Invasion - Die Klinge (3)

Roman
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. April 2016
  • |
  • 100 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-16991-6 (ISBN)
 
Die dritte Episode aus "Invasion", dem neuen Roman von Simon ScarrowTrotz aller Anstrengungen gelingt es Rom nicht, den Widerstand in Britannien zu brechen. Der tapfere Kämpfer Figulus soll König Durotriges schützen, der im Interesse Roms handelt. Die Männer der Zweiten Legion erwartet ihre schwerste Aufgabe, denn die Ermordung des Königs scheint nur eine Frage der Zeit zu sein ."Die Klinge" ist die dritte von fünf "Invasion"-Episoden und umfasst ca. 80 Seiten. Sie erscheint vorab exklusiv als eBook Only.
  • Deutsch
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Heyne
  • 0,74 MB
978-3-641-16991-6 (9783641169916)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Simon Scarrow wurde in Nigeria geboren und wuchs in England auf. Nach seinem Studium arbeitete er viele Jahre als Dozent für Geschichte an der Universität von Norfolk, eine Tätigkeit, die er aufgrund des großen Erfolgs seiner Romane nur widerwillig und aus Zeitgründen einstellen musste.

KAPITEL 1

Lindinis, Winter A.?D. 44,
Festung der Zweiten Legion

Drei Sechsen!«, rief Blaesus und reckte triumphierend die Faust in die Luft. »Ja!«

Horatius Figulus, der ihm gegenübersaß, starrte entgeistert auf die drei Würfel, die auf der aufgebockten Tischplatte in der Soldatenmesse lagen. Er schüttelte den Kopf und verfluchte angesichts seines Pechs leise die Götter. Um den Tisch herum standen zehn Legionäre aus der Einheit unter seinem Kommando und schauten schweigend und aufmerksam zu, während sie darauf warteten, dass der Gallier würfelte. Der Einsatz für den nächsten Wurf betrug hundert Sesterzen, beinahe so viel wie der Monatslohn eines Offiziers der Zweiten Legion.

Hinter den Männern lag ein aufreibender Feldzug in Britannien; sie hatten einen erbitterten Krieg gegen jene Stämme geführt, die sich gegen ihre Anwesenheit auf dieser öden Insel zur Wehr setzten. Eigentlich hätten Figulus und die Männer seiner Einheit die nächsten drei Monate, eingepfercht in einer der Festungen, die über die Provinz verstreut waren, mit Würfelspielen verbringen und ein kleines Vermögen für billigen Wein verprassen sollen. Stattdessen sahen sie einem anstrengenden Winter in diesem entfernten Winkel im Südwesten Britanniens entgegen.

Man hatte in Lindinis, der Hauptstadt der Durotriger und eine der Brutstätten des einheimischen Widerstands, einen prorömischen König eingesetzt. Die persönlichen Leibwächter des Königs waren in einem Hinterhalt der Einheimischen getötet worden, und der kaiserliche Gesandte, den man hergeschickt hatte, um den König zurück auf den Thron zu bringen, hatte beschlossen, dass Figulus und elf Legionäre seiner Einheit ihn bewachen sollten, bis des Königs Macht gesichert war. Während Figulus auf weitere Befehle wartete, vertrieb er sich die Zeit mit ein paar Partien Würfelspiel gegen Sextus Porcius Blaesus, den inoffiziellen Meister des Glücksspiels in der Sechsten Centurie.

Blaesus lehnte sich zurück, deutete auf die Würfel und grinste durch seinen wuchernden Bart hindurch. »Du bist dran, Herr.«

Figulus biss frustriert die Zähne zusammen, nahm die Würfel und warf sie in den Tonbecher. An diesem Morgen war es ungewöhnlich ruhig in der Messe. Die meisten Soldaten der batavischen Kohorte, die in der Festung stationiert waren, waren bei Tagesanbruch in die Hauptstadt aufgebrochen, um auf Befehl des kaiserlichen Gesandten vor den geplanten Feierlichkeiten des Tages die Einheimischen zu beaufsichtigen. Sämtliche Spuren des Kampfes, der der Absetzung des früheren Königs bzw. Führers vorausgegangen war, mussten beseitigt werden, bevor die Feierlichkeiten beginnen konnten, und in der Festung befanden sich jetzt nur noch die erschöpften Soldaten einer einzigen Centurie.

