wies auf die Koppel gegenüber von meinem Haus.

»War Lili heute schon da?«

»Natürlich. Zwei Stunden hat sie ihre Runden gedreht. Ein munteres Ding, nicht wahr? Schön, dass sie jetzt wieder ein Pferdchen hat.«

Lili, die Tochter des Weingutbesitzers Raoul Pfeiffer, hatte ein weißes Pony namens Tinkerbell besessen, das bedauerlicherweise dem Pferdemörder zum Opfer gefallen war. Ihre Trauer war unermesslich gewesen, und da ihr Vater wegen eines Problems mit seinen Weingärten derzeit einen finanziellen Engpass zu bewältigen hatte, konnte er ihr keinen Ersatz beschaffen.

Ich hatte dafür gesorgt, dass Goldbeere auf die Weide kam. Aber das wusste niemand.

»Ich kann es schlecht beurteilen, Woody, aber möglicherweise ist sie eine recht begabte Reiterin.«

»Das ist sie ohne Zweifel. Und es war nett von Ihnen, ihr zu ermöglichen, ihre Fähigkeiten weiter zu...

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