Invasion - Das Opfer (5)

Roman
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. April 2016
  • |
  • 100 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-16993-0 (ISBN)
 
Die fünfte Episode aus "Invasion", dem neuen Roman von Simon Scarrow

Britannien, A. D. 45: Eine unheimliche Sekte von Druiden bedroht den Eroberungskampf der römischen Legionen. Optio Figulus tritt seine schwerste Mission an: Er muss sich tief hinter die feindlichen Linien begeben, um seine Männer aus den Fängen des Druidenkults zu befreien .

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 0,73 MB
978-3-641-16993-0 (9783641169930)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Simon Scarrow wurde in Nigeria geboren und wuchs in England auf. Nach seinem Studium arbeitete er viele Jahre als Dozent für Geschichte an der Universität von Norfolk, eine Tätigkeit, die er aufgrund des großen Erfolgs seiner Romane nur widerwillig und aus Zeitgründen einstellen musste.

KAPITEL 1

Lindinis, A.?D. 45

Lautes Gegröle erhob sich aus der Menge, als der Gefangene die provisorische Arena betrat. Nervös musterte der Rebellenkrieger die Zuschauer auf den Erdwällen.

Von seiner Position hoch oben auf dem Holzgerüst sah Optio Horatius Figulus zu, wie zwei Sanitäter die Leiche eines vorherigen Kämpfers wegschleiften. Blut quoll aus einer tiefen Wunde in der Brust des getöteten Briten und hinterließ eine feucht schimmernde Spur im Gras. Der hagere Gefangene blieb abrupt stehen, als sein Blick auf den toten Kämpfer fiel, doch sofort schob ihn einer der diensthabenden Legionäre weiter in die Arena hinein. Sein Gegner stand ein paar Schritte entfernt. Er war ein riesiger Durotriger, dessen nackte Brust mit kräftigen Muskeln bedeckt war, die jedoch unter einem Gewirr von Tätowierungen fast zu verschwinden schienen. Der Mann umfasste das Kurzschwert in seiner rechten Hand fester und starrte den neuen Herausforderer drohend an. In mehreren unbarmherzigen Kämpfen auf Leben und Tod hatte der Schwertkämpfer bereits drei Gegner niedergemacht, weshalb er als Sieger weiterkämpfen durfte. Langsam verstummte die Menge in Erwartung der letzten Runde der Spiele an diesem Tag.

»Das hier wird ganz schnell vorbei sein«, sagte Legionär Vatia. »Dieser magere Kerl hat so wenig zu hoffen wie ein Lebender im Hades. Nicht gegen einen so verdammt riesigen Bastard.«

Figulus rieb sich das stoppelige Kinn, während er die Kämpfer mit dem erfahrenen Auge eines Soldaten abzuschätzen versuchte. Der Schwertkämpfer war mehrere Zoll größer und weitaus kräftiger als sein Gegner. Doch die Mühen der vergangenen Kämpfe hatten ihren Tribut von dem Durotriger gefordert, und er sah müde aus. Deutlich sichtbar hob und senkte sich seine muskulöse Brust, als er Atem holte.

»Ich glaube, der Herausforderer hat eine Chance.«

»Dieser magere Pissestrahl?«, platzte Vatia heraus.

Figulus nickte. »Geschwindigkeit geht immer vor Kraft, Legionär«, sagte er und dachte an die Worte seines gefallenen Freundes Blaesus.

Vatia stieß ein verächtliches Schnauben aus. »Entschuldige, Herr, aber man wird eher einen ehrlichen Mann im Senat finden, als dass diese hagere Bohnenstange gewinnt.«

Figulus betrachtete seinen Kameraden und lächelte. Decimus Artorius Vatia war einer der wenigen verbliebenen Legionäre aus der Einheit unter dem Kommando des Optio. Der kleine, kräftige Mann war in den Elendsvierteln um den Aventin in Rom aufgewachsen. Er trat oft ziemlich großspurig auf, hielt nie mit seiner Meinung hinter dem Berg und war selten um einen schmutzigen Witz verlegen.

»Dann hältst du dich wohl für einen Experten, mein Junge?«

»Herr, wenn es ein Thema gibt, bei dem ich wirklich Bescheid weiß, dann sind das die Gladiatorenkämpfe. Früher habe ich Eintrittskarten zum Statilius-Taurus-Amphitheater geradezu gesammelt. Im Laufe der Jahre habe ich alle großen Kämpfer gesehen.« Er zählte die Gladiatoren an seinen Wurstfingern auf. »Britomaris, Tetraites . und sogar Pavo. Deshalb glaube ich, dass der Schwertkämpfer problemlos den nächsten Sieg einfahren wird.« Ein Grinsen erschien auf seinem runden Gesicht. »Vielleicht möchtest du ja auf deinen Mann wetten?«

Figulus zögerte. Für einen Augenblick war er versucht, die Wette anzunehmen, doch dann siegte die Vernunft. Im Laufe der langen Wintermonate in Britannien hatte er bereits einen großen Teil seines Solds beim Würfelspiel verloren und konnte es sich nicht leisten, seine überaus bescheidenen Ersparnisse weiter anzugreifen. Er schüttelte den Kopf.

»Vielleicht ein andermal, Bürschchen.«

»Solange ich einen guten Kampf zu sehen bekomme, ist mir scheißegal, wer gewinnt«, murmelte Pulcher, ein weiterer Legionär aus der Einheit des Optio. »Bisher hat die Hälfte dieser Typen absolut nichts getaugt. Ich habe schon griechische Schulkinder besser kämpfen sehen.«

Figulus wandte sich wieder der Arena zu, als der Schiedsrichter, der für diese Gelegenheit benannt worden war - ein Centurio aus der Achten Kohorte -, die beiden Kämpfer vorstellte. Eine wogende Menge aus Briten, kleinen Kaufleuten und römischen Soldaten, die dienstfrei hatten, war zusammengekommen, um sich die Spiele in einer Arena anzusehen, die von der lokalen Garnison in einem flachen Tal zwischen der Festung und Lindinis, der Siedlung der Einheimischen, hastig aus Erdwällen und Holzgerüsten errichtet worden war. Trenagasus, der mit den Römern verbündete König der Durotriger, hatte die Spiele organisiert. Im Jahr zuvor hatte Rom dem König wieder zu seinem Thron verholfen, doch Trenagasus' Bemühungen, unter seinen unwilligen Untertanen für Frieden zu sorgen, waren auf heftigen Widerstand gestoßen. Zwei Tage zuvor hatte ein übler Druidenkult Lindinis eingenommen. Die Druiden des Dunklen Mondes und ihr charismatischer Anführer Calumus hatten Trenagasus als Geisel genommen und gedroht, ihn hinzurichten, sofern Rom nicht die Waffen niederlegen und sich aus dem Königreich zurückziehen würde. Nur das rechtzeitige Eintreffen der Verstärkung aus Calleva hatte Rom vor einer demütigenden Niederlage bewahrt.

Dutzende Rebellen waren während der erbitterten Schlacht um die Rückeroberung der Siedlung gefangen genommen worden, und Trenagasus hatte angeordnet, dass die Gefangenen vor den Angehörigen ihres eigenen Stammes auf Leben und Tod gegeneinander kämpfen sollten. Das grimmige Spektakel war dazu gedacht, sowohl den Soldaten der römischen Garnison wie auch den bedrängten Untertanen des Königs ein wenig lange entbehrte Unterhaltung zu verschaffen; gleichzeitig sollte es allen, die mit dem Gedanken spielten, sich gegen den König zu erheben, als Warnung dienen und ihnen die Strafe vor Augen führen, die sie in einem solchen Fall erwartete. In einer derben Imitation der Gladiatorenkämpfe, wie sie in Rom ausgetragen wurden, hatte die Menge seit Mittag vierzig Paare von Rebellen, welche die verschiedensten Waffen trugen, in die Arena einziehen sehen. Einige kämpften mit keltischen Langschwertern, andere führten einen Dreizack oder eine Streitaxt mit sich, und bei einem Kampf waren zwei Briten sogar mit bloßen Fäusten aufeinander losgegangen. Vereinzelt hatten Gefangene ihre Waffen gegen sich selbst gerichtet, weil sie lieber starben, als sich gegen ihre eigenen Kameraden zu wenden, doch die meisten hatten bereitwillig gekämpft, denn Trenagasus hatte erklärt, das Leben des Siegers würde verschont und er stattdessen in die Sklaverei verkauft werden.

Erwartungsvolle Stille senkte sich über die Arena, als einer der Legionäre vortrat und dem Herausforderer einen Speer in die rechte Hand drückte. Der Gefangene blickte auf seine Waffe und wog sie unsicher in der Hand, als prüfe er ihr Gewicht. Der Schwertkämpfer, der ihm gegenüberstand, spannte die Muskeln an. Die Spitze seines blutbespritzten Kurzschwerts funkelte im fahlen Winterlicht.

»Gleich beginnt der Kampf, Herr«, sagte Vatia und rieb sich vergnügt die Hände. »Es dürfte ein müheloser Sieg werden.«

Figulus lächelte matt. »Das werden wir ja sehen, Legionär.«

Normalerweise hätte der Optio den Kampf voller Spannung verfolgt. Wie jeder andere wusste auch er einen guten Gladiatorenwettstreit zu genießen, doch seit vielen Stunden machte ihm nun schon ein quälendes Schuldgefühl zu schaffen. Zwei seiner Kameraden waren von den Rebellen der Durotriger bei deren überstürztem Rückzug aus Lindinis gefangen genommen worden. Die britischen Krieger hatten Helva und Rullus in die Sümpfe geführt, und Figulus war es nicht gelungen, sie zu retten. In seinen düsteren Momenten quälte sich der Gallier mit Vorstellungen seiner Freunde im Lager des Feindes, wo ein bitteres Schicksal sie erwartete. Man würde sie köpfen oder bei lebendigem Leib in jenen schrecklichen druidischen Käfigen aus Weidengeflecht, die wie riesige Menschen gestaltet waren, verbrennen.

Ein scharfer Knall durchdrang die Luft, als der Schiedsrichter seine Peitsche sprechen ließ. Die Menge brach in ein ohrenbetäubendes Gegröle aus, als der Kampf begann.

»Los geht's!«, sagte Pulcher und riss die Faust hoch.

Der Schwertkämpfer verlor keine Zeit und griff seinen Gegner sofort an, denn er wollte ihn unbedingt so schnell wie möglich töten, um in den Genuss des Preises zu gelangen, der dem Sieger bei diesen Spielen zustand. Als der größere Brite einen Hieb gegen ihn führte, zog sich der Speerkämpfer rasch aus der Reichweite des Angreifers zurück, wobei er auf dem blutgetränkten Boden fast gestürzt wäre. Er konnte sich jedoch wieder fangen und stolperte weiter nach hinten, als der Schwertkämpfer auf ihn zusprang. Dabei gelang es ihm nur knapp, einem Schwertstoß gegen seinen Bauch auszuweichen. Die römischen Soldaten und Kaufleute feuerten ihren jeweiligen Favoriten lautstark an. Die Briten waren zurückhaltender. Offensichtlich fühlten sie sich unwohl, dabei zusehen zu müssen, wie ihre Stammesgenossen getötet wurden, und viele Durotriger blickten mürrisch drein, als sich die beiden Rebellen einen Kampf auf Leben und Tod lieferten.

»Mach ihn fertig, du Bastard«, schrie Vatia dem Schwertkämpfer zu, als ob dieser ihn inmitten des begeisterten Gejohles und wilden Gekreisches der anderen Zuschauer hätte hören können.

Der Schwertkämpfer stieß eine Art frustriertes Bellen aus, als sein Gegner sich immer weiter am Rand der Arena entlang zurückzog und ihn mit dem Speer auf Distanz hielt. Dann setzte der Schwertkämpfer zu einer tief geführten Finte an und riss seine Waffe plötzlich nach oben, sodass die Spitze seiner Klinge auf den ungeschützten Hals seines Gegners zeigte....

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