Figulus flüsterte leise ein Gebet zu Fortuna und schüttelte den Becher einen Moment, bevor er seine Hand von der Öffnung nahm und würfelte. Klappernd kullerten die Würfel aus dem Becher und kamen auf dem Tisch unvermittelt zum Liegen. Die Legionäre beugten sich weiter vor, um einen Blick auf die Zahlen zu werfen, die in die Oberfläche der Elfenbeinwürfel geritzt waren. Figulus machte einen langen Hals, während die Anspannung in seiner Brust weiter anwuchs. Dann konnte er die Zahlen erkennen. Er hatte zwei Einsen und eine Drei gewürfelt - das war sehr viel weniger als die drei Sechsen von Blaesus.

»Blaesus hat gewonnen!«, rief einer der Legionäre.

Figulus' Gegner holte zischend Luft. »Mach dir nichts draus, Herr. Ach, und übrigens . du schuldest mir hundert Sesterzen.«

»Schwachsinn!«, brüllte Figulus und schlug mit der Faust auf den Tisch, als ihm schmerzlich bewusst wurde, wie viel Geld er gerade verloren hatte. »Das kann nicht sein! Niemand kann so viel Glück haben, verdammt noch mal. Selbst du nicht.«

Sein Gegner verschränkte seine kräftigen Arme vor der breiten Brust und warf Figulus ein süffisantes Grinsen zu. »Das hat nichts mit Glück zu tun, Herr. Ich habe eine bestimmte Wurftechnik, weißt du. Ich mache alles aus dem Handgelenk.« In diesem Moment kam ihm eine Idee, und er lächelte den niedergeschlagenen Optio an. »Wir wär's mit einem weiteren Spiel? Der Gewinner bekommt das ganze Geld .«

Figulus presste die Lippen aufeinander. Trotz seiner Verluste war die Versuchung groß, Blaesus' Angebot für eine weitere Runde anzunehmen. Er wollte sich gerade der Herausforderung stellen, als am anderen Ende der Festung ein halb unterdrückter Schrei ertönte. Kurz darauf fegte ein eisiger Windstoß durch die Messe, und die wenigen Soldaten der Hilfstruppe, die dort frühstückten, richteten ihre Blicke auf den Eingang. Im Türrahmen stand einer der Soldaten der Hilfstruppe mit panischem Gesichtsausdruck und rang nach Luft.

»An die Waffen!«, rief er seinen Kameraden zu. »Alle zu den Toren, sofort!«

Die Soldaten der batavischen Hilfstruppe sprangen alle gleichzeitig auf und brüllten einander aufgeregt an, während sie sich ihre Ausrüstung schnappten und hintereinander aus der Messe eilten. Draußen wurde ihr Gebrüll immer lauter, begleitet vom dumpfen Geräusch ihrer Stiefel, die knirschend über den gefrorenen Boden stapften.

»Was zum Teufel ist da los?«, fragte sich Titus Terentius Rullus, der mit Narben übersäte Veteran, der neben Figulus saß.

Der junge Optio erhob sich unvermittelt von der Bank und wandte sich an seine Kameraden, und für einen Moment vergaß er die schmerzlichen Verluste, die er beim Würfelspiel erlitten hatte. »Es gibt nur eine Möglichkeit, das herauszufinden. Setzt euch in Bewegung!«

Figulus ging voran und trat aus der Messe auf den Hauptweg. Ein bitterkalter Wind peitschte durch die Festung und brannte auf seinen stoppeligen Wangen. Das milde Wetter der vergangenen Wochen erschien jetzt nur noch wie eine unwirkliche Erinnerung. In der Nacht hatte es diesen Winter zum ersten Mal geschneit; die Flocken waren von den trostlosen grauen Wolken herabgeschwebt, waren auf den Dächern der Gebäude liegen geblieben und hatten die Spitzen der Holzpalisaden bedeckt, die die Festung umgaben. Auf der anderen Seite des Hauptwegs wankten die Soldaten der Hilfstruppe aus den Holzbaracken, um zu sehen, was die ganze Aufregung zu bedeuten hatte, und fummelten unbeholfen an ihren schlecht sitzenden Panzern und verkratzten Helmen herum. Figulus und seine Männer folgten den Soldaten und machten bei ihrer Baracke kurz halt, um ihre Ausrüstung und Waffen zu holen für den Fall, dass sie sie benötigten.

