Die Prophezeiung des Adlers

Die Rom-Serie 6
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 9. September 2013
  • |
  • 656 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-10295-1 (ISBN)
 
Sie werden kämpfen - und sie werden siegen!

Rom, A. D. 45: Die Centurionen Macro und Cato erhalten einen gefährlichen Auftrag. Geheime Schriftrollen, die über die Zukunft Roms entscheiden, sind in die Hände von Piraten geraten. Mit der römischen Flotte begeben sie sich auf die Jagd. Die erste Begegnung mit den Piraten jedoch gerät zum Desaster. Macro und Cato werden für die Niederlage verantwortlich gemacht. Um ihre Ehre zu retten, gibt es nur einen Weg: Sie müssen das Hauptquartier der Piraten ausfindig machen und sich in die Höhle des Löwen begeben.

  • Deutsch
  • München
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  • Deutschland
Heyne
  • 1,28 MB
978-3-641-10295-1 (9783641102951)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Simon Scarrow wurde in Nigeria geboren und wuchs in England auf. Nach seinem Studium arbeitete er viele Jahre als Dozent für Geschichte an der Universität von Norfolk, eine Tätigkeit, die er aufgrund des großen Erfolgs seiner Romane nur widerwillig und aus Zeitgründen einstellen musste.

KAPITEL 2

Rom . Scheiße .« Centurio Macro stöhnte, während er sich auf seinem Strohsack aufrichtete. Der schreckliche Schmerz in seinem Schädel ließ ihn zusammenzucken. »Ich bin immer noch in Rom.«

Durch den zerbrochenen Fensterladen fiel ein matter Lichtstrahl in das schmuddelige Zimmer und legte sich auf sein Gesicht. Er schloss die Augen, presste die Lider zusammen und holte langsam tief Luft. Am Vorabend hatte er bis zur Bewusstlosigkeit gesoffen, und wie üblich schwor er sich nun im Stillen, nie wieder billigen Wein anzurühren. Die vergangenen drei Monate waren voll von solchen Schwüren gewesen. Tatsächlich hatten sie sich in den letzten Tagen beunruhigend gehäuft, da Macro zu zweifeln begonnen hatte, ob er und sein Freund Cato jemals wieder irgendwohin abkommandiert werden würden. Es schien eine Ewigkeit her zu sein, seit sie gezwungen gewesen waren, die Zweite Legion in Britannien zu verlassen und nach Rom zurückzukehren. Macro sehnte sich inbrünstig nach einem militärischen Leben zurück. In einer der Legionen, die entlang der langen Grenzen des Reichs aufgestellt waren, musste es doch gewiss eine freie Stelle geben? Aber anscheinend erfreuten sich alle Centurionen im aktiven Dienst einer abscheulich guten Gesundheit. Entweder das, überlegte Macro mit finsterer Miene, oder es gab irgendeine Verschwörung, um ihn und Centurio Cato aus der Liste der aktiv Diensttuenden zu streichen und ihnen ihren ausstehenden Sold weiter vorzuenthalten. Das war eine absolute Verschwendung seiner langjährigen Erfahrung, dachte er wütend. Und ein schlechter Start für Cato, der vor nicht einmal einem Jahr zum Centurio befördert worden war.

Macro öffnete das eine Auge einen Spalt und blickte über die nackten Bodendielen zur anderen Seite des kleinen Zimmers. Catos dunkle, zerzauste Locken lugten unter mehreren Lagen von Umhängen und Decken hervor, die sich auf den billigen Strohsäcken türmten. Die zerschlissenen Lagerstätten stanken nach Schimmel und waren fast die einzige Möblierung gewesen, die sie in dem gemieteten Zimmer vorgefunden hatten.

