Verbannung

Roman
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 9. November 2021
  • |
  • 624 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-28046-8 (ISBN)
 

Weicht keinen Zentimeter!

A.D. 57: Nach außen ist Nero der schillernde Herrscher Roms. Doch in Wahrheit lenken andere die Geschicke des Imperiums. Als eine Geliebte des Kaisers zu viel Einfluss gewinnt, veranlasst der Berater Seneca ihre Verbannung nach Sardinien.

Tribun Cato, nach einer glücklosen Mission an der Ostgrenze des Reichs in Ungnade gefallen, soll ihre Sicherheit garantieren. Doch die Stämme aus dem Hinterland der Insel verüben immer wieder blutige Raubzüge. Lediglich eine Handvoll loyaler Männer steht an Catos Seite.

Furchtlos kreuzen die zahlenmäßig unterlegenen Römer ihre Klingen mit den Barbaren.



  • Deutsch
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  • Deutschland
Heyne
  • 2,10 MB
978-3-641-28046-8 (9783641280468)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Simon Scarrow wurde in Nigeria geboren und wuchs in England auf. Nach seinem Studium arbeitete er viele Jahre als Dozent für Geschichte an der Universität von Norfolk, eine Tätigkeit, die er aufgrund des großen Erfolgs seiner Romane nur widerwillig und aus Zeitgründen einstellen musste.

KAPITEL 1

Rom, Sommer 57 n.?Chr.

Der Garten des »Stolz von Latium« bot eine hervorragende Aussicht auf die Stadt. Das Gasthaus lag auf einer kleinen Anhöhe direkt an der Via Ostiensis, jener Straße, die vom Hafen in Ostia in das etwa fünfzehn Meilen entfernt gelegene Rom führte. Eine leichte Brise fuhr durch die raschelnden Zweige der hohen Pappel, die unweit des Gasthauses stand. Mehrere Holzspaliere, über die man Weinranken gezogen hatte, boten an den Tischen und Bänken des Gartens Schutz vor der gleißenden Nachmittagssonne. Das »Stolz von Latium« besaß eine ausgezeichnete Lage, wenn es darum ging, unter den Menschen, die die Straße entlangkamen, Gäste zu gewinnen. Da waren Kaufleute und Viehtreiber, die Waren aus allen Teilen des Imperiums in die Hauptstadt brachten, und ebenso Beamte und Vergnügungsreisende, die den kürzlich vollendeten Hafenkomplex in Ostia entweder aufsuchten oder von dort kamen. Es gab Reisende, die Rom verließen, um das Meer zu überqueren, und andere, die in die Hauptstadt zurückkehrten, nachdem sie ihren Dienst an der Ostgrenze geleistet hatten. Zu Letzteren gehörte eine kleine Gruppe, die am Tisch mit dem besten Blick auf Rom saß.

Sie waren zu fünft: zwei Männer, eine Frau, ein Junge und ein großer, wild aussehender Hund. Der Wirt und Besitzer des Gasthauses behielt sie scharf im Auge, als er mit einem alten Lappen Ameisen von seinem Tresen wischte. Er besaß so viel Erfahrung, dass er einen Soldaten erkannte, wenn er einen vor sich hatte, auch wenn dieser keine Uniform trug. Obwohl die Männer anstatt der schweren Wollkleidung der Legionen nur leichte Leinentuniken trugen, verriet ihre Haltung die ruhige Sicherheit von Veteranen, und die Narben der beiden deuteten darauf hin, dass sie an vielen Schlachten teilgenommen hatten. Der Ältere war ein wenig kleiner als der Durchschnitt, doch kräftig gebaut. Graue Strähnen zogen sich durch sein kurz geschnittenes dunkles Haar, und sein Gesicht war von tiefen Furchen und Narben durchzogen. Aber außer diesen Zeugen seiner hart erworbenen Erfahrung hatte er auch kleine Fältchen um die Augen und die Mundwinkel und war stets zu einem Lächeln bereit, was sein heiteres Gemüt verriet. Er mochte fünfzig Jahre alt sein, schätzte der Wirt, und gewiss das Ende seiner Laufbahn erreicht haben. Der andere Mann, der neben dem Knaben saß, hatte ebenfalls dunkles Haar, war aber fast zwei Jahrzehnte jünger, vielleicht so um die dreißig. Es war schwer, sein Alter genauer zu bestimmen; er hatte einen nachdenklichen Gesichtsausdruck, und die kontrollierte Eleganz seiner Bewegungen verriet eine größere Reife, als man sie von einem jungen Mann erwarten würde. Im Gegensatz zu seinem kleineren Kameraden war er groß, und er war so schlank wie der andere bullig und muskulös war.

Der Wirt hatte wohl noch nie zwei Männer gesehen, die so wenig zueinanderzupassen schienen, doch beide waren sie zweifellos harte Burschen, und er war froh, dass sie noch bei ihrem ersten Krug Wein und damit nüchtern waren. Er hoffte, das würde auch so bleiben. Oft genug waren betrunkene Soldaten fröhlich und sentimental und schon einen Augenblick später wütend und gewalttätig, wenn sie sich auch nur im Geringsten gekränkt glaubten. Glücklicherweise hätten die Frau und der Junge wahrscheinlich einen besänftigenden Einfluss. Sie saß neben dem älteren Mann und rückte noch ein Stück näher, als er seinen haarigen Arm um sie legte. Ihr langes dunkles Haar war zu einem einfachen Pferdeschwanz gebunden und enthüllte ein breites Gesicht mit dunklen Augen und sinnlichen Lippen. Sie besaß eine füllige Figur und eine entspannte Art und hielt beim Wein Becher für Becher mit den Männern mit. Der Junge war etwa fünf Jahre alt. Sein Haar war dunkel und lockig, und er hatte dieselben Züge wie der jüngere Mann, weshalb der Wirt annahm, dass es sich bei diesem um seinen Vater handelte. Die aufgeweckte Miene des Jungen verriet, dass er jede Menge Unsinn im Kopf hatte, und während sich die Erwachsenen unterhielten, schob er seine kleine Hand heimlich auf den Becher der Frau zu, bis sie seinen Arm sanft wegschob, ohne auch nur hinzusehen - wie das oft bei Frauen ist, die einen unheimlichen sechsten Sinn entwickelt haben, wenn es um Kindererziehung geht.

Der Wirt lächelte, warf den Lappen in einen Eimer mit trübem Wasser und ging zum Tisch der kleinen Gruppe, wobei er sich bemühte, einen Bogen um den Hund zu machen.

»Möchtet ihr etwas zu essen, meine Freunde?«

Sie sahen auf, und der ältere Mann erwiderte: »Was gibt es?«

»Rindereintopf. Aufschnitt vom Schwein, warm oder kalt. Dann hätte ich noch geröstetes Huhn, Ziegenkäse, frisch gebackenes Brot und Obst. Trefft eure Wahl, und ich sorge dafür, dass mein Mädchen euch die beste Mahlzeit zubereitet, die ihr jemals an der Straße nach Ostia bekommen werdet.«

»Das beste Essen im Umkreis von fünfzehn Meilen?« Der ältere Mann lachte leise und fuhr in ironischem Ton fort. »Du nimmst den Mund ja ganz schön voll.«

»Lass gut sein, Macro«, unterbrach ihn der Jüngere und wandte sich seinerseits an den Wirt. »Wir hätten gern eine schnelle Mahlzeit. Wir nehmen kalten Schweineaufschnitt, dazu das Huhn und ein Körbchen Brot. Hast du Olivenöl und Garum?«

»Ja. Kostet ein klein wenig extra.«

»Ich mag kein Garum«, murmelte der Junge. »Grässliches Zeug.«

Der ältere Mann lächelte ihn an. »Du musst es nicht essen, Lucius. Ich nehme deine Portion, Kumpel.«

»Was verlangst du dafür?«

Rasch rechnete der Wirt im Kopf die einzelnen Posten zusammen. Dabei stützte er sich auf den Preis der Zutaten, noch mehr aber auf die Qualität der Kleidung der Männer und die Wahrscheinlichkeit, dass sie den Restsold von ihrem letzten Einsatz bei sich trugen. Seiner Erfahrung nach waren Männer, die auf diese Weise nach Hause zurückkehrten, oft bereit, etwas mehr auszugeben, ohne ein großes Theater zu machen. Er kratzte sich seitlich am Kopf und räusperte sich. »Ich kann euch ein wunderbares Mahl für drei Sesterzen pro Kopf anbieten. Garum, Öl und einen weiteren Krug Wein eingeschlossen.«

»Drei Sesterzen?« Die Frau schnappte verächtlich nach Luft. »Du machst wohl Witze, Mann. Wenn wir alles in allem fünf bezahlen würden, wäre das noch immer zu viel.«

»Also, hör mal zu .« Der Wirt setzte eine empörte Miene auf und trat einen halben Schritt zurück. Aber sie unterbrach ihn, bevor er fortfahren konnte, zeigte mit dem Finger auf ihn und folgte diesem Finger mit ihrem Blick, als fixiere sie ein Ziel mit einem Pfeil.

»Nein! Du hörst mir zu, du gieriges kleines Wiesel. Ich habe auf den Märkten von Rom Speisen verkauft, seit ich laufen konnte, und ich war mehr als zwei Jahre lang auf Märkten auf dem Land und in den Straßen von Tarsus. Nirgendwo habe ich erlebt, dass jemand versucht hätte, es so weit zu treiben wie du jetzt.«

»Aber die Preise sind gestiegen, nachdem du weggegangen warst«, jammerte er lautstark. »Auf Sardinien gab es eine Hungersnot und eine Seuche, und die treiben die Preise hoch.«

»Lass dir etwas Besseres einfallen«, gab sie knurrend zurück.

Der junge Mann konnte sich nicht mehr beherrschen und brach in lautes Gelächter aus. Er nahm ihre Hand und drückte sie liebevoll. »Immer mit der Ruhe, Petronella. Du machst dem Mann Angst. Außerdem lade ich euch ein.« Er wandte sich an den Wirt. »Um des Friedens und der Freundschaft willen treffen wir uns in der Mitte.«

»Also gut, zehn«, erwiderte der Wirt rasch. »Billiger geht es wirklich nicht.«

»Zehn?« Der junge Mann seufzte. »Sagen wir acht oder ich muss Petronella noch einmal auf dich loslassen.«

Der Wirt warf ihr einen wachsamen Blick zu, sog durch seine fleckigen Zähne pfeifend Luft ein und nickte schließlich. »Also gut, acht. Aber ohne den Wein.«

»Mit Wein«, verlangte der junge Mann nachdrücklich. Jeder humorvolle Ausdruck seiner dunklen Augen war völlig verschwunden, während er den Mann eindringlich anstarrte.

Der Wirt blähte die Wangen auf, dann wandte er sich ab und eilte zur Tür hinter der Theke, die in die Küche führte, und schrie seiner Kellnerin die Anweisungen zu.

»Das ist mein Mädchen«, sagte Macro. »Wild wie eine Löwin. Ich selbst habe noch die Kratzer am Leib und kann es beweisen.«

»Du hättest keine acht bezahlen müssen, Herr.« Petronella runzelte die Stirn. »Das ist zu viel.«

Cato schüttelte den Kopf. Es amüsierte ihn, dass sie ihn manchmal noch immer als ihren Herrn ansprach. Er hatte ihr vor über einem Jahr die Freiheit gegeben, nachdem Macros Neigung ihr gegenüber offensichtlich geworden war. Und jetzt waren sie verheiratet, und der Veteran und Centurio war entschlossen, sich um sein offizielles Ausscheiden aus dem Dienst zu bemühen, damit die beiden sich irgendwo in Frieden zur Ruhe setzen konnten. Tatsächlich aber würde der Frieden ein wenig schwieriger zu erreichen sein, als Macro sich das vorstellte, denn sie wollten in Kürze nach Britannien aufbrechen, wo er die Hälfte des Geschäfts übernehmen sollte, das er zusammen mit seiner Mutter besaß. Cato kannte Macros Mutter so gut, dass er wusste, sie würde Petronella in jeder Hinsicht die Stirn bieten können, denn ihre Krallen waren nicht weniger scharf. Wenn Cato den Charakter der beiden Frauen richtig einschätzte, hätte Macro alle Hände voll zu tun. Der Centurio würde sich schon bald wieder wünschen, im Dienst der Legionen einem weniger Furcht einflößenden Feind gegenüberzustehen. Doch Macro hatte seine Entscheidung getroffen, und es gab nichts, das Cato tun konnte oder auch nur tun wollte, um seinen Freund von dessen...

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