Der Schnee knirschte unter ihren Stiefeln, während sie sich auf den Lärm zubewegten. Von der anderen Seite des Tores drang das vertraute schrille Signal der keltischen Kriegshörner an ihre Ohren, und Figulus spürte, wie sein Herz zu rasen begann.

»Sieht so aus, als würden es die Briten wieder auf ihre alte Tour versuchen.«

Rullus spuckte aus. »Diese Dreckskerle lernen es wohl nie, was?«

Figulus lächelte seinen Kameraden grimmig an. Rullus war in der Einheit der Mann mit der größten Erfahrung. Der Veteran hatte zweiundzwanzig Jahre in der zweiten Legion gedient und war im ganzen Römischen Reich im Einsatz gewesen, von Germanien bis Moesia und darüber hinaus. Er zeichnete sich durch einen gesunden Zynismus aus, der ein natürliches Gegengewicht zu Figulus' gelegentlicher Hitzköpfigkeit darstellte. Aber jetzt neigte sich sein Dienst in der Zweiten Legion dem Ende zu. Im Frühjahr würde er aus der Armee ausscheiden und ein kleine Abfindung sowie ein bescheidenes Stück Land in einer entfernten Provinz erhalten. Figulus hingegen musste sich immer noch an seine Rolle als befehlshabender Offizier gewöhnen, und er würde seinen Freund schmerzlich vermissen, sobald dieser in den Ruhestand versetzt worden war.

Inzwischen waren mehr als zwei Jahre vergangen, seit die Römer zum ersten Mal einen Fuß auf britischen Boden gesetzt hatten und dabei auf Horden einheimischer Krieger mit wirren Haaren getroffen waren, die unter dem Kommando von Druiden standen. Sie brüllten die Invasoren an und beschworen ihre Götter, den Feind zu vernichten. Figulus und seine Kameraden waren gezwungen gewesen, sich Meile um blutige Meile ihren Weg durch die Insel freizukämpfen. Inmitten des wilden Kampfgetümmels musste der Optio schnell in seine Rolle wachsen, und er hatte mehr Erfahrung als manche Männer, die doppelt so alt waren wie er.

Die römischen Soldaten kamen an ein paar weiteren leerstehenden Baracken vorbei, während sie sich dem kleineren Tor an der Nordseite der Festung näherten. Etwa zwanzig Soldaten der Hilfstruppe standen dort im aufgetürmten Schnee und murmelten einander ängstlich etwas zu. Ein paar weitere von ihnen kletterten, bewaffnet mit Speer und Bogen, das Torhaus hinauf und gingen auf dem Schutzwall, von dem aus man die Fläche jenseits der Festung überblickte, in Stellung. Diese Männer standen in der Hierarchie der Hilfstruppe ganz unten, und Figulus musste das starke Verlangen unterdrücken, die Soldaten zu maßregeln, während er zügig zu dem nächststehenden Mann hinübermarschierte.

»Was ist hier los?«, fragte er.

»Der Konvoi wird angegriffen, Herr!«, erwiderte der Soldat hastig und hatte Mühe, die aufsteigende Panik in seiner Stimme zu unterdrücken. »Die durotrigischen Angreifer haben die Männer direkt hinter der Brücke überfallen. Der Geleitschutz ist so gut wie erledigt.«

Rullus warf dem Soldaten der Hilfstruppe einen vorwurfsvollen Blick zu. »Und ihr dachtet, ihr steht hier einfach rum und tut gar nichts?«

Für einen Moment verschlug es dem Soldaten angesichts des rauen Tonfalls des Veteranen die Sprache. Figulus zwang sich, Ruhe...

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