»Cato .«, rief Macro leise, erhielt aber keine Antwort. Der Bursche regte sich nicht. Er musste wohl noch schlafen. Nun schön, sollte er ruhig schlafen. Es war Januar, die Morgenstunden waren kalt, und es machte keinen Sinn aufzustehen, bevor die Sonne hoch genug gestiegen war, um etwas Wärme in die dicht bevölkerte Stadt zu bringen. Wenigstens war es nicht so schlimm wie die betäubende Kälte, die sie letzten Winter in Britannien erdulden mussten. Das endlose Elend des feuchten, kalten Klimas hatte sich ins Herz der Legionäre gefressen und ihnen melancholische Gedanken an Zuhause eingegeben. Jetzt war Macro zu Hause, und die schreckliche Enttäuschung, sein Leben mit dahinschwindenden Ersparnissen fristen zu müssen, machte ihn ganz verrückt.

Macro hob die Hand und kratzte sich am Kopf, die Läuse verfluchend, die in jeder Ecke des baufälligen Mietshauses zu nisten schienen.

»Die verdammten Läuse mischen auch noch mit«, brummte er. »Hat es dieser Tage wirklich jeder auf mich abgesehen?«

Seine Beschwerde war nicht ganz unberechtigt. Fast zwei Jahre lang hatten Cato und er gegen die wilden Stämme Britanniens gekämpft und ihren Teil zum Sieg über Caratacus und die keltischen Horden beigetragen. Was aber war der Lohn für all die Gefahren, denen sie ins Auge gesehen hatten? Ein feuchtes Zimmer in einem baufälligen Mietshaus im Elendsviertel der Subura, während sie darauf warteten, wieder zum Dienst beordert zu werden. Schlimmer noch, aufgrund irgendeiner bürokratischen Spitzfindigkeit hatten sie seit ihrer Ankunft in Rom keinen Sold erhalten, und nun hatten Macro und Cato das Geld fast aufgebraucht, das sie aus Britannien mitgebracht hatten.

Aus der Ferne drangen vom Forum Stimmengewirr und Rufe herüber, während die Stadt im matten Licht des Wintermorgens allmählich zum Leben erwachte. Macro zitterte und zog sich den dicken Armeeumhang um die breiten Schultern. Mit schiefer Miene wegen des rhythmischen Pochens in seinem Schädel stand er langsam auf und schlurfte quer durch den Raum zum Fensterladen. Er nahm die Schnur von dem gebogenen Nagel, der die beiden Holzflügel an Ort und Stelle festhielt, und stieß den zerbrochenen Laden auf. Vom Quietschen der abgenutzten Angeln begleitet, ergoss sich das Licht ins Zimmer, und Macro kniff die Augen vor der plötzlichen Helligkeit zusammen. Aber nur ganz kurz. Wieder einmal lag die inzwischen allzu bekannte Aussicht auf Rom vor ihm, und unwillkürlich empfand er Ehrfurcht beim Anblick der größten Stadt der Welt. Die obersten Zimmer des auf der billigen Seite des Esquilin gelegenen Mietshauses blickten über das wahnsinnige Gedränge und das Elend der Subura hinweg auf die hoch aufragenden Tempel und die Plätze, die das Forum umgaben, und dahinter auf die Lagerhäuser am Ufer des Tiber. Man hatte ihm gesagt, dass beinahe eine Million Menschen sich innerhalb der Mauern Roms drängten. Von dort, wo Macro stand, war das nur zu leicht zu glauben. Ein geometrisches Chaos von Dachziegeln zog sich vor ihm den Hügel hinunter, und die schmalen Gassen, die zwischen den Häusern verliefen, ließen sich nur erahnen, wo die schmuddeligen Backsteinmauern der oberen Geschosse sichtbar wurden. Ein Schleier von Holzrauch hing über der Stadt, und sein beißender Geruch übertönte sogar den Gestank aus der Gerberei am Ende der Straße. Selbst jetzt, nach drei Monaten in der Großstadt, hatte Macro sich noch nicht an die hier herrschenden abscheulichen Gerüche gewöhnt. Und auch nicht an den Dreck in den Straßen: ein dunkles Gemisch aus Exkrementen und faulenden Essensresten, in denen nicht einmal der ärmste Bettler wühlen würde. Und überall das dichte Gedränge der Menschen in den Straßen: Sklaven, Händler, Kaufleute und Handwerker. Die aus dem ganzen Imperium zusammengekommenen Passanten waren noch immer gemäß ihrer eigenen Kultur gekleidet, sodass ein exotisches Durcheinander von Farben und Stilen herrschte. Dazwischen trieben sich die erschlafften Massen frei geborener Bürger herum, die nach irgendeiner Unterhaltung Ausschau hielten, mit der sich die Zeit vertreiben ließ, solange sie nicht für die kostenlose Getreideverteilung anstanden. Hier und dort wurden die Sänften der Reichen vorbeigetragen, herausgehoben aus dem restlichen Rom, und ihre Besitzer hielten sich Duftsalben unter die Nasen, um in den fauligen Schwaden der Stadt wohltuendere Gerüche einzuatmen.

So sah das Leben in Rom aus, und es überwältigte Macro. Er staunte, dass eine solche Unzahl von Menschen eine derartige Beleidigung der Sinne duldeten und sich nicht nach der Freiheit und Frische eines Lebens fern der Stadt sehnten. Er war sich sicher, dass Rom ihn nur zu bald verrückt machen würde.

Macro stützte sich mit den Ellbogen auf das abgenutzte Fensterbrett und spähte nach unten in die schattige Straße, die entlang des Mietshauses verlief. Sein Blick glitt die schmuddelige Backsteinmauer hinunter, die unter seinem Fenster in eine schwindelerregende Tiefe führte, in der die Passanten nur noch wie vierbeinige Insekten wirkten - so fern waren sie und so unbedeutend erschienen sie, wie sie im trüben Licht über die Straße huschten. Ein höheres Gebäude als dieses Zimmer im fünften Stock des Mietshauses hatte Macro noch nie betreten, und es schwindelte ihm ein wenig.

»Scheiße .«

»Was ist Scheiße?«

Macro drehte sich um und sah, dass Cato nun wach war, sich die Augen rieb und ungeniert herzhaft gähnte.

»Ich. Ich fühle mich beschissen.«

Cato betrachtete seinen Freund mit einem missbilligenden Kopfschütteln. »Du siehst auch beschissen aus.«

»Danke vielmals.«

»Besser, du bringst dich mal in Ordnung.«

»Warum denn? Wozu? Es ist sinnlos, sich Mühe zu geben, wenn den Rest des Tages dann ohnehin nichts zu tun ist.«

»Wir sind doch Soldaten. Wenn wir jetzt alles schleifen lassen, werden wir nie wieder auf Zack sein. Außerdem, einmal Legionär, immer Legionär. Das hast du mir selbst gesagt.«

»Ach, wirklich?« Macro zog eine Augenbraue hoch und zuckte dann mit den Schultern. »Da muss ich wohl betrunken gewesen sein.«

»Wie soll man das merken?«

»Riskier mal keine dicke Lippe«, knurrte Macro, der spürte, wie sein Kopf sich sanft zu drehen begann. »Ich muss noch mal schlafen.«

»Du kannst jetzt nicht schlafen. Wir müssen uns fertig machen.« Cato griff nach seinen Stiefeln, zog sie an und begann, die Lederriemen zu schnüren.

»Fertig machen?« Macro wandte sich ihm zu. »Wozu denn das?«

»Hast du es vergessen?«

»Vergessen? Was habe ich vergessen?«

»Unseren Termin im Palast. Ich habe dir gestern Nacht davon erzählt, als ich dich in dieser Taverne gefunden habe.«

Macro versuchte mit gerunzelter Stirn, die Einzelheiten des Saufgelages vom vergangenen Abend zu rekonstruieren. »In welcher denn?«

»Im Hain des Dionysos.« Cato sprach geduldig. »Du hast mit einigen Veteranen aus der Zehnten gebechert, und ich bin dazugekommen und habe dir gesagt, dass ich ein Vorstellungsgespräch bei dem Prokurator arrangieren konnte, der für die Abkommandierung der Legionäre zuständig ist. Zur dritten Stunde. Uns bleibt also nicht viel Zeit, zu frühstücken, uns zu waschen und unsere Ausrüstung anzulegen, bevor wir uns zum Palast aufmachen müssen. Heute findet im Circus Maximus ein Wagenrennen statt; wir müssen früh aufbrechen, wenn wir den Menschenmassen zuvorkommen wollen. Du könntest etwas zu